Hallo Herr Mahlzahn – Reaktion auf einen SPIEGEL-Artikel über Christel Wegner von der DKP

Hallo Herr Mahlzahn.

Ich muss sagen, bei dem Lesen Ihres Artikels bei Spiegel Online fällt mir noch das Essen von vor zwei Wochen aus dem Gesicht.

Das fängt ja schon bei der Einleitung an.

Die revisionistischen Sprüche der niedersächsischen Linke-Abgeordneten [Christel Wegner] über Stasi und Mauerbau sind kein Kavaliersdelikt…

Bitte? Revisionistsch? Wenn hier irgendetwas revisionistisch, geschichtsfälschend, zurückgewandt ist, dann in erster Linie Sie oder Leute wie Gregor Gysi, der gegen die Verstaatlichung der Produktionsmittel ist. Und das in einer Partei, die bis vor kurzem noch das Wort „Sozialismus“ in ihrem Namen getragen hat.

Und dann kommen sie sogar nocht auf die Idee, Lenin zu beleidigen, indem sie ihn zitieren:

Der linke Radikalismus, befürchtete Lenin bereits 1920, ist „die Kinderkrankheit des Kommunismus“.

Lenin würde im Grab rotieren, wenn er denn in einem läge. Wie kommen Sie eigentlich zu der Annahme, das Christel Wegner von der DKP

Märchen über den Mauerbau

erzählt? Die Frau hat nichts als die Wahrheit gesagt. Aber das ist für Sie natürlich nicht offensichtlich. Die Mauer, die in erster Linie eine Grenzbefestigung war, trug vollkommen zu Recht den Namen „Antifaschistischer schutzwall“. Wobei „Antikapitalistischer Schutzwall“ das natürlich genauso getroffen hätte. Wenn hier jemand

historische Fakten und Erkenntnisse einfach ignoriert,

dann sind Sie das, Herr Mahlzahn. Das Sie dabei Christel Wegner auch noch mit der NPD und Holocaustleugnern vergleichen, ist eine Anmaßung ohnesgleichen. Parteien wie die NPD oder Holocaustleugnung war in der DDR nicht nur verboten sondern wurde auch mit aller Härte des Gesetzes verfolgt und bestraft. Unter anderem durch das Ministerium für Staatssicherheit. Zu Recht!

Eben gerade weil es

Mauer und die Stasi

gegeben hat, hat man sich in der DDR

zu Stalins Gnaden

wohl und auch sicher gefühlt und war es auch nicht möglich, das rechtsextreme Organisationen einen Fuß in die Tür der Politik bekommen konnten und Menschen umbrachten.

In Ihren verblendeten Augen ist

… der westdeutsche Linksextremismus um vieles dümmer ist als der ostdeutsche Postkommunismus.

Klar, aber eine Christel Wegner ist klüger als die ganze Führung der Linkspartei zusammen, denn sie wagt es die Wahrheit zu sagen. Etwas, was in dieser Demokratie mit Meinungsfreiheit offensichtlich gar nicht gerne gesehen wird, wie Sie beweisen.

Ihre Sätze beleidigen jeden Menschen, der die DDR mit aufgebaut hat, jeden aufrechten Kommunisten, der für eine bessere Welt kämpft und vor allem all die Opfer der Kommunistenverfolgung in den Fünfzigern und Sechszigern der Bundesrepublik Deutschland.

Gute Nacht!

Siehe auch: „DKP-Genossin Christel Wegner über Stasi und Mauer“

  1. 15 Reaktionen

  2. Von Andy am 15. Feb 2008 um 15:58 Uhr

    Puuuh…
    …so sehr ich Deine Verärgerung über den alten Miesepeter Mahlzahn nachvollziehen kann, finde ich, daß Du die Mauer hier ziemlich verklärst.

    Mit der Mauer hat man eben nicht nur die Anderen draußen gehalten (was in meinen Augen vollkommen OK gewesen wäre) sondern auch die eigene Bevölkerung eingepfercht.

    Und das unterscheidet sie von gewöhnlichen Grenzbefestigungen, die in aller Regel für die eigene Bevölkerung in jeder Richtung durchlässig sind.

