“Die DDR unterm Lügenberg”

Eine Buchempfehlung, die ich heute per Mail von Joe und im Forum von D. Krüger bekommen habe.

Die DDR unterm Lügenberg
von
Ralph Hartmann, DDR-Botschafter a.D.
im Ossietsky Verlag Hannover erschienen.

Hier wird in 10 Kapiteln zu den wichtigsten Lügen in dieser Gesellschaft über die DDR Position bezogen. Hier werden die Lügen entlarvt und mit vielen Beispielen, Fakten und Zahlen argumentiert.

Bestelladresse: Verlag Ossietzky GmbH
Weidendamm 30B – 30167 Hannover
Fax: 0511-21 55 126
E-Mail: ossietzky@interdruck.net
http://www.sopos.org/ossietzky
Preis:11,95 € incl. Porto

Inhalt
Die Lügenkrankheit
Lüge 1: Die zwei Diktaturen in Deutschland
Lüge 2: Stasifolter und Stasiterror
Lüge 3: Der verordnete Antifaschismus
Lüge 4: Die marode Wirtschaft
Lüge 5: Die DDR vor dem Staatsbankrott
Lüge 6: Die Alleinschuld der DDR an der Mauer
Lüge 7: Die DDR eine Erziehungsdiktatur
Lüge 8: Staatsdoping – Ursache des Sportwunders DDR
Lüge 9: Die friedliche Revolution
Lüge 10: Die undankbaren ehemaligen DDR-Bürger

  1. 21 Reaktionen

  2. Von Anonymous am 10. Jul 2007 um 09:14 Uhr

    Lüge 2: Stasifolter und Stasiterror

    Die brauchen sich in derartigen Büchern gar nicht zu rechtfertigen. Ich habe wegen den beiden Wörtern “menschenverachtende Mauer”, die ich anläßlich der Ereignisse am 08.06.1987 in Ost-Berlin im Ausreiseantrag schrieb, folgendes durchgemacht:

    - morgendliches Abholen aus der Wohnung ohne den Grund zu kennen
    - stundenlange Verhöre
    - Haus- und Arbeitsplatzdurchsuchung
    - eine Woche Einzelhaft
    - etliche Monate Untersuchungshaft beim MfS
    - Verurteilung zu 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis ohne Bewährung
    - Kontaktverbot zu Freunden und Verwandten während der Haftzeit

    Von den Demütigungen fange ich gar nicht erst an. Auch nicht davon, daß bei derartigen Gerichtsverhandlungen, die angeblich im Namen des Volkes geschahen, noch nicht einmal die Ehefrauen zugelassen wurden. Das Urteil konnten diese dann vom Rechtsanwalt erfahren.

    Und das wegen z w e i Wörtern, die meine Meinung waren und auch heute noch sind.

    Ich habe im Knast etliche Knackis gesehen, die wirklich was verbrochen hatten, aber eine geringere Strafe bekamen.

    Heute bin ich froh, nicht mehr in einem Land leben zu müssen, in dem ich im Morgengrauen wie bei der Gestapo abgeholt und verhaftet werde, nur weil ich mal meine Meinung gesagt habe.

  3. Von Hamlet am 10. Jul 2007 um 14:29 Uhr

    Na, dann dürfte es ja auch kein Problem sein, anzugeben, wie du heißt und wer du bist, damit man diesen Bericht auch nachprüfen kann. Wir wollen doch nicht glauben, daß du im Schutz der Anonymität dir einfach irgendwelche Sache ausdenkst, oder?

  4. Von Woschod am 10. Jul 2007 um 14:33 Uhr

    Na ja, ich würde auch nicht verraten, wer ich bin.

    Aber wer weiß, was er wirklich gemacht hat.

  5. Von Das Linksgewinde am 10. Jul 2007 um 15:16 Uhr

    @ anonymus

    NOCH lebst du in einem Staat wo du nicht im Morgengrauen von der “Gestapo” abgeholt wirst. Man muss sich nur die neuesten Ergüsse vom Rollstuhl-Mielke ansehen und man kann sich ausmalen wo dieses System hinkommen wird. Ohne dein Schicksal zu verharmlosen aber das was da kommt wird schlimmer werden als das was dir widerfahren ist.

  6. Von Hamlet am 10. Jul 2007 um 16:11 Uhr

    “Na ja, ich würde auch nicht verraten, wer ich bin.”

    Aber wie soll ich dann nachprüfen, was der Anonymus hier erzählt. Woher weiß ich denn, ob er nicht einfach ein Fanatiker ist, der sich mal eben eine solche Geschichte ausdenkt? Das wäre abolut im Bereich dessen, was gewissen Idioten zuzutrauen ist.

