Kein Banner für Myanmar (Burma)
4. Oktober 2007 1:13Alle Welt, oder zumindest ein kleiner Teil an Bloggern, will heute in einer Aktion “Free Burma!” ihre Solidarität mit den streikenden Mönchen beweisen. Siehe auch: www.freeburma.org.
Ich werde mich demonstrativ nicht daran beteiligen!
Selbstverständlich fehlt mir das Verständnis für die Machthaber in Myanmar, auf demonstrierende Menschen zu schießen. Aber mir fehlt auch sonst jegliches Verständnis für die derzeitige Situation in dem asiatischen Staat. Die Massenmedien berichten nur darüber, dass dort Menschen gegen die Regierung demonstrieren und mehr Freiheiten fordern. Wenn allerdings kapitalistische, bundesdeutsche Massenmedien von Freiheit sprechen, dann meinen sie an erster Stelle immer die ungezügelte Freiheit des Kapitals. Wenn Massenmedien der BRD über eine “Friedliche Revolution” in der DDR schreiben, dann meinen sie damit die bedingungslose Zerstörung der sozialistischen Errungenschaften der DDR. Was also soll ich davon halten, wenn die Massenmedien der BRD die Proteste in Myanmar als “Revolution” bezeichnen?
Wer weiß eigentlich, warum die Mönche in Myanmar wirklich auf die Straße gehen?
Dr. Uta Gärtner, Myanmaristin und ehemalige Mitarbeiterin im Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin sagt in einem Interview in der Jungen Welt vom 27. September 2007:
Anlaß des aktuellen Aufbegehrens war bekanntlich die Streichung der Subventionen für Kraftstoffe, die ohne Vorbereitung und Abfederung schlagartig am 15. August 2007 erfolgte und die Preise für staatliche Kraftstoffe auf zirka das Doppelte erhöhte. Das hatte ein erhebliches Ansteigen der Preise des Nahverkehrs und von Grundnahrungsmitteln zur Folge, die in den letzten Jahren ohnehin stark gestiegen sind.
Es geht also in erster Linie um die alltäglichen Probleme wie z.B. steigende Preise. Was würde wohl in der BRD passieren, wenn zigtausende Menschen auf die Straße gehen, um gegen die steigenden Preise bei Mieten, Strom und Grundnahrungsmitteln zu protestieren? Ja liebe Mitbürger, das ist nun mal freie Marktwirtschaft. Sozial ist die nicht mehr, aber ihr wollt es ja so. Oder?
Wir wissen über Burma nur sehr wenig. Aber friedliche (?) Mönche lassen sich gut instrumentalisieren, um Freiheit und Demokratie zu fordern. Welche Freiheit und Demokratie gemeint ist, kann man sicher vorstellen, wenn sich sogar Angela Merkel und George Bush auf die Seite der Mönche schlagen. Diese haben sicher ganz eigene Interessen, wenn es darum geht, den Einfluß von China und Indien in Myanmar zurück zu drängen. Man darf mit Sicherheit davon ausgehen, dass dies keine sozialen, freiheitlichen, menschlichen Interessen sind. Was ist mit den Juristen in Pakistan, einem Verbündeten der USA? Das, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Für diese Menschen gibt es keine Blogaktion. Nichteinmal für die Millionen Menschen in der BRD, die in Armut leben.
Warum gerade für Myanmar?
Tags: Burma, Myanmar, Revolution



20 Reaktionen
Von D. Krüger am 4. Okt 2007 um 06:08 Uhr
Hallo,
das “freiheitliche, rechtsstaatliche, demokratische” Kapital feiert eben nur die “Revolutionen”, die genehm sind – eben “friedliche” und “bunte” Revolutionen.
Dazu gehören nicht die Oktoberrevolution und schon gar nicht die Novemberrevolution, auch nicht die Cubanische Revolution und erst recht nicht die Bolivarische Revolution – die haben ja gezeigt, daß eine andere Welt möglich ist.
Stark bleiben!
Von gewe am 4. Okt 2007 um 09:04 Uhr
Diese weltweite Bloggeraktion ist ein erneutes Bespiel, wie die kapitalistischen Medien die Hirne manipulieren.
Gut, das es anders und klar denkende Menschen gibt, die sich nicht das Hirn von denen vernebeln lassen, die uns allen nicht wohlgesonnen sind.
Das derartige Klarsicht nur möglichlich ist, wenn man ein Weltbild hat, welches auf marxistischer Grundlage beruht, verstehen alle, die sich mit Marxismus bereits interessiert und ehrlich beschäftigt haben.
Bei Murxisten darf man dieses Weltbild und das Verständnis für die Kräfte und Prozesse in einer kaptialistischen Gesellschaftsordnung natürlich nicht erwarten. Solche Mitmenschen bedienen nur ihr eigenes Ego auf ihrem Weg in den vereinnehmenden Sumpf der imperialistischen Ideologen.
