Streik? Verboten!

Ein Streik ist ein Druck-/Kampfmittel der Proletarier, um Forderungen gegenüber den Kapitalisten durchzusetzen.

Ernst Thälmann schrieb 1932 über den revolutionären Massenkampf: „… das Wichtigste ist, daß wir in den Massen ein solches Bewußtsein dafür schaffen, welche große, mächtige Waffe sie mit dem Streik im Klassenkampfe gegen die Bourgeoisie einsetzen können.“ (Hervorhebungen von mir.)

Eine Aussage, die nach wie vor gilt aber offensichtlich bei den Massen völlig verloren gegangen ist. Wie sonst muß man sich erklären, das der Lokführergewerkschaftschef Manfred Schell in geradezu unterwürfiger Art und Weise sagt: „Solange uns der Arbeitskampf untersagt wird, solange werden wir auch keinen Arbeitskampf führen.“

Ein Gericht untersagt einen Streik, weil sonst damit der Volkswirtschaft Schaden zugefügt würde und die Gewerkschaft kuscht. Dabei ist aber gerade der wirtschaftliche Druck der Hauptpfeiler, der über Erfolg oder Mißerfolg eines Streikes entscheidet. Entsteht für die Wirtschaft kein finanzieller Nachteil, wird sie über einen Streik nur müde lächeln. Ein anderes effektives Kampfmittel als den Streik haben die Proletarier aber nicht.

Wenn Werner Bayreuther als Sprachrohr der Bahn sagt, dass „die Gerichte im Interesse der Kunden die Streiks gestoppt haben“, dann ist das gelogen. Die Lokführer streiken nicht, um den Kunden der Bahn zu schaden sondern um die Bahn als so genannten Arbeitgeber unter Druck zu setzen. Wenn die Gewerkschaft jedoch auf Grund einer Gerichtsentscheidung, welche im Sinne der Bahn und damit des Kapitals entschieden hat, den Streik aussetzt, dann begeben sie sich auf das verlogene Argumentationsniveau der Bahn.

Die Bahn alleine trägt mit ihrer unsozialen Haltung die Verantwortung für wirtschaftliche Schäden im Falle eines Streikes!

Natürlich werden (wirtschaftshörige) Politiker bei einem Streik auf die Gewerkschaft und ihre Lokführer schimpfen. Natürlich werden die (wirtschaftshörigen) Massenmedien ebenfalls in diese Schimpfkanonaden einstimmen. Als Proletarier sollte man sich dem aber nicht anschließen. Denn wie Ernst Thälmann schon sagte: „Und doch ist der politische Massenstreik nach wie vor die wichtigste und entscheidende Waffe für den Kampf des Proletariats.“

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(Warnstreik der GDL am Leipziger Hauptbahnhof)


Quellen:

  1. 10 Reaktionen

  2. Von Jörg Friedrich am 8. Aug 2007 um 13:06 Uhr

    Ah ja, Ernst Thälmann. Sind wir wieder „Wie Ernst Thälmann treu und kühn“? Und die Proletarier sind auch wieder da? Thälmann wäre warscheinlich im Traume nicht drauf gekommen, diese Leute zu den proletarischen Massen zu zählen.

    Wie konnte es nur passieren, dass die Proletarier aus Thälmanns Zeiten so gar keine Ähnlichkeit mit den Lokführern von heute haben? Und das ganz ohne, dass sie ihre wichtigste Waffe, den politischen Massenstreik eingesetzt hätten?

    Die Massen haben nicht auf Thälmanns Nachfahren gehört, das war ihr Segen.

  3. Von commie am 8. Aug 2007 um 13:50 Uhr

    Daß die Lokführer von heute keine Ähnlichkeit mit den Proletariern aus Thälmanns „Zeiten“ haben, entspringt auch nur Ihrer bizarren Weltanschauung und ist schlichtweg falsch – ökonomisch sind sie auf dem selben Stand wie sie, müssen ihre Arbeitskraft verkaufen an Kapitalisten und ihr einziges Druckmittel gegen diese Kapitalisten ist die Verweigerung der Arbeitskraft.

