Massenentlassungen bei Avon

Wenn bei Nokia tausende Arbeitsplätze bedroht sind, ist die Empörung in der Politik groß. Obwohl das der ganz normale Kapitalismus ist, geben Politiker sogar ihre (selber bezahlten?) Nokia-Handys zurück. Werden jetzt die Politikerinnen ihre Kosmetikprodukte von Avon zurückgeben?

Wie die Freisinger Linke in einer Pressemitteilung veröffentlicht, will Avon Cosmetics in Neufahrn fast 600 Mitarbeiter entlassen. Das trotz stark steigender Gewinne. Der Linke-Kreistags-Spitzenkandidat Albert Baumgartner-Murr dazu:

Wie kann es sein, dass ein Unternehmen, das 2 Milliarden Dollar übrig hat, um eigene Aktien zurückzukaufen, anschließend die Existenz von hunderten Mitarbeitern vernichtet?“

Dieses eine Beispiel von vielen zeigt einmal mehr, das kapitalistische Firmen eben kein soziales Gewissen haben. Alles wird dem Profit untergeordnet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es wirtschaftlich schlecht oder gut geht, einen Grund für Entlassungen gibt es immer. Avon gibt als Grund an:

… die Zahl der Mitarbeiter würde „den rückläufigen Umsätzen angepasst“

Klar, rückläufige Umsätze…

Kornelia Möller, MdB, dazu:

„Die Gewinne von Avon sind in den letzten Monaten stark gestiegen. Im dritten Quartal 2007 beispielsweise war im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Gewinnanstieg um 61 Prozent zu verzeichnen. Das Ergebnis stieg von 86,4 auf 139,1 Millionen Dollar oder auf 19 auf 32 Cent je Aktie. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 2,35 Milliarden Dollar.“

  1. 7 Reaktionen

  2. Von udet am 5. Feb 2008 um 12:27 Uhr

    Moin und Gruss aus dem Norden.

    – Zuckerfabrik Güstrow stellt Rübenverarbeitung ein
    – CD-Werk Dassow: Hunderte demonstrieren für Job-Erhalt

    Vielleicht sollten wir übers Jahr eine Liste führen.

    RotFront udet

  3. Von Woschod am 5. Feb 2008 um 16:06 Uhr

    @udet: Das wird aber eine sehr lange Liste!

  4. Von Harry Schwiebert am 6. Feb 2008 um 02:08 Uhr

    Hart Aber Herzlich Ein:
    Typisch,
    als „gefühlte“ Arbeiter für die Revolution, so sehe zumindest ich euch, äußert ihr euch zu Massenentlassungen ganz im Stile der Massenmedien. Auch kriege ich meine Befürchtungen über die Zeit nach unserm Siege bestätigt, wenn ich bei hier in einer anderen Nachricht über die bevorzugte Behandlungsmethode der nun diskriminierten Raucher lese.
    Aber, wenn BundesreGIERung uns 250 Jobs offeriert, die möglicherweise binnen Kürzestem neu zu besetzen sind, und wo keinerlei langwierige Ausbildung zur effektiven Besetzung vonnöten ist, und wo selbst Konkurenten wie USA uns zur Angebotsausweitung auffordern, hört man hier auch kein beifälliges Geraune. 💡

  5. Von Thomas Trueten am 6. Feb 2008 um 13:58 Uhr

    Ich glaube nicht, daß die Politiker die Kosmetikprodukte zurückgeben. Die lassen sich für ihre Eitelkeit wahrlich nicht lumpen: Bekanntlich hat der französische Staatspräsident Sarkozy 34.445 Euro für Make-up ausgegeben.
    Bei Angie hat auch das nichts geholfen, so kam es zum Problem, die aktuelle Wachsfigur bei Madame Tussaud entsprechend hinzubekommen. Sieht aber eher nach Lady Di aus :mrgreen:

    Wie auch bei Nokia bringen derlei Boykottaktionen nichts sondern sind Bestandteil der Zersetzungstaktik der entlassenden Unternehmer und ihrer Politiker und auch von Gewerkschaftsbürokraten, die ihren Frieden mit diesem System schon längst gemacht haben.

    Vielmehr eint doch die Kollegen bei Avon, Nokia im Einzehandel usw. die Sorge nach dem Arbeitsplatz. Und deshalb ist es an der Zeit, sich Gedanken über wirksame Kämpfe zum Erhalt der Arbeitsplätze über Branchengrenzen hinweg zu machen.

    Dann wäre da noch die Frage nach einer gesellschaftlichen Perspektive, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen Vergangenheit ist…

  6. Von Entdinglichung am 8. Feb 2008 um 10:24 Uhr

    auch bei Avon in Corby/Northamptonshire sollen 180 (von 800) ArbeiterInnen entlassen werden, siehe http://news.bbc.co.uk/1/hi/england/northamptonshire/7233388.stm

  7. Von Andreas Kirsch am 19. Aug 2008 um 21:54 Uhr

    Kapitalismus meint es mit uns nicht Böse – es ist wohl eher
    die Asymptotik der geometrische Reihe die Existenzen zertört

    Nämlich bei einer Mindestreserve von 5% müssten langfristig
    19 Verlierer auf einen Gewinner kommen.

    Liegt eine Volkswirtschaft am Boden, dann wird gegen die Verlierer nochmals nachgetreten.

    Es ist wirklich wie im Tierreich – nicht nur was den beziehungstechnischen Teil des Menschen betrifft.
    Einfach nur lächerlich wie die Medien versuchen das Gegenteil einzubläuen, von der folgenden Formel:

    “ Der Stärkere hat immer Recht! „

  8. Von Nadja am 24. Okt 2008 um 17:32 Uhr

    Tja auch ich bin leider von dieser Massenentlassung betroffen. Ich hatte einen sicheren Job für Avon aufgegeben und 3 Monate nachdem ich bei Avon war, fiel denen ein, dass sie seit 24 Jahren Minuszahlen schreiben und jetzt etwas ändern müssen.
    Seit 01.10. bin ich nun arbeitslos, habe aber zum Glück ab dem 01.11. wieder eine Stelle.
    Aber verzichten hätte ich trotzdem können auf die Arbeitslosigkeit!
    Ich wünsche allen anderen, die es auch betroffen hat, alles Gute für die Zukunft!

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