Impressionen aus Ziegenhals
21. August 2007 12:28Eine Woche nach Errichtung der offenen faschistischen Diktatur in Deutschland versammelten sich etwa 40 führende kommunistische Funktionäre im Sporthaus Ziegenhals. Auf abgesicherten konspirativen Wegen waren sie hier, unweit der Stadtgrenze von Berlin, zu einer Tagung des Zentralkommittees der KPD zusammengekommen, um zu beraten, wie der Kampf gegen die faschistische Diktatur am wirksamsten zu führen sei. Es war das letzte Mal, daß der Parteivorsitzende Ernst Thälmann vor dem Zentralkommittee sprechen konnte. In seinem Referat enthüllte er den Klassencharakter des Hitlerregimes, analysierte die neuen Kampfbedingungen und legte die Anforderungen dar, die sich für die KPD, für jeden Genossen ergaben. Diese Tagung verdeutlicht, daß die KPD am konsequentestenden antifaschistischen Kampf führte, ihm Richtung und Ziel wies.
Siehe auch: Gedenkstätte Ziegenhals
Gedenken anlässlich des 63. Todestages Ernst Thälmanns
Rede des tschechischen Genossen der (KSCM) in Ziegenhals am 19. August 2007
Derzeit ist die Gedenkstätte noch dem Verfall preis gegeben, es ist aber inzwischen abzusehen, das sich dieser Zustand bessern wird.



9 Reaktionen
Von tobi am 21. Aug 2007 um 12:57 Uhr
und wieder der alte linke fehler: “Diese Tagung verdeutlicht, daß die KPD am konsequentestenden antifaschistischen Kampf führte, ihm Richtung und Ziel wies.” eine tagung ist beweis für konsequenz und führerschaft?
tagungen von widerständlern gab es bei kommunisten, sozialdemokraten, liberalen, konservativen und selbst (wenn auch später) beim militär. die kpd hat den männern des 20. juli, der weißen rose, dem kreisauer kreis, bonnhoefer und niemöller und georg elser richtung und ziel gewiesen?
sorry, aber selbst als politisch links orientierter mensch muss ich nur herzhaft lachen und dich bitten, die rote brille abzunehmen! ich will nicht den mut und einsatz der kommunistischen widerständler schmälern, aber genau das tust du gegenüber denen aus anderen politischen lagern!
Von gewe am 21. Aug 2007 um 20:43 Uhr
Nein, kein alter linker Fehler verehrter tobi. Es ist die alte linke Wahrheit, basierend auf einer wissenschaftlich begründeten Weltanschauung. Wem willst Du sonst die Führung für eine derart schwierige Aufgabe geben? Bürgerlichen Ideologen und Politologen, wo 5 Wissenschaftler 13 Meinungen (Interessen) vertreten?
Gegen Faschismus hilft keine der bürgerlichen Reformspielarten. Dagegen hilft nur die Überwindung der bisherigen Gesellschaftsordnung und das mit aller Konsequenz. Eine derartige Politk wirst Du wohl nie von einer bürgerlichen Partei oder Strömung erwarten. Ich erwarte dies auch nicht von SPD, Grünen oder den heutigen ScheinLINKEN.
Damit will ich aber auf keinen Fall die Verdienste der Widerstandstätigkeit der Menschen mit anderen Weltanschauungen schmälern. Sie haben ihren berechtigten Widerstand all zu oft mit dem Leben bezahlt, nachdem sie durch die faschistische Hölle gehen mußten. Diesen Menschen sollte man auch in tausenden von Jahren noch ehrenvoll gedenken. Aber der Kern des antifaschistischen Widerstandes – wie gesagt bei allem Respekt vor seinem Mut – war nicht Graf Stauffenberg.
Von D. Krüger am 21. Aug 2007 um 20:47 Uhr
Hallo,
@tobi – leider fehlen Dir wirklich etwas die Kenntnisse. Darum etwas Nachhilfe:
“Männer des 20. Juli” 1944 hast Du vergessen dazu zu schreiben. Der faschistische Wehrmachtoffizier Stauffenberg war glühender Verehrer des Faschismus. Er himmelte Hitler ob seiner militärischen Erfolge an. Erst mit der drohenden Niederlage bekamen er und andere, bisher willfährige treue Paladine des GröFaz, Angst vor ihren eigenen verbrecherischen Taten. Und Stauffenberg war am Überfall der faschistischen Wehrmacht auf Polen beteiligt. Er leistet seinen Beitrag am Überfall der faschistischen Wehrmacht auf Frankreich.