    Wo jetzt ein „Segen“ sein soll angesichts der Tatsache, daß der GDL-Streik wohl dank der Intervention des Staates für die Kapitalisten scheitern wird und die Lokführer auch weiterhin mit jämmerlichen Löhnen abgespeist werden, ist mir vollkommen unbegreiflich. Aber das ist wohl auch besser so, schließlich kann angesichts dieser Niederlage nicht jeder „Aufatmen“ wie Ihre Kollegin auf der von ihnen verlinkten Seite „http://duberichtest.de/“, auf der auch Ergüsse wie z. B. der folgende zu finden ist (Bericht „Das Elend von Freiheit und Demokratie“):

    „Auch wenn es Paradox klingt: Ein Höchstmaß an Sicherheit kann man letztlich nur erreichen, wenn man des Sicherheitswahn bekämpft und ein Wohlstand für alle gibt es nur, wenn man die staatlich organisierte Wohlfahrt durch freiheitliche Garantien ersetzt.“

    Nein, klingt nicht paradox, ist nur die übliche neoliberale Scheiße, die reaktionäre Geister wie Sie ja überall verbreiten. „Freiheitliche Garantien“, ein schöner Ausdruck für das Recht des Stärkeren, das Faustrecht! Ihre Demokratie ist eine Demokratie der Wenigen, wie sie es schon aber schon immer war…

  4. Von Jörg Friedrich am 8. Aug 2007 um 15:14 Uhr

    Ich glaube, Sie haben nicht wirklich eine Vorstellung von den arbeitsrechtlichen Bedingunen zu Zeiten der Weimarer Republik und wohl schon gar nicht von den seinerzeitigen Arbeits- und Lebensbedingungen derer, die man damals zu Recht Proletarier nannte. Letztlich ist das eine Beleidigung für die Menschen, die damals unter wirklich schlimmen Bedingungen ausgebeitet wurden. Aber die können sich nicht mehr wehren.

    Danke für den Hinweis auf diesen Artikel bei DuBerichtest.de. Dort gibt es ja tatsächlich noch weitere Artikel, die den Gedanken, dass Freiheit und Demokratie, wie wir sie hier haben, die Grundlage des Wohlstandes der breiten Masse der Menschen sind. Jeder ist übrigens herzlich eingeladen, seine eigene freie Meinung in Kommentaren und auch eigenen Artikeln zu äußern. Selbst Ausdrücke wie „neoliberale Scheiße“ und „reaktionäre Geister wie Sie“ werden zugelassen, das fällt alles unter die Meinungsfreiheit, das kann ich als Mitbetreiber der Seite versichern.

  5. Von gewe am 8. Aug 2007 um 16:21 Uhr

    Ich bin echt am überlegen, wieviele Jahrzehnte mir verschiedene Mitmenschen versuchen einzureden, dass es kein Proletariat, keine Kapitalisten und keinen Klassenkampf mehr gibt. Alles Leute, die wohl kaum mal Marx gelesen oder zumindest verstanden haben.
    Was ist ein Streik anderes als Klassenkampf?
    Das diesen Unfug „Heute ist alles ganz anders als zu Marx Zeiten“ besonders gern diejenigen in die Welt posaunen, die davon profitieren, also ihren Profit sichern, sollte eigentlich nicht so schwer zu verstehn sein.
    Man schaue sich nur die aktuellen Medienbeiträge zum Lokführerstreikthema an. Wer da nicht mitbekommt, was für eine Meinungsmache da abläuft, was für ein Druck auf das Proletariat (Lokführer) ausgeübt wird, den muß man wirklich fragen, ob er mit Dummheit gepudert wurde.
    Das zum Klassenkampf gekaufte Gewerkschaftsführer gehören, ist nun wirklich nicht der letzte Stand des Weltwissens. Es ist aber die Folge davon, dass in den Gewerkschaftsaufsichtsräten keine wirklichen Proletarier sitzen und erst recht keine Kommunisten.

