arte sucht den besten Dramatiker – Wir schlagen Peter Hacks vor

Gastbeitrag von Felix Bartels (www.peter-hacks.de)

Liebe Freunde,

der Fernsehsender arte hat eine Umfrage gestartet, die sich zum Ziel gestellt hat, den besten Dramatiker aller Zeiten zu ermitteln. Zu diesem Zweck wurde eine Liste von 50 Dramatikern erstellt, aus der man 10 Dramatiker nominieren kann. Auf dieser Liste finden sich erstklassige Namen, aber auch erstklassiger Schrott. Und leider fehlen auch drei Dramatiker, die aufgrund ihrer Klasse und ihres Erfolges vertreten sein müßten: Peter Hacks, Pierre Corneille und Aristophanes.

Es gibt jedoch die Möglichkeit, einen weiteren Namen zu nominieren. Diesen Namen kann man nur dann eingeben, wenn man bereits regulär 10 Dramatiker aus der Liste ausgewählt hat.

Da ich annehme, daß sich zugunsten des großartigen Aristophanes und des göttlichen Corneille genüngend andere Verfechter finden werden, bitte ich Euch, Peter Hacks als Euren 11. Dramatiker zu nominieren. Es haben schon viele desgleichen getan, und da arte ein Sender ist, der eher von der Klasse als von der Masse lebt, haben wir eine gute Chance, den Hacks auf die Liste zu bekommen, auf die er einmal gehört.

Für die, die Wert auf mein Urteil legen, empfehle ich zur weiteren Wahl:
Sophokles, Aischylos, Euripides, Goethe, Schiller, Racine, Molière, Shakespeare, Shaw, Brecht, Lope de Vega, Nestroy, Kleist oder Lessing.

Abgestimmt wird auf der Website von arte. Leider ist der Server von arte.tv/de häufig offline. Wenn der Link also nicht gleich funktioniert, dann versucht es bitte später noch einmal.

Wenn Ihr mir noch einen Gefallen tun wolltet, dann laßt nicht unversucht, Eurerseits Bekannte und Verwandte zur Wahl von Peter Hacks zu animieren.

Weiter Informationen finden sich hier im Forum von www.peter-hacks.de.

Bestens grüßt,
nicht ohne freundlichen Dank,

Felix Bartels

PS: Die Abstimmung läuft nur noch ein paar Wochen, also wenn Ihr stimmen wollt, dann tut es bald.

  1. 22 Reaktionen

  2. Von Hamlet am 22. Aug 2007 um 20:23 Uhr

    Ich will nicht haarspalterisch erscheinen, aber den Aristophanes ist wohl eher nicht unter die großen Dramatiker reihen, denn was immer der da auf der Bühne erzählt, Fabeln sind das nicht. Aber er ist ein theatralisches Genie und als solches sehr erfolgreich, weswegen er vielleicht doch eher auf die Liste gehört, als manch anderer dort.

    Doch den Hacks, den muß man wählen. Da hat der Bartels schon ganz recht.

  3. Von Fritz am 22. Aug 2007 um 21:36 Uhr

    Aischylos und Euripides kenne ich leider nicht… aber das du Racine, Molière, Shaw und Lope de Vega empfiehlst wo auch Dürenmatt, Büchner, Gorki und Ostrowski zur Wahl stehen begreife ich nicht….

  4. Von D. Krüger am 22. Aug 2007 um 22:32 Uhr

    Hallo,
    ich habe die Kandidaten der Nationalen Front gewählt.
    Für mich waren das in offener Wahl bei namentlicher Abstimmung (ohne Festlegung der Reihenfolge)
    Brecht, Goethe, Gorki, Büchner, Kleist, Schiller, Frisch, Beckett, Tschechow, Lessing.
    Und natürlich verehre ich P. Hacks.
    Stark bleiben!

  5. Von Leninallee am 22. Aug 2007 um 23:18 Uhr

    Ich würde ja abstimmen, aber ich habe Angst, ein Wochenende in einem häßlichen Hotel in Berlin oder gar ein Abonnement der „Welt“ zu gewinnen. Außerdem funktioniert etwas mit dem Flash nicht.