  7. Von Anonymous am 10. Jul 2007 um 18:09 Uhr

    @ Hamlet Toll, daß Du mich “Idiot” nennst. Ich habe hier keinen beleidigt, noch nicht einmal die, die mir damals weh getan haben. Aber Dein Beitrag zeigt mir, wie wichtig es ist, an meinem Buch weiter zu arbeiten. Anscheinend haben viele keine Ahnung von dem Unrecht der damaligen DDR. Oder haben es einfach vergessen. Ich wette, Du hast Dich noch nicht einmal darüber informiert, was am 08.06.1987 überhaupt in Ost-Berlin los war, oder? Aber einfach drauflos beleidigen.

    @ Linksgewinde: Kann leider gut sein, daß Du Recht hast. Trotzdem geht es mir hier besser, denn ich bekomme eine monatliche Unterstützung aus einem Rehabilitierungsgesetz, weil ich länger als drei Jahre in der DDR politisch verfolgt wurde, und jetzt kommt auch noch die SED-Opfer-Rente dazu (oder wird angerechnet, wie auch immer).

    @ alle anderen: Ich bin nicht der einzige, der wegen derartiger Meinungsäußerungen verurteilt wurde. Ein bißchen googeln, und Ihr werdet sicher fündig.

    Der §, wegen dem ich verurteilt wurde, war § 220 Abs. 2 StGB der DDR. Ich wurde wegen “öffentlicher Herabwürdigung” verurteilt, weil die DDR behauptete, mit dem Versenden des Briefes an die Abteilung Innere Angelegenheiten habe ich den Brief “öffentlich” gemacht.

    Der § 220 Abs. 2 besagte zwar: “Ebenso wird bestraft, wer in der Öffentlichkeit Äußerungen faschistischen oder militaristischen Charakters kundtut.”, was für mich wegen der bloßen Kritik an der Berliner Mauer eigentlich nicht zutraf, trotzdem wurde das Gesetz so hingebogen und ich wurde danach verurteilt.

    Ein Grund für die Verhaftung wurde lange vor meiner Verhaftung gesucht. Auszug aus der Akte: “Zielstellung der OPK [1]: Vorbeugende, schadensabwendende Verhinderung feindlich-negativer und öffentlichkeitswirksamer Demonstrativhandlungen bei der Durchsetzung seiner Übersiedlungsabsichten
    Herausarbeiten op.-bed. Anhaltspunkte strafbarer Handlungen gemäß Â§ 220 StGB Vorbeugende Verhinderung strafbarer Handlungen gemäß Â§ 213 StGB
    Herausarbeitung von Anhaltspunkten einer wirksamen Rückdrängung des X. als ÜE [2]“. Ich wurde also verurteilt, weil die DDR schiß hatte, daß ich “wirklich” an die Öffentlichkeit gehe.

    Ich war damals nicht mehr verheiratet, weiß aber von Zellengenossen, daß die (nicht verurteilten) Ehefrauen NICHT an der Verhandlung des Ehemannes teilnehmen durften.

    P.S. Ich hatte zu schnell auf “senden” gedrückt, deshalb wurde der Name “Anonymus” eingetragen. Jetzt bleibe ich wegen der Übersichtlichkeit dabei.

    [1] OPK = Operative Personenkontrolle
    [2] ÜE = Übersiedlungs-Ersuchender

  8. Von Hamlet am 10. Jul 2007 um 18:46 Uhr

    “@ Hamlet Toll, daß Du mich “Idiot” nennst.”

    Ich habe dich nicht Idiot genannt. Ich nannte Idioten, solche Leute, die unter dem Mantel der Anonymität Geschichten erzählen, die frei erfunden aber darum um so besser geeignet sind, ihren zweifelhaften politischen Ansichten einen Anstrich von dokumentarischer Untermauerung zu geben. Wenn deine Geschichte wahr ist, dürfte du dich als gar nicht davon angesprochen gefühlt haben. Wieso also hast du dich davon angesprochen gefühlt?

    “Ich wette, Du hast Dich noch nicht einmal darüber informiert, was am 08.06.1987 überhaupt in Ost-Berlin los war, oder? Aber einfach drauflos beleidigen.”

    In der Tat habe ich mich jetzt nicht darüber informiert, denn ich kann mich noch ganz gut daran erinnern. ;-)

  9. Von Freestoner am 10. Jul 2007 um 18:53 Uhr

    Ach, Anonymous, jetzt leben Sie in dem Staat, in dem Sie immer schon leben wollten wollten und trauen sich nicht Ihren Namen zu nennen.
    Da muß es wohl mit dem Staat nicht weit her sein, wenn Sie sich jetzt , in der “Freiheit”, nicht trauen Ihren Namen zu nennen.