Von peter s. am 4. Okt 2007 um 10:11 Uhr
wieder mal ein sehr guter kommentar zu dem alltäglichen tagesgeschäft dieser unserer medien in diesem unserem freiheitlich, demokratischen lande …
meistens ist es sehr einfach etwas zu hinterfragen:
Wem nutzt es ?
und schon kann man sich die antwort selbst geben.
diese sogenannten menschenrechtler sind immer dann sehr munter, wenn sie ihre interessen durchsetzen wollen.
polen-streiks der solidarnosz waren gut
brd-streiks (selten) der gewrkschaften sind schädlich
wo fordern diese medien die menschenrechte im eigenen und freundesland ein ?
—brd – vorgehen der staatsmacht in heiligendamm, verhaftungen von kritischen bürgern mit terrorvorwurf, vorschläge zum verfassungsbruch von einem innenminister u.s.w
—usa – mumia und andere kritische menschen in den todeszellen des freien amerika
Von redblog am 4. Okt 2007 um 13:00 Uhr
ich kann dem ersten satz von gewe nur beipflichten. est ist schon erstaunlich, auf wie vielen blogs diese aktion zu finden ist – auch bei linken.
Von irgendeiner am 4. Okt 2007 um 16:08 Uhr
das gleiche war ja auch beim 11. september 2001. überall schweigeminuten zum gedenken an die opfer. aber hat man jemals eine schweigeminute für den einmarsch in afghanistan oder irak gemacht? diese doppelmoral kotzt mich ja so an.
Von udet am 4. Okt 2007 um 17:05 Uhr
moin, passt vielleicht nicht aber ich finde die Aktion wichtig und freue mich über den Erfolg!
alle strike-bikes verkauft und sogar die medien ard,zdf usw. sollen berichtet haben!!!
http://www.strike-bike.de/1/index.php?hl=de_DE
RotFront
Von marc am 4. Okt 2007 um 17:05 Uhr
Womit man übereinstimmen kann ist das die Blogger Aktion lächerlich ist (was interessiert schon die Militärs in Myanmar/Burma/Birma/etc. ein deutscher Blogger?). aber nun die deuschen Medien als Handlanger des bösen Kapitals hinzustellen… tut mir leid das klingt nach verdummender Verschwörungstheorie.
Vergleiche mit Parkistan sind unangebracht – weil es eine vollkommen andere Situation ist (wie es zu bewerten ist, ist eine andere sache) – nur diese Vergleiche kotzen mich an – weil unsinnig.
Im Prinzip machst du das, was du anderen vorwirfst, du presst dieses Thema mit aller Gewalt in dein Denkschema.. nunja weiterhin viel Spass dabei.
Von Losothai am 4. Okt 2007 um 17:12 Uhr
Bin relativ sprachlos. Wie kann man nur so selbstgerecht sein?
In Burma werden die Demonstranten ueber Nacht abgeholten und verschwinden. Die Militaers haben Racheaktionen an den Kloestern in den Vororten von Rangoon durchgefuehrt (von da kamen die meisten Protestierenden, da dort Hunger und Elend besonders gross ist). Die Moenche mussten sich an der Wand aufstellen , und dann haben die Militaers ihre Koepfe geben die Backsteinwand geschlagen bis sie (halb)tot waren. Dann haben sie sie auf Lastwagen verladen und weggebracht. Die Kloester in Rangoon selbst sind zum grossen Teil menschenleer.
Was spielt es fuer eine Rolle, warum die Menschen auf die Strassen gegangen sind. So etwas darf es einfach nicht geben! Und dagegeben muss man seine Stimme erheben. Und wer auch immer in den Chor mit einstimmt, es ist immer noch richtig die Stimme zu erheben.
Von Don Canaille am 4. Okt 2007 um 18:35 Uhr
Von einer Revolution, die von Mönchen getragen wird zu sprechen ist im übrigen auch insofern Schwachsinn, als das buddistische Mönche traditionell unpolitisch sind und sich nie in staatliche Belange einmischen. es geht ihnen auch nicht um einen regimewechsel, sondern nur um eine verbesserung der lebensumstände.
nichtsdestotrotz ist es natürlich gut, dass sich jemand gegen dieses ungerechte regime wehrt, ich zweifel allerdings auch an den ideelen absichten von bush, merkel und co….
Von Lupe am 5. Okt 2007 um 09:57 Uhr
dieser artikel von dir ist für einmal ein völliger mist.
genauso wie jene die sagen, sie unterstützen diese bewegung nicht, es gäbe ja so viele andere kriege und da wehre man sich auch nicht.
herrgott nochmal, wenn man schon einmal (endlich) viele dazu bewegen kann, sich für eine gute sache einzusetzen, warum sich dann aufregen.
Von gewe am 5. Okt 2007 um 14:08 Uhr
Warum sich aufregen?
Regt sich hier denn jemand auf?
Es ist eine sachliche Darstellung, warum es auch zumindest eine nichtzustimmende Meinung gibt. Nunja, ist nicht so einfach mit dieser Demokratie.
Frage ist also nicht, warum sich aufregen, sondern warum eine andere Meinung haben?
Antwort (bereits gegeben): Die eigenen Erfahrungen mit der kapitalistischen Ideologie und der darauf aufbauenden ach so unabhängigen und freien Meinung unserer Medien.
