Jaja, diese Blogger… Ihr müsst uns nicht mögen!

Wirklich, wir betteln niemanden, auch niemanden aus dem Peter-Hacks-Forum, wo ich dieses gefunden habe, von einem „Autoren“, den ich persönlich kenne:

Über Blogs und Blogger, das ist lange fällig, sollte ich wirklich mal ein Grundsatzurteil fällen: Ein Blogger ist einer, dem niemand, der nicht dafür bezahlt wird, etwas für seine Gedanken bezahlen würde und der sich auch sonst keiner Förderung erfreut. Er wird nicht gedruckt, so muß er bloggen. Es fehlt ihm kurzum sowohl an Talent als auch an Beziehungen. Letzteres ist Pech, und ersteres, nunja: keiner kann für den Kopf, mit dem er geboren wird. Es ist möglich, mit einem anschaulichen und für jedermann verständlichen Beispiel zu beschreiben, was ich meine: Hätte es in der Deutschen Demokratischen Republik, dieser sympathischen kleinen ostelbischen Diktatur, bereits das Internet gegeben, so wäre Lutz Rathenow nicht Dissident sondern Blogger geworden. Das Internet ist der Ort, wo das, was früher aus schriftstellerischem Mißerfolg in Politik machte, heute schriftstellerisch reüssieren kann. Das mag die Politik etwas weniger anstrengend gemacht haben, das Leben sicher nicht. (Überhaupt ist eines der entscheindenden Merkmale des Sozialismus, daß er die Gefechte, die heute in der Gesellschaft ausgetragen werden, in der Politik ausgetragen hat.) Ferner: über das Unglück mangelnder Forcierung und den Mangel an Begabung hinaus bedarf der Blogger, um einer zu sein, noch eines übermäßigen Mitteilungsbedürfnisses sowie einer zielstrebig gegen Null gehenden Substanz an Mitteilenswertem. Ersteres, damit er tatsächlich die anhaltende Lust verspürt, seinen Blog zu betreiben; denn was bliebe von einem Blog, zöge man von ihm die Zeitnähe von Gegenstand und Kommentar sowie die Menge der Meldungen ab? Der Mangel an Substanz wiederum ist an Bloggers Blöggen deshalb unvermeidlich, weil es ganz unmöglich ist, mit Regelmäßigkeit geistig Wertvolles zu produzieren. Selbst einem Genie gelingt das nur in Abständen; und wer seine Zeit auf das Betreiben von Blöggen verwendet, ist für gewöhnlich kein Genie. Der Blogger also, um es zusammenzufassen, tut etwas, das niemand außer ihm verrichten könnte, das er aber gerade dieser Eigenschaft wegen niemals wird gut verrichten können.

Gerechtigkeit indes ist, den Blogger als den Gaukler zu behandeln, der er ja auch ist. Ich würde, das ins Protokoll, einem Blogger im Leben kein Geld leihen, ihm kein Wort glauben noch einem überhaupt die Hand geben. Ich wollte, darauf mein Wort, lieber meine Tochter in den Iran verkaufen, als sie einem Blogger zur Frau zu geben. Und ich werde, das ins Testament, nur dann glücklich sterben, wenn ich am Ende meines Lebens sagen kann: diese Welt ein wenig mehr vom Einfluß der Blogger befreit zu haben ist ein bißchen auch mein Werk.

Aber am Ende lest Ihr doch mein Blog. Und am Ende freut Ihr Euch auch, das wir Blogger uns herablassen, Euch zu erwähnen. Stimmts?

Oder um es mit Peter Hacks zu sagen: „Wir sind doch alle Unikümer.“

  1. 15 Reaktionen

  2. Von gewe am 28. Aug 2008 um 19:41 Uhr

    Naja, auch Genies verfassen nicht ständig nur Geniales. Da kann auch mal ein Ausrutscher dabei sein. Ist halt nicht immer einfach, sich in die Niederungen einfacher strukturierter Mitmenschen zu begeben. 😕

  3. Von sven am 29. Aug 2008 um 11:42 Uhr

    @gewe: Wenn Einbildung in eine so gekonnte Formulierung gepackt ist, dann ist sie trotzdem lesenswert. Diese Kombination von Arroganz in der Formulierung und Aussage macht ja gerade den humorristischen Charakter dieses Textes aus.