  10. Von gewe am 10. Jul 2007 um 19:48 Uhr

    Verkehrter Herr Arno Nyhm, haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, dass es für die DDR Gründe für den Mauerbau gegeben haben könnte?
    Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wieso deutsche Soldaten 50 Jahre in keinen Krieg mehr ziehen mußten, aber seit Schröders glorreichen Regierungszeiten mit einem grünen Außenvermißten soetwas wieder an der Tagesordnung ist?
    Fanden Sie es so schrecklich, in der DDR keine Arztkosten, keine Bildungskosten, keine horrenden Eintrittspreise für Kulturveranstaltungen zu bezahlen, keine Probleme mit Drogen, AIDS und weiteren Segnungen der heutigen Gesellschaft zu bekommen?
    Vor allen, war es so grauenhaft, ohne soziale Angst leben zu müssen und einen Arbeitsplatz sicher zu haben?
    Vielleicht erkennen Sie – wenn Sie wirklich lang und ehrlich nachdenken – dass es für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation wirklich bedeutende Probleme gab und gibt außer dem Drang nach Konsum, Konsum und nochmals Konsum.
    P.S.: Mir sind durch 40-jährige persönliche Erfahrungen auch durchaus die Unzulänglichkeiten des Erreichten in der DDR bekannt und bewußt. Dennoch wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Vorteile der DDR gegen die Nachteile der heutigen kapitalistischen Gesellschaft zu tauschen – zumindest nicht freiwillig.
    Daher finde ich es auch sehr gut, dass dem täglichen Medienlügen mutig ein Buch mit anderen Sichten entgegengestellt wird. Die Menschen in diesem Land sollen ruhig erkennen, welche gesellschaftlichen Alternativen es zu dem heutigen menschenunwürdigen System gibt.

  11. Von D. Krüger am 10. Jul 2007 um 22:54 Uhr

    Hallo,
    Ich schwöre,
    Ich werde niemals wieder ein Buch empfehlen, welches solche Diskussionen hervorruft,
    ohne daß irgend einer dieses Buch gelesen hat.
    Sollte ich diesen feierlichen Eid brechen,
    so möge mich die harte Strafe der Gesetze unserer Republik
    und die Verachtung des werktätigen Volkes treffen.
    Stark bleiben!

  12. Von Arno Nyhm am 11. Jul 2007 um 09:26 Uhr

    @ gewe

    Na bitte, da haben wir ja einen Namen für mich und “Freestoner” wird froh sein, daß ich dadurch ein freier Mann in einer freien Welt geworden bin. Wenn man alles so einfach wäre.

    Daß ich damals einen Ausreiseantrag gestellt hatte bedeutet nicht, daß ich vom heutigen System überzeugt bin. Aber ob ich dieses System kennenlerne oder nicht, sollte doch bitteschön meine Entscheidung sein. Wieso sollten darüber ein paar Politgreise entscheiden können? Es ist mein Leben und ich will die Freiheit haben, Entscheidungen über mein Leben selbst treffen zu können.

    Was Sie an positiven Dingen in der DDR gesagt haben, stimmt zwar – grob betrachtet -, genauso könnte ich positive Sachen im Kapitalismus aufzählen.

    Und was den Konsum betrifft. Ja, auch der ist für mich wichtig, obwohl es hierzulande schon Überhand nimmt und die Aufdringlichkeit der Verkäufer nervig ist. Als ich in den Westen kam, hatte ich kurze Zeit später ein Telefon, einen Video-Rekorder, einen Farbfernseher, fließend Warmwasser und wenn es kalt ist, brauchte ich nur an der Heizung zu drehen. Alles Dinge, wovon ich in der DDR nur geträumt hatte. Dort hatte meine letzte Wohnung noch ein Plumpsklo auf dem Hof und Ofenheizung. Wie weit wäre wohl heute der Rückstand zur Technik für das Volk gewesen, wo wir alle Internet, ein Handy usw. haben, wenn die DDR damals schon nicht mitgekommen ist, das Volk zu versorgen?

    Und war denn der Sozialismus wirklich ein Sozialismus? Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Menschen, die Gott nicht mit viel Verstand ausgestattet hatte, auch die Drecksarbeit machen mußten. Und das für wenig Geld. Leute, die studiert oder eine höhere Ausbildung hatten, saßen mit ihrem fetten Arsch im Büro und tranken einen Kaffee nach dem anderen, sind vormittags, also während der Arbeitszeit einkaufen gegangen und haben die Leute, die den Hof fegen mußten gefragt, ob sie keine Lust zur Arbeit hatten. Der Hoffeger war zwar sozial abgesichert in der DDR, er war aber genau wie hier ein Karl Arsch, der fertiggemacht wurde, wenn er die Pause um zwei Minuten überzog. Nämlich ein Mensch, der die schwerste und dreckigste Arbeit für wenig Geld machen mußte.

