Menschenfressende Geheimpolizei

Was das MfS doch alles war…

Noch deutlichere Worte findet der stellvertretende Direktor der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, Siegfried Reiprich: “Es ist erschreckend, wie man mit Symbolen einer menschenfressenden Geheimpolizei umgeht. Da werden voyeuristische Bedürfnisse bedient.” Für schlimm hält er, dass die Besucher eine verzerrte Täter- aber nicht die wahre Opferperspektive gezeigt bekommen. Das sei zynisch.

Ach ja, es geht um das neue Berliner Lokal “Zur Firma”.

  1. 7 Reaktionen

  2. Von Michael am 9. Aug 2008 um 23:14 Uhr

    Egal wie das MfS bezeichnet wird. Es ist nun mal so, daß sie Macht über Andersdenkende ausüben konnten und dies auch taten. Das MfS bestimmte, wer in den Knast wanderte und wer in den Westen reisen durfte.

    Erfahrungen kann man nicht in der Schule lernen, man muß sie selbst machen. Ein wichtiger Punkt, den die DDR-Führung ignoriert hat. Ja sogar das Gegenteil war der Fall. Die Leute, die in die BRD übergesiedelt sind und durch Erfahrung lernten, daß der Sozialismus das bessere System ist, hat man selbstherrlich zurückgewiesen, als sie wieder zurück wollten. Für billige Rache hat man auf gute Propagandisten verzichtet. Dümmer ging es nicht. Sorry, aber die DDR ist selbst schuld, daß es sie nicht mehr gibt.

  3. Von Silvio am 10. Aug 2008 um 07:42 Uhr

    Menschenfresser waren es also, die beim MFS gearbeitet haben? Die Sprache die der Gedenkstättenleiter verwendet unterscheidet sich nicht von der, die die Faschisten gebrauchten gegenüber den Bolschewisten. Die Staatsicherheit war nicht nur ein Machtinstrument der jeden gleich eingeknastet hat,da müssen schon schwerwiegende Taten begangen worden sein. Das MFS war ein Organ zur Sicherheit des Staates und hat das erfüllt was von ihnen verlangt wurde. Aber es war auch ein Organ das Kritscher war als das die Parteiführung, es hat in den letzten Jahren der DDR immer wieder Berichte an die Partei geliefert über die Wirtschaftliche Mängel, sowie überhaupt über die Stimmung die in der DDR geherrscht hatten, doch diese wurden von seiten der Regierung nicht ernst genommen bzw. ignoriert. Das ganze kann man heute nachlesen in den Büchern “Die Sicherheit zur Abwehr des MFS” verlag edition ost.

  4. Von Fulluht am 10. Aug 2008 um 16:33 Uhr

    Es ist immerhin möglich, dass die Gedenkstättenleitung einen neuen Fund gemacht hat. Wurde auch Zeit. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen ist eine Berlin ‘Attraktion’ (im Moment Platz 64 von 284 laut Tripadvisor), und wie jede Touristenfalle muss sie von Zeit zu Zeit etwas Neues bieten. In diesem Fall handelt es sich wahrscheinlich um Dokumente (Rezepte?), die die kannibalistischen Neigungen des ehem. Personals ohne jeden Zweifel belegen.

  5. Von gewe am 10. Aug 2008 um 17:18 Uhr

    Ach ja, ich frage mich, wie ich 40 Jahre vom MfS ungeschoren überstehen konnte? Ich meine, bei meinem etwas losen Mundwerk …
    Na sicher habe ich eine Akte. Gesehen habe ich diese noch nicht und werde ich auch nicht beantragen. Hat alles mehrere Gründe, die ich hier aber nicht ausbreiten werde.
    Mit ist bekannt, dass über mich Informationen mehrfach eingeholt wurden. Ja, auch wieder aus unterschiedlichen Gründen. Nee, Ausreiseantrag oder Antrag auf NSW-Reisekader hatte ich keinen gestellt. Wohl eher eine etwas wechselvolle, bunte Vergangenheit, die bei dem einen oder anderen Genossen Argwohn aufkommen ließen.
    Ist inzwischen alles Geschichte. Geschichte die nicht vergesssen sein soll. Aber Geschichte schreibt nun mal der Sieger. Der derzeitige Sieger tut das für mich in einer nahezu unbrauchbaren (nicht objektiven) Form.
    Erlebnisgastronomie, DDR-Nostalgie dienen zu 99% dem Geldverdienen. Man tut also auch nur das, was im Kapitalismus erstes Gebot ist – Geld scheffeln. Mögen sich einige Betroffene ihre Krokodilstränchen ausheulen. Sie müssen halt auch immer mal wieder auf sich aufmerksam machen. Mit objektiver Geschichtsaufarbeitung hat das nichts zu tun.
    @silvio: Du stellst die Aktivitäten des Mfs in den 80zigern richtig dar. Nicht nur, weil nachlesbar, sondern ich kann mich an das eine oder andere Gespräch mit Genossen aus dieser Zeit erinnern, die mir ähnliche Dinge zumindest andeudeten. Nee, das waren keine MfS-Mitarbeiter, aber sie kannten den einen oder anderen so gut, dass sie auch mal bei einem Bier über die wirtschaftlichen Probleme der DDR miteinander sprachen. Nee, von diesen Genossen ist danach auch keiner eingebuchtet worden.

