„Es ist ein Teufelskreis.“

Uri Avnery, selbst israelischer Staatsbürger, ist einer der bekanntesten Kritiker der israelischen Politik.

Auf www.uri-avnery.de findet sich der Artikel: „Zwölf konventionelle Lügen“ in denen Uri Avnery die israelische Propaganda durchleuchtet. Dort schreibt er:

In einer Konfrontation wie dieser zeigt jeder auf die Greueltaten, die die andere Seite begeht, und „vergisst“ die Greueltaten, die die eigene Seite begeht. Israel zeigt das abscheuliche Lynchen, die Palästinenser zeigen das Töten des 12jährigen Muhamed Al-Dura in den Armen seines Vaters und die besonders tödlichen Hochgeschwindigkeitsgeschosse, die von den israelischen Scharfschützen gegen Steine werfende Kinder benützt werden. Unsere Gewalttaten seien die Antwort auf die Aktionen der Palästinenser – ihre seien die Antwort auf unsere. Es ist ein Teufelskreis.

Das Fazit des Artikels:

Die Lösung ist ganz klar: der Staat Palästina muss innerhalb der vor 1967er-Grenze errichtet werden mit Jerusalem als der Hauptstadt von zwei Staaten: Ost-Jerusalem mit dem Harm Ash-Sharif muss zu Palästina gehören – West-Jerusalem mit der Klagemauer und dem jüdischen Viertel muss zu Israel gehören. Wenn diese Lösung im Prinzip akzeptiert wird, können Verhandlungen über die andern Probleme beginnen: Sicherheit, die auf Gegenseitigkeit beruht, Austausch von Gebieten, eine moralische und praktische Lösung für die Flüchtlinge, Wasserzuteilung usw.

Dieser Frieden wird zustande kommen – weil die einzige Alternative für beide Seiten die Hölle bedeutet.

(Hervorhebung von mir.)

Ein weiterer Kritiker der israelischen Politik ist Moshe Zuckermann. In einem Interview mit dem Neuen Deutschland „Eine übersteigerte Reaktion“ (…zur Gewalteskalation und den israelischen Wahlkampf)1 sagt er:

Es wird ja heftig geschossen, massenhaft getötet, und ein baldiges Ende ist für die Zivilbevölkerung beider Seiten nicht abzusehen. Offiziell geht es um die Wiederherstellung der Ruhe in Israels Südregion. Aber die übersteigerte Reaktion lässt darauf schließen, dass man auch das Fiasko des zweiten Libanonkrieges zu kompensieren trachtet. Was damals nicht gelang, soll diesmal umso mehr gelingen – und zwar um des schieren Gelingens willen. Man weiß, dass die Hamas militärisch nicht mit der Hisbollah vergleichbar ist und will die Gelegenheit nutzen, einen deutlich schwächeren Feind mit aller Vehemenz niederzuwalzen.

Zu den Antideutschen, im ND „Israel-solidarischen“ Lager genannt, sagt er:

Den Ekel [empfinde ich], den ich schon immer empfunden habe, wenn sich der furor teutonicus aus der Ferne am Opferleid von anderen ergötzt hat. Mit Israel-Solidarität hat das gar nichts zu tun. Unter gewandelten historischen Umständen werden sich diese Tanzfreudigen am Untergang von Juden genauso delektieren. Sie verkörpern all das, was man sich klischierterweise als Deutsche vorstellt – sie sind eben die deutschesten aller Deutschen.

Hm, was sagt man als Antideutscher eigentlich dazu, wenn ein bekannter Jude sich so äußert?

  1. Link via Redblog []
  1. 6 Reaktionen

  2. Von peter s. am 29. Dez 2008 um 19:48 Uhr

    deinem guten artikel ist noch ein kommentar von einem menschen hinzuzufügen:

    Gasa 2008, Sarajevo 1992

    1992 lehnte die Regierung Bosniens den Bundesstaat Jugoslawien ab. Die serbische Regierung bestritt ihrerseits der Regierung Bosnien-Herzegowinas die Legitimität und wollte sie stürzen; ihre Armee führte in ihrem Selbstverständnis einen Kampf gegen muslimische Extremisten und schnitt daher die Versorgung Sarajevos ab. Die Einwohner Sarajevos wehrten sich so gut sie konnten, aber Tausende wurden getötet.

    Nun ersetzen wir in dieser Schilderung das Jahr 1992 durch 2006, den Bundesstaat Jugoslawien durch den Staat Israel, die bosnische durch die palästinensische Regierung, die Tausend getöteten Einwohner Sarajevos durch die Hunderte in Gasa. Der Unterschied zwischen Sarajevo 1992-1995 und Gasa 2006-2008 ist: Die Anführer der Belagerung Sarajevos wurden bereits in Den Haag als Kriegsverbrecher zu hohen Strafen verurteilt, die Anführer der Belagerung Gasas noch nicht.