Die faschistische Wehrmacht leistete ihren Fahneneid – und somit auch Stauffenberg – auf den “Führer”.
Zu den Verbrechen der Wehrmacht solltest Du dich mal nach Gardelegen begeben. Hier wurden am 13.April 1945 auch von “Wehrmachtssoldaten” 1016 KZ-Häftlinge ermordet.
Stauffenberg erkannte früher als andere Offiziere der faschistischen Wehrmacht die Abscheulichkeit der Verbrechen dieser Armee. Er – und die Männer des Kreisauer Kreises – hatten ihren Anteil am antifaschistischen Kampf.
Doch unbestritten waren solche Frauen und Männer wie Teddy Thälmann (KPD – verhaftet am 03.03.1933; ermordet am 23.08.1944); Lilo Herrmann (KPD – verhaftet 07.12.1935; ermordet am 20. Juni 1938); Olga Benario Prestes (KPD – verhaftet 1936; ermordet 1942); am 30.11.1933 werden auf ausdrücklichen Befehl Herrmann Görings mit dem Handbeil im Kölner Klingelpütz von den Faschisten folgende Mitglieder der KPD ermordet: Josef Moritz (20 Jahre), Otto Walser (21 Jahre), Hermann Hamacher (22 Jahre), Bernhard Willms (25 Jahre), Heinrich Horsch (25 Jahre), Josef Engel (28 Jahre) – und viele andere Kommunisten – da bereiteten die künftigen “Männer des Kreisauer Kreises” als Angehörige der faschistischen Wehrmacht noch die kommenden Siege ihres Führers vor.
Carl von Ossietzky (Friedensnobelpreisträger – verhaftet am 28.02.1933; 1936 schwerkrank aus dem KZ entlassen – 1938 starb er an den Folgen der Haft). Kurz darauf marschierten die Soldaten der künftigen “Männer des Kreisauer Kreises” mit dem Champagnerglas in der Hand über den Camps Elise und vergewaltigten und ermordeten polnische, tschechische, französische und sowjetische Frauen und Mädchen. Ihre Soldaten erschlugen Kinder und Greise, bombten Minsk, Kiew, Leningrad und Stalingrad nieder.
Bei aller Achtung vor den durch die Faschisten ermordeten und überlebenden aktiven Widerstandskämpfern – gleich aus welchen Motiven auch immer sie Widerstand leisteten – dazu gehören auch die Männer des 20.07.1944 und Die weiße Rose und Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer und Georg Elser und Georgie Dimitroff und Erich Honecker und – den größten Blutzoll brachten die vielen Namenlosen und namentlich bekannten Kommunisten und die, die mit ihnen gemeinsam für ein antifaschistisches, friedliches Deutschland kämpften – Sozialdemokraten, Liberale, Konservative.
Der Faschist Filbinger, der heute vom Ministerpräsidenten Oettinger eines der Länder des “freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaates” BRD bejubelt wird, bleibt ein Faschist.
Genau wie die Mehrzahl der Mitglieder des ersten Kabinetts unter Adenauer Faschisten waren. Nicht einmal im Ersten Kabinett Hitlers waren so viele Faschisten.
Und heute rennen wieder die Faschisten durch “freiheitliche, demokratische, rechtsstaatliche” Städte und Dörfer und jagen Menschen zu Tode. Wie gesagt: freiheitlich, demokratisch und rechtsstaatlich.
Ich hoffe nur, daß Dir Dein herzhaftes Lachen erhalten bleibt – als links orientierter Mensch.
Stark bleiben!
Von tobi am 22. Aug 2007 um 00:25 Uhr
hmm gewe, die ersten zwei abschnitte deines kommentars drehen sich vermutlich mehr ganz um den widerstand damals, oder?
der erste abschnitt dient einzig und allein die eigene meinung/weltanschauung als gut wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig davon abweichende negativ darzustellen.
was der zweite sagen soll frage ich mich noch worum es dir geht, um die alte frage revolution oder reformen? auf alle fälle auch nix mit dem widerstand 33-45 direkt zu tun, oder?
der dritte ist bis auf den letzten satz prima, aber was soll dieser letzte sagen? glaubt ausser guido-knopp-fans (heisst der so?) jemand dass stauffenberg der kern des widerstands war? gabs überhaupt nen kern bei diesen so verschiedenen strömungen? ich denke nein.