  6. Von Hamlet am 22. Aug 2007 um 23:41 Uhr

    „Racine, Molière, Shaw und Lope de Vega empfiehlst wo auch Dürenmatt, Büchner, Gorki und Ostrowski zur Wahl stehen begreife ich nicht….“

    Das ist leicht zu beantworten: Weil er bei der Frage nach dem besten Dramatiker danach gegangen ist, wer die besten Dramatiker sind. Und da gehören Racine, Molière, Shaw und Lope dazu. Gorki, Dürrenmatt und Büchner aber auf keinen Fall. Über Ostrowski ließe sich eventuell streiten.

  7. Von D. Krüger am 23. Aug 2007 um 07:14 Uhr

    Hallo,
    @Hamlet – „Gorki, Dürrenmatt und Büchner aber auf keinen Fall.“ ❓ ❓ ❓
    Hättest Du gesagt:“Für mich“ – oder so – aber bist Du Literaturpapst?
    Stark bleiben!

  8. Von Hamlet am 23. Aug 2007 um 18:06 Uhr

    Ich bin nicht der Literaturpapst, dazu fehlt mir die Macht. Aber ich verfüge über Kategorien, Maßstäbe und ein Gespür fürs Ästhetische, das mich berechtigt, solche Urteile zu fällen. Ich sage ja gar nicht, daß sie unfehlbar sind. Aber sie sitzen mit Sicherheit näher an der Wahrheit als die Urteil der meisten anderen Menschen. Auch von der Kunst gilt, daß wer über sie urteilen will, etwas von ihr verstehen muß.

  9. Von Fritz am 23. Aug 2007 um 19:04 Uhr

    „Auch von der Kunst gilt, daß wer über sie urteilen will, etwas von ihr verstehen muß.“

    Kunst ist es für mich nur, wenn eine klare Bootschaft dahinter steht, die die Mehrheit der Menschen auch versteht, wenn das Werk auch einen Sinn hat, der der Menschheit in der Realität nutzt! Schöngeistlichkeit und Ästhetik alleine reicht nicht.
    Und grade da ist Gorki für mich unschlagbar und allein wegen „Die Physiker“ (eine absolut klare Kapitalismuskritik, die wohl jeden zum Nachdenken anregt) gehört Dürrenmatt auch unter die besten 10.

    Hamlet, beurteile du lieber abstrakte Kunst…..

  10. Von Hamlet am 23. Aug 2007 um 22:45 Uhr

    Du weichst aus. Die Frage ist die nach dem besten Dramatiker. Hierzu von dir keine Zeile. Aber der Reihe nach:

    1. Es geht bei der Wahl um die Frage, wer der beste Dramatiker ist, und also wird wohl die Frage, wer die besten Dramen geschrieben hat, gestellt werden dürfen. Was also macht Racine, Molière, Shaw und Lope als Dramatiker schlecht? Das worauf ich hinauswill, hat mit abstrakter Kunst überhaupt nichts zu tun, sondern mit Klassik. Oder hälst du die erwähnten Racine, Molière, Shaw und Lope für Vertreter der abstrakten Kunst?

    2. Kunst muß nicht möglichst einfach, sondern möglichst gut sein. Und sie muß wahr sein. Kunst ist kein Ersatz für Politik, sondern eine besondere Verkehrsform unter Menschen mit einer eigenen Daseinsberechtigung, eigenen Gesetzen und eigener Wirkweise. Sie ist nicht umso besser, je ähnlicher sie der Politik wird, sondern je besser sie die Wirklichkeit und den Menschen widerspiegelt. Wer (wie du) von der Kunst fordert, daß sie nichts als die Eigenschaften politischer Propaganda haben sollte, fordert (ob er sich dessen bewußt ist oder nicht) die Abschaffung der Kunst, denn Kunst ist, was sie ist, vermöge ihrer spezifischen Eigenschaften.