  4. Von Marc am 29. Aug 2008 um 17:26 Uhr

    @woschod, vielen Dank für den Link zum Hacks – Forum; dorthin hätte ich sonst wohl nur schwer gefunden. Jetzt aber schaue ich dort jeden Tag rein und lese die Beiträge mit wechselndem Vergnügen. Wohlgemerkt, mit diesem proletarischen Vergnügen, bei dem man nie so recht weiß, ob man nun lachen oder weinen soll.

    Was der dir bekannte „Autor“ (ich kenne ihn zwar nicht persönlich, aber sein Stil, seine Wortwahl und die konsequente Verweigerung der schon lange in Gesetzesforn gegossenen gültigen Rechtschreibung lassen mich schon erkennen, um wen es sich handelt) über Blogger schreibt ist ja nur seine, von Hacks übernommene, Einstellung zu jedem, der geistig ein geringeres Potential als er selbst besitzt, tatsächlich oder vermutet.

    Zunächst hätte man in der DDR die Frage gestellt „Wem nützt es?“, welche ja die Frage beinhaltet, wem es schaden könnte. Wenn man Marxens Worte nicht anzweifelt, dass die Idee nur dann zur materiellen Gewalt wird, wenn sie die Massen ergreift (und wer will das schon ernsthaft anzweifeln; es ist nunmal so), dann besteht zunächst erst einmal keinerlei Gefahr: Die „Ideen“ aus dem Hacks – Forum werden mit Sicherheit nicht einmal in die Nähe der Massen kommen!

    Die Frage ist, und sie wird wohl noch öfter gestellt werden (müssen), ob derart überhebliche und arrogante Menschen sich überhaupt den Ehrentitel „Kommunist“ verdienen können. Oder, ganz kurz gefragt:

    Ein „arroganter Kommunist“, ist das nicht ein Widerspruch in sich?

  5. Von Dagobert F. am 29. Aug 2008 um 20:33 Uhr

    Jippieh, ich liebe diese Diskussion jetzt schon.

    @Sven, ist es humoristisch sich bei „humoristisch“ zu verschreiben?

    @ Morc: Das einzige, was mich am Hacksforum stört, ist dieser Amerikaner. Er repräsentiert dort die Massen.

    Ach ja, Binsenweisheit vom Onkel Dagobert: Humor sieht nur von unten aus wie Arroganz.

  6. Von Woschod am 29. Aug 2008 um 20:48 Uhr

    @Daggi: Ist es witzig, „Marc“ als „Morc“ zu schreiben? 🙄

  7. Von Dagobert F. am 29. Aug 2008 um 20:59 Uhr

    Ungefähr so witzig wie ein Leben mit der wohlbekannten a/o-Schwäche.

  8. Von Marc am 29. Aug 2008 um 21:07 Uhr

    @Dagobert, ob du mich nun „Marc“ oder „Morc“ nennst ist mir relativ gleichgültig. Den Begriff „Massen“ habe ich auch nur mit Vorbehalt benutzt, aber in diesem Kontext stammt er nunmal von Marx selbst.

    Dagobert, ich weiß nicht, ob du Kommunist bist oder auch nur mit der Idee sympathisierst. Woschod ist Kommunist, und ich bin einer, und der genannte „Autor“ behauptet, einer zu sein. Aber auch als Nicht – Kommunist könntest du mir eine Antwort auf meine Frage geben: Ist „arroganter Kommunist“ nicht ein Widerspruch an sich?

  9. Von Woschod am 29. Aug 2008 um 22:00 Uhr

    Jemand, der sich „Dagobert“ nennt, kann nie im Leben Kommunist sein, denn DAS wäre ein Widerspruch.