Desweiteren: Es gibt immer noch Menschen, die sich den eigenen, denkenden Kopf erhalten haben. Dieses eigene Denken sagt den Nichtzustimmern: Wem nützt es? Wer ist mit großem TamTam dafür?
Konkreter: Warum wohl sind Busch, Merkel und Co. so dafür?
Natürlich … weil sie die reinsten Friedensengel sind und jegliche kriegerische Auseinandersetzung scheuen wie der Teufel das Weihwasser.
Von Mar Ci am 5. Okt 2007 um 17:15 Uhr
Nur weil Bush und Merkel auf der selben Seite sind, muss es noch lange nicht schlecht sein. Oder rennst du immer auf die andere Seite, nur weil Typen die du nicht magst auch dafür sind? Hauptsache dagegen sein…
Von Karl Heinz am 5. Okt 2007 um 17:56 Uhr
Und wer informiert mich nun, ob der machtvolle Blogger-Kampf zum Erfolg geführt hat und die Preiserhöhungen für Sprit in Myanmar zurück genommen wurden?
Von gewe am 5. Okt 2007 um 20:46 Uhr
@Mar Ci: Ich renne nicht auf die andere Seite. Ich war dort schon lange Zeit und werde es auch bleiben.
Für eine Seite entscheide ich mich nicht, weil ich irgend eine Nase in irgend einem Gesicht nicht leiden kann. Konkreter: Ich entscheide mich nicht für eine Seite nach Personen. Dieses bei Bundeswahlen gern praktizierte Verfahren ist bei mir wirkungslos.
Nein, ich entscheide mich für die Seite, die meine Ziele, meine Ansichten vertritt. Das ist mit absoluter Sicherheit nicht die Seite, die Bush und Merkel vertreten. Da können diese noch so viele schöne Worte von sich geben und die Weltheilsapostel mimen. Ich sehe keinerlei Grund, diesen Menschen nur ein Promille Vertrauen entgegen zu bringen.
Sie vertreten die Interessen des Kapitals. Diese sind immer noch Profit, Profit und nochmals Profit. Die Realisierung dieses Ziels führt immer wieder zu Kriegen und Konflikten in dieser Welt. Diese Ziele sind die Ursache für Hunger und immer krassere soziale Ungerechtigkeit. Arbeitslosigkeit und Sozialabbau sind gleichfalls Folgen dieses Wirtschaftssystems.
Warum sollten Bush und Merkel und und und … plötzlich in Myanmar andere Interessen vertreten?
Wie im einleitenden Bloggerartikel angemerkt, wir wissen zu wenig über die Prozesse in Myanmar, um uns ein wirkliches Urteil über Ziele und treibende Kräfte zu machen.
Ich bin kein Freund von dieser Gewalt und Unterdrückung. Auch mir würden derartige Preiserhöhungen nicht gefallen. Aber um sich ein brauchbares Urteil zu bilden, muß ich mehr davon wissen. Dies ist momentan noch nicht möglich und ich erwarte hier keine objektiven Informationen von unseren Medien.
Eine Unterstützung dieser Bloggeraktion ist für mich nur mit objektivem Wissen über die wirklichen Vorgänge in Myanmar möglich. Solange dies nicht gegeben ist, besteht die Gefahr, das ich mich für die Interessen von Bush und Merkel einsetze, wenn ich diese Bloggeraktion unterstütze.
Von peter s. am 5. Okt 2007 um 21:19 Uhr
ein gutes mittel um einiges etwas besser zu durchschauen, ist es die weltkarte genaur anzusehen. so wie die russen eingekreist werden (in tschechien ein amerikanisches atomwaffenschild), sollen auch die chinesen es werden.
zufällig wird ein feudalistischer tibetischer gott (lama) als friedensmönch bei den friedensfreunden merkel/koch empfangen.
zufällig wird in burma eine friedliche rev. von unseren so revolutionären medien hochgepusht.
zufällig findet in china nächstes jahr die olympiade statt.
ein schelm, der dabei etwas denkt.
bürger westberlins
Von tobe am 6. Okt 2007 um 13:17 Uhr
meine güte: hauptsache ihr habt ne ausrede, dass ihr sonst auch nie solidarität zeigt!
esst mehr obst, leute! (äpfel UND birnen)
Von sliqq am 6. Okt 2007 um 13:24 Uhr
ich halte die preiserhöhungen nur für den tropfen, der das fass zum überlaufen brachte.
deshalb die proteste in burma und die sich solidarisierenden zu verurteilen, ist echt kindisch.
Von blub am 4. Jul 2009 um 15:12 Uhr
wow, eine militärjunte die menschen abschlachtet mit einer bürgerlich-kapitalistischen gesellschaft zu vergleichen in der man wenigstens formal frei ist (im doppelten sinne – wer marx gelesen hat wirds kapieren) ist ja wohl mehr als jenseitig.
die bürgerlich-kapitalistische gesellschaft stellt noch immer etwas sehr sehr viel positiveres dar wie eine diktatur die menschen haufenweise tötet