  3. Von Karl Heinz am 15. Feb 2008 um 18:34 Uhr

    Nie habe ich einen Kommunisten kennengelernt, der mit der Mauer Menschen einsperren wollte.
    Die Mauer wurde von den Genossen allenthalben als eine hässliche Notwendigkeit empfunden.

  4. Von Marcel am 15. Feb 2008 um 20:22 Uhr

    Hoffentlich hat der Herr Malzahn in seinem Artikel über „autoritären“ Sozialismus auch mal erwähnt das sich Schäuble und Konsorten auf dem Besten Weg befinden die Stasi neu aufleben zu lassen. Dazu braucht es keine revisionistische Linke.

  5. Von Fritz am 15. Feb 2008 um 21:20 Uhr

    Also es war zwar eine „hässliche Notwendigkeit“ aber natürlich wollte man die Menschen einsperren….

    Aber im Vergleich mit den „Zäunchen“ im nahem Osten, womit man nur Menschen einsperren will war die Mauer wirklich harmlos!

  6. Von DF2K2 am 15. Feb 2008 um 23:35 Uhr

    Der antifaschistische Schutzwall ist nötig gewesen, welche Alternative gab es hierzu, wenn du so tolle Ideen hast wie es hätte anders gehen können so teile sie doch bitte mit uns Andy?
    Gruß DF

  7. Von Arc am 16. Feb 2008 um 10:58 Uhr

    Vorsicht, die Mauer war zwar noetig, um den Kapitalismus draußen zu halten, aber sie haette nicht zur Einsperrung von den Leuten (aus)genutzt werden duerfen. Sowas verhindert, dass diejenigen, welche einen Hass auf die Staatsform (aus was fuer Gruenden auch immer) haben, ausreisen koennen und den Staat nicht mehr belasten. Man wird sozusagen gezwungen, im Staat zu bleiben, unabhaengig vom eigenen Willen.

    Desweiteren: Stasi? Die ist eben _nicht_ noetig. Man muesste bloß diese ganzen Anti-Kommunismuskampagnen abschaffen und aufklaeren, was denn der eigentliche Kommunismus ist, und nicht die ganze Zeit den dranbringen, der von den Machtinhabern ausgenutzt wurde. Wuerden die Leute wissen, dass bisher jeder Kommunismus durch seine Machtpersonen in Verruf gekommen ist, dann wuerden sie sicherlich ganz anders ueber den Kommunismus denken und man braeuchte keine Stasi. Insbesondere: Wenn man keine Eingriffe von Außen mehr fuerchten muss, so kann man den Staat einzig und allein zum Verwaltungsorgan machen, damit die Macht erst recht nicht ausgenutzt wird.

  8. Von Andy am 16. Feb 2008 um 11:31 Uhr

    Ich habe keine Ahnung wie es anders hätte funktionieren können.

    Ich bin aber von ganzem Herzen davon überzeugt, daß ein Staat kein Recht hat, seine Bürger am Verlassen desselben (und sei es nur zum Reisen) zu hindern.

    Andere Leute nicht hineinzulassen ist vielleicht politisch fragwürdig, in meinen Augen jedoch nicht weiter schlimm.

    Aber seine eigenen Bürger nicht rauszulassen, sie sogar mit Waffengewalt am Passieren der Grenze zu hindern, ist menschenverachtend und barbarisch.

  9. Von DF2K2 am 17. Feb 2008 um 18:15 Uhr

    Lieber Andy, barbarisch und Menschen verachtend wäre es gewesen wenn in der DDR tausende durch Repressionen zu Tode gekommen wären, wenn du meinst das Einsperren Menschen verachtend und so weiter ist erinnere ich dich das diese Menschen eine Wahl hatten. Sogar eine Wahl auf einen Ausreiße Antrag der nicht wie jeder denkt kategorisch abgelehnt wurde.
    Man kann der DDR oder sonst einen Staat nicht anlasten in welch einer historischen Situation sie sich befand, denkst du die SED hat dies gern getan? Viel lieber wären sie es gewesen die triumphierend die Westdeutschen gut ausgebildeten Arbeitskräfte hätten Willkommen heißen können.
    Die Menschen die in der DDR keine Option besaßen waren jene aus der SED, und jene in Moskau die entschieden das eine Mauer gebaut werden muss.

