Friedrich Engels – Grundsätze des Kommunismus (25)

25. Frage: Wie verhalten sich die Kommunisten zu den übrigen politischen Parteien unsrer Zeit?

Antwort: Dies Verhältnis ist verschieden in den verschiedenen Ländern. – In England, Frankreich und Belgien, wo die Bourgeoisie herrscht, haben die Kommunisten vorderhand noch ein gemeinsames Interesse mit den verschiedenen demokratischen Parteien, und zwar ein um so größeres, je mehr die Demokraten sich in den jetzt überall von ihnen vertretenen sozialistischen Maßregeln dem Ziele der Kommunisten nähern, d.h., je deutlicher und bestimmter sie die Interessen des Proletariats vertreten und je mehr sie sich auf das Proletariat stützen. In England z.B. stehen die aus Arbeitern bestehenden Chartisten den Kommunisten unendlich näher als die demokratischen Kleinbürger oder sogenannten Radikalen.

In Amerika, wo die demokratische Verfassung eingeführt ist, werden die Kommunisten sich mit der Partei halten müssen, welche diese Verfassung gegen die Bourgeoisie wenden und im Interesse des Proletariats benutzen will, d.h. mit den agrarischen Nationalreformers.

In der Schweiz sind die Radikalen, obwohl selbst eine noch sehr gemischte Partei, dennoch die einzigen, mit welchen die Kommunisten sich einlassen können, und unter diesen Radikalen sind wieder die waadtländischen und Genfer die am weitesten fortgeschrittenen.

In Deutschland endlich steht der entscheidende Kampf zwischen der Bourgeoisie und der absoluten Monarchie erst bevor. Da aber die Kommunisten nicht eher auf den entscheidenden Kampf zwischen ihnen selbst und der Bourgeoisie rechnen können, als bis die Bourgeoisie herrscht, so ist es das Interesse der Kommunisten, die Bourgeois sobald als möglich an die Herrschaft bringen zu helfen, um sie sobald wie möglich wieder zu stürzen. Die Kommunisten müssen also, gegenüber den Regierungen, stets für die liberalen Bourgeois Partei ergreifen und sich nur davor hüten, die Selbsttäuschungen der Bourgeois zu teilen oder ihren verführerischen Versicherungen von den heilsamen Folgen des Siegs der Bourgeoisie für das Proletariat Glauben zu schenken. Die einzigen Vorteile, welche der Sieg der Bourgeoisie den Kommunisten bringen wird, werden bestehen: 1. in verschiedenen Konzessionen, welche den Kommunisten die Verteidigung, Diskussion und Verbreitung ihrer Grundsätze und damit die Vereinigung des Proletariats zu einer eng verbündeten, kampfbereiten und organisierten Klasse erleichtern; und 2. in der Gewißheit, daß von dem Tage, wo die absoluten Regierungen fallen, der Kampf zwischen Bourgeois und Proletariern an die Reihe kommt. Von diesem Tage an wird die Parteipolitik der Kommunisten dieselbe sein wie in den Ländern, wo die Bourgeoisie jetzt schon herrscht.

  1. Eine Reaktion

  2. Von classless am 28. Mai 2008 um 17:36 Uhr

    Und wie sieht das alles heute aus, nachdem das Proletariat systematisch verbürgerlicht ist und schon in Gestalt des umsatzbeteiligten Facharbeiters nur noch diffusestes Klassenbewußtsein entwickelt, wenn überhaupt? Nachdem organisierte Volksmassen sich wiederholt in vielen Ländern zusammengetan haben, um sich des vermeintlichen Problems in Gestalt des “Finanzkapitals” oder der “bürgerlichen Intelligenz” mit massenmörderischen Konsequenzen zu entledigen?

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