Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (5)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

5. Frage: Hält die KPD beim Ziel der Schaffung der proletarischen Einheitsfront nicht auch Spitzenverhandlungen mit der SPD- und ADGB-Führung für angebracht? Wie steht sie zur Einstellung der „Beschimpfungen“ der SPD-Führung?

Ich will bei der letzteren Frage beginnen: Die SPD fordert von uns die Einstellung der Kritik an ihrer Politik! Wir sollen über die 14 Jahre, die hinter uns liegen, schweigen! Wir sollen schweigen darüber, daß der ADGB die 4 Millionen gewerkschaftlich organisierter Kollegen nicht in Bewegung setzt gegen die Papen-Regierung! Wir sollen schweigen, wenn SPD-Führer kommunistische Zeitungen verbieten, wenn SPD-Polizeipräsidenten revolutionäre Arbeiter erschießen lassen. Wir sollen mit der SPD-Führung also das heutige System der Bourgeois-Herrschaft verteidigen! Wir sollen ihnen dadurch praktisch helfen, als „Ärzte“ des verfaulenden Kapitalismus zu fungieren! So fordert es die SPD. Nur Agenten des Klassenfeindes und der Konterrevolution können solche Forderungen, die man so schön in die Worte: „Verzicht auf gegenseitige Beschimpfung“ kleidet, stellen. Herr SPD-Künstler erklärte seinerzeit: „Die Eiserne Front ist die proletarische Einheitsfront.“ – Wir Kommunisten, die wir mit den SPD-Führern jede Gemeinschaft ablehnen und auch die Künstlersche Demagogie anprangern, erklären immer wieder, daß wir mit den kampfgewillten sozialdemokratischen und Reichsbannergenossen und mit den unteren kampfgewillten Organisationen jederzeit bereit sind zum antifaschistischen Kampf.

Während des Krieges entwickelte sich die Sozialdemokratie zum Sozialchauvinismus und zum Sozialimperialismus. Die stolze Fahne der Internationale wurde in die Schützengräben versenkt. Wenn wir die heutige Entwicklung zum Faschismus betrachten, müssen wir feststellen, daß die SPD-Politik sich zu einer sozialfaschistischen entwickelt hat. Der Marxismus ist von der SPD geschändet und in den Staub getrampelt worden. Das Betrugsmanöver mit der Wahl Hindenburgs, durch die der Faschismus geschlagen werden sollte, muß von unseren SPD-Kameraden in seinem ganzen Umfang erkannt werden.

Und alle diese Dinge sollen wir als die einzige deutsche Partei des Marxismus nicht kritisieren dürfen? Wir Kommunisten verlangen nicht von der SPD die Einstellung des Kampfes gegen uns, das wäre eine prinzipielle Verleugnung der Gegensätze zwischen KPD und SPD. Aber wenn sozialdemokratische Führer, wie nach der letzten Reichstagswahl, unsere Millionen kommunistischer Wähler als Lumpenproletarier bezeichnen, dann verbitten wir uns das ganz energisch! Es nimmt sich recht eigenartig aus, wenn diese gleiche Sozialdemokratie von uns die Einstellung der Kritik an der Politik der SPD-Führer fordert! Es nimmt sich ebenso eigenartig aus, wenn wir dazu schweigen sollen, daß die SPD-Polizei eingesetzt wird gegen kämpfende revolutionäre Arbeiter, daß die gleiche Polizei Streikbrecher in die Betriebe begleitet, daß die gleiche Polizei auf uns und unsere Arbeiter losprügelt, wenn revolutionäre Lieder gesungen werden, während die Nationalsozialisten mit Pistolen in der Hand in den Straßen herumlaufen, und z.B. wie in Berlin, provokatorisch gegen die Arbeiterklasse auftreten können!

Wir erweisen euch SPD-Arbeitern keinen Dienst, wenn wir die Möglichkeit offen ließen, daß die SPD jemals revolutionäre Mittel des Marxismus anwenden würde.

Zwischen uns und Zörgiebel aber stehen die 33 Särge der im Berliner Blutmai 1929 erschossenen Arbeiter. Zwischen uns und Noske brandet das Meer des von ihm und seiner Soldateska vergossenen Arbeiterblutes der zehntausend gemeuchelten revolutionären Freiheitskämpfer. Aus all diesen Gründen und auch aus den in den vorigen Punkten aufgezeigten prinzipiellen Unterschieden zwischen der KPD und der SPD lehnen wir Spitzenverhandlungen mit der SPD ab. Mit den SPD-Führern, die den Faschismus fördern, kann man nicht über „Kampf gegen den Faschismus“ verhandeln.

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  1. 3 Reaktionen

  2. Von D.Krüger am 5. Jun 2008 um 10:56 Uhr

    Hallo,

    wann hat Thälmann das gesagt – 1932?
    Hier kann jeder selbst lesen und bei gutem Willen erkennen, wie Recht Thälmann hatte und wie sich heute SPD und PDL verhalten.
    Und da sage einer, Geschichte widerholt sich nicht…

    Stark bleiben!

  3. Von Woschod am 5. Jun 2008 um 17:35 Uhr

    Es sind immer wieder die selben Argumente, die selben abgedroschenden Phrasen, die die Herrschenden (u.A. durch die SPD) den Arbeitern entgegenwerfen. Erstmals aufgefallen ist mir das bei Stalin Anfang des 20. Jh. Bei Teddy wird es genauso offensichtlich.

    Traurig nur, dass die Menschen nichts daraus lernen und immer wieder drauf reinfallen. Sicher geht es den Menschen heute besser, aber an den grundlegenden Ausbeutungsverhaeltnissen hat sich nichts geaendert.

  4. Von D.Krüger am 5. Jun 2008 um 21:36 Uhr

    Hallo,

    @Woschod – sicher geht es den Menschen heute „besser“ – doch ist das nicht ein Trugschluß? Angst vor der Arbeitslosigkeit 2008 ist doch gleich Angst 1920 – ob ich nun 2.000 € verdiene oder 350 Reichsmark – Angst bleibt Angst.
    Angst vor Krieg 1939 ist doch gleich Angst 2008.

    Ich glaube, wir werden uns in Malá Úpa sehen.

    Stark bleiben!

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