    3. Diejenigen Kunstwerke, die am besten den Menschen und die Gesellschaft widerspiegeln, nennt man klassische Kunstwerke. Hierzu bedarf es zweier Eigenschaften: Das Kunstwerk muß gattungsgemäß sein, und es muß realistisch sein. Nur Werke, die realstisch und gattungsgemäß sind, sind klassisch. Sie sind gut, sie bleiben gut. Racine, Molière, Shaw und Lope sind Klassiker des Dramas. Und sie sind das nicht allein, weil sie das dramatische Handwerk beherrschten, sondern weil sie die Gesellschaft und den Menschen widerzuspiegeln vermochten.

    4. Gorki hingegen spiegelt die Verhältnisse vielleicht richtig wider, aber er beherrscht nicht das dramatische Handwerk. Was immer er da tut, er tut es nicht so gut, daß man nicht der Meinung ist: ein politischer Streitbrief hätte es auch getan. Wenn einer ein Drama schreibt, das nicht mehr leistet als eine politische Streitschrift, wozu schreibt er dann überhaupt ein Drama? Um nicht mißverstanden zu werden: Gorki ist zweifellos ein erstklassiger Romancier, das kann er ausgezeichnet. Aber ein erstklassiger Dramatiker ist er nicht.

    5. Bei Dürrenmatt wiederum ist es umgekehrt: Er besitzt durchaus etwas mehr Geschick im damatischen Handwerk als Gorki (wobei auch er weit davon entfernt ist, makellose Dramen geschrieben zu haben). Bei Dürrrenmatt hapert es aber vor allem an der Realismusfrage. Seine Dramatik dient ihm allein, seine abstruse Einfallstheorie zu beweisen. Mit den realen Gesellschaftsverhältnissen hat sein „groteskes Theater“ nichts zu tun. Und was, da du drauf zu sprechen kamst, seine „Physiker“ angeht: Sie sind keine Kapitalismuskritik, erst recht keine „absolut klare“, sondern sondern einfach Zivilisationskritik, denn Dürrenmatt kritisiert eben nicht (wie Brecht zum Beispiel) die kapitalistische Gesellschaft, sondern schlechtweg alle Gesellschaftsformen (nicht zuletzt auch den Sozialismus). Das ist der übliche spätbürgerliche-romantische Stuß, der sich zu fein ist, direkte Apologie zu sein.

    6. Wenn nur das Kunst wäre, was die Mehrheit der Menschen versteht, gäbe es auf der ganzen Welt keine einziges Kunstwerk. Da die Kunst realistisch sein muß, ist der Grad ihrer Schwierigkeit letztlich vom Schwierigkeitsgrad der von ihrer widergespiegelten Wirklichkeit abhängig, und nicht vom Auffassungsvermögen der Mehrheit.

    7. Es auch nicht die Aufgabe der Kunst, immer primitiver zu werden, wenn das Volk sich (wie gegenwärtig) mit der Gesellschaft mit im geistigen Verfallsprozeß befindet. Viel eher ist es die Aufgabe der Kunst, diesem Verfall eine hohes Niveau entgegenzusetzen, an dem sich die Menschen aus dem Dreck ziehen können.

    PS: Dein letzter Beitrag läßt in mir eine dunkle Ahnung aufsteigen: Ich hatte mich schon gewundert, was der Ostrowski in deiner Aufzählung sollte. Der Rest deiner Favoriten – Dürrenmatt, Büchner, Gorki – waren ja durchaus zu erwarten. Das sind eben die Namen, die man von Linken oft hört, die, da ihnen der ästhetische (d.h.: der wissenschaftliche) Zugang zur Kunst fehlt, eben politische urteilen. Und so erklärt sich mir auch der Name Ostrowski, hinter dem dem du offenbar den Autor von „Wie der Stahl gehärtet wurde“ vermutest. Das ist er aber nicht, denn Dramen hat der gar keine geschrieben. Der Ostrowski von der Liste ist ein Stückchen älter und ein richtiger Dramatiker.