    Glauben deutsche Journalisten wie Frau Mertins, deutsche Politiker wie Herr Steinmeier wirklich, es sei hilfreich für Israels Zukunft, wenn die Belagerung Gasas und die fortwährende Landnahme im besetzten Westjordanland nicht als das benannt und sanktioniert werden, was sie sind: Verletzungen von Menschenrecht und Völkerrecht? Glauben sie wirklich, es sei eine Wiedergutmachung der Ermordung meiner jüdischen Verwandtschaft, dass nun Israel haltlos und bindungslos alles machen darf, was ihm so gerade einfällt? Ich glaube, es würde Israel unendlich gut tun, wenn es fest in das internationale Regelsystem eingebettet würde. Die deutsche unkritische Unterstützung Israels scheint mir nicht das Wohl Israels im Auge zu haben, sondern hauptsächlich immer noch die Entlastung Deutschlands: Indem Deutschlands Regierung und veröffentlichte Meinung durch diese Unterstützung dazu beitragen, dass „andere“ und insbesondere „die Juden“ „auch nicht besser sind“, lassen sie offenbar mit einem gewissen Behagen Israel immer mehr auf die schiefe Bahn rutschen.

    Prof. Rolf Verleger, Lübeck

  3. Von gewe am 30. Dez 2008 um 09:56 Uhr

    Warum darf Israel denn so handeln? Warum keine UN-Sicherheitsratsresolution?
    Die Gründung des Staates Israel wurde als eine Art Wiedergutmachung für die Greueltaten der Nazis an den jüdischen Menschen verkauft und als solches auch vom überwiegenden Teil der Menschheit akzeptiert und für richtig befunden. Wäre es nur diese Wiedergutmachung gewesen, bräuchte es keinerlei weitere Bemerkungen.
    Die Installation eines imperialistischen Staates in der arabischen Welt hatte bekanntermaßen auch einen weiteren Grund. Die Sicherung der Hegemonieansprüche der USA. Nach 1945 war klar, welche strategische Rolle das Öl für die nächsten Jahrzehnte spielen würde und ergo wie wichtig der Zugang dazu ist.
    Teilweise wurden reaktionäre Regimes in Nahost installiert und bis heute von Gottes-Bushs Gnaden unterhalten, gestützt und wo erforderlich auch dazu gepressst.
    Nicht jeder arabische Staat ließ sich so behandeln. Gegen Irak. Syrien und Iran z.B. waren andere Mittel und Methoden erforderlich. Libanon befand und befindet sich sozusagen zwischen den Fronten.
    Dort Unfrieden zu sähen, zu provozieren und Kriege anzuzetteln und zu führen, dass ist die den israelischen Machthabern von den USA-Machthabern zugedachte Aufgabe. Dafür wird Israel mit milliardenschweren Waffen und Technologien ausgestattet. Dafür wird von Israel die Führung von Stellvertreterkriegen eingefordert. Gäbe es kein Israel, müßten die US-boys wohl selbst ran.
    Diese Position hat nichts mit Judenfeindlichkeit zu tun. Das hat etwas mit Imperialismusfeindlichkeit zu tun.
    Die israelisch, amerikanische Kriegspolitik wird von Großteilen der israelischen Bevölkerung nicht mitgetragen. Daher ist stets zu unterscheiden zwischen imperialistischer Kriegspolitik der israelischen Machthaber einerseits und den Wünschen nach Respektierung des Glaubens, der Würde und des unter den Nazis Erlittenens des Großteils des israelischen Volkes. Eine durchaus komplizierte Problematik.

  4. Von Woschod am 30. Dez 2008 um 12:27 Uhr

    @gewe: Es gibt ja genügend UN-Resolutionen, die Israel zu Handlungen auffordern oer verurteilen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_UN-Resolutionen

    Wie aber jedesmal zu erwarten ignoriert Israel diese Resolutionen und eine Durchsetzung scheitert jedesmal am Veto der „Schutzmacht“ USA.

  5. Von gewe am 30. Dez 2008 um 13:28 Uhr

    Ich meinte eine Resolution zum, besser gegen den gegenwärtigen Krieg. Da könnte sich Mr. „We can“ gleich mal profilieren und den bisherigen Schutzmachtstatus korrigieren. 😕

  6. Von Woschod am 30. Dez 2008 um 14:07 Uhr

    Mr. „We can“ hat im Moment noch gar nichts zu sagen, noch ist GWB der Präsident. Aber auch unter Obama werden die USA ihre Nahoostpolitik nicht ändern.

  7. Von gewe am 30. Dez 2008 um 19:31 Uhr

    Vor ende Januar kommt es wohl kaum zu einer UNO-Resolution zum gegenwärtigen Krieg. Dann ist Mr. „We can“ in Amt und Würden. Da mal nicht mit Veto zu reagieren wäre ein hoffnungsvoller Einstand. Nunja, wäre … aber ich bin zu alt, um an Wunder zu glauben. Erst recht nicht an Wunder, die sich außerhalb marxisitischen Grundlagenwissens bewegen. 🙂

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