Test: Google Desktop für Linux

Der versierte Linux-Freak sucht natürlich an der Konsole mit dem Befehl „locate“. Aber nicht jeder ist versiert oder mag es auf diese Art. Da kommen grafische Suchprogramme gerade Recht. Einige freie gibte es, z.B. Beagle. Wer sich nicht vor Closed Source Software fürchtet, der kann sich als Alternative mal Google Desktop“ anschauen.

Heute wurde von Google die Betaversion von Google Desktop“ für Linux veröffentlich. (Quelle: heise online) Das Programm indiziert in den zugelassenen Verzeichnissen verschiedene Dateitypen (PDF, OpenOffice.org, Mails, … und vor allem auch Man-Pages), so dass sich diese sehr schnell auffinden lassen.

Vor allem Linux-Fans verfallen da schnell in Paranoia ganz nach dem Motto „Warum Bundestrojaner installieren, wenn es Google gibt“. So im Forum von heise gefunden. Die Antwort war nicht unwitzig: „Weil du damit nach ‚Bundestrojaner‘ suchen und so festellen kannst, ob du ihn schon hast. Und dank der zentralen Datenkonsolidierung bei Google kann man dann auch leicht feststellen, wieviel Prozent der User ihn schon haben ;-)“

Die Installation und Konfiguration von Google Desktop

Aber zurück zum Thema. Die Software liegt sowohl als RPM- als auch als DEB-Paket vor und soll auf Debian 4.0, Fedora Core 6, Ubuntu 6.10, SUSE 10.1 und Red Flag 5 laufen. Also wollte ich es einfach mal ausprobieren.

No Risk, No Fun!

Die Installation war kein Problem. Für mein (K)Ubtuntu 6.10 das DEB-Paket runtergeladen und mit „sudo dpkg -i google-desktop-linux_1.0.1.0060_i386.deb“ an der Konsole installiert. Anschließend gibt es im KDE-Startmenü zwei neue Einträge unter „Nicht zuzuordnen“: Google Desktop“ und die dafür nötigen Einstellungen.

Zuerst kam die Frage „Erweiterte Funktionen aktivieren – Nichtpersönliche Nutzungsdaten und Fehlerberichte können an Google gesendet werden, um Desktop weiter zu verbessern. Um mehr zu unseren Maßnahmen zum Datenschutz zu erfahren, lesen Sie unsere Datenschutzbestimmungen.“ Ich habe das mal großzügig abgelehnt.

Die Einstellungen präsentieren sich in einem Browser-Fenster, Google Desktop hat dafür lokal einen Dienst auf http://127.0.0.1:30337/ laufen. (Hey, wenn ihr jetzt den Link anklickt und der funktioniert, dann habt ihr Euch nicht bei mir reingehackt sondern seit auf Eurem Rechner wo offensichtlich GD läuft! Wenn ihr den abschießen wollt, bitte sehr. 🙂 )

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In diesem Fenster kann man u.a. weitere Ordner hinzufügen, die indiziert werden sollen, außerdem das Google Mail-Konto (Hab ich keines). Es ist auch möglich, Verzeichnisse explizit auszuschließen. Desweiteren kann man einstellen, wie man ob man die Schnellsuche per Hotkey (zweimal Strg) einblenden will, ein paar weitere Kleinigkeiten. Außerdem lassen sich darüber nochmals die Erweiterten Funktion aktivieren, also die Kommunikation mit Google .

Das wars schon. Im Hintergrund läuft nun die Indizierung. Diese dauert eine ganze Weile, belastet dafür aber auch das System nicht weiter. Eine wirkliche ganze Weile! Im Systemtray (hier KDE) hat sich jetzt ein kleines Icon eingenistet, über das kann man die verschiedenen Einstellungen erreichen sowie die Suche starten.

Interessant ist allerdings, obwohl der Dienst auf einer lokalen Adresse (127.0.0.1) läuft, das Programm nur noch eine Fehlermeldung im Browser anzeigt, sobald die Internetverbindung weg ist. Warum? Wieso benötigt Google Desktop eine Internetverbindung, wenn es nur lokal läuft und sucht?

Die Suchergebnisse mit Google Desktop

Die Suche ist wirklich blitzschnell. Egal ob Dateien oder E-Mails (hier: Kmail), Google Desktop findet sogar Daten, die ich selber schon nicht mehr auf meiner Festplatte gefunden habe. 🙂 Dabei ist es irrlevant, ob das Suchwort im Dateinamen enthalten ist oder nur im Dokument selber steht. Eine sehr praktische Sache, wenn ich ich bestimmtes Wort in einer PHP-Datei suche. 🙂 Die Suchergebnisse sind in E-Mails, Dateien, Medien und Webprotokolle unterteilt, die sich nach Datum oder Relevanz sortieren lassen. Gefundene Bilder werden dabei teilweise gleich in Miniaturform angezeigt.

suchergebnis.jpg

Wünschenswert wäre es allerdings, wenn ich den Hotkey für das Schnellsuchfeld ändern könnte.

Das normale Suchfeld im Browser lässt sich auch als Suchfeld z.B. im Browser Opera integrieren. Das ist sehr praktisch, kann ich so direkt aus dem Browser heraus eine Datei mit einem Stichwort suchen und wenn diese nicht lokal vorhanden ist, einfach auf die Websuche umschalten.

Fazit: Wenn Google Desktop erstmal alle Dateien indiziert hat, was nur einmal nötig ist, hat man damit eine superschnelle, effektive und Ressourcen schonende Suchmaschine für den Desktop. Ob man diese nun aus teilweise verständlicher Paranoia nicht nutzen will, das muss jeder für sich selber entscheiden.

  1. 4 Reaktionen

  2. Von gewe am 29. Jun 2007 um 17:51 Uhr

    Der noch versiertere Linux-Freak sucht natürlich an der Konsole mit dem Befehl „find“ mit seinen ‚zig Optionen. Naja, ist deshalb ja auch eins der Lieblingswerkzeuge eines Linux-Admins. 😉

  3. Von Anonymous am 3. Jul 2007 um 15:08 Uhr

    Bei mehr als ein paar Tausend Dokumenten geht das Ding spürbar in die Knie, nicht beim Retrieval, aber beim Indexaufbau, der das System unerträglich stark belastet. Die beiden ca. 250 MB großen binären Indizes ständig neu zu schreiben bremst die Platte eben spürbar aus…

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  2. 29. Jun 2007: Punkt, Punkt, Punkt… › Kurz verlinkt : Kurz verlinkt
  3. 2. Jul 2007: Google Desktop für Linux erschienen - 3-Bein - buntes Magazin» Satire

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