Strike Bike – Arbeiter-Solidaritäts-Fahrrad

Arbeiter-Solidaritäts-Fahrrad – limitierte Auflage

Aus selbstverwalteter Produktion aus dem besetzten Fahrradwerk Bike Systems in Nordhausen 2007. Das Fahrrad wird nur gegen Vorkasse zum Solidaritäts-Preis von 275 € (inkl. Versand und MWSt.) geliefert.

Strike Bike

Nach zehn Wochen der Besetzung der Entschluss:

„WIR BAUEN FAHRRÄDER IN EIGENREGIE!“

Daß sich in Deutschland Belegschaften gegen die Schließung des Betriebes wehren ist selten. Daß sie ihren Betrieb besetzen, ist ganz ungewöhnlich. Daß sie aber die Produktion in Eigenregie aufnehmen, ist der absolute Ausnahmefall.
Die 135 Besetzter der Fahrradfabrik Bike Systems in Nordhausen/Thüringen wollen 1800 Fahrräder in Eigenregie bauen. Damit wollen sie beweisen, daß sie auch ohne Geschäftsführung arbeiten können und ferner wollen sie damit auf ihre Lage aufmerksam machen, daß man sich in verschiedensten Formen wehren kann.
Die Fabrik hatte seit der „Wende“ etliche Besitzer, zuletzt die „Heuschrecke“ Lone Star aus Texas. Anfang Juli wurde ihnen mitgeteilt, daß die Produktion eingestellt wird. Daraufhin besetzten sie den Betrieb. Ihre Schwesterfirma in Neukirch (Sachsen) wurde schon im Dezember letzten Jahres „plattgemacht“. Die Neukircher wehrten sich nicht. Sie erhielten statt eines Sozialplanes ein Almosen : Z.B. für 30 Jahre im Betrieb 600 Euro „Abfindung“.
Ihr könnt die kämpferischen Kolleginnen und Kollegen von Bike Systems in Nordhausen unterstützen, indem ihr ein „Solidaritätsfahrrad mit limitierter Auflage aus selbstveralteter Produktion“ kauft oder im Kollegenkreis, bei Bekannten und Verwandten für eine Bestellung werbt! Oder vielleicht vielleicht sogar euren Fahrradhändler überzeugt!
Daß die Nordhausener Kolleginnen und Kollegen die Idee realisieren können, Fahrräder in Eigenregie zu bauen, verdanken sie der Unterstützung durch die Radspannerei in Berlin-Kreuzberg und dem Cafe Libertad in Hamburg.
Das Fahrrad ist rot mit schwarzen Felgen und heißt „Strike Bike“.

Bestellen könnt ihr bei: fahrradwerk@gmx.de. (Flugblatt und Bestellzettel und die Presseerklärung im Anhang).

Weitere Informationen über die Besetzung bei www.labournet.de unter „aktuelle highlights“ oder unter „Volltextsuche“.

Die Bestellungen müssen unbedingt bis 2.10.07 erfolgen!

In den ersten 24 Stunden nach Bekanntgabe der Weiterproduktion wurden 120 Fahrräder geordert, darunter einige aus England, Italien, Spanien, Holland und Frankreich.

Dieter Wegner, 21.9.07

(Jour Fixe der Gewerkschaftslinken Hamburg. Info@linkstermine.org.)

Hintergrund-Story

Die bisherige Story – eine offensichtliche Lüge!

Die Geschichte der Ausschlachtung der Nordhausener Fahrradfabrik ist ein Skandal: Der interessierten Öffentlichkeit wird die texanische US-Investmentgesellschaft Lone Star (mit Büros in Frankfurt, Brüssel) als Besitzerin vorgeführt, die dieses Werk genauso „plattsaniert“ habe, wie auch das andere Biria-Stammwerk im sächsischen Neukirch (im November 2005 wurde die deutsche Biria AG von Lone Star geschluckt, Biria verkaufte weniger Fahrräder als erwartet). Die Hintermänner der Zerschlagung der Biria-Gruppe sind aber Lone Star und der Mitkonkurrent MIFA, die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG im sachsen-anhaltinischen Sangerhausen. Die MIFA kaufte im Dezember 2006 die gatus 233. GmbH in Berlin, die zu dem einzigen Zweck gegründet wurde, um die Vermögenswerte der Biria-Gruppe – ihr gehörten die Werke in Neukirch und Nordhausen – zu erwerben. Die Verschmelzung der Tochtergesellschaft gatus 233. GmbH mit der MIFA soll demnächst rückwirkend zum 1.1.2007 erfolgen.