  6. Von peter s. am 8. Aug 2007 um 17:21 Uhr

    ach , es ist doch dämlich, das dieser streik/arbeitskampf nicht in einem soz. land stattfindet …

    damals waren die solidarnosz und diese werftarbeiter in unseren medien die größten helden ! der friedensnobelpreis wurde dem oberhelden auch nach dem erfolg verliehen !

    heute in diesem unserem lande ist alles anders (wers glaubt !)
    es gibt keine ausbeutung mehr-die arbeitenden menschen können wählen- es geht uns allen noch sehr gut- ein klein wenig oben und unten (na ja)- in africa /asien geht es den menschen doch viel schlechter usw.

    die medien haben es verstanden (besser als zu thälmanns zeiten), die meisten menschen in diesem unserem lande zu blinden konsumenten zu machen.

    es scheint, das nur die kapitalisten aller länder genau wissen, in welchem wirtschaftssystem wir leben und woher die gefahr ihrer ablösung kommen kann.

    die geschichte der menschheit ist noch nicht am ende !
    (wenn nicht ein biologischer-/chemischer- oder/und kernwaffen-krieg angezettelt wird)

    peter s.
    bürger westberlins

  7. Von Woschod am 8. Aug 2007 um 19:33 Uhr

    Jörg Friedrich zeigt auch beeindruckend, dass er keine Ahnung von Ernst Thälmann hat. Teddy wusste sehr genau, was ein Proletarier ist.

  8. Von D. Krüger am 8. Aug 2007 um 20:15 Uhr

    Hallo,
    Jörg Friedrich schreibt eben so, wie er es versteht. Und Marx und Engels und Lenin sind tot – nur der „freiheitliche, demokratische Rechtsstaat“ entwickelt sich weiter.
    Dabei weiß Jörg Friedrich nicht einmal was das ist.
    Und die Schafe auf der Weide wissen das natürlich auch nicht. Woher schon.
    SDtark bleiben!

  9. Von Jörg Friedrich am 8. Aug 2007 um 21:13 Uhr

    Naja, wer mit mir in einen Wissenswettbewerb über Marx, Engels, Lenin und Thälmann treten möchte, nur zu.

    Aber ich weiß was besseres. Wir könnten auch über Horkheimer sprechen, oder über Henri Lefebvre, zwei ausgewiesene Marxisten des 20. Jahrhunderts, die Marx vermutlich wirklich verstanden haben, und die in der Lage waren, seine Theorien dialektisch weiter zu entwickeln.

  10. Von D. Krüger am 10. Aug 2007 um 14:32 Uhr

    Hallo,
    @Jörg Friedrich – besser als über jemanden zu sprechen, sollten wir uns vielleicht mit jemandem, der auch noch am Leben ist, unterhalten.
    Ich kenne da einige (und sicher auch noch viel mehr) Personen, bei denen es sich lohnt zuzuhören und MITzudenken – K. Gossweiler (http://de.wikipedia.org/wiki/Gossweiler) und Gerhard Feldbauer, Ulrich Huar, Michael Opperskalski u.u.u.
    Stark bleiben! 😉

  11. Von S. Groth am 19. Jan 2008 um 19:22 Uhr

    Was soll man von Politikern aus dem Bundestag wie Dieter Kaddoura (Die Linke.) halten, die den Bahnstreik der GDL 2007/2008 als politisches Mittel zum Kippen der Bahnreform missbrauchen wollten? Das zeugt nicht gerade von edlen Motiven wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder erstrebter Verkehrsstromverlagerung auf die Schiene, sondern vom versuchten Ausspielen verschiedener Einzelgewerkschaften unter Inkaufnahme einer dauerhaften Schädigung des DGB und von Verdi. Die Zukunft wird zeigen, ob der Einzelkampf einzelner Berufssparten den Gewerkschaften nicht die Durchschnittsmitglieder, eben auch die richtigen Arbeiter vergrault.
    Und wer wie Kaddoura in Umkehr e.V. und Fuss e.V. aktiv ist, (wir erinnern uns: Um die Kosten des Verkehrs gerechter zu verteilen, schlugen Umkehr und FUSS e.V. ein Öko-Bonus-System vor: Wie aus der dort verteidigten Studie errechnet, sollte bereits im Jahr 2000 der Benzinpreis um 3,53 Mark pro Liter steigen !)
    macht sich restlos unglaubwürdig, wenn er eine Lokführerverteuerung will, um Mehdorn politisch eins auszuwischen. Es sei denn, wir sollen alle in Zukunft zu Fuss laufen.

    S. Groth

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