14. Februar 2009 in Dresden: „No pasarán“

Am Vormittag des 14. Februar 2009 hatte das Bündnis No pasarán! zu einer Demonstration gegen den Naziaufmarsch aufgerufen. Die ursprüngliche Anmeldung für den Hauptbahnhof wurde von keiner gerichtlichen Instanz genehmigt und der Start stattdessen auf den George-Gomondai-Platz (Albertplatz) verlegt. Ironie der Geschichte: Die Nazis musste am Hauptbahnhof starten, obwohl diese das nicht mal wollten. Die Taktik der staatlichen Organe war dabei eine strikte räumliche Trennung zwischen den linken und den rechten Demonstrationen.

blg-01 blg-01 blg-01

11 Uhr begann die Veranstaltung. Um zum Versammlungsort zu kommen, musste man sich Taschendurchsuchungen und Körperabtasten durch die Polizei gefallen lassen. Bereits da gab es Zusammenstöße zwischen Polizei und den Jugendlichen sowie Verhaftungen. Vor Ort waren auch einige ältere Menschen anwesend.

blg-01 blg-01 blg-01

Kurz vor 13 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Die Route führte über den Albertplatz, die Albertbrücke, die Pillnitzer Straße, den Pirnaischen Platz zum Kulturpalast. Ich war erstaunt, wie viele Antifaschisten an dieser Demonstration teilnahmen. Schätzungen gehen von bis zu 4000 Menschen aus, ich halte die Zahl nicht für übertrieben. Es waren Gäste aus verschiedensten Städten da: München, Berlin, Jena, um nur drei zu nennen. Im Zug herrschte eine gute Stimmung, mit lauten Sprechchören wurde nicht gespart. Die ganze Zeit tobte eine pinkfarbene Tanztruppe durch den Demozug und sorgte zusätzlich für Stimmung.
Am besten gefiel mir, als die bayrische Polizei im Laufschritt um die Zugspitze herum lief um eine völlig unwichtige Straße abzusperren, tönte es: „Hopp, hopp, hopp, Schweinchen im Galopp!“

blg-01 blg-01 blg-01

Am Pirnaischen Platz war die ganze Strecke (St-Petersburger-Str.) Richtung Süden durch unzählige Polizeiautos, drei Wasserwerfer und zwei Räumpanzer abgesperrt. Eine solche Barriere habe ich bis dato noch nicht gesehen. Dort wurde das erste Mal ruppig gegen die anwesenden Pressefotografen vorgegangen, auch nach dem Vorzeigen des Presseausweises war für diese kein Durchkommen.

blg-01 blg-01 blg-01

Die Demonstration bog in die Wilsdruffer Straße ein. Am Kulturpalast kam es zu einem Stillstand, während nur weniger hundert Meter weiter die Nazis über den Dr.-Külz-Ring liefen.

blg-01 blg-01 blg-01

Die Polizei drohte damit, die Demo aufzulösen, wenn es nicht weiter geht und geleitete den Zug in Richtung Schloßstraße. Dort ging es aber nur 150 Meter weiter, dann war aus mir unbekannten Gründen Schluss. Nach einer Weile lief die gesamte Demo rückwärts wieder vor den Kulturpalast. Inzwischen wurde hieß es jedoch, das die Nazis wieder umdrehen mussten bzw. ihre Demo nicht fortsetzen können. Daraufhin löste sich die antifaschistische Demonstration auch auf.

blg-01 blg-01 blg-01

Zwischen Kulturpalast und Schloßstraße kam es dann zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, die rigoros in die Jugendlichen reinknüppelte und -trat, dabei bekam ich selber eine Ladung Pfefferspray/Reizgas in die Augen. Die Lage beruhigte sich dann etwas, vor dem Verkehrsmuseum bekamen einige Scheiben von Polizeifahrzeugen Löcher.

