Der „Syrien-Einsatz“ der NVA 1973

In den vergangen Tagen konnte man in einigen Medien die Schreckensnachricht von „Erich Honeckers Krieg gegen Israel“ hören, sehen oder lesen.

Hier der TV-Beitrag bei Youtube bzw. das Protokoll der Sendung in der Die Jüdische.

Der Artikel fängt an mit:

6. Oktober 1973: Am Suez-Kanal greifen ägyptische, auf den Golan-Höhen syrische Armeen, völlig überraschend israelische Stellungen an. Die Existenz des jüdischen Staates steht auf Messers Schneide.

… als ob es kein Vorher gegeben hätte. Dazu ein Ausschnitt aus Wikipedia:

Um 1900 wurden auf den Golanhöhen jüdische Siedlungen gegründet. Da 1923 in einem Abkommen zwischen England und Frankreich die Golanhöhen vom britischen Mandatsgebiet Palästina abgetrennt und dem französischen Mandatsgebiet Groß-Syrien angeschlossen wurden, mussten alle jüdischen Siedlungen Anfang der 20er Jahre aufgegeben werden.

Die Golanhöhen wurden von Syrien als militärischer Stützpunkt genutzt, von dem aus immer wieder israelische Gemeinden beschossen wurden. Dies galt insbesondere für die an den Golan grenzenden israelischen Dörfer in den entmilitarisierten Zonen, welche im Zuge des Waffenstillstandsabkommens von 1949 eingerichtet wurden. Arabische Versuche, diese Gebiete zu besiedeln, wurden von Israel verhindert.

Während des Sechs-Tage-Krieges eroberte Israel die Golanhöhen. Während und nach der Eroberung flohen nahezu alle arabischen Bewohner (etwa 120.000) aus dem Gebiet, während die Drusen größtenteils geblieben sind. Später folgte die israelische Besiedlung. Zwar konnte Syrien Teile des Golans im Jom-Kippur-Krieg 1973 zunächst zurückerobern; diese Gebiete gingen jedoch im weiteren Verlauf der Kämpfe wieder verloren. Im folgenden Jahr schlossen Israel und Syrien ein Waffenstillstandsabkommen, außerdem wurde eine Pufferzone unter UN-Kontrolle (UNDOF) eingerichtet. Die 1967 von den Israelis eroberte Stadt Kuneitra liegt in dieser Pufferzone.

Der TV-beitrag endet mit den Worten:

Doch Honeckers Krieg gegen den jüdischen Staat bleibt geheim…

… was nunmal absoluter Schwachsinn ist.

Was ist nun genau passiert?

Einen recht guten Überblick gibt Peter Veith auf seiner Homepage: Der Syrien-Einsatz. Dort steht auch einiges zur Vorgeschichte und wie brenzlig die Situation damals wirklich war.

ICh erlaube mir mal den Teil, der die NVA konkret betrifft, zu zitieren:

Am 28.10.1973, 07.00 Uhr, ist für einen kleinen Kreis ausgewählter Armeeeangehöriger (Piloten und ingenieur-technisches Personal) im Gefechtsstand des JG-8 Antreten befohlen. Nach einer Vollzähligkeitsüberprüfung fährt diese Gruppe mit einem Bus zum PDG (Personaldienstgebäude) auf dem Flugplatz und wird dort umgekleidet. Bei der neuen Kleidung handelt es sich eher um eine „Phantasieuniform“, die an denen der Deutschen Seerederei angelehnt ist. Anschließend werden die Männer im Speisesaal des PDG vom Chef der LSK/LV, Generalmajor Wolfgang Reinhold, anhand einer Generalstabskarte über die entstandene militärische Lage im Nahen Osten informiert. Sie erfahren allgemein, daß sie für eine streng geheime „Hilfsaktion“ vorgesehen sind, ohne konmkrete Angaben.

Zwischenzeitlich waren 12 sowjetische AN-12-Transporter in Marxwalde gelandet. Jede Maschine nahm eine bereits vorher in Rumpf und Tragflächen zerlegte MiG-21M sowie 6 Männer des JG-8 an Bord. Erst bei der Zwischenlandung in Budapest (Ungarn) wurde das Personal über das Ziel, Aleppo in Syrien, informiert. Jeder erhält das Angebot, mit einer gegenüberstehenden IL-18 der Regierungsstaffel nach Marxwalde zurückzufliegen – keiner nimmt das Angebot an.

Während des Weiterfluges nach Syrien wurde den NVA-Angehörigen das erste Mal der Ernst der Lage bewußt, als die sowjetischen Piloten der Transportmaschinen lose aus einer Kiste heraus Makarow-Pistolen und Munition zur Selbstverteidigung verteilten Alles ohne die in der NVA unabdingbare Dokumentation von „Übergabe“ und „Übernahme“ der Waffen, geschweige denn mit Zählen der Munition. Die auf dem syrischen Flugplatz verteilten Flugzeugwracks als unmittelbare Kampfspuren machten endgültig klar, daß man eben direkt in einem „heißen“ Krieg gelandet war.

Die MiG-21M wurden in Syrien entladen und zusammengesetzt. In der dort vorhandenen Werft erhielten die Maschinen einen wüstenfarbenden Tarnanstrich und syrischen Hoheitsabzeichen. Die Flugzeugführer des JG-8 führten die Werkstatt- und Überprüfungsflüge durch. ALle Flüge wurden ohne Beanstandungen und in guter Qualität durchgeführt. Die Maschinen wurden anschließend an Syrien zur Kompensation der Verluste übergeben. Es gab keinerlei Zwischenfälle, an Kampfhandlungen waren die NVA-Angehörigen nicht beteiligt.

Nach Rückflug der „Spezialistengruppe“ am 31.10.1973 erhielten die Teilnehmer „hohe Auszeichnungen“ und wurden zu absoluten Stillschweigen verpflichtet. Dabei waren u.a. Major Reike, Hauptmann Katze, Leutnant Bohm, Leutnant Skibbe und Leutnant Brehmer.

(Hervorhebung von mir)

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