13. Februar 2007 in Dresden – Ein Bericht

Am 11. Februar schrieb ich bereits über einige geplante Aktionen zum 13. Februar, dem 62. Jahrestag der Bombardierung Dresdens.

Bereits am Vorabend griffen einige Nazis das alternative Jugendzentrum AZ Conni in der Neustadt an. Abgesehen von zwei kaputten Scheiben gingen aber die meisten Eierwürfe der Nazis, wenn sie die sich nicht gleich selber vor die Füße fallen liesen, weit am Haus vorbei. (Indymedia: „Dresden: AZ-Conni von Nazis angegriffen“)

Am Vormittag des 13. gab es Proteste gegen das Gedenken auf dem Heidefriedhof. Dabei richten sich die Proteste nicht gegen das persönliche Trauern um den Verlust von Angehörigen sondern um die Gesamtheit, einen Opfermythos um das angeblich unschuldige Dresden aufzubauen. Ein Beispiel dafür ist sicher die Nennung Dresdens im Zusammenhang mit Orten der faschistischen Verbrechen wie Theresienstadt, Lidice oder Rotterdam, wie es in eine Gedenkanlage auf dem Heidefriedhof geschieht. (Indymedia: „Dresden: Knapp 150 Antifas auf Kundgebung“)

Um 16 Uhr veranstaltete das Kommunistische Aktionsbündnis Dresden eine Ehrung der Opfer der Gefangenenanstalt Mathildenstraße. Dabei kamen in der Nacht des 13. Februar 1945 ca. 400 tschechische, polnische, deutsche und jüdische Menschen ums Leben. Außerdem verbrannten viele Unterlagen.

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(Ehrung Gefangenenanstalt Mathildenstraße)

Ebenfalls um 16 Uhr sollte die Antifa-Demonstration an der Altmarktgallerie starten. Wie gewöhnlich verschob sich der Start aber um mehr als eine Stunde. 😉 Die Auflagen der Polizei waren teilweise sehr schikanös. Mir wurde fast die Teilnahme verweigert, weil der Stiel meiner VVN/BdA-Fahne 30 cm zu lang war. 150 cm waren maximal erlaubt. Nach einer ausführlichen Begutachtung der Fahne entschied die Polizei dann aber doch, mich zur Demo zu lassen. Ich sollte nur die Fahne nicht so hoch halten. Was ich natürlich gemacht habe.

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(Alle gegen Nazis)

Währenddessen startete am Albertplatz die bürgerliche „Geh denken“-Demonstration gegen den Aufmarsch der Nazis. Laut den Dresdner Neusten Nachrichten nahmen daran 5500 Menschen teil. Damit wurden die anfänglichen Erwartungen weit übertroffen. (DNN: „Dresden gedenkt Zerstörung vor 62 Jahren – 5500 Menschen gegen Rechts“)

17.30 lief dann auch die Antifa-Demo los. Die Route führete über den Dr.-Külz-Ring, den Pirnaischen Platz zum Rathenauplatz. Dort war dann auf einmal Schluß. Nach dem Hinweis, das direkt unterhalb der Carolabrücke die Naziroute entlang lief (An der Synagoge vorbei!), wurde die Demonstration von den Veranstaltern aufgelöst. Anschließend liefen viele Gruppen von Antifaschisten durch die Innenstadt.
Bereits vor 20 Uhr bildeten sich am Käthe-Kollwitz-Ufer zwei Sitzblockaden, die später zu einer verschmolzen. Ca. 300 Antifaschisten harrten trotz Nieselregen auf der Straße aus. Die Polizei drohte zwar mehrmals mit der Räumung und fuhr zu Letzt auch Wasserwerfer (Sprechchöre: „Glühweinwerfer! Glühweinwerfer!“) auf, verzichtete aber dann doch auf eine gewaltsame Räumung. Das führte dazu, das die Naziroute auf weniger als die geplante Hälfte zusammengestrichen werden musste. Soweit ein guter Erfolg! Dafür sorgten auch weitere Blockaden im Stadtgebiet.

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(Impressionen vom Käthe-Kollwitz-Ufer)

Insgesamt kann man sagen, dass es nicht gelungen ist, die Nazi-Demo ganz zu verhindern. Dazu ist allerdings mehr als ein Protest von tausenden Menschen nötig, das braucht einen grundsätzlichen politischen Wandel. Trotzdem können die Nazis den Antifaschisten heute aber dankbar sein, mussten sie doch nicht die gesamte geplante Route ablatschen. Dass sie dabei für die ersten 1000 Meter fast zwei Stunden gebraucht haben, Pech. Kommentar des antifaschistischen Newsticker: „Vielleicht sollten die das nächste mal statt eines ‚AufMARSCH‘ einen ‚AufSTAND‘ anmelden.“ Lustig wird es dann, wenn man denen ihre eigenen Regeln liest, keine Zigaretten, kein Gequatsche, kein Rumgehampel… Und da richtige Deutsche ja auch nichts auf dem Kopf haben (Innen sowieso nicht), hat der Regen auch öfters für eine angenehme Dusche gesorgt.
Neeeee, ein Glück, dass ich kein Nazi bin!
Übrigens sollen laut offizieller Polizeizählung weniger als 1500 Teilnehmer dabeigewesen sein. Damit zeigte sich wieder mal, das die antifaschistischen Gegner der Nazis in einer deutlichen Überzahl sind. Dank der Polizeiübergriffe gab es aber auf Seiten der Antifaschisten auch einige Verletzte.

  1. 4 Reaktionen

  2. Von Axel am 14. Feb 2007 um 12:22 Uhr

    Dann ist ja alles gutgegangen 😉 ich dachte schon Du wärst im Knast weil ich heute in der Arbeit gehört hab dass einige „Linksextremisten“ in DD verhaftet worden sind…

  3. Von Rahel am 20. Feb 2007 um 20:52 Uhr

    Naja nächstes Jahr schaffen wirs vielleicht die Idioten ganz davon abzuhalten durch Dresden zu marschieren. Sowas is schon traurig…

  4. Von Woschod am 21. Feb 2007 um 20:20 Uhr

    Schön wäre es. Da muss allerdings auch die Politik mal aktiv werden und sich an das Potsdamer Abkommen erinnern.

    Die Nationalsozialistische Partei mit ihren angeschlossenen Gliederungen und Unterorganisationen ist zu vernichten; alle nationalsozialistischen Ämter sind aufzulösen; es sind Sicherheiten dafür zu schaffen, daß sie in keiner Form wiederauferstehen können; jeder nazistischen und militaristischen Betätigung und Propaganda ist vorzubeugen.

    Alle nazistischen Gesetze, welche die Grundlagen für das Hitlerregime geliefert haben oder eine Diskriminierung auf Grund der Rasse, Religion oder politischer Überzeugung errichteten, müssen abgeschafft werden. Keine solche Diskriminierung, weder eine rechtliche noch eine administrative oder irgendeiner anderen Art, wird geduldet werden.

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  2. 14. Feb 2007: trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

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