Aktuelle Diskussion um das US Raketenabwehrschild
5. Juni 2007 16:25Ein Beitrag aus dem Forum vom User geni_che. Aber so gut, das ich ihn hier bringen muss.
Jetzt meldet sich George zu Wort.
Zitat:
Bush kündigte an, er werde dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dem G8-Gipfel vorschlagen, im Hinblick auf gemeinsame Bedrohungen zusammenzuarbeiten. Wörtlich sagte er: “Meine Botschaft wird sein: ‘Wladimir – ich nenne ihn Wladimir – Du solltest keine Angst vor einem Raketenabwehrsystem haben. Warum arbeitest Du denn nicht mit uns bei der Raketenabwehr mit?”
Unfassbar.
Vorstellbare Fortsetzung: “George, was hältst Du davon, wenn wir 10 unserer Atom-U-Boote vor Washington platzieren? Willst Du uns nicht zeigen, wo es am besten wäre?”



4 Reaktionen
Von multi io am 6. Jun 2007 um 01:17 Uhr
Atom-U-Boote verschießen Atomraketen, die Atomsprengköpfe tragen, die Millionen von Menschen töten können. Das Missile-Defense-System (das ich persönlich ablehne, das nur nebenbei) verschießt Abwehrraketen, die *überhaupt keinen* Sprengkopf — weder nuklear noch konventionell — tragen und *keinen einzigen* Menschen töten können (es sei denn, die Raketen oder Trümmer eines von ihr zerstörten Sprengkopfs fällt einem Menschen direkt auf den Kopf).
Von geni_che am 6. Jun 2007 um 03:46 Uhr
@Multi Io
Die technische Seite des Problems ist uns ja allen klar. Warum es viel mehr geht, ist die Rhetorik, die derzeit verbreitet wird. Das (im übrigen nich funktionierende)Abwehrschild stellt eine direkte Bedrohung für Sicherheitsinteressen von Rußland da. Und zwar unabhängig davon, ob es funktioniert oder nicht. Genau so wie die Atombombe, nicht durch ihre Wirkung, sondern durch ihr alleiniges Vorhandensein als Waffe gebraucht wird. Es ist schwerlich vorstellbar, dass beispielsweise Venezuella oder sagen wir mal Kuba einfach so, um sich abzusichern (was bei weitem nicht so abwägig wäre), ein ähnliches Projekt in Mexiko an der US-Amerikanischen Grenze realisieren könnten.
Was da aktuell stattfindet, nimmt groteske Züge von prepubertären Verhaltensmustern an. Das macht es auch so erschreckend teilweise. Alleine diese Floskel, dass George den russischen Präsidenten beim Vornamen nennt, spricht schon Bände. Dass ein Thema, das für Russland im Moment wichtig zu sein scheint, auf ein solches Niveau runtergespielt wird, kann nur als ein Affront verstanden werden und führt sicherlich nicht zur Entspannung in den bilateralen Beziehungen.
Bei solchen Zügen (ich kann sie beim besten Willen keine Patzer nennen) wird geschaut, wie weit man gehen kann. Und dabei spielt es nun wirklich keine Rolle, ob es nun Attrapen mit oder ohne Sprengköpfe oder Atom-U-Boote sind um die der Streit geht.
Es sind nicht Atomwaffen die töten. Es sind gerade solche Atrappen, weshalb letztenendes Menschen zu Schaden kommen.
Von gewe am 6. Jun 2007 um 19:21 Uhr
Warum diese ganze Aufregung um einen Raketen-Abwehrschild?
Frage man sich doch einfach mal, wozu kann dieser Raketenschild nützlich sein?
1. Für die Abwehr von iranischen Atomraketen, so es sie irgendwann mal gibt und deren Reichweite bis nach Europa reichen sollte. Dann wäre auch Rußland bedroht, oder?
2. Für die Abwehr von russischen Atomraketen in Folge eines vorausgegangenen Atomraketenangriffes durch US-amerikanische/NATO-Raketen. Wäre im Falle eines atomaren Konfliktes der NATO mit Rußland denkbar, oder?. Nein heute noch nicht, aber vielleicht noch, bevor der Iran diese weitreichenden Atomraketen hätte.
Die USA und die NATO brauchen keinen Abwehrschild in Europa gegen den Iran. Wenn der Iran auch nur atomar zuckt, steigen Atomraketen aus amerikanischen und NATO-UBooten im persischen Golf auf und in kürzester Zeit, ist der Iran unfähig irgendwelche Atomschläge zu führen. Das wissen auch die Iraner.
Besser wäre allerdings, man respektiert die Interessen der arabischen Mitmenschen und vor allen ihr Recht an ihren Bodenschätzen. Besser wäre, man führt fairen Handel mit diesen Ländern. Damit entzieht man die Grundlagen für derartige atomare Horrorszenarien.
Aber wer will das in Bushs Polit-Militärclique denn? Man folgt lieber dem alten Grundsatz, erst mal richtig Schaden in der Welt anrichten und anschließend den Schaden mit noch mehr Schaden bekämpfen. Um Himmelswillen nur nicht die wirklichen Ursachen für Mißstände in dieser Welt beseitigen. Womöglich kommt einer auf die Idee, dass man den Kapitalismus und seine Politknechte zu allererst mit beseitigen müßte. Dann schon lieber den Brand mit Öl löschen.
Wie auch immer, hier wird fleißig der Konflikt zwischen zwei imperialistischen Staaten geschürt. Die Leidtragenden sind letztendlich wieder Millionen Menschen, die nicht zu den Supermächtigen dieser Welt gehören.
Die Angst der tschechischen Menschen vor russischen Atomraketen ist berechtigt. Ohne USA-Radar wären sie kein neues Ziel für russische Atomraketen. Die Auswirkungen russischer Atomeinschläge in Südwestböhmen bleiben sicher nicht an der tschechisch/bundesdeutschen Grenze stehen.
Also liebe Passauer, Müncher, Franken, Erzgebirgler und Sachsen freut euch auf eine strahlende Zukunft oder wehrt euch mit allen Betroffenen gegen den erneuten atomaren Wettrüstungswahnsinn.