Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (12)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

12. Frage: War die Gründung der RGO notwendig? Bedeutet die Gründung nicht eine Spaltung der organisierten Arbeiterschaft?

Ich will zunächst auf Engels und Bebel zurückgreifen, die zur Frage der Trennung von reaktionären Kräften innerhalb der Arbeiterbewegung wichtige und bedeutsame Äußerungen getan haben. Engels schrieb am 15. Juni 1895 an Becker:

“Sollten aber die Herren die Spaltung selbst hervorrufen, indem sie den proletarischen Charakter der Partei unterdrücken und durch eine knotig ästhetisch sentimentale Philanthropie ohne Kraft und Saft ersetzen wollen, so müssen wir es eben nehmen, wie es kommt.”

Auch August Bebel schrieb in seinem Buch “Aus meinem Leben”, dritter Band, Seite 226:

“Ich bin allerdings auch der Meinung, daß wir, wenn irgend möglich, versuchen, dieses Jahr in größerer Zahl zusammenzukommen. Nicht um eine Spaltung zu verhüten, denn diese kommt am Ende doch, wenn erst sich die Dinge weiter entwickeln.”

Engels schrieb an Bebel am 20. Juni 1873:

“Die Bewegung des Proletariats macht notwendig verschiedene Entwicklungsstufen durch, auf jeder Stufe bleibt ein Teil der Leute hängen und geht nicht weiter mit. Daraus allein erklärt sich, weshalb die ‚Solidarität des Proletariats’ in der Wirklichkeit überall in verschiedenen Parteigruppierungen sich verwirklicht, die sich auf Tod und Leben befehden, wie die christlichen Sekten im römischen Reich unter den schlimmsten Verfolgungen.”

Es kommt für uns darauf an, die Lebensinteressen und Kampfbedingungen des Proletariats zu verbessern. Die Gründung der RGO ist nicht gestellt vom Standpunkt der Spaltung, sondern im Gegenteil vom Standpunkt der Einheit! Die sozialdemokratischen und ADGB-Führer schließen die klassenbewußten Elemente aus den Gewerkschaften aus, während die RGO gerade durch ihren Aufbau und durch ihren Charakter als Massenbewegung alle klassenbewußten Arbeiter der verschiedenen Gewerkschaftsrichtungen und auch aus den Reihen der Unorganisierten zu einer einheitlichen Kampffront schmiedet. Zur Klärung einer oft auftretenden Unklarheit sagen wir unseren sozialdemokratischen Klassengenossen:

Kein freigewerkschaftlich organisierter Arbeiter braucht aus seinem Verband auszutreten, wenn er der RGO beitritt. Im Gegenteil, wir legen gerade Wert darauf, daß er in der freigewerkschaftlichen Organisation verbleibt, um dort in oppositionellem Sinne zu arbeiten, um seine Kameraden für die gemeinsame, einheitliche Klassenfront zu gewinnen.

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