    Und der Hoffeger war auch in anderer Hinsicht benachteiligt. Er bezahlte von seinen 500 Mark Lohn 10% für Gesundheitsleistungen. Der Höchstbetrag dafür war in der DDR 60 Mark. Verdiente also ein Studierter 1000 Mark, bezahlte er weniger als unser Hoffeger. Nicht gerade gerecht, oder? Die DDR nannte sich zwar Arbeiter- und Bauernstaat, aber den Arbeitern und Bauern ging es gegenüber der “Intelligenz”, wie man das damals nannte, wesentlich schlechter.

  13. Von Torsten am 11. Jul 2007 um 10:23 Uhr

    …da sindse wieder…die Leute, die nur die beiden “unbunten Farben” kennen. Dort war alles besser und hier ist alles Mist, dort sitzen die Lügner und hier wird die Wahrheit verkauft. Ich sehe nur das, was ich auch sehen will…

    Egal welche Geschichte erzählt wird – wann man nicht dabeigewesen ist, kann man alles jederzeit irgendwie in Frage stellen. Selbst wenn man dabeigewesen ist, kommt es darauf an, wie man das Erlebte interpretiert…was für den einen schwarz ist, ist für den anderen mindestens grau oder vielleicht sogar weiß. Wenn man sich dies nicht bei jeder Geschichte (egal von wem sie erzählt wird) verinnerlicht, wars das mit der Objektivität.

    Gleich auf den “Mann ohne Namen” loszuprügeln, nur weil er eine andere Sichtweise hat und zu versuchen, ihn von vornherein in die “Lügner-Schublade” zu stecken, ist nicht gerade die “feine englische…”

  14. Von Hamlet am 11. Jul 2007 um 20:07 Uhr

    “Gleich auf den ‘Mann ohne Namen’ loszuprügeln, nur weil er eine andere Sichtweise hat und zu versuchen, ihn von vornherein in die ‘Lügner-Schublade’ zu stecken, ist nicht gerade die ‘feine englische…’”

    Au Backe, was war das denn jetzt wieder für eine intellektuelle Hochleistung?

    1. ist oben nicht behauptet worden, daß der Anonyme lügt, sondern lediglich diese Möglichkeit in Betracht gezogen worden. Das wiederum rechtfertigt sich dadurch, daß a) derlei durchaus denkbar ist und b) auch nicht eben selten vorkommt. Das Internet ist voller Stelzböcke, die Unsinn erzählen. Ganz besonder solcher, die politische Absichten verfolgen.

    2. Wie sähe die Alternative aus? Jedem Anonymling gleich alles glauben? Niemals nach Beweisen verlangen? Na klar, das hätten manche gern …

    Wer von uns beiden also, lieber Torsten, ist der Schwarz-Weiß-Maler? Und: Wenn die Forderung nach Beweisen “von vornherein” verboten werden soll, wer könnte davon größeren Schaden erleiden, als gerade die, die an der Wahrheit interessiert sind?

  15. Von gewe am 11. Jul 2007 um 20:15 Uhr

    @ Arno Nyhm

    Wenn ein mit 18 Jahren als erwachsen geltender junger Mensch alkoholisiert mit einem Auto gegen einen Baum kracht und der Meinung ist, dass es doch seine eigene freie Entscheidung ist, das mal im Leben auszuprobieren, dann ist das sicher ein hinkender Vergleich. Aber hat dennoch eine Gemeinsamkeit mir Ihrer Ausreisebegründung.

    Das Argument “ein paar Politgreise” ist zu platt (BILD-Jargon). Sie wissen sicher genau, dass diese Politgreise die letztendliche polit. Verantwortung hatten, aber zwischen diesen Prolitgreisen und Ihnen befanden sich noch etliche weitere Personen. Diese hatten verschiedene Motivationen, Sie von ihrem Ausreisevorhaben abzubringen. Darunter waren gewiß auch Personen, die die Auffassung vertraten, dass es für Sie auch zahlreiche Nachteile bringen kann, das System zu wechseln. Das ist diese Art Mitmensch, die auch einem 18-jährigen warnen, besoffen Auto zu fahren.
    Ich denke, man kann es der DDR auch nicht verübeln, wenn sie die Menschen, die bei ihr eine Ausbildung etc. erhalten haben, auch später als nutzbringende Mitglieder dieses Staates sehen will. Die Ausbildung hat den Einzelnen fast nix gekostet. Doch dem Staat DDR, sprich seinen arbeitenden Menschen, doch erhebliche Kosten verursacht.

    Diese sogenannte Freiheit, Entscheidungen für sein Leben selbst treffen zu können, wird meist von Menschen eingefordert, die nicht die Konsequenz dieses Freiheitsanspruches überblicken. Vor allen, die nicht begriffen haben, dass es die uns so gern suggerierte Freiheit nicht gibt und nicht geben kann. Es würde letztendlich bedeuten, Sie können heute alles tun, was Ihnen gerade in den Kopf kommt. Das dies nicht möglich ist wegen verschiedener Zwänge (finanz. Situation, Arbeitsverhältnis usw.), brauche ich sicher nicht weiter darzulegen.

    Natürlich ist der Konsum wichtig. Soweit es um die Befriedigung notwendiger Bedürfnisse geht – also nicht der Konsum in Folge derr nervigen Verkäufer. Die persönlichen Erfahrungen sind da unterschiedlich. Nein, Telefon und Videorecorder hatte ich bis 1989 nicht. Aber Farbfernsehen, fließend warmes Wasser, Bad und WC und Fernheizung. Die Miete für 7 Personen in einer 5-Raumwohnung war mit 128,-Mark keine ernsthafte Belastung. Wie bereits erwähnt, Ausbildungskosten für Kinder hielten sich im bescheidenen Rahmen, medizinische Kosten fielen nicht an, Straßenbahn und Eisenbahn waren bezahlbar. Das nur als einige Beispiele, um das “grob betrachtete” zu konkretisieren.

    Ich bestreite nicht, dass es einen erheblichen technischen Abstand der DDR sowohl im Konsumbereich, als auch im Produktionsbereich gab. Ja, mir ist auch bekannt, dass diese “Schehre” in den 80-zigern immer weiter auseinanderging. Ich sehe auch durchaus einen Teil der Ursachen in einer verfehlten Wirtschaftspolitik nach Ulbricht, wie falsches Verhältnis zwischen Konsumtion und Investition.
    Das allein reicht für die Ursachenforschung nicht aus. Die DDR lebte ja nicht im luftleeren Raum. Nicht nur den westlichen Staaten Staaten war sie ein Dorn im Auge. Sie hatte auch in den soz. Staaten nicht nur Freunde.
    Doch trotz Wirtschaftsblockade von westlicher Seite (Cocomliste), leistete die DDR Hilfe in unterwickelten Staaten – vor allen in Afrika. Das durch die westliche Politik der DDR erhebliche Ausgaben für die Verteidigung aufgezwungen wurden, sei ebenfalls erwähnt.

    Fragen Sie alte bundesdeutsche Gewerkschafter, die Tarifverhandlungen bis 1989 erlebt haben. Nicht wenige haben davon gesprochen, dass die DDR als dritter Verhandlungspartner am Tisch saß. Bekannt sind auch Formulierungen über die BRD als Schaufenster des Westens gegen das Schaufenster des Ostens, die DDR. Nun prüfen Sie bitte selbst, was von diesem Schaufenster seit 1990 geblieben ist und was von den bundesdeutschen Regierungen seitdem dem Sozialabbau in den Rachen geworfen wurde.

    Was Ihre Sozialismusdefinition angeht, kann ich nur erkennen, dass Sie sich mit dem Thema Sozialismus noch nicht wirklich ernsthaft beschäftigt haben. Sozialismus bedeudet nicht, das alle sozialen Unterschiede abgebaut sind. Das ist Ziel einer kommunistischen Gesellschaft.
    Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass das Leistungsprinzip vielfach in der DDR verletzt wurde. Es gab nicht immer eine Entlohnung nach der Leistung. Zu letzterem zähle ich auch, dass höher qualifizierte Menschen eine höhere Leistung für die Gesellschaft erbringen können und damit Anspruch auf mehr Entlohnung hatten. Das ist in der heutigen BRD zu großen Teilen wohl nicht anders.

    Ich hatte das Glück, studieren zu dürfen. Weder hatte ich zu DDR-Zeiten ein überdimensionales Hinterteil, noch habe ich mich mit übermäßigem Kaffeekonsum ruiniert. Das kann ich gern auch für meine ehemaligen Arbeitskollegen so bestätigen.
    Allerdings gingen da einige harte mit Einschränkungen verbundene Studienjahre voraus. Das nachfolgende Arbeitsleben war aber auch kein Schlaraffenland.
    Mein Hochschulabschluß hat mich nicht überheblich gemacht. Über arbeitende Menschen abfällig zu urteilen oder diese gar zu drangsalieren, wäre mir nie in den Kopf gekommen. Auch hier kann ich für meinen ehemaligen Kollegen sprechen.

    Bei den Sozialbeiträgen haben Sie allerdings einen kleinen Fehler gemacht. Es ist richtig, dass Beiträge in Höhe von 10% bis 600,-Mark brutto Pflicht waren. Bis zu dieser Grenze bezahlten Arbeiter und Angestellte absolut den gleichen Beitrag bei gleichem Einkommen. Relativ ist es bei einem Einkommen von 1000,-Mark weniger, als bei 500,-Mark.

    Wie ist da heute in der BRD geregelt? Sind diese Regelungen gerecht? Hat ein Geringverdienender die gleiche Geldmenge verfügbar, als ein gut und sehr gut Verdienender? (Arbeitslose und HartzIV-Empfänger nicht betrachtet).

    Wir werden beide sicher keinen Konsenz finden, wenn ich sage, dass mir der schlechteste DDR-Sozialismus immer noch lieber war, als der beste BRD-Kapitalismus. Doch sie sollten einfach wissen, das es auch 18 Jahre nach der DDR noch Menschen gibt, die so denken und ich habe den Eindruck, dass die Anzahl dieser Menschen steigt.

    @ Torsten

    Immer schön die Platte auflegen, das wir für alles und für nichts sind. Nein, nur keinen Standpunkt haben. Bist Du SPD-Mitglied. dorthin würdest Du wohl gut passen.

  16. Von Sven Weissenborn am 11. Jul 2007 um 23:16 Uhr

    Hallo, liebe Diskutanten,

    Eure Diskussion ist interessant, aber einige streiten wie die Blinden über die Farbe, denn sie haben “Die DDR unterm Lügenberg” gar nicht gelesen.
    Das aber lohnt tatsächlich. Das Buch ist einfach doll. In ihm wird die DDR keineswegs glorifiziert, aber die über sie verbreiteten, teilweise unglaublichen Lügen werden gründlich und faktenreich widerlegt. Es ist kurz und knapp gefaßt, sehr gut geschrieben, liest sich regelrecht spannend, wobei es an Sarkasmus und Ironie nicht fehlt. Wer über die DDR Bescheid wissen und über sie diskutieren will, sollte es unbedingt lesen. Die 10,00 Euro lohnen auf jeden Fall. Zu beziehen ist es im normalen Buchhandel, manche Buchläden tun sich dabei, aus welchen Gründen auch immer, schwer. Dann kann man es direkt beim “Ossietzky”-Verlag in Hannover (Fax: 0511-21 55 126, e-mail: Ossietzky@interdruck.net) oder z.B. im Buchservice des Neuen Deutschland ( Fax: 030/2978 1650, Tel.: 030/2978 1777) bestellen.

    Durch Zufall bin ich auf die Homepage des Berliner Verbandes für internationale Politik (www.vip-ev) gestoßen. Hier gibt es einen Link auf das Buch und damit auch auf einige Leseproben. Lest das Buch und dann können wir richtig diskutieren.

    Sven Weissenborn

  17. Von Torsten am 12. Jul 2007 um 14:16 Uhr

    @Hamlet:
    >>”Gleich auf den ‘Mann ohne Namen’ loszuprügeln, nur weil er eine andere Sichtweise hat und zu versuchen, ihn von vornherein in die ‘Lügner-Schublade’ zu stecken, ist nicht gerade die ‘feine englische…’”
    >>Au Backe, was war das denn jetzt wieder für eine intellektuelle Hochleistung?
    Nanana…wer wird denn da gleich den Zyniker rauskehren…

    >>1. ist oben nicht behauptet worden, daß der Anonyme lügt, sondern lediglich diese Möglichkeit in Betracht gezogen worden. Das wiederum rechtfertigt sich dadurch, daß a) derlei durchaus denkbar ist und b) auch nicht eben selten vorkommt. Das Internet ist voller Stelzböcke, die Unsinn erzählen. Ganz besonder solcher, die politische Absichten verfolgen.
    Ich meine…zumindest zwischen den Zeilen…ein wenig (für meine Begriffe) überzogenes Misstrauen erkannt zu haben. Selbst wenn er seinen Namen genannt hätte – hättest du den Wahrheitsgehalt seiner Geschichte wirklich zu deiner Zufriedenheit nachprüfen können?

    >>2. Wie sähe die Alternative aus? Jedem Anonymling gleich alles glauben? Niemals nach Beweisen verlangen?
    Nein…und ich dachte, das wäre aus meinem Beitrag vorgegangen.

    >>Wer von uns beiden also, lieber Torsten, ist der Schwarz-Weiß-Maler?
    Wenn du mich schonmal so direkt fragst: ich bins nicht! ;-)

    >>Und: Wenn die Forderung nach Beweisen “von vornherein” verboten werden soll, wer könnte davon größeren Schaden erleiden, als gerade die, die an der Wahrheit interessiert sind?
    Das habe ich nicht geschrieben…nichtmal zwischen den Zeilen!

