Besetzt oder befreit? – Die Minderheitenpolitik der Volksrepublik China in Tibet
Es wird mal wieder Zeit, auf einen Artikel in der Jungen Welt zum Thema Tibet und China hinzuweisen.
Besetzt oder befreit?
Die Minderheitenpolitik der Volksrepublik China in Tibet
Von Nora Bartels1
Lange schon ist Tibet ein Liebling der Mainstreammedien, und das nicht zufällig: Es steht für ein sagenumwobenes, heiliges Land mit einer für den Zeitgeist des sich seiner selbst überdrüssig gewordenen Abendlandes attraktiven Religion, für die Greueltaten des Lieblingsfeinds China und schließlich für den Dalai Lama, der die Herzensgüte selbst zu sein scheint, immer lächelnd und guter Dinge. Doch seit dem 14. März, als die Berichte von den Aufständen in Lhasa uns erreichten, überschlagen sich Zeitungen und Fernsehen geradezu mit der Berichterstattung; kaum eine Meldung, ein Kommentar oder ein Bericht, in dem nicht Kritik an der Verletzung der Menschenrechte, der Auslöschung der tibetischen Kultur und natürlich der unrechtmäßigen Besetzung des Landes thematisiert wird. Die Lage scheint klar, und jeder Journalist hat dazu eine ebenso klare Meinung, die nun Tag für Tag erneut niedergeschrieben wird. – Der offensichtliche Mangel an konkreten Informationen hindert nicht am ständigen Wiederholen. Differenzen gibt es allein in der Frage, wie man sich China gegenüber zu verhalten habe. Doch das Bild, das hierzulande von China verbreitet wird, entspricht nicht der Realität.
- Nora Bartels ist Sinologin und Japanologin. Sie lebt zur Zeit in Peking. [↩]





6 Reaktionen
Von Marvin am 21. Mai 2008 um 02:44 Uhr
China ist leider an sich schon weit davon entfernt ein freies oder gar demokratisches Land zu sein.
Außerdem würde die Mehrheit des tibetischen Volkes halt wirklich lieber von dem Dalai Lama “regiert” werden, wird jedoch gewaltsam daran gehindert: Unterdrückung und nichts anderes. Daran ändern auch die im Artikel genannten Wohltaten nichts.
Von gewe am 21. Mai 2008 um 18:11 Uhr
Nicht nur Mainstream im Land hier. Das ist Massenmanipulation fast weltweit.
Komme mir keiner mit dem dussligen Spruch, wenn Millionen so denken, dann kann es nur richtig und wahr sein. In deutschem Naziland haben auch mal Millionen geglaubt, ihre Meinung und Zustimmung zur braunen Pest ist richtig und wahr. Aber Göbbels hat es ja zugegeben: Man muß eine Lüge nur oft genug wiederholen, damit sie als Wahrheit geglaubt wird. Die heutigen Meinungsmacher haben sich da noch ein erhebliches Stück weiter entwickelt und beherrschen die Manipulation von hunderten Millionen Menschen.
Ich würde also nicht den Medien vertrauen. Dann doch lieber Mitmenschen, die man persönlich als ehrliche und aufrichtige Menschen kennt und die eine qualifizierte Meinung abgeben können, weil selbst seit längerem vor Ort und durch langjährige Ausbildung und Studium des Themas mehr Fachkompetenz haben, als diese ganzen Schreiberlinge hierzulande und an anderen Meinungsverschmutzungsecken dieser Welt.
Von Andreas Gruschke am 2. Sep 2008 um 08:54 Uhr
An Marvin: Da täuschst Du Dich gewaltig, wenn Du schreibst: “… würde die Mehrheit des tibetischen Volkes halt wirklich lieber von dem Dalai Lama “regiert” werden …”. Es ist richtig, dass die meisten sich wünschen, er käme zurück – er ist nun einmal die Inkarnation des für die Gläubigen wichtigsten Bodhisattvas. Dies gleichzeitig jedoch politisch so zu deuten, dass sie von ihm regiert werden wollen, ist wohl eines der am weitesten verbreiteten Missverständnisse. Wenn es um die alltägliche Politik geht, so wünschen sich die Tibeter sicher viele Verbesserungen und Erleichterungen, doch gewiss kein theoratisches System zurück. Diesen Eindruck habe ich nach Gesprächen mit Zigtausenden von Tibetern geinnen können.
Von Dchingis Khan am 26. Apr 2009 um 22:26 Uhr
Wie glaubwürdig sind denn die ganzen “Tibetologen” mittlerweile noch, deren künftige Karriere vom Wohlwollen der chin. Parteikader abhängt?
Von Sepp Aigner am 27. Apr 2009 um 17:24 Uhr
Marvin: China kein freies und demokratisches Land. Aber die USA, Deutschland, Frankreich etc. lauter freie demokratische Laender ? Siehst Du das so ? Meinst Du im Ernst, dass z. B. in Deutschland das Volk herrscht ?
Uebrigens ist der Duenkel, dass ueberall dort, wo Gesellschaften nicht “westlich” verfasst sind, das frueher oder spaeter nachgeholt werden muss, kein Spass. Das ist die Rechtfertigung fuer die Einmischung der “westlichen Demokratien” in die Angelegenheiten anderer Staaten, fuer von Geheimdiensten gesteuerte Umsturzversuche, fuer Kriege und das Besetzen von Staaten.
Sepp Aigner