  11. Von Hamlet am 25. Aug 2007 um 23:36 Uhr

    Was denn? Will sich keiner mehr mit mir streiten? Schade. und dabei wollte ich als nächstes noch so schön über Büchner und Beckett herziehen.

  12. Von Hamlet am 26. Aug 2007 um 22:43 Uhr

    Und den Balzac-Brief von Engels wollte ich zitieren, in dem Engels solche Positionen, wie unser Fritz sie hier vertritt, als Unsinn bezeichnet.

    Ach mensch … Die Idioten waren auch schon mal hartnäckiger.

  13. Von Woschod am 26. Aug 2007 um 22:46 Uhr

    Du kannst doch trotzdem herziehen. 🙂 Ich kann dir deine Lästerungen auch gerne als Artikel hier veröffentlichen.

  14. Von Hamlet am 27. Aug 2007 um 18:51 Uhr

    Naja, irgendwie fehlt der Anreiz. Was wären Backpfeifen ohne Backpfeifengesichter?

    Aber du hast recht: Den Balzac-Brief von Engels sollte ich mal einscannen und ins Forum kommentiert stellen …

  15. Von Fritz am 29. Aug 2007 um 15:14 Uhr

    oh… hier ist ja noch viel los…. habe nicht mehr gelesen, da das Thema so weit nach hinten rutschte….

    das ich den ostrowski verwechselt habe mag sein, hab nur den nachnamen gelesen und kenne auch keinen anderen, als den autor von „wie der stahl gehärtet wurde“ aber eins möchte ich dazu schon noch sagen…

    mit deinen punkt 7 sprichst du mir aus den herzen….
    „Es auch nicht die Aufgabe der Kunst, immer primitiver zu werden, wenn das Volk sich (wie gegenwärtig) mit der Gesellschaft mit im geistigen Verfallsprozeß befindet. Viel eher ist es die Aufgabe der Kunst, diesem Verfall eine hohes Niveau entgegenzusetzen, an dem sich die Menschen aus dem Dreck ziehen können.“
    das sehe ich ganz genauso….

    aber ästhetisch ist eben NICHT gleich wissenschaftlich! und einen wissenschaftlichen zugang zur kunst gibt es nicht, denn eine wissenschaftliche herrangehensweise benötigt irgendetwas, woran die resultate gemessen oder überprüpft werden können – und ob ein werk besser oder schlechter als ein anderes ist, ist immer subjektiv, also unwissenschaftlich…. und ein bild z.b. nach größe einzuschätzen, wäre wissenschaftlich, das maß der länge gilt für beides – das ist aber absoluter unfug, wenn es um kust geht….

    außerdem, du unterstellst mir ich würde kunst nur im zusammenhang mit poltik betrachten, das stimmt nicht – ich hab geschrieben es muß eine bootschaft dahinter stecken, diese kann auch, wie du selbst schreibst, eine sein, die den menschen dazu bringt den gesellschaftlichen verfallsprozess entgegenzuwirken, also bspw. sich weiter zu bilden, seine verhaltensweisen zu ändern etc. aber eine boot schaft gehört für mich einfach zur kunst, wenn du es anders siehst bitte…. aber dann reden wir nicht über das selbe.

    p.s.
    „Das worauf ich hinauswill, hat mit abstrakter Kunst überhaupt nichts zu tun, sondern mit Klassik.“
    hier hast du mich falsch verstanden, das war ein leicht böse gemeinter kommentar, das du von dramatikern die finger lassen sollst und statt dessen abstrakte kunst beurteilen sollst. (also bilder ohne sinn….)

  16. Von Hamlet am 30. Aug 2007 um 19:20 Uhr

    1. gibt es in der Kunst sehr wohl ein Besser und Schlechter. Wenn auch die Kunsterzeugnisse eine gewisse Unschärfe besitzen, so sind sie doch nicht beliebig. Es gibt Kriterien, Maßstäbe, woran man die Qualität einzelner Kunstwerke festellen kann: wie dauerhaft ist ihr Erfolg, wie gut sind sie gebaut, wie realistisch sind sie? Solche Fragen hängen von objektiven Qualitäten ab, sind also nicht subjektiv.

    2. Ästhetik ist eine Wissenschaft. Und zwar die Wissenschaft von der Kunst, oder besser: von den Künsten. Definition des Begriffs Wissenschaft: W. ist organisiertes WIssen über einen bestimmten Gegenstand. Die Ästhetik ist befaßt mit der Kunst, d.h. mit den Gesetzen ihrer Herstellung und Wirkung, mit ihrer gesellschaftlichen Funktion, ihren verschiedenen Erscheinungsformen und deren besonderner Beschaffenheit, ihrem Wesen überhaupt. Die Ästhetik fällt also anstandslos unter die Definition des Wissenschaftsbegriffs. Die Tatsache, daß über Kunst vielfältige Meinungen existieren, ändert nichts am wissenschaftlichen Charakter der Ästhetik. Genauso wenig wie die Politische Ökonomie aufhört, einen Wissenschaft zu sein, nur weil heute die Mehrheit der Menschen glaubt, die Wirtschaft unterliege keinen Gesetzen.

  17. Von Fritz am 31. Aug 2007 um 16:23 Uhr

    1. die von dir genannten Maßstäbe sind genauso ungeeignet wie z.B. die geometrischen Abmessungen….
    Bei der Dauerhaftigkeit des Erfolges z.B. gewinnt im Vergeleich das ältere gegenüber den jüngeren Werk, desweiteren wäre es da auch unmöglich Werke aus verschiedenen Epochen zu vergleichen aber wenn es, wie oben, um den besten Dramatiker geht, ist dies ja notwendig etc.
    Ob ein Werk realistisch ist oder nicht, kann ebenfalls nciht der Maßstab sein, denn auch ein völlig unrealistischen Science-Fiction Drama kann gut sein, kann den Leser begeistern, eine Bootschaft enthalten, die ihn zum nachdenken bringt….

    2. das Ästhetik selbst Wissenschaft ist, höre ich von dir zum ersten mal…. und würde dem auch widersprechen aber da „Ästhetik“ an sich etwas ist, wo ich nciht sagen kann, das ich viel Ahnung davon habe, habe ich mal Wikipedia befragt und habe auch in etwa das gefunden, was ich darunter verstehe… „In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff die gesamte Palette von Eigenschaften, die darüber entscheiden, wie Menschen Gegenstände wahrnehmen.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84sthetik
    Ästhetik kann als bestenfalls statistisch objektiviert werden.

  18. Von Hamlet am 31. Aug 2007 um 18:03 Uhr

    Pardon, aber: Stell dich bitte nicht blöder, als du bist.

    Dauerhaftigkeit des Erfolgs heißt nicht, daß ein Dichter, der 100 Jahre älter ist als ein anderer, auch um 100 Jahre besser ist, sondern daß anhaltender Erfolg eines Dichters ein Ausweis seiner Klasse ist. Das gilt für einen 100 Jahre alten Dichter in gleichem Maße wie für einen 1000 Jahre alten.

    Du verwechselt Realismus mit Naturalismus. Ein Siencefiction-Roman ist nicht dadurch unrealistisch, daß er Geschichten erzählt, die so in der Realität nicht möglich sind, sondern nur, wenn er z.B. platte Charaktere beschreibt oder die Gesellschaft, in der sein Autor lebt, schlecht oder gar nicht widerspiegelt. Nach Deiner Rechnung wären z.B. Shakespeares „Macbeth“ und Brechts „Guter Mensch vom Sezuan“ keine realistischen Kunstwerke, weil in ihnen Hexen und Götter autreten. Sie sind aber realistisch, weil sie die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit, in der sie geschrieben sind, auf vollkommene Weise widerspiegeln und die Handlungsmöglichkeiten des Menschen innerhalb dieser Verhältnisse aufzeigen. Daß sie das mittels Metpahern tun, ändert an ihrem Realismus nicht, denn so arbeitet die Poesie überhaupt.

