“Junge Welt” bei Webnews unerwünscht
9. April 2008 14:36Wir schreibt man einen kritischen Artikeln ohne die Wörter “Zensur” und “Meinungsfreiheit” zu verwenden, wenn diese einem auf der Zunge liegen? Das ist nicht einfach, doch bei folgendem Thema drängt es sich geradezu auf. Natürlich kann jeder auf seiner eigenen Internetseite Veröffentlichungen blockieren, wenn ihm danach ist. Wenn jedoch jemand ein Portal zum Sammeln von interessanten Nachrichten aufmacht, welches mit der Aktivität der angemeldeten Benutzer steht und fällt, dann aber einige Quellen bewusst unterdrückt, weil die manchen Usern nicht passen, dann klappt das nicht mehr.
So geschehen bei Webnews. Webnews ist ein Kölner Unternehmen mit dem Ziel:
… eine Nachrichtenplattform zu erschaffen, die seinen Nutzern ermöglicht, auf eine neue Art und Weise mit Nachrichten im Netz zu interagieren.
So soll das funktionieren:
(…) Hunderte von Partnerseiten – von großen Nachrichtenportalen über spezielle Blogs bis hin zu anderen versteckten Nachrichtenquellen – bieten die Möglichkeit ihre Artikel auf Webnews zu verlinken. Doch damit nicht genug! Jeder Nutzer kann eigene Beiträge auf Webnews schreiben und einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. (…)
Sollte! Im aktuellen Fall hat sich jedoch herausgestellt, das Artikel aus der Jungen Welt blockiert werden, wie der Redblogger festgestellt hat. Versucht man einen Artikel aus der Jungen Welt bei Webnews zu verlinken, bekommt man die Meldung: “Leider kannst du von dieser Quelle keine Seiten bei webnews.de einstellen.”
Das Webnews-Team äußerte sich auf öffentliche Kritik daraufhin folgendermaßen:
Wir wurden von mehreren Nutzern darauf hingewiesen, dass Beiträge der Webseite http://www.jungewelt.de als unpassend wahrgenommen werden. Solche Meldungen nehmen wir sehr ernst und kontrollieren diese entsprechend.
Die junge Welt wird z.B. im Verfassungsschutzbericht 2006 (http://www.verfassungsschutz.de/download/SHOW/vsbericht_2006.pdf) des Bundesministeriums des Innern als “bedeutendes Printmedium im linksextremistischen Bereich” eingestuft. Organisationen, wie z.B. die baskische separatistische Terrororganisation “ETA” und die kolumbianische Guerillaorganisation “FARC-EP” werden von der jungen Welt als “Befreiungsorganisation” umgedeutet. Die junge Welt distanziert sich beispielsweise von deren Gewalttaten nicht.
Generell distanziert Webnews sich von jeglichen extremistischen Quellen und Beiträgen, seien sie links- oder rechtsextremistischer Natur.
Aufgrund dessen wird in den Webnews Verhaltensrichtlinien unter Punkt 1 “Verhalten bei Diskussionen und Debatten”, Unterpunkt “Volksverhetzung & Verleumdung”, sehr wohl darauf eingegangen und hingewiesen, dass derartige Inhalte unerwünscht sind und entfernt werden.
Webnews blockiert also Inhalte, die von anderen Usern als “unpassend wahrgenommen werden” und beruft sich bei der Begründung auf den verfassungsschutz. Besser kann man seine Staatshörigkeit wohl kaum ausdrücken. Ein User-Kommentar lautete dazu:
nehmen wir statt des Verfassungsschutzberichtes doch mal die Rügen des Presserates zu Grunde, der in der Medienarbeit sicherlich besser qualifiziert ist als das Bundesamt für Verfassungsschutz. Ich habe noch nie gehört, daß die junge Welt wegen ihrer Berichterstattung zur ETA oder zur FARC gerügt worden ist. Ständig Rügen erhält aber die BILD für ihre Märchen und diese “Zeitung” findet man ja bei Euch oft genug. Und was ist mit den rechtsextremen PRO-Gruppen (Pro Münschen, PRO Köln, …)? Die laßt ihr hier ihre Hetze veröffentlichen, wenn man sich deshalb beschwert bekommt man keine Reaktion. Echt tolles politisches Verständnis. Wenn man mit Politik zu tun hat, muß man sich damit auch beschäftigen, oder kann ich aus eurer Reaktion etwa mehr schließen als ich eigentlich wollen würde?
Was Webnews hier offenbar völlig vergisst, sind die eigenen Funktionsbeschreibungen der Seite:
Besucher des Webnews-Portals können alle Artikel als interessant bewerten und damit entscheiden, welche Artikel genug Punkte erhalten und auf der Startseite von hunderdtausenden Menschen gelesen werden.
Und weiter in den Regeln steht:
Als demokratische Medienplattform wünschen wir einen regen Austausch von Meinungen, auch wenn diese verschieden sind.
Also was nun? Vorauseilender Gehorsam und Blockierung von Inhalten, die einigen Usern nicht genehm sind oder sollen doch lieber die User durch ihre Stimme entscheiden, was interessant ist und was nicht?
Was können wir nun tun? Bewertet diesen Artikel von Redblog und zeigt damit, dass das Thema von Interesse ist. Das geht übrigens auch anonym. Einfach einmal auf das Feld mit den Punkten klicken.



3 Reaktionen
Von redblog am 9. Apr 2008 um 21:05 Uhr
Das Webnews-Team hat in einem Kommentar mitgeteilt (9.4.2008, gegen 20 Uhr), daß sie die Quelle jungewelt.de wieder freischalten. Noch ist das zwar nicht geschehen, aber demnächst damit zu rechnen.
An dieser Stelle sei allen gedankt, die mit ihrem Engagement zu diesem Umdenken bei Webnews beigetragen haben.
redblog
Von Carl Heinz am 9. Apr 2008 um 21:52 Uhr
Als Kölner habe ich Webnews bisher nicht gekannt. Deinen Hinweis darauf habe ich breits vegessen
Das Ganze hat mich leider etwas Zeit gekostet; Zeit, die ich lieber zum Lesen der von mir online abonnierten Junge Welt hätte nutzen wollen.