    „Arroganter Kommunist“… Na ich würde mal sagen, wenn man sich für den Besten hält weil man halt einfach mal der Beste ist, dann ist das nicht arrogant sondern eine Tatsache. Oder bin ich arrogant, weil ich sage, dass ich der stalinistischste Blogger Deutschlands bin?

  10. Von Marc am 29. Aug 2008 um 22:27 Uhr

    @Woschod, du bist mit Sicherheit der stalinistischte Blogger Deutschlands (so groß ist die Konkurrenz ja auch nicht), und dies öffentlich herauszustellen fällt allenfalls unter die Kategorie „Eigenlob stinkt!“.

    Aber wenn du anfängst, alle anderen Blogger runterzumachen und zu beleidigen, nur weil sie eben nicht so gut sind wie du, dann wirst du arrogant. Und verlierst als Kommunist mächtig an Glaubwürdigkeit…

  11. Von Dagobert F. am 30. Aug 2008 um 09:47 Uhr

    Wir sind berühmt!

  12. Von Heribert am 30. Aug 2008 um 10:04 Uhr

    Um diesen Tumult mal etwas aufzulösen: Bis jetzt dachte ich, das ein Kommunist einer ist, der, was seine politischen Ansichten betrifft, Anhänger des Kommunismus ist und nicht etwa jemand der möglichst wenig arrogant ist.

  13. Von Denzel am 30. Aug 2008 um 10:23 Uhr

    Da ist es wieder: das gut alte du als Kommunist

  14. Von Woschod am 30. Aug 2008 um 10:53 Uhr

    Ich bin Kommunist, weil ich mich für elitär halte und mir einen livrierten Diener wünsche, sobald ich die Macht als Diktator habe. Alles Selbstzweck.

  15. Von Denzel am 30. Aug 2008 um 12:42 Uhr

    Der Witz an solchen weltanschaulichen Positionen, wie sie der Marc vertritt, ist ja, daß sie in Hinblick auf das cui bono den gegenwärtig Herrschenden viel dienlicher sind als es ihren Vertretern bewußt ist. Gerade die Frage des cui bono, die Marc so ausdrücklich aufwirft, ist es, durch die er sich selbst am meisten ins Unrecht setzt. Denn was könnten diejenigen, die von den gegewärtigen Verhältnissen profitieren, sich mehr wünschen als das beliebige und willkürliche Meinungsallerlei, in dem jede Überlegung, die es in sich hat, untergehen muß also nicht gehört wird? Genau dieses Modell eines sich selbst verdummenden Volkes ist doch die beste Basis zur Absicherung der bestehenden Verhältnisse. Marc, wenn er eine Kritik am Pluralismus und der Niveaulosigkeit des gesellschaftlichen Diskurses für ungehörig, weil arrogant, erklärt, erweist sich als diensteifriger Adjudant der bestehenden Verhältnisse.

    Aber was soll denn der Vorwurf der Arroganz, wenn der sich lediglich darauf gründet, daß man eine exakte Beschreibung bestimmter Verhältnisse gegeben hat? Jedes Medium hat seine Gesetze, die darüber bestimmen, was in ihm geht und was nicht. Das Internet im allgemeinen, das Blogging im besondern begünstigt durch seine Struktur sowie durch den Rahmen, in dem es stattfindet, diese unerträgliche Schwämme dumm wie überflüssiger Meldungen, und es gibt einer Reihe von Menschen, ohne deren Meinung die Welt gut leben könnte, die Möglichkeit, ihre Meinungen zu verbreiten. Es gab eine Zeit, da mußte man etwas können, um gehört zu werden. Das war, wie ich meine, nicht die schlechteste Vorauswahl.

  16. Von lyzi am 7. Okt 2008 um 03:29 Uhr

    „Oder bin ich arrogant, weil ich sage, dass ich der stalinistischste Blogger Deutschlands bin?“

    Ich weiss nicht, ob ich stalinistischer bin, aber arroganter bin ich auf jeden Fall!

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