Nachttanzdemo in Dresden
In Dresden fand am Abend des 23. Mai 2009 eine Nachttanzdemo für mehr alternative Freiräume statt.
Ab 21.30 Uhr versammelten sich mehrere hundert Jugendliche zu Musik und einer kurzen Auftaktrede am Albertplatz. Eine knappe Stunde später ging es dann los.
Von 2 Lautsprecherwagen tönte laute Musik, dahinter tanzen die Jugendlichen. So ging es über die Augustusbrücke bis zur Bühlischen Terrasse in die Innenstadt und über die Carolabrücke wieder zurück zum Alberplatz. Unterwegs wurden die Straße mit Kreide verziert.
Lediglich am Terrassenufer gab es einen kleinen Zwischenfall, als ein paar Nazis meinten, von oben eine Flasche runter schmeissen zu müssen. Ansonsten verlief die Demonstration friedlich und entspannt.
An dieser Stelle sei auf einen Text der organsierenden Gruppe ‘AK Freiraum Dresden’ verwiesen, welcher Hintergründe beleuchtet. Quelle: Indymedia
Nicht erst seit heute wird die Forderung nach mehr Freiraum und unkommerzieller Kultur artikuliert. Bereits in der Vergangenheit gab es in Dresden diverse Aktionen zu diesem Thema, wie z. B. die Besetzung der Brachfläche Kamenzer Straße oder aber auch die Hausbesetzung auf der Hechtstraße 7 im März diesen Jahres. Zudem folgten noch andere Hausbesetzungen, Demos, Informationsveranstaltungen, Freiraumkino auf dem Neumarkt und diverse Kleinaktionen.
Auch die heutige Demo steht unter dem Motto: „Mehr alternative Freiräume schaffen!“Doch was ist damit gemeint? Was fordern wir genau?
Um das Konzept von sogenannten Freiräumen zu verstehen, ist eine tief greifende und umfassende Kritik an den herrschenden Zuständen notwendig. Diese werden wir heute allerdings nur kurz anschneiden können.
In Bezug auf Freiräume ist es wichtig, dass diese innerhalb der Kritik und der Suche nach Alternativen zum Status quo „nur“ Inseln darstellen können. Diese Inseln, sind jedoch wichtig um ansatzweise im solidarischen Miteinander leben und uns selbst und unsere Ideen immer wieder neu ausprobieren zu können. Dabei wird deutlich, dass sie trotzdem immer ein Teil des Systems selbst bleiben, da es derzeit noch nicht möglich ist, vollkommen unabhängig von bestehenden Strukturen und Normen zu leben. Somit ist ein solcher Freiraum nicht unser endgültiges Ziel, sondern nur ein Schritt auf dem langen Weg zu einer emanzipatorischen Gesellschaft.
Wir leben hier innerhalb der bestehenden Zustände, bezahlen Miete , gehen Shoppen, lohnarbeiten, leben vom Überfluss der Produktion und bilden damit eine Grundlage des Systems. Wir lassen uns ausbeuten und beuten tagtäglich selber aus, dabei werden wir alle auf Humankapital reduziert.
Somit ist dieses System keine Weltverschwörung einiger Weniger sondern funktioniert, weil wir es funktionieren lassen.Wir können und wollen uns mit diesen unerträglichen Zuständen nicht mehr abfinden und versuchen deshalb immer mehr Alternativen zu schaffen, weiterzuentwickeln und Menschen die Möglichkeit zu geben, möglichst selbstbestimmt leben zu können.
Da die Herrschaftsstrukturen weder freiwillig ihre Macht abgeben werden, noch einfach aus unseren Denkmustern verschwinden, ist es immer wieder wichtig zu verdeutlichen, dass es etwas Anderes und unserer Meinung nach Besseres als diese Ideologie des herrschen und beherrscht werden gibt.
Sