Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (2)
Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern
2. Frage: Warum ist das Verbot der KPD und des Kommunistischen Jugendverbandes augenblicklich akut?
Nach dem deutsch-französischen Kriege von 1870/71 verschärfte die deutsche Bourgeoisie in aggressivster Form ihren imperialistischen und anexionistischen Kurs. Ein großer Raubzug an den deutschen Arbeitermassen, die Schutzzollpolitik und eine Kette reaktionärer Maßnahmen waren durchzuführen. Daher erfolgte die Terrorperiode des Sozialistengesetzes mit dem Verbot der alten Sozialdemokratie im Jahre 1878. Das Reichsvereinsgesetz vom Jahre 1908 war ein reaktionärer polizeidiktatorischer Anschlag gegen die arbeitende Jugend. In der Zeit von 1914 bis 1918 wurden Liebknecht, Rosa Luxemburg, Klara Zetkin und Franz Mehring in die Kerker geworfen, der Spartakusbund wurde verfolgt, weil er unter Karls und Rosas Führung die Kriegsverbrechen und die monarchistische Diktatur schonungslos bekämpfte.
Das Verbot der KPD Ende 1923 geschah zu dem Zweck, die aufstrebende revolutionäre Arbeiterklasse, die den Kanzler Cuno gestürzt hatte, an einer weiteren Machtentfaltung zu hindern.
Kurzum: Jede Verbotsmaßnahme der Bourgeoisie gegen proletarische Organisationen stand und steht im Zusammenhang mit Anschlägen gegen die Interessen des Proletariats. Das RFB‑Verbot diente der Unterstützung des Faschismus. Das Freidenkerverbot dient den reaktionären mittelalterlichen Finsterlingen. Die Brüningschen Weihnachts- und Oster”burgfrieden” dienten dem Lohnraub, den Notverordnungs- und anderen volksfeindlichen Angriffen!
Wie das japanische Beispiel lehrt, werden Verbote der Kommunistischen Partei im jetzigen Stadium vor allem auch aus Gründen der imperialistischen Kriegspolitik ausgesprochen. Die japanischen Kriegsräuber begannen dann erst ihren Marsch in die Mandschurei und an die Sowjetgrenze, als sie die KP Japans bereits verboten hatten. Methoden der Provokation und der Verleumdung spielen bei diesen Verboten eine große Rolle. 1878 versuchte man die alte Sozialdemokratie in Verbindung zu bringen mit den Kaiser-Attentätern Nobeling und Hödel.
In Europa erlebten wir vor kurzem die Attentate von Matuschka, von Wassiljew und Stern, von Gorgulow usw. Immer brüllte die Bürgermeute, daß es sich um Kommunisten handle! Schon Bismarck sagte, daß man die Sozialisten nur erledigen könne, wenn man sie zu “Verzweiflungsakten bringe”. Die “Hamburger Nachrichten”, ein besonders der Deutschnationalen Partei nahestehendes Organ, schreibt heute bereits mit aller Offenheit: “Jeder erschossene Kommunist bedeutet Leben vieler Hunderter von Bürgern … unschuldige Kommunisten gibt es nicht. – Also fort mit diesem Mordgesindel.”
Heute brüllt die faschistische Presse nach dem Verbot mit der Begründung, die KPD sei “keine deutsche Partei”, während in unseren Reihen im gemeinsamen Kampfe mit der KP Frankreichs, Polens und mit der UdSSR die entschlossensten Kämpfer für die Befreiung Deutschlands vom Versailler Joch stehen.
Ganz klar: Das Papen-Kabinett, das neue Notverordnungen vorbereitet, endgültig die letzten Reste der Sozial- und Tarifpolitik zertrümmern will, das sich durch Lausanne aktiv in die antisowjetische Kriegsfront eingereiht hat, will durch das Verbot der KPD und des KJVD einen gefährlichen Gegner aus dem Felde räumen. Der faschistische Stoß gegen die KPD ist aber ein Stoß gegen die proletarische Klasse und muß darum von allen Arbeitern gemeinsam abgewehrt werden!
Tags: Faschismus, kommunismus, KPD, SPD