    Es ist ehrlich, aber eigentlich überflüssig, daß du zugibst, von Ästhetik nichts zu verstehen. Das war ja nun nicht zu übersehen. Da du nun aber nichts davon verstehst, ist es wohl auch schwer möglich, daß wir darüber miteinander streiten.

    Wikipedia ist keine Quelle, auf die man sich berufen sollte. Die Grundlage der dortigen Methode ist nicht die Wissenschaft, sondern die Demokratie. Es siegt nicht die Wahrheit, es siegt die Mehrheit. Entsprechend beschaffen sind die dortigen Artikel. Die über naturwissenschaftliche Gegenstände zuweilen ausgenommen, aber da sind ja auch viel weniger politische Interessen im Spiel. So ziemlich alles, was mit Mensch und Gesellschaft zu tun, ist in einem lausigen Zustand. Du darfst nicht vergessen, daß wir in einer Zeit des geistigen Verfalls leben, und entsprechend vorsichtig sollte man im Umgang mit Quellen wie Wikipedia sein.

    Zum Begriff Ästhetik. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert hat man gewußt, was er bezeichnet: Die Wissenschaft der schönen Künste. Hegel weist in seiner Ästhetik darauf hin, daß der Name Kallistik sicher treffender sei, übernimmt aber ebenfalls den Begriff Ästhetik, denn die wolffsche Schule habe diesen Begriff unter die Leute gebracht und dabei den Fehler gemacht, den Charakter des Schönen auszuklammern. Aber der Begriff ist seit Wolff entsprechend tradiert, und daher ist es vollkommen unsinnig, für die Ästhetik einen anderen Namen zu suchen, und ebenso unsinnig ist es, dem Namen Ästhetik einen anderen Begriff zuzuordnen. Daß es heute Leute gibt, die das tun, heißt nicht, daß sie das zurecht tun. Wenn ich die Wahl habe zwischen Boileau, Wolff, Leibniz, Lessing, Kant, Hegel, Herder, Wieland, Goethe, Schiller, Heine, Marx, Lukács oder Peter Hacks, um nur die bedeutendsten zu nennen, und auf der anderen Seite den Theoretikern der Zerstörung der Vernunft, dann weiß ich aber, wem ich zu folgen habe.

  19. Von Fritz am 31. Aug 2007 um 19:09 Uhr

    „Dauerhaftigkeit des Erfolgs heißt nicht, daß ein Dichter, der 100 Jahre älter ist als ein anderer, auch um 100 Jahre besser ist, sondern daß anhaltender Erfolg eines Dichters ein Ausweis seiner Klasse ist. Das gilt für einen 100 Jahre alten Dichter in gleichem Maße wie für einen 1000 Jahre alten.“

    ja, da gebe ich dir ja recht…. aber wo ist da der maßstab? du suchst einen…. wenn du dauerhaftigkeit als maßstab nimmst, ist ein Künstler der 1000 Jahre erfolg hat besser als einer, der nur 100 Jahre Erfolg hat…. das dies Unsinn ist weiß ich, darauf wollte ich aber dich aufmerksam machen, denn du hast den Unsinn hervor gebracht dies als Maßstab zu nutzen….

    was du über Wikipedia schreibst ist richtig, keine Frage, aber wenn man keine andere Definition für etwas hat als bei Wikipedia muß man diese ja nehmen… und auch du bei deiner letzten Erklärung setzt den Begriff als bekannt vorraus und definierst ihn nicht. (das ist allgemein ein problem das oft menschen unter einen begriff zwei verschiedene dinge verstehen, dies ist womöglich eben bei uns mit der ästhetik der fall…)

  20. Von Hamlet am 31. Aug 2007 um 20:07 Uhr

    „ja, da gebe ich dir ja recht…. aber wo ist da der maßstab? du suchst einen…. wenn du dauerhaftigkeit als maßstab nimmst, ist ein Künstler der 1000 Jahre erfolg hat besser als einer, der nur 100 Jahre Erfolg hat…. das dies Unsinn ist weiß ich, darauf wollte ich aber dich aufmerksam machen, denn du hast den Unsinn hervor gebracht dies als Maßstab zu nutzen….“

    Also noch zusammengefaßt: Ich mache eine Aussage. D verstehst sie falsch, so daß Unsinn dabei herauskommt. Und nachdem ich dich auf diesen Unsinn heinweise, rechtfertigst du dich, indem du darauf verweist, ich hätte diesen Unsinn hervorgebracht. Bin ich der einzige von uns beiden, den das amüsiert? Wenn ich einmal mißverstanden werde, erkläre ich die Sache. Wenn ich nach der Erklärung immer noch falsch verstanden bin, erkläre ich sie nicht noch einmal. Erklärungen zu erklären ist unsinnige Arbeit.