    @gewe
    >>Immer schön die Platte auflegen, das wir für alles und für nichts sind. Nein, nur keinen Standpunkt haben. Bist Du SPD-Mitglied. dorthin würdest Du wohl gut passen.
    Nein, bin ich nicht. Ich vertrete den Standpunkt, dass man sich sobald man seine Meinung kategorisch nach Parteibüchern bzw. politischen Ideologien ausrichtet selbst beschränkt und möglicherweise sogar der Fähigkeit der selbstständigen Meinungsfindung beraubt. Huch…wir schweifen etwas ab…

    @Sven:
    Tatsächlich wurde ja hier (leider) kaum über das Buch gestritten. Ich habe es nicht gelesen…werde es jetzt aber vielleicht in meine noch-zu-lessenden-Bücher-Liste aufnehmen.

  18. Von g.holfert [Scorpion] am 6. Aug 2007 um 18:21 Uhr

    Bravo!
    Diese 16 Kommentare passen wie die Faust aufs Auge! Leider gibt es nach den 17 Jahren “Ost-Kolonie” noch zu viele mit fortgeschrittenem Glaucom, die die vollzo-gene Expropriation zugunsten der unsozialen Markt-wirtschaft durch die schwarze Röhre nicht sehen und damit die verordneten Kohl’schen blühenden Gärten nicht wagrnehmen können. – Das Buch wird meine nächste Lektüre.

  19. Von Günther Zeitler am 1. Jul 2008 um 12:07 Uhr

    Durch Zufall auf das Buch gestoßen, jedoch noch nicht gelesen. Die Beiträge sind bemerkenswert. Hier meiner:
    Ich gehöre zu jenen Spinnern, die noch von einer gerechten Welt träumen. 1986/87 das erstemal “scharz über den Todesstreifen” mit einem Freund. Wollten Kontakt zur FDJ. Wurden an der Grenze bei Neue Krug aufgegriffen und ins dortige Grenzerlager gebracht. Später nach Salzwedel in die Kasenen. Unangenehmes
    Verhör vor starker Lampe. Einen Tag später mit FDJ Leuten langes Gespräch. Auf unsere Bitte wieder “schwarz” über die Grenze bei Nienbergen/Dannenberg abgeschoben. Von Westgrenzern gestellt. Das Verhör und die Durchsuchung unseres Gepäcks war perfekter und unangenehmer als “drüben”.
    Heiligabend 1988 in Berlin/Ost Brief an Honecker verteilt. War 8 Stunden “drüben”, wurde nicht erwischt.
    17.Sept.1989 wollte ich wieder um den Bauch gebundene
    Schriften in den Osten einführen und verteilen. Es ging schief. Gleich Übergang Friedrichstraße gestellt. Lei-
    besvisitation und ca. 4 Stunden Verhör dann Abschiebung mit schriftlicher Bestätigung der Einziehung meiner ca. 500 Flugschriften. Die Behandlung war korrekt und höflich. – Ich drucke hier in der BRD weiter. In der Zwischenzeit 3 Hausdurchsuchungen (Hobbydruckerey + Privatwohnung) 2 Hauptverhandlungen vor Gericht. Gingen aus wie das Hornburgerschießen. Fazit: In der DDR hätte ich mit sicherheit gesessen, trotzdem: für mich war die DDR das Land, aus dem letztendlich das bessere Deutschland hervorgegangen wäre.

