Der alltägliche Rassismus

Am Donnerstag war ich in München bei einer Veranstaltung mit dem Thema “Was tun gegen Rechts”. Dabei ging es um die beiden rechtsextremen Organisationen “Pro München” und “Bürgerinitiative Ausländerstopp”, welche zur Stadtratswahl in München antreten. Beide Gruppen geben sich nach außen hin “nur” konservativ und versuchen sich dabei von der NPD abzugrenzen. Schaut man aber genau hin, erkennt man die Verbindungen zu NPD und anderen rechtsextremen Organisationen sowie den permanenten Rassismus und Antisemitismus, den diese zeigen. Ob es dabei um den geplanten Moscheebau in München Sendling, den Vorfall, das Jugendliche einen alten Mann in der U-Bahn zusammenschlugen oder einfach nur um die alltäglichen Themen wie Arbeitslosigkeit und Armut geht. Alles ist recht, um den Haß gegen in München und Deutschland lebende Immigranten zu schüren.

Nebenbei kam es auch zu einer Diskussion, inwieweit der alltägliche und nicht rechtsextreme Deutsche rassistisch ist. Wie tief der Rassismus in dieser Gesellschaft in der BRD verwurzelt ist, konnte ich anschließend auf dem Münchner Hauptbahnhof erleben.

Ich saß auf einer oberen Ebene an einem Tisch und las in einem Buch. Um mich herum verschiedene Reisende, einzeln, in Paaren und Gruppen. Hinter mir unterhielten sich zwei junge Frauen auf Französisch. Da trafen sich zwei junge Männer, ein Afrikaner und ein Araber. Sie begrüßten sich und standen danach an der Brüstung, schauten den Reisenden weiter unten zu und unterhielten sich. Eine absolut alltägliche Szene.

Dann erschienen zwei Polizisten, eine Frau und ein Mann, und wollten von den beiden jungen Männern die Ausweise sehen. Es war in dem Moment klar, daß die beiden nur kontrolliert wurden, weil sie eine dunkle Hautfarbe hatten. Der Polizist ging mit den beiden Ausweisen einige Meter zur Seite und telefonierte eine Weile. Das ganze dauerte bestimmt 5 Minuten. Danach zogen sie wieder davon.

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Ich habe die beiden Männer mal angesprochen. Sie stimmten mit mir überein, daß sie nur kontrolliert wurden, weil sie Ausländer sind. Der Afrikaner erzählte mir auf meine Nachfrage, ob sie oft kontrolliert werden, daß das heute schon das dritte Mal war.

Solche Fälle sieht man fast täglich in Deutschland. Wenn die Polizei mal durch einen Zug läuft, dann kontrolliert sie bei allen nicht deutsch aussehenden Menschen die Ausweise. Ganz so, als würden Ausländer nur in kriminellen Machenschaften unterwegs sein. Das ist genau das, was Organisationen wie “Pro München” oder “Bürgerinitiative Ausländerstopp” propagandieren. Wie falsch, wie rassistisch diese Einstellung ist, das will der gemeine Stammtischdeutsche gar nicht wissen, denn irgendeiner muß ja Schuld daran haben, wenn es ihm schlecht geht. Eine fundierte Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse, in der wir derzeit leben, ist dabei weder möglich noch erwünscht.

  1. 5 Reaktionen

  2. Von Hombre am 8. Feb 2008 um 18:09 Uhr

    Deine Argumentation hinkt.
    Ich hatte mal persönlich mit einem Schwarzen beruflich zu tun. Er hat mich selbst darauf gebracht, dass er selbst nie kontrolliert wird. Auch wenn er den Anzug abstreift und in ganz normalen Klamotten durch die Stadt geht, wird er nie kontrolliert. Komisch, oder?

  3. Von Thomas Trueten am 9. Feb 2008 um 09:11 Uhr

    @Hombre: Ausnahmen bestätigen die Regel. Daniel hat ein persönliches Erlebnis geschildert. Die Hetze, die Koch & Co. losgetreten haben zeigt durchaus Wirkung bei einem bestimmten Teil der Bevölkerung. Bei denen, die nach einfachen Lösungen suchen. Diese werden auch von den entsprechenden Parteien bedient.

    Ich kann die Schilderungen nachvollziehen und kenne sowohl Migranten, die schikaniert werden als auch solche, die nicht schikaniert werden. (Oder dies zumindest so sagen) Aber nur, weil ich einen kenne, dem noch nichts passiert ist, verallgemeinere ich das nicht.

    Man könnte natürlich Daniels Argumentation auch statistisch untermauern, beispielsweise nur allein in der Frage der Arbeit und dem berühmten: “Anteil arbeitsloser Ausländer” – der auch in Relation zu deren Bevölkerungsanteil (ca. 19% in 2005) gesehen werden muss, oder auch die Frage des Anteils der Menschen mit Migrationshintergrund bei denen, die im Zuge von Massenentlassungen zuerst dran sind. Ich will da auch nicht Extremfälle wie Kreuzberg bemühen. Es reicht eigentlich eine einfache Statistik um herauszufinden, daß Beschäftigte mit ausländischem Pass überdurchschnittlich hoch von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Das ist struktureller Rassismus. Die Argumentation ließe sich fortführen, über die Frage der Bildungschancen Jugendlicher usw. usf. Ich stoße dabei aber in der Konsequenz immer nur auf eines: Die rassistische Spaltung ist ein Herrschaftsinstrument in diesem Land. Dem gilt es gemeinsam entgegenzuwirken und für eine positive gesellschaftliche Perspektive einzutreten.

  4. Von commie am 9. Feb 2008 um 11:40 Uhr

    Da hat der Genosse Woschod halt andere Erfahrungswerte als du, aber weswegen “hinkt” deswegen seine Argumentation?!?

  5. Von bejaka am 9. Feb 2008 um 22:53 Uhr

    sind aber viele gäste da heute.
    überstunden?…können nicht schaden, in der situation.

    kh

  6. Von basti am 10. Feb 2008 um 10:00 Uhr

    diese aufregung kann ich nicht verstehen! wenn man mal im nichteuropäischen ausland unterwegs ist wird man auch oft kontrolliert! ohne grund! das habe ich in den staaten schon erlebt genau wie in kenia… also das ist keine reine deutsche rassistische einstellung

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