    „was du über Wikipedia schreibst ist richtig, keine Frage, aber wenn man keine andere Definition für etwas hat als bei Wikipedia muß man diese ja nehmen“

    Nein, muß man nicht. Es gibt Lexika, es gibt Fachliteratur, es gibt Klassiker. Ich sage ja nicht, daß jeder z.B. Hegels Ästhetik gelesen haben muß, aber jeder, der sich mit mir über Ästhetik streitet, schon.

    „und auch du bei deiner letzten Erklärung setzt den Begriff als bekannt vorraus und definierst ihn nicht.“

    Nein, so lief die Sache nicht. Ich habe nicht den Begriff Ästhetik verwendet, ohne ihn zu definieren, denn, wie du dich vielleicht erinnerst, war der Streitpunkt ja gerade die Definition des Begriffs Ästhetik. Ich hatte ihn defniert, du hieltest die Definition für falsch. Ich habe dich belehrt und alles ist gut. So ist das Leben.

  21. Von Fritz am 31. Aug 2007 um 21:00 Uhr

    nur noch zum ersten punkt…. ich hab dich lediglich darauf hingewiesen, das DEIN Unsinn, die Dauerhaftigkeit des Erfolges als Maßstab zu nehmen nicht funktioniert.

    Und nun breche ich die Diskussion ab, du redest erstens wie du es brauchst und nimmst zweitens sowieso nix von anderen an….

  22. Von Hamlet am 31. Aug 2007 um 21:19 Uhr

    „nur noch zum ersten punkt…. ich hab dich lediglich darauf hingewiesen, das DEIN Unsinn, die Dauerhaftigkeit des Erfolges als Maßstab zu nehmen nicht funktioniert.“

    Dauerhaftigkeit des Erfolg als ein Maßstab für die Güte von Kunstwerkes zu nehmen ist kein Unsinn. Was ist ein klassisches Kunstwerk anders als ein dauerhaft erfolgreiches?

    Freilich, um das zu wissen, sollte man schon ein wenig mehr Dramen gelesen haben, als Gorkis „Kleinbürger“ und Dürrenmatts szenische Verränkungen.

    „Und nun breche ich die Diskussion ab, du redest erstens wie du es brauchst und nimmst zweitens sowieso nix von anderen an….“

    Ein forsches Urteil für jemand, der selbst zugegeben hat, vom Gegenstand der Diskussion keine Ahnung zu haben.

    Du hattest dich bisher ja schon nicht wenig blamiert, aber dieser letzte Satz ist natürlich unbezahlbar. – Der beste Witz von Fritz

  23. Von compay am 14. Nov 2008 um 02:05 Uhr

    hui, hier gefällt’s mir. nur hätte ich noch gerne gewußt, was man an büchner auszusetzen haben muss.

    und ich bin mir nicht sicher hiermit:
    „7. Es auch nicht die Aufgabe der Kunst, immer primitiver zu werden, wenn das Volk sich (wie gegenwärtig) mit der Gesellschaft mit im geistigen Verfallsprozeß befindet. Viel eher ist es die Aufgabe der Kunst, diesem Verfall eine hohes Niveau entgegenzusetzen, an dem sich die Menschen aus dem Dreck ziehen können.“
    Wenn Kunst jetzt doch wieder eine „Aufgabe“ zukommt, wird sie dann nicht doch wieder ein „Ersatz für Politik“?

    Bitte, belehren Sie mich.
    herzlichen Dank

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