blg-01 blg-01 blg-01

Am Schloßplatz fuhr die Polizei Wasserwerfer und Einsatzkräfte auf und forderte, dass alle Personen den Platz verlassen sollen. Nebenbei war dort auch einer der GEH DENKEN-Demos eingetroffen, so das die Lage am Ende ruhig blieb. Viele Jugendliche machten sich da bereits auf den Weg in die Neustadt. Am Albertplatz kam es zu einen weiteren Zwischenfall, als die dort eintreffenden Leute zwei Polizeitransporter vorfanden, die auf der Seite lagen. Die Polizei, die kurze Zeit später eintraf, musste erst mal unschuldige Passanten mit Gewalt in die Alaunstraße reindrängen. Zur gleichen Zeit trieb die Polizei hunderte Jugendliche über die Carolabrücke von der Synagoge aus Richtung Neustadt.

blg-01 blg-01 blg-01

Ich selber war aus organisatorischen Gründen da bereits auf dem Heimweg und verweise deshalb auf die weiterführenden berichte bei recherche ost sowie Indymedia:

Fazit: Das Ziel von No Pasaran! war es, den Nazis kein durchkommen zu ermöglichen. Dieses Ziel wurde so nicht erreicht, trotzdem kamen die braunen Kameratten nicht weit. Wir dagegen hatten eine Demonstration in Dresden, die von der Anzahl der Teilnehmer rekordverdächtig war und großen Spaß gemacht hat.

  1. 8 Reaktionen

  2. Von lahnix am 15. Feb 2009 um 11:46 Uhr

    Zwischen Kulturpalast und Schloßstraße kam es dann zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, die rigoros in die Jugendlichen reinknüppelte…

    Diese Situation empfand ich persönlich als Tiefpunkt des Tages und am deprimierendsten. Wie man als Mensch so weit sinken kann, werde ich niemals verstehen können.

    Das Schmunzeln setzte aber wieder ein, als wir später auf dem Weg zum AZ Conny die umgedrehten KFZs bestaunen konnten.

    Den Spruch „Zieht den Nazis die Uniformen aus!“ kannte ich bis gestern noch nicht. Der hat mir super gefallen.

  3. Von Woschod am 15. Feb 2009 um 12:29 Uhr

    Das Interessanteste an den „umgedrehten KFZ’s“ war wohl, das weder die Täter noch irgendein Polizist zu sehen war. Die lagen da völlig verwaist auf der Straße.

  4. Von lahnix am 15. Feb 2009 um 22:04 Uhr

    Das Interessanteste an den “umgedrehten KFZ’s” war wohl, das weder die Täter noch irgendein Polizist zu sehen war.

    Du würdest also Fahrerflucht nicht ausschließen? 😉

  5. Von Maximilian Georg Liebscher am 15. Feb 2009 um 23:24 Uhr

    FOTOS VON DER DEMO:

    http://emmixstudios.com/Krieeeeeg/

    Bei Fragen: emmix@gmx.de

  6. Von Gebi am 16. Feb 2009 um 01:51 Uhr

    Nicht diskusionsfähig was? Keine Argumente? Was ist nur aus den Kommunisten geworden die früher nie eine Diskusion scheuten….Aber scheinbar sind Sie kein Kommunist sonst würden sie im Beitrag darunter nicht die Flaggen der wohl antikommunistischsten und verbrecherischsten Staaten der Welt zeigen und darunter schreiben das das gut sei um Nazis zu ärgern. Das ist einfach nur dumm und das wissen Sie auch! Ich kann verstehen das sie hier keine ausufernden Diskussionen möchten doch Stellung beziehen sollten sie schon denn sonst wirken sie für mich sehr unglaubwürdig da für mich Sozialismus und solche Flaggen und die verachtung von sinnlosen Menschenopfern in Dresden und anderswo unfereinbar sind. MKG Gebi

