Mein Leben in Bayern
Grüß Gott, sie haben mich assimiliert.
Seit dem 11. Oktober bin ich nun in Freising. Dort bin ich erstmal im Stadtteil Pulling in einem Arbeiterwohnheim untergekommen. Das ist nicht wirklich schön aber das derzeit Einzige, was sich anbot. Nur 70 Euro in der Woche und 10 km vom Arbeitsort entfernt. Aber ich muß mir das Zimmer mit zwei weiteren Leuten teilen. Der Boden knarrt, das Waschbecken blubbert und stinkt faulig sobald im Haus jemand die Wasserleitung aufdreht und das ganze ist ziemlich eng. Kaum Platz seine Sachen irgendwo zu verstauen. Null Privatsphäre. Aber wenigstens mit Kühlschrank, Herdplatte und fließend kalten Wasser im Zimmer. Mein Fahrrad habe ich mit runter genommen. Am ersten Tag bin ich schon ein bissel in der Gegend rumgeradelt. Lidl, ALDI, Plus, Dönerstand, Drogerie gibt es alles. In ca. 6 km Entfernung… Tja, ich werde hier wohl wirklich abnehmen.
Die ersten Tage waren sehr neblig.
Und nun das “Beste”. Das Wohnheim hier liegt genau in der Einflugschneise des Flughafen München. Der Beginn der Landebahn ist 4000 Meter vom Haus entfernt, das bedeutet, die Flieger donnern hier während der Hauptverkehrszeit im Abstand von 80 Sekunden übers Dach hinweg. Das ist nur wenigen hundert Metern Höhe. Super Sache. Wenn mal grade kein Flugzeug vorbeikommt, dann wahrscheinlich einer der vielen Züge auf dem nur 300 Meter entfernten Bahndamm. Natürlich ist zwischen Freising-Pulling und dem Flughafen auch noch eine Autobahn.
Damit es mir nicht zu langweilig wird habe ich meinen Laptop mit genommen. Internet funktioniert auch, aber nur über das Handy. Da kann ich im Monat maximal 150 MB verbrauchen. Was auch kein Problem ist, denn es ist so langsam wie in den alten Zeiten der pfeifenden Modems.
Bei halbwegs akzeptablem Wetter fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die Strecke in eine Richtung ist 10,5 km lang. Das stört mich wenig. Davon geht über die Hälfte auf einem ordentlichen aber unbeleuchteten Asphaltweg parallel zu einer Bundesstraße entlang. Mal sehen, wann ich das erstemal mit einem zusammenkrache. Die Alternative ist S-Bahn (Wenn nicht gestreikt wird) und dann 25 Minuten auf den Bus warten und 5 Minuten fahren bzw. 2,5 km laufen. Sagte ich schon, daß ich hier wohl abnehmen werde?
Es bleibt nur zu hoffen, daß ich bald ein halbwegs günstiges Zimmer in Freising bekomme. Eines, wo ich alleine drinnen bin und früh in 5 Minuten bei der Arbeit bin. Alles andere wird mich auf die Dauer nerven. Allerdings ist Freising nicht nur teuer sondern auch Studentenstadt und damit ist Wohnraum dort sehr knapp.
Die Arbeit selber ist halt Arbeit. Sehr viel laufen. Aber das muss halt. Die Kollegen sind alle sehr nett. Das geht auch gar nicht anders, wenn man sich die abteilung so anschaut. Die Deutschen sind in der Unterzahl, die Bayern besonders. 3 Ossis, viele Türken und auch Italiener, Polen und Tschechen. Ein bunter aber angenehmer Haufen.
Ich hoffe nun, daß ich da etwas länger bleiben kann. Der Arbeitsvertrag bei der Zeitarbeitsfirma ist unbefristet, aber natürlich mit Probezeit. Also wer weiß, vielleicht laufe ich bald in Lederhose rum. *g* Es gibt nach frühstens 6 Monaten auch die Option einer Übernahme direkt zu der Firma, in der ich arbeite. Einige hatten schon das Glück. Dann würde ich komplett runterziehen.
Meine erste politische Veranstaltung in München hatte ich bereits und es war keine CSU-Veranstaltung!




8 Reaktionen
Von Dani am 21. Okt 2007 um 13:24 Uhr
Ho
Von gewe am 21. Okt 2007 um 13:30 Uhr
Ooooch, ich will einen Quadratmeter Bayern haben.
Von Bitte am 21. Okt 2007 um 15:05 Uhr
Ich will dir ja nicht die Hoffnung nehmen, aber Leiharbeit ist Sklavenarbeit, nach Freising folgt Kiel, dann Magdeburg, etc …, Aber trotzdem Frohes Schaffen. Und ein kräftiges RotFront!
Von bejaka am 21. Okt 2007 um 23:17 Uhr
hallo, lieber daniel.
migration ist ein hartes geschäft.
du bleibst in deiner neuen umgebung ewig ein fremder.
vielleicht kann ich dich mal auf ein bier besuchen.
von mir aus sind das keine drei stunden:
http://www.meranerland.com/de/
kh
Von otti am 23. Okt 2007 um 19:03 Uhr
Die ‘Teilhabe’ am Aufschwung ist kein Zuckerschlecken. Trotzdem viel Glück!
Von Enrico am 23. Okt 2007 um 22:54 Uhr
Hallo Daniel,
ich will dir auch nicht die Hoffnung nehmen. Aber bei Zeitarbeit von dem Unternehmen in dem du “Sklave” bist übernommen zu werden ist sehr unwahrscheinlich.
Also halt die Ohren steif und lass dich nicht von den Bayern unterkriegen.
Gruß Enrico
Von Woschod am 24. Okt 2007 um 20:06 Uhr
@Enrico: Natürlich ist die Chance sehr gering, aber sie exestiert definitiv. Ich habe unter meinen Kollegen einige, die dieses “Glück” hatten.
Von Felix am 11. Mai 2008 um 01:15 Uhr
Hehe jetzt fehlt zum richtigen Münchner nur noch a zünftige Maß Bier auf dem Oktoberfest der alljährlichen Münchner Wiesn!