Von tobi am 22. Aug 2007 um 11:18 Uhr
hach man sollte wenn man was kommentieren will und den browser länger stehen lässt auch kurz f5 drücken, narf. sorry d.krüger, dein kommentar wurde von mir “technisch übersehen”.
nachhilfe ist gut, das ganze leben besteht aus lernen, lernen, lernen. leider waren mir die meisten fakren deiner abschnitte bevor du auf die achtung vor anderen eingehst schon bekannt. auch herrn oettinger und seine jubelarien auf herrn filbinger bewerten wir gleich. bei adenauers kabinett würde ich gerne erstmal zählen bevor ich deine aussage als richtig erachte.
was mir aber am meisten gefällt ist dass du im endeffekt meine argumentation vom anfang unterstützt: ich wollte eigentlich nur feststellen dass eine geheime kp-sitzung nicht allen widerstandskämpfern richtung und ziel wies. da du so schön dargestellt hast was z.b. stauffenberg zu dem zeitpunkt machte, und aus welchem politischen lager er kam (auch wenn ich bei der einschätzung minimal abweichen würde), glauben wir beide wohl nicht dass eine geheime kp-sitzung ihm irgendwas gab, oder? von richtung und ziel mal komplett geschwiegen. und bestreiten dass er widerstand leistete (wenn auch erst spät, aber besser spät als nie, immerhin trauten oder wollten dies massenhaft militärs nicht) will wohl auch keiner.
also, danke für die hilfe, und keine sorge um mein lachen, das wird mir erhalten bleiben denke ich.
Von gewe am 22. Aug 2007 um 19:40 Uhr
Nun tobi, wenn Du nicht in der Lage bist, meinen Beitrag zu verstehen und Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen, dann ist das am wenigsten mein Problem.
Es ist sicher nicht nur eine Frage, des Verstehen wollens, sondern auch des Verstehen könnens. Zu ersterem gehört der Wille in eine bestimmte Richtung denken zu wollen. Das drückt sich dann z.B. darin aus, dass man in seinen Beiträgen keine gewollten Fehlinterpretationen aufnimmt oder in Erwiderungen keine Unterstellungen einbaut.
Zum zweiten gehören vor allen Wissen und eine gewisse Menge an Lebenserfahrung. Beim Wissen hast Du noch viel Lernarbeit vor Dir – wenn Du es denn wirklich willst. Was die Lebenserfahrung angeht, wirst Du noch einige Jahrzehnte brauchen, um D. Krüger und mir das Wasser reichen zu können.
Ich habe allerdings keine Lust, auf dieser Grundlage über dümmliche Analysen mit Dir zu streiten. Nimm unsere Worte als Denkanstoß. Vielleicht helfen Sie Dir irgendwann im Leben weiter. Wenn nicht, nun dann laß es. Die Welt dreht sich so oder so weiter …
Von D. Krüger am 22. Aug 2007 um 22:14 Uhr
Hallo,
@tobi – ne – so einfach kommst Du nicht davon – Daniel schrieb über drei Dinge:…”daß die KPD am konsequentesten den antifaschistischen Kampf führte, ihm Richtung und Ziel wies.”
1. konsequent den Kampf zu führen – dem Faschismus nicht erst zu huldigen und zu bejubeln, sondern zu bekämpfen, zu vernichten
2. diesem Kampf die Richtung zu geben – bis zur völligen Vernichtung des Faschismus, der faschistischen Ideologie
3. mit dem Ziel, der Schaffung einer antifaschistischen, demokratischen , friedlichen Ordnung – und mit keinem Wort etwas von Kommunismus – siehe auch den Aufruf der Kommunisten vom 11.06.1945 (ließ dagegen den Aufruf der Dezimalsozikraten von 1945 durch oder auch das Aalener Programm der CDU)
Das Stauffenberg oder Elser von dieser Tagung nie jemals was gehört haben ist anzunehmen – dennoch waren gerade die Kommunisten es, die von Anfang an gegen den Faschismus kämpften – und nicht erst als ihre Besitztümer (welche denn auch) den Bach runter gingen, wie derer der Männer des “Kreisauer Kreises”.
Diese Männer wären doch liebend gern mit den Amis singend gen Moskau gezogen – wenn der 20.07.1944 für sie erfolgreich verlaufen wäre.
Nochmals – Hut ab auch vor den Taten dieser Männer – nur alles im Zusammenhang bewerten – und nicht nur nach der Vorlage der Bundeszentrale für politische Bildung.
Noch etwas tobi – Du kannst ruhig daran zweifeln, ob in Adenauers erstem Kabinett von 1949 mehr Faschisten saßen als im ersten Kabinett von Hitler – doch bitte zweifle dann auch an den Verkündigungen der besagten Bundeszentrale.
Stark bleiben!