Post an Wagner (Wenn Wagner Christian Klar treffen würde..)

Lieber Herr Wagner.

Ihre Antipathie gegenüber Christian Klar ist inzwischen jedem BILD-Leser bekannt. Erst gestern appellierten sie an Bundespräsident Horst Köhler, die ehemaligen RAF-Terroristen nicht zu begnadigen.

Heute schreiben Sie direkt an Christian Klar. Dabei suchen Sie anscheinend ein offenes Gespräch über Schauspieler mit Klar, drohen aber gleichzeitig an, ihm Ihren Sekt in das Gesicht zu schütten. Ich bezweifle doch stark, dass auf diesem Niveau, welches Sie offen zeigen, irgendein sinnvolles Gespräch möglich wäre. Vermutlich wäre Klar über den Sekt in seinem Gesicht dankbar, da er sicherlich vorher schon in Ihrem Geifer schwimmen könnte.

Lieber Herr Wagner, ich möchte mir nicht anmaßen, darüber zu urteilen, ob ein als Mörder verurteilter Mensch nach einem Drittel seiner Lebenszeit nochmals die Chance auf ein Leben in Freiheit haben sollte. Sie haben schon Recht, wenn Sie zu verstehen geben, das getötete Menschen keine zweite Chance bekommen. Aber wollen Sie sich auf das Niveau von verurteilten Mödern begeben, wenn Sie zu entscheiden denken, das man einen Menschen für immer und ewig wegsperren soll?

Ich möchte Sie trotzdem auf einen Fehler in der Zeitung, für die Sie täglich schreiben, hinweisen. Unter dem Titel „Warum darf so einer frei rumspazieren?“ schreibt BILD: „Das deutsche Recht will auch lebenslänglichen Häftlingen die Chance auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft geben – wenn sie für andere keine Gefahr mehr darstellen und sich von ihren Taten glaubwürdig distanziert haben.“ (Hervorhebung von mir)

Der Anwalt Udo Vetter schrieb dazu bereits am 21. Februar dieses Jahres in seinem lawblog: „Kommt das Gericht zum Ergebnis, dass der Verurteilte nicht mehr gefährlich ist, wird er auf Bewährung entlassen. Ob der Verurteilte Reue zeigt, spielt keine Rolle. Und schon gar nicht ist er verpflichtet, an der weiteren Aufklärung von Taten mitzuwirken.“ (Hervorhebung wieder von mir)

Herr Wagner, ich glaube einem Anwalt definitv mehr als der BILD-Zeitung. Bei Ihnen mag das durchaus anders sein. Da Sie ja die selbe Ansicht wie die BILD vertreten, können Sie mir vielleicht mal den Passus im Gesetz zeigen, der besagt, dass ein als Mörder Verurteilter nach 25 Jahren Reue zeigen und sich von seinen Taten distanzieren muss, um begnadigt zu werden.

Wenn Sie das nicht können, so will ich für Sie noch ein paar weitere Zeilen von Udo Vetter zitieren: „Seltsamerweise war es mehr als 30 Jahre lang Credo, die Terroristen seien normale Kriminelle. Sie verdienten deshalb keine Sonderbehandlung und müssten mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden. Nun dreht sich plötzlich der Wind. Aus den gewöhnlichen Mördern werden Superkriminelle, von denen mehr verlangt werden kann als von weniger ideologisch geleiteten Tätern. Reue nämlich. Und nachträgliche Aufklärung.
Gerade die Forderung nach späten Geständnissen ist perfide. Es gehört zu den elementaren Rechten, dass sich niemand selbst belasten muss. So steht zum Beispiel klar und deutlich in der Europäischen Menschenrechtskonvention.
Muss man nicht kennen. Wäre aber besser, zumindest in gewissen Positionen.“

Vielleicht denken Sie dann auch nochmals über Ihre unsinnigen Worte „In ist, einen Mörder zu hofieren, out ist, einen Mörder zu verachten.“ nach, denn davon ist nirgends die Rede.

Mit vergebungsvollen Grüßen

J. A. Preiselbauer

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