“Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben”

Dieses Zitat von Erich Honecker wird immer wieder mißbraucht und mißverstanden. Dann heißt es, Honecker habe sich damit geirrt. So z.B. hier bei der Tagesschau.

Wenn man sich dagegen das Zitat mal korrekt und vollständig anschaut, dann wird man festellen, das Honecker sehr wohl Recht gehabt hat mit dem, was er am 19. Januar 1989 sagte:

“Die Mauer wird so lange bleiben, wie die Bedingungen nicht geändert werden, die zu ihrer Errichtung geführt haben. Sie wird auch noch in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt sind.”

Einfach mal drüber nachdenken!

Übrigens, den Satz:

“Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.”

hat Honecker auch nur zitiert. Der stammt vielleicht von August Bebel oder ist noch älter. Guggst Du hier!

Und weil ich grad bei August Bebel bin:

“Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.”

Das ist doch auch sehr schön. Wer allerdings mal Bebels berühmtestes Werk “Die Frau und der Sozialismus” lesen will, kann das auch gerne bei mir auf www.deutsche-kommunisten.de machen.

  1. 8 Reaktionen

  2. Von gewe am 27. Dez 2007 um 10:03 Uhr

    Alles inzwischen offenbar berühmte Sprüche. So berühmt, dass sich selbst FDP-Politiker mit deren Kenntnis heute rühmen müssen. Herr Westerwelle drückte ja bekanntlich letztens seine Begeisterung zum Mindestlohnthema mit dem Spruch vom Ochs und Esel aus. Er macht sich doch tatsächlich große Sorgen, dass seine beste Freundin, Frau Merkel, den Sozialismus in der BRD aufbauen will. Nun plagt ihn über die Weihnachtszeit die Sorge, wie er das verhindern kann, ohne die Frau Merkel verhindern zu müssen. Nunja, man hat es für die wenigen Piepen an Diäten als Politiker heute auch nicht leicht, vor zu Weihnachten nicht…

  3. Von Justerini am 27. Dez 2007 um 14:54 Uhr

    Das Zitat, ob nun von Bebel, Singer oder irgendeinem unbekannten Arbeiter, ist wohl auch deshalb so beliebt bei Ochs und Esel, weil sie es kaum glauben können, den Sozialismus tatsächlich vorläufig in seinem Lauf aufgehalten zu haben.

  4. Von A. Neugier am 10. Nov 2009 um 00:11 Uhr

    Liebe Freunde,

    ich bin hier auf der Suche nach dem kompletten Text der Honecker-Rede gelandet. Ja, es ist immer schlecht wenn Zitate ohne Zusammenhang genannt werden.
    Dennoch: Haltet ein! Sozialismus gibt es nicht und das wird auch so bleiben. Ich bin in der ‘entwickelten sozialistischen Gesellschaft’ aufgewachsen. Was ich erleben musste war nur Druck, Strafe und Erziehung zur Lüge. Das ist keine Gesellschaftsform die ohne diese Merkmale bestehen kann. Sie ist und bleibt eine schöne Utopie. Eine SF-Gesellschaft. Aber wir sind Menschen und haben Bedürfnisse und Eigenheiten. Dafür kann ein Sozialismus kein Platz bieten und daher wird er immer nur existieren in einer diktatorischen Form. Wollt ihr das?

  5. Von DDR-FAN am 10. Nov 2009 um 18:59 Uhr

    :evil:
    Leider kann ich Dir da nicht zustimmen. Ich habe mich im
    Sozialismus sehr wohl gefühlt. Ich weiß ja nicht was für Dich im Leben wichtig ist? Überangebot an Konsumgütern,
    verdummendes Fernsehen oder immer steigende Arbeitslosigkeit? Inflation und habgierige Banker? Das waren und sind nicht meine Bedürfnisse. Hast Du jetzt keinen Druck? Kannst Du Dir jetzt alles leisten was Du willst?
    Ich glaube es nicht. :roll:
    Mir war die Sicherheit viel mehr wert als diese angebliche
    Demokratie. Wie die in Wirklichkeit aussieht hat ja die
    letzte Wahl gezeigt.

  6. Von Bille am 4. Jul 2010 um 19:02 Uhr

    Hallo,

    habe mal (wie angeregt) über das Honecker-Zitat nachgedacht & bin zu dem Schluss gekommen, dass er doch geirrt hat.
    Denn was er meinte, war ja wohl: Die Mauer wird stehen bleiben, es sei denn, der “kapitalistische Klassenfeind/die imperialistische BRD/…” (= das sind die “Bedingungen, die zur Errichtung geführt haben”)besteht nicht mehr.

    Nun ist es aber so:
    Die Bedingungen bestehen noch immer, die Mauer aber ist weg (abgesehen von Museumsstücken). Folglich hat er sich doch geirrt.

    Viele Grüße,
    Bille

  7. Von Sepp Aigner am 4. Jul 2010 um 19:28 Uhr

    Bille: Hast ja ganz schoen lang nachgedacht ;-) Aber ich glaube, Dein Denkergebnis stimmt.

  8. Von Josef A. Preiselbauer am 4. Jul 2010 um 19:32 Uhr

    Nun ja, da steckt schon Interpretationsspielraum drinne. Die Bedingungen sind ja zwei sich (unversöhnlich) gegenüber stehende Gesellschaftssysteme. Eines davon war nach 1989 weg…

  9. Von Gerdi am 5. Okt 2010 um 12:18 Uhr

    Erich Honecker hat sich geirrt – es war ein Wunschdenken und
    er hat sich da nach seinen sowjetischen Freunden gerichtet, die ähnliches sagten. Schreibe gerade meine DDR-Memoiren in
    Kurzform – und da recherchierte ich auch bei den Genossen aus
    dem Kreml. Herr Honecker hatte keine eigene Meinung. Er richtete sich stetzs nach dem “großen Bruder”.
    ICh bin dankbar, daß er ein falscher Prophet war – so wie
    Walter Ulbricht ein großer Lügner war:” Niemand hat die
    Absichtz, eine Mauer zu errichten….” Wenig später stand sie.
    Überlege gerade, was hätte ich gemacht, wenn über 3Millionen
    Bürger seit Beginn der DDR das LAnd verlassen hätten. O weh!!!

Ich würde mich freuen, wenn Du einen Kommentar hinterlässt.

(Name und E-Mail müssen eingeben werden, Fakeangaben sind möglich und erlaubt.)

Hinweis: Kommentare werden grundsätzlich nach Prüfung manuell freigeschaltet!