  7. Von Michka am 20. Feb 2009 um 09:28 Uhr

    Die Flaggen die hier gezeigt werden, sind Flaggen von den ehm. Befreiern des Hitlerfaschismus gewesen.Selbst im „Schwuur vom Buchenwald“ werden sie ehrenvoll genannt; Zitat „Wir danken den verbündeten Armeen, der Amerikaner, Engländer, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt Frieden und das Leben erkämpfen“. Natürlich Symbolisieren diese Flaggen den Staaten wo kapitalistische/Imperialistische Systeme herrschen, aber das waren sie(ausgenommen die Sowjetunion) damals auch schon. diese Ländern warwn durch den Druck der Internationalen Gemeinschaft gezwungen mit der Sowjetunion einen Pakt zu schließen(Anthitlerkoalition) um gemeinsam gegen das faschistische Deutschland zu kämpfen es zu zerschmettern.Ja es gab Widersprüche zwischen den Armeen der Imperialistischen Länder USA und England einerseits und der Armee der sozialistischen Sowjetunion anderseits. Doch diese Widersprüche bezogen sich nicht darauf,dass die Sowjetunion etwa kritisierte, dass es zu heftig und brutal Deutschland bekämpfte, sondern ganz im Gegenteil, dass zu schwach und zu ineffektiv gekämpft wurde. zum schluß die Bombardierung deutscher Großstädte geschah im Einvernehmen aller Alliierten. Das zeigen Dokumente eindeutig. zum Beispiel schrieb Stalin am 19.April 1943 an Churchill: “ Ich freue mich dass Sie beabsichtigen, die Bombenangriffe auf deutsche Städte in in ständigwachsenndem Umfang fortsetzen.“ 8aus ein Briefwechsel Stalins mit Churchill, Attlee, Roosevelt und Truman. Berlin 1961 S. 149 Und am 14 Januar1944 schreibt Stalin an Churchill: „Folglich brauchen Sie die Bombardierung Berlins nicht abzuschwächen,sondern sollten sie möglichst mit allen Mitteln verstärken.“(ebenda.S.231)
    Natürlich gibt es im Krieg sinnlose Opfer wie in Dresden und anderswo, aber die Ursachen deren Wurzel lagen im damaligen faschistischen Deutschland der im ganz Europa gewütet hat. zig milllionen Opfern hatte der deutsche Hitlerfaschismus zu verzeichnen.zigtausende Kommunisten, Sozialdemokraten und andersdenkenden wurden von den deutschen Faschisten gefoltert und umgebrachzigmillonen Juden Sinti und Roma wurden ermordet und vergas-wo bleibt da der Aufschrei von sinnlosen Opfern? Die richtige Haltung zu Dresden ist keine Spezialfrage irgendwelcher studierten Militärs oder Möchtegern-„Militärfachleute“, die darüber fachsimpeln wo mehr oder weniger Bomben hätten geworfen werden müssen.
    Es ist bei genaurem Hinsehen überhaupt keine Dresden-Frage: Es geht um die Rechtfertigung der Kriegsanstrengungen der Nazis als “ Verteidigung“, um die Diffamierung der Staaten der Antihitler-Koalition, es geht darum den Nazifaschismus schrittweise zu rehabilitierten, wobei diese Schritte immer größer werden.
    Es die zwingende Aufgabe aller kommunistischen Kräfte, auch wenn es eigentlich nur konsequent demokratisch zu klärende Fragen geht,auch bei der Aufklärung dieser Fragen voranzugehen, Informationen, Materialien und Dokumente zu verbreiten um richtigen antinazistischen Dokumenten angesichts der Geschichtfälscher zum Durchbruch verhelfen.

  8. Von Paul am 23. Feb 2009 um 23:35 Uhr

    @Mischka, die Fahne der USA war 1945 sicher die Fahne eines Befreiers. Warum die USA erst im Juni 1944 (Der Krieg war durch die Rote Armee längst entschieden) eingegriffen haben sollten wir hier auch nicht diskutieren.

    Aber: In meiner Kindheit und Jugend war die US – Fahne das Symbol der Unterdrückung Vietnams. Und unter dieser Fahne ist dort Fürchterliches passiert.

    Die US – Fahne hat seitdem über vielen rauchenden Trümmern geweht. 1945 war sie die Fahne der Befreier.

    Setdem ist sie wieder, was sie immer war: Die Fahne des skrupellosen Imperalismus.

    Und deshalb sehe ich (vorsichtig ausgedrückt) diese Fahne nur äußerst ungern auf unseren Demos!

  1. 1 Trackback(s)

  2. 15. Feb 2009: trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

Zu diesem Beitrag sind keine Kommentare möglich.