aus Julius Fucik „Reportage unter dem Strang geschrieben“ (Fünftes Kapitel)

Um eines bitte ich:
Ihr, die ihr diese Zeit überlebt, vergeßt nicht!
Vergeßt  die Guten nicht und nicht die Schlechten!
Sammelt geduldig die Zeugnisse über jene, die für sich und für euch gefallen sind.
 
Eines Tages wird das Heute Vergangenheit sein, wird man von der großen Zeit und von den namenlosen Helden sprechen, die Geschichte gemacht haben. Ich möchte, dass man weiß, dass es keine namenlosen Helden gegeben hat. Dass es Menschen waren, die ihren Namen, ihr Gesicht, ihre Sehnsucht und ihre Hoffnungen hatten, und dass deshalb der Schmerz auch des Letzten unter ihnen nicht kleiner war als der Schmerz des Ersten, dessen Name erhalten bleibt.
Ich möchte, dass sie alle euch immer nahe bleiben, wie Bekannte, wie Verwandte, wie ihr sekbst.
 
Ganze Familien von Helden sind hingemordet worden. Sucht euch wenigstens einen von ihnen heraus und liebt ihn so, wie Söhne und Töchter ihre Eltern lieben, und seid stolz auf ihn als einen großen Menschen, der für die Zukunft gelebt hat.
 
Jeder, der treu für die Zukunft gelebt hat und für ihre Schönheit gefallen ist, ist eine in Stein gehauene Gestalt. Und jeder, der aus dem Staub der Vergangenheit einen Damm gegen die Flut der Revolution bauen wollte, gleicht nur einer Figur aus moderndem Holz, möge er auch heute die Schulterstücke voller goldener Rangabzeichen haben. Aber auch diese Figuren muss man sich vergegenwärtigen, in ihrer Nichtigkeit und Armseligkeit, in ihrer Grausamkeit und Lächerlichkeit, denn das ist Anschauungsmaterial für das künftige Vorstellungsvermögen.

 
 
aufgeschrieben: im Gestapo-Gefängnis Pankrac, im Frühjahr 1943

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