Hexenjagd im Internet
2. November 2006 22:28Wer kann sich noch an Zeiten von vor 8 Jahren erinnern, als im Internet hemmungslos von anderen Seiten geklaut wurde? Irgendwie passte trotzdem alles und das Wort “Abmahnung” musste man im Wörterbuch nachschlagen.
Diese Zeiten sind inzwischen ganz vorbei. Das man nicht einfach von anderen Seiten Inhalte und Bilder klaut, das man keine Straßenkarten abscannt und einstellt, das man nichts Falsches über jemanden verbreitet, das sind Dinge, die sollte heute jeder wissen. Und eigentlich ist es ja auch in Ordnung so.
Seit aber Abmahnanwälte das Internet entdeckt haben, kann einem auch der letzte Spaß vergehen. Manchmal ist das wirklich absurd, wenn jemand in einem Brief wirklich alles unkenntlich macht, was auf den Absender hinweisen könnte und trotzdem abgemahnt wird. Andere werden dafür verhaftet, wenn sie ihre Meinung öffentlich sagen über jemanden, der von Menschen im Inneren der Erde faselt. Tja, und auch andere haben so ihr Erstes Mal. Da ist es schon fast schwarzer Humor, wenn man einen Counter für Abmahnungen einrichtet.
Einige sammeln die aber auch wirklich wie andere Briefmarken. Da traut man sich kaum noch etwas Kritisches zu schreiben, selbst wenn es stimmt.
Nun will ich nicht darüber entscheiden, welche Abmahnung rechtens ist und welche an den Haaren herbeigezogen. Was mich aber besonders stört, ist dass diese Dinger meistens gleich einen Haufen Geld kosten. In Frankreich dagegen ist die erste Abmahnung “kostenlos”. Ich meine, man kann ja auch mal aus Unwissenheit eine Dummheit begehen. Ein freundlicher Hinweis auf den Fehler und so etwas lässt sich ruckzuck aus dem Wege schaffen. Aber manche versuchen halt damit einfach anscheinend nur Geld zu scheffeln.
Das zweite Ärgerniss neben den Kosten ist die Unverschämtheit und der Druck, der auf die Abgemahnten ausgeübt wird. Da kann es schonmal passieren, das man Freitag Mittag ein Schreiben vom Anwalt in seinem Postfach findet, welches Montag Morgen unterschrieben zurückgefaxt sein soll. Damit wird offensichtlich versucht, dem Opfer die Möglichkeit zu nehmen, sich mit einem Anwalt zu beraten.
Mit dieser Angst im Nacken hat man als Blogger so manche unruhige Zeit, ob man vielleicht wieder mal jemanden auf die Füße getreten ist. Irgendwann wird dann das ganze nichtkommerzielle Internet verschwunden sein.



Eine Reaktion
Von Dirk Ploss am 3. Nov 2006 um 00:34 Uhr
Wieso denn schwarzer Humor? So langsam entwickeln sich Abmahnungen doch zum Qualitätsmerkmal für Blogs – jetzt brauche ich nur noch einen Freiwilligen (oder eine Freiwillige!, der/die ein entsprechendes Plugin für WordPress programmiert!
LG
Dirk Ploss