  20. Von Klaus am 3. Aug 2008 um 16:15 Uhr

    Ich habe fuer die DDR gelebt. Ich habe insbesondere seit Mai 1971
    einen betraechtlichen Teil der Verantwortung fuer ihre Geschichte
    getragen. Ich bin also befangen und darueber hinaus durch Alter
    und Krankheit geschwaecht. Dennoch habe ich am Ende meines Lebens
    die Gewissheit, die DDR wurde nicht umsonst gegruendet. Sie hat ein
    Zeichen gesetzt, dass Sozialismus moeglich und besser sein kann als
    Kapitalismus. Sie war ein Experiment, das gescheitert ist. Doch
    noch nie hat die Menschheit wegen eines gescheiterten Experiments
    die Suche nach neuen Erkenntnissen und Wegen aufgegeben. Es ist
    nun zu pruefen, warum das Experiment scheiterte. Sicher scheiterte
    es auch, weil wir, ich meine damit die Verantwortichen in allen
    europaeischen sozialistischen Laendern, vermeidbare Fehler begangen
    haben. Sicher scheiterte es in Deutschland unter anderem auch
    deswegen, weil die Buerger der DDR wie andere Deutsche vor ihnen
    eine falsche Wahl trafen und weil unsere Gegner noch uebermaechtig
    waren. Die Erfahrungen aus der Geschichte der DDR werden mit den
    Erfahrungen aus der Geschichte der anderen ehemaligen sozialisti-
    schen Laender fuer die Millionen in den noch existierenden soziali-
    stischen Laendern und fuer die Welt von morgen insgesamt nuetzlich
    sein. Wer seine Arbeit und sein Leben fuer die DDR eingesetzt hat,
    hat nicht umsonst gelebt. Immer mehr “Ossis” werden erkennen, dass
    die Lebensbedingungen in der DDR sie weniger deformiert haben,
    als die “Wessis” durch die “soziale” Marktwirtschaft deformiert
    worden sind, dass die Kinder in der DDR in Krippen, in Kindergaer-
    ten und Schulen sorgloser, gluecklicher, gebildeter und freier
    aufwuchsen als die Kinder in den von Gewalttaten beherrschten
    Schulen, Strassen und Plaetzen der BRD. Kranke werden erkennen, dass
    sie in dem Gesundheitswesen der DDR trotz technischer Rueckstaende
    Patienten und nicht kommerzielle Objekte fuer das Marketing von
    Aerzten waren. Kuenstler werden begreifen, dass die angebliche oder
    wirkliche DDR-Zensur nicht so kunstfeindlich war wie die Zensur
    des Marktes. Staatsbuerger werden spueren, dass die DDR-Buerokratie
    plus der Jagd auf knappe Waren nicht soviel Freizeit erforderte
    wie die Buerokratie der BRD. Arbeiter und Bauern werden erkennen,
    dass die BRD ein Staat der Unternehmer (sprich Kapitalisten) ist
    und dass die DDR sich nicht ohne Grund einen Arbeiter-und-Bauern-
    Staat nannte. Frauen werden die Gleichberechtigung und das Recht,
    ueber ihren Koerper selbst zu bestimmen, die sie in der DDR hatten,
    jetzt hoeher schaetzen. Viele werden nach der Beruehrung mit dem Ge-
    setz und dem Recht der BRD mit Frau Bohley, die uns Kommunisten
    verdammt, sagen: “Gerechtigkeit haben wir gewollt. Den Rechts-
    staat haben wir bekommen.” Viele werden auch begreifen, dass die
    Freiheit, zwischen CDU/CSU, SPD und FDP zu waehlen, nur die Frei-
    heit zu einer Scheinwahl bedeutet. Sie werden erkennen, dass sie
    im taeglichen Leben, insbesondere auf ihrer Arbeitsstelle, in der
    DDR ein ungleich hoeheres Mass an Freiheit hatten, als sie es jetzt
    haben. Schliesslich werden die Geborgenheit und Sicherheit, die
    die kleine und im Verhaeltnis zur BRD arme DDR ihren Buergern ge-
    waehrte, nicht mehr als Selbstverstaendlichkeit missachtet werden,
    weil der Alltag des Kapitalismus jetzt jedem deutlich macht, was
    sie in Wahrheit wert sind.

    Die Bilanz der 40jaehrigen Geschichte der DDR sieht anders aus, als
    sie von den Politikern und Medien der BRD dargestellt wird. Der
    wachsende zeitliche Abstand wird das immer deutlicher machen.

  21. Von RealAfG am 29. Aug 2008 um 15:35 Uhr

    Die DDR war eine höhere Stufe der Demokratie als die BRD es heute oder jemals war. Sogar das Grundgesetzt wurde per Volksentscheid erfasst. Die Menschen hatten die Gelegenheit, Kritik auszuüben sei es negativ oder positiv. Es müssen weitere solcher Bücher geschrieben werden. Wenn wir heute Mauer hören, denken wir gleich an die DDR. Aber es gab und gibt zahlreiche Mauern über die nicht mal gesprochen wird, ein Beispiel ist die Mauer in Israel die aufgebaut wird. Oder Mauern die Reich und Arm sogar trennen. Über solche Mauern müsste man reden.

    LG

    RealAfG

  22. Von mz250ts am 22. Okt 2008 um 14:45 Uhr

    Philosophie kann niemals mit einem Ich beginnen. :wink:

    Sicher gestehe Ich Dir zu das erlebt zu haben was auch zu Traumas führen kann und entspechend behandelt werden muss.
    Ich habe 8 Jahre DDR Haft erlebt, Torgau Fort Zinna.
    Ich bestreite nicht das Macht Mißbraucht wurde, aber und das sage ich deutlich, in schwierigen Situationen half mir die Stasi die ich um Hilfe erbeten hatte zb wegen des Einsatzens von Hunden bei Gefangenen.
    Einige Wärter hatten einfach lange Weile und es gab zu wenig Kontrolle in diese Richtung(Leider)
    Die DDR war ein Produkt des Zweiten Weltkrieges, das Trauma schleiften wohl alle Poltiker der DDR mit sich rum und führte zu dieser zum großen Teil imaginären Angst vor Inneren Feinden.

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