Was will die Lone Star?

Geht es um eine Marktbereinigung oder wird die Übernahme der MIFA bereits organisiert, um sie nur noch als Mantelgesellschaft zu nutzen? Jedenfalls erhielt die Lone Star als Dank für dieses abgekartete Spiel zwischen ihnen, der MIFA und der bankrotten Biria-Gruppe ein 25%-Aktienpaket an der börsennotierten MIFA … Sämtliche Aufträge wanderten so von Neukirch und Nordhausen nach Sangerhausen. Die Biria-Gruppe muss aktuell 5,2 Millionen Euro öffentliche Subventionen zurückzahlen, nicht aber die ehemalige Besitzerin, Lone Star …

Wer hat all dies eingefädelt?

Ist es der MIFA-Vorstand Peter Wicht – ehemaliger Kombinats-Direktor von Robotron? Zusammen mit seinem Kompagnon Michael Lehmann gehört ihm auch ein weiteres Aktienpaket an der Hyrican Informationssysteme AG (Ex-Lehmann & Partner), Massenproduzent billiger Computer für Kaufhausketten; im benachbarten Kindelbrück ist er Aufsichtsratsvorsitzender.

Marcus Brüning wurde ab dem 16. April 2007 für seine treuen Dienste in IFA-Vorstand berufen, nachdem er „von 2006 bis 2007 als Geschäftsführer bei der Biria-Gruppe, Neukirch/Nordhausen“ (MIFA-Halbjahresbilanz 2007) erfolglos tätig gewesen ist. Seine Kernkompetenzen „Interimsmanagement, Sanierungs- und Restrukturierungsberatung“ erlernte er u.a. als Prokurist der Dresdner Bank AG, München; heute ist er nebenbei Gesellschafter bei Günther &

Partner: „Kauf und Verkauf von Unternehmen, Finanzierung und Restrukturierung“ in München.

Zwei Aufsichtsratsmitglieder der MIFA sind übrigens gleichzeitig im selben Gremium der Hyrican AG tätig: Uwe Lichtenhahn, Sparkassendirektor i.R. aus Mannheim und Hans-Joachim Rust, Leiter Risikomanagement der MLE-Bank GmbH – Tochter des japanischen Mitsubishi-Konzerns.

Was haben Lone Star und Wicht, Lehmann und Brüning vor?

Wir klagen öffentlich an, dass diese offensichtlichen Zusammenhänge verschwiegen wurden, vielmehr wurde die global operierende multinationale Lone Star auserkoren, damit das Geheul von den Arbeitsplatz fressenden ausländischen „Heuschrecken“ ertönen konnte. Das profitgierige Konsortium besteht aber neben der Lone Star auch aus einheimischen Kapitalisten wie Peter Wicht, der Hyrican aus Kindelbrück, der auf einen Streich 355 Arbeitsplätze seiner Konkurrenz vernichtet hat, um seinen Profitrate zu steigern. Will er nun zusammen mit der Lone Star seine beiden Firmen für fertigproduzierte Computer und Fahrräder aus Korea (Samsung ist der Hauptlieferant) sturmreif schießen? Diesem abgekarteten Spiel kann nur durch internationale Solidarität begegnet werden, die FAU wird ihre internationalen Schwester-Gewerkschaften in der IAA um Solidarität bitten, um dem Arbeitsplatz fressenden Durchmarsch der Wicht-Lehmann-Gruppe und der Lone Star auf dem europäischen Computer- und Fahrrad-Markt Widerstand entgegen zu setzen.

Kontakt zur Belegschaft und zum Betriebsrat:

Bike-Systems GmbH
Freiherr vom Stein-Straße 31 – 99734 Nordhausen
Telefon: 03631 – 622 131 – Fax: 03631 – 622 146 fahrradwerk@gmx.de

Quelle: kommunisten-online.de

Siehe auch: „Besetzte Fabrik: ‚Nichts zu verlieren!'“ vom 4. Augustb 2007

  1. 2 Reaktionen

  2. Von Fahrrad Tom am 14. Okt 2008 um 08:15 Uhr

    Was ist daraus geworden? Gibts die Fahrrad Firma heute noch?

  3. Von Woschod am 14. Okt 2008 um 09:45 Uhr

    Offensichtlich ja, hier wird sie erwähnt.

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