    Wäre es die BRD gewesen, oder jeder andere Staat auch, er würde sich genauso entscheiden müssen da eine andere Lösung unweigerlich einer Selbstaufgabe gleich käme, und dies muss man berücksichtigen, deine Kritik ist rein moralisch und weder marxistisch noch objektiv da du die historischen Gegebenheiten völlig ignorierst.

  10. Von Andy am 18. Feb 2008 um 16:14 Uhr

    Also wenn Du Einsperren und Erschießen nicht als Repressionen ansiehst, dann mußt Du mir mal erklären, was Du unter „Repression“ konkret verstehst.

    Und die Wahl „Entweder Du bleibst hier oder wir schießen Dich über den Haufen (bei einer Flucht) oder wir machen Dir Dein Leben zur Hölle (bei einem Ausreiseantrag)“ ernsthaft als Wahlmöglichkeit zu bezeichnen, empfinde ich als zynisch.

    Ich kann die DDR sicherlich nicht für die historischen Umstände damals verantwortlich machen. Ich kann aber sehr wohl ihre Handlungsweise damals kritisieren.

    Zu sagen, Ullbricht, Chruschtschow & Co. hätten keine andere Wahl gehabt, ist mir zu billig.

    Meine Kritik ist sicher nicht objektiver Natur, dies war aber auch nie meine Absicht. Ob sie marxistischen Idealen folgt, weiß ich nicht, da ich in den Schriften von Marx nicht so firm bin (wobei man natürlich trefflich darüber streiten könnte, wie marxistisch es in DDR und UDSSR der 50er/60er Jahre überhaupt noch zuging).

    Allerdings ignoriere ich keine historischen Gegebenheiten, sondern weigere mich schlicht anzuerkennen, daß es damals keine anderen Handlungsoptionen gegeben hätte.

  11. Von Wolf am 18. Feb 2008 um 18:51 Uhr

    Sorry, aber mir erscheint das Argumentieren für die Mauer als Notwendigkeit um kein Stück besser als die Rechtfertigungen von Neonazis, die das dritte Reich auf diese Art erklären. Die Mauer war nicht allein ein Schutzwall, sondern auch ein Instrument der Unterdrückung. Und hallo, sicher hat die SED Befehle aus Moskau erhalten, aber damit die Mauer zu rechtfertigen, klingt um nichts besser, als würde ein Nazi sagen, er habe nur Befehlen gehorcht und seine Pflicht getan…

  12. Von DF2K2 am 19. Feb 2008 um 14:15 Uhr

    Also, wo leugne ich das die Mauer zu den Repressionen dazu gehört hatte?
    Es ging um den Begriff Menschen verachtend…. Menschen verachtend wäre es wenn man einfach mal so ein paar KZ’s aufgebaut hätte, dort dann malen paar Leute rein gesteckt hätte und sie dann verhungern ließe.

    Sicher… wurde dir dein Leben dann zur Hölle gemacht.. klaro.
    Find ich überzogen diese Aussage.
    Natürlich gab es einen Zwang aber ihn dumm nur aus irgend einen moralischen Empfinden her zu kritisieren ist derart sinnlos.

    Bitte, wenn du meinst es gab eine Alternative so nenne sie uns, was glaubst du denn wäre passiert wenn es weiter so gelaufen wäre wie vor der Mauer? Sicher, für die SU gab es ja auch eine Alternative zu dem 2.Weltkrieg usw… die hast du auch auf lager kannst sie aber nicht nennen was.

    „Meine Kritik ist sicher nicht objektiver Natur, dies war aber auch nie meine Absicht.“
    Welchen Sinn verfolgt dann deine Kritik? Ich bitte dich, dann bist du nur hier um zu kritisieren aber nicht um Alternativen oder Lösungsvorschläge zu bringen, würdest du mir sagen wie es hätte anders funktionieren können und dies logisch ist, dann würde ich das annehmen und auf deiner Seite stehen, denkst du denn ich finde das Gut wie es gelaufen ist, ja jedes Opfer war eines zuviel, und das stimmt auch, aber bevor ich sage ja das ist alles scheiße frage ich doch danach wie es denn hätte anders funktionieren sollen

    „Ob sie marxistischen Idealen folgt“
    Bist du aus Solid? Ideale LOL es geht um Objektivität nicht um Ideale, ginge es um Ideale wäre die ganze Arbeiterbewegung völlig daneben.

    „sondern weigere mich schlicht anzuerkennen, daß es damals keine anderen Handlungsoptionen gegeben hätte.“
    Merkst du nicht wie daneben das ist? Das Weigern, also das absichtliche nicht erfassen der realen Zustände, dass haben leider die Jenigen gemacht die die DDR vor den Baum gefahren haben, wenn du dich einfach nur aus einem Glauben heraus weigerst eine Alternativlosigkeit anzuerkennen welchen Zweck haben deine Überlegungen und Diskussionen, deine Meinung ist ja dann schon e komplett.

    Aber vielleicht hast du dich nur etwas unüberlegt ausgedrückt Andy, ich verstehe doch deine Position, die Zustände waren Kritik würdig das leugnet doch Niemand von uns, wir wollen keine zweite Mauer oder ein zweites MfS. Ginge es nach mir könnten wir am besten Morgen in einer neuen besseren Gesellschaft leben aber leider sind eben viele gegen eine gerechtere Gesellschaft.

    Zu Wolf
    Ich versteh nicht was das mit Nazis zutun haben soll, klar wurden Menschen eingesperrt, ist ja die logische Schlussfolgerung… aber die Frage nach dem Warum sollte man schon mal angehen oder. Und ich glaube du hast keine gute Übersicht zwischen dem Verhältnis DDR und UdSSR in den 70ern.

  13. Von tormoz am 19. Feb 2008 um 21:04 Uhr

    @Andy Ich habe fast dreißig Jahre in der DDR gelebt, die meiste Zeit davon als überzeugter Kommunist. Was auch in der DDR, die Geschichte hat es gezeigt, so selbstverständlich nicht war.

    Die Staatsgrenze und das Sperrgebiet davor waren für mich nie etwas anderes als eine sehr unschöne Notwendigkeit. Es war in den Disskussionen damals viel von den Menschenrechten die Rede. Auf der einen Seite standen individuelle Rechte wie politische Freiheit und Reisefreiheit, auf der anderen Seite eher allgemeine Rechte wie das Recht auf eine menschenwürdige Arbeit, das Recht auf gleiche Bildung und medizinische Versorgung für alle und so weiter. Ganz offensichtlich lassen sich diese Rechte bisher nicht gleichzeitig realisieren. Dieses unser Land, eines der reichsten Länder der Welt, garantiert vorbildlich alle individuellen Menschenrechte und lässt dafür Millionen Kinder in Armut aufwachsen.

    Und da es für mich und viele meiner Genossen wichtiger war, dass jeder Mensch in unserem Land, unabhängig von seiner Bildung, erhobenen Kopfes durchs Leben gehen kann, haben wir diese häßliche Staatsgrenze verteidigt.

  14. Von Wolf am 20. Feb 2008 um 15:53 Uhr

    Hallo, ich möchte mich zunächst einmal entschuldigen, wenn ich vielleicht etwas hart argumentiert habe. Ich bin vor kurzem in einem anderen Forum (bei amazon) als „Linksnazi“ beschimpft worden, was mich eher amüsierte. Als ich nun hier meinen Kommentar schrieb und die Rechtfertigung von Mauer/Stasi mit der Verklärung/Argumentation von Neonazis verglich, rechnete ich mit ähnlichen Reaktionen (wenn auch von anderer Seite) und bin sehr angenehm überrascht über die doch sehr sachliche Argumentation. Es war eine sehr provokante Äußerung, das sehe ich ein, aber sorry, es hatte für mich einen sehr ähnlichen Tonfall.

    Fakt ist: Ich bin in der BRD aufgewachsen. Ob wir jetzt alle mit gezielter Propaganda über die DDR gefüttert wurden, fällt mir schwer zu glauben. Da mag mir vielleicht die Perspektive fehlen, ebenso wie umgekehrt im Westen über Schnitzlers „Schwarzen Kanal“ eher geschmunzelt wurde.

    Natürlich wird heute sicher ganz gezielt sofort die Keule „Kommunistische Diktatur“ ausgepackt, um die Wähler am Abwandern zu hindern. (Sehr extrem jetzt in Hessen, wo Koch reichlich plump alle Register zog.)

    Aber die Mauer mit seiner Bezeichnung „Antifaschistischer Schutzwall“ zu rechtfertigen… mir fehlt möglicherweise der historische Hintergrund, will ich gar nicht leugnen, aber Fakt jenseits jeder Propaganda irgendwelcher Interessengruppen ist nun mal, dass man abweichende Meinungen in der DDR nicht tolerierte, dass der Bildungszugang keineswegs allen offen stand, dass freie Wahlen und ein pluralistisches Parteiensystem nicht existent waren und Ausreisewillige es nicht leicht hatten. (Man möge mich bitte korrigieren, wenn ich da falsch liege…). Ich würde mir wie eine immer breiter werdene Menge von Bürgern auch mehr Gerchtigkeit wünschen, es fragt sich nur, welchen Preis wir dafür bezahlen müssen und wieviel Freiheit wir dafür bereit sind zu opfern.

  15. Von anonym am 10. Jan 2009 um 14:15 Uhr

    Hätte die Bundesrepublik Deutschland die Staatsbürgerschaft der DDR anerkannt und Staatsbürger der DDR zurückgeschickt, wie sie es mit anderen Nationalitäten gemacht hat, wo die Menschen nur aus persönlichen Motiven einer sozialen Verbesserung sich in die Bundesrepublik reinschmuggelten, dann wäre es nicht zu Selbstschussanlagen und einer Mauer gekommen.
    Auch hat nie ein westdeutscher Politiker propagiert: „Flüchtet nicht, stellt Ausreiseanträge.“ Maueropfer waren für westdeutsche Politiker stets willkommene Kolletaralschäden, bei denen die Anteilnahme geheuchelt wurde. Hätte die westdeutsche Seite ernsthaft etwas verhindern wollen, hätten sie nur einen Geflüchteten zurückschicken müssen und ihn zur Stellung eines Ausreiseantrags auffordern müssen. Es wäre nie wieder jemand geflüchtet – so trägt die Bundesrepublik ebenso eine moralische Mitschuld an jedem Maueropfer.

  16. Von Anonymous am 5. Mai 2009 um 00:17 Uhr

    Zu Wolf
    Dein Vergleich mit den Nazis ist der beste Beweis wie sehr du mit gezielter Propaganda gefüttert wurdest. Ich glaube dieser Schwachsinn firmiert unter der Bezeichnung „Totalitarismus“ und hatte die Aufgabe Faschismus und Kommunismus in einen Topf zu werfen. So konnte man den Faschismus prima relativieren und man ging unbequemen Fragen über die Entstehung desselben aus dem Weg. Hat ja auch prima funktioniert wie man liest!
    Bertolt Brecht formulierte nach dem II.WK „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“ und meinte natürlich die BRD. Die alten Eliten aus dem 3. Reich machten hier wieder Karriere. Lese mal bei Heinrich Hannover nach, wie alles was links von den Sozis stand und oder gegen die Wiederbewaffnung oder auch nur für den Frieden eintrat von den gleichen Blutrichtern verfolgt wurde die schon unter den Nazis ihren „unabhängigen“ Job machten. Das zieht sich wie ein brauner Faden durch die Geschichte der BRD, siehe auch die spätere Berufsverbotspraxis. Zur Verfolgung von Nazikriegsverbrechern muß man die Justiz noch heute tragen und wenn dann doch mal ein Urteil gefällt wurde, war es eine blanke Katastrophe. Das hat System und mich wundert es überhaupt nicht, daß die NPD immer noch nicht verboten ist.
    Wenn dir die Namen Lübke, Filbinger und Kiesinger nichts sagen schlag mal unter http://www.braunbuch.de nach und dann kannst du sicherlich nachvollziehen warum die Leute, die von denselben Nazi-Richtern verurteilt wurden die nun in der BRD wieder Karriere machten, das Teil „antifaschistisch-demokratischer Schutzwall“ nannten.

    „Abweichende Meinungen“ wurden in der DDR sehr wohl toleriert, sonst hätte man selbst die Hälfte des ZK oder des Politbüros verhaften müssen. Toleriert wurde nicht wenn du das gesellschaftliche System der DDR in Frage gestellt hast. Und hier sind bei der Bewertung des „Infragestellens“, auf Grund eines zum Teil völlig überzogenen Sicherheitsbedürfnisses heraus, Fehler unterlaufen. Dies jetzt weiter auszuführen würde zu weit führen. Aber du kannst heute die Probe aufs Exempel machen, wenn du die sogenannte „Freiheitlich-Demokratische-Grundordnung“ in Frage stellst!!! Viel Spaß!
    Das Bildungssystem der DDR, gegen welches das der BRD wie frühes Mittelalter anmutet (Pisa etc.)stand grundsätzlich allen offen. Es bestand Schulpflicht. Studienplätze wurden bei gleicher Eignung bevorzugt an Arbeiterkinder vergeben. Dies entsprach dem Selbstverständnis der DDR und ich kann darin nichts Verwerfliches entdecken. Hinzu kam, das die DDR Studieplätze strickt nach Bedarf vergab und keine Akademiker auf Vorrat produzierte. Das es hier Leute gab die dann sauer waren und das dann später mit ihrer politischen Haltung zu erklären suchten ist das eigentlich Verwerfliche. Leute die wegen ihrer ablehneden Haltung der DDR gegenüber keinen Studienplatz erhielten oder nicht auf die EOS durften waren die absolute Ausnahme. Lese doch mal den Lebenslauf unserer Bundeskanzlerin unter Wikipedia nach und wenn du dann noch Fragen hast, frag ruhig!
    Nun zum Thema „freie Wahlen“ und „pluralistisches Parteisystem“. Da hier der Vergleich mit der BRD auf der Hand liegt, mußte ich erst mal lachen. Wenn die Wahl der „Christsozialdemokratisch-Liberalen-Einheitspartei-Deutschlands“ alle 4 Jahre, ohne wirklichen Einfluss der Bürger auf die anschliessende Politik für Demokratie verkauft wird, muß die Frage erlaubt sein: „Wie blöd sind die Menschen eigentlich?!“ Die Wahl zwischen „Pepsi und Coke“ wie es die „Toten Hosen“ einmal trefflich formulierten ist Keine. Hattest du mal in der DDR ein wirkliches Problem und hast dich mit einer Eingabe an die Volkskammer oder den Staatsrat gewandt hattest du gute Aussichten auf Hilfe. Heute bekommst du vielleicht eine nichtssagende Antwort. Vielleicht. Ich will die DDR hier nicht über den grünen Klee loben, denn eine Ursache für ihren Untergang war sicherlich ein Demokratiedefizit.
    Aber dafür brauchte sie allerdings keine Nachhilfe bei den „westlichen Demokratien“ nehmen, denn Demokratie also Volksherrschaft ist hier, bis zum heutigen Tag, auch nicht ansatzweise verwirklicht.
    Die „Ausreisewilligen“ waren in erster Linie „Wirtschaftsflüchtlinge“, selbst die sogenannte Opposition in der DDR nannte das die „Schlaraffenlandbewegung“. Ein großer Teil dieser „Ausreisewilligen“ waren Akademiker bzw. hochqualifizierte Facharbeiter und das tat der DDR mit ihrem chronischen Arbeitskräftemangel natürlich weh. Keine Frage man hätte hier eine politische und keine administrative Lösung finden müssen! Diese Abwanderung ist allerdings bis heute nicht gestoppt, so das der Osten langsam aber sicher „verarmt, vergreist und verblödet“!
    Ich vermag also in der heutigen Politik keine Lösung dieses Problems zu entdecken?!
    Und nun zu deinem letzten Satz. Die Maßeinheit für die Freiheit in diesem Land wird nach der Dicke deiner Brieftasche bestimmt. Und ohne Arbeit, worauf übrigens jeder DDR Bürger ein verfassungsmäßig garantiertes Recht hatte, nimmt die Dicke deiner Brieftasche und damit auch deine Freiheit (zu reisen, zu konsumieren, zur Teilhabe an der Gesellschaft) rapide ab! Denk mal drüber nach!

Zu diesem Beitrag sind keine Kommentare möglich.