  6. Von Fulluht am 11. Aug 2008 um 10:20 Uhr

    Wie Silvio schon richtig gesagt hat, beweist Siegfried Reiprich, der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, mit seiner Wortwahl immer wieder wessen Geistes Kind er ist. Das hier ist ein Ausschnitt aus seinem Artikel ‘Der Aufbau Ost – Geld statt Geist’:

    “Doch BRD 1949 war nicht DDR 1989. Diese war die am stärksten entbürgerlichte Gesellschaft Mittelosteuropas. Das Sowjetprogramm ‘Liquidierung der Bourgeoisie als Klasse’ war zwar nicht durch Klassenmord im GULag exekutiert worden, wohl aber durch Vertreibung von nahezu 20% der Bevölkerung. Die Systemgrenze zwischen Ost und West wirkte als semipermeabler Filter. Es flohen weniger die Zaghaften, Trägen, Unkreativen, sondern Angehörige einer Leistungselite. Dazu die vierzigjährige Tiefenwirkung einer perfektionierten Erziehungsdiktatur – beides bewirkte eine Verschiebung der Häufigkeitsverteilung von Intelligenz und Energie im mentalen Profil der Bevölkerung – das eigentlich böse Erbe des deutschen Kommunismus.”

    Der Link: http://www.magtec.de/downloads/CAT_194/aufbau_ost_liberal_v5.pdf

  7. Von fragender am 24. Dez 2008 um 13:49 Uhr

    Das eigentlich gefährliche an solchen Siegfried Reiprichs ist, dass sie Angriffskriege der USA auf so genannte “Schurkenstaaten” wie den der Bush-Administration auf den Irak öffentlich bejubeln.

    Da steht uns ja von Seiten dieser Kreise noch einiges ins Haus.

    Dan ganzen Tread dazu (er stammt aus der Zeit zwei Tage nach dem US-Einmarsch im Irak) findet Ihr hier:

    http://www.stasiopfer.de/component/option,com_simpleboard/Itemid,/func,view/id,1049920527/catid,4/

  8. Von Inson am 8. Feb 2010 um 10:22 Uhr

    Allen der Sache treu gebliebenen Genossen einen herzlichen Glückwunsch zum 60. Jahrestag des Ministeriums für Staatssicherheit!
    Am 08.02.1950 gegründet und am 15.01.1990 aufgelöst, überlebte die DDR das zu ihrem Schutz aus der Taufe gehobene Organ nur um wenige Tage.Das war kein Zufall. Solange das MfS existierte, hatte der Klassenfeind keine Chance die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR in seinem Sinne zu verändern. Die Konterrevolution von 1989 lief unter der klaren Prämisse, daß MfS zu paralysieren. Nur so war es möglich die kapitalistischen Verhältnisse auf dem Boden der DDR zu restaurieren.
    Besonders bitter für viele Angehörige des MfS war die Bereitschaft führender Genossen der SED das MfS als “Bauernopfer” der Konterrevolution zum Frass vorzuwerfen.
    (Das scheint bis heute offenbar guter Stil in der PDL zu sein.)
    Trotz alledem, hat die überwiegende Mehrheit aller MfS-Angehörigen bis zuletzt getreu ihrem Fahneneid:
    “Ich schwöre:
    Der Deutschen Demokratischen Republik, meinem Vaterland, allzeit treu zu dienen und sie auf Befehl der Arbeiter-und-Bauern-Regierung gegen jeden Feind zu schützen.”
    gehandelt.
    Für viele ist dieser Eid bis heute Verpflichtung, nun gilt es das Vermächtnis unserer Republik “gegen jeden Feind zu schützen”.Das ist alles andere als leicht und selbst unter Leuten die sich als “links” bezeichnen nicht immer einfach.
    20 Jahre mediale Gehirnregression haben ihre Spuren hinterlassen. Einen der dafür völlig unempfänglich war möchte ich zum Schluß zitieren:
    „Wer zur Revolution ja sagt, muß sie als Ganzes bejahen. Wer nur ihre Siege bejaht, aber den Kampf, der zu diesen Siegen führte, nur zum Teil, andere Teile aber als Verbrechen verurteilt, urteilt als Moralist, nicht als Revolutionär.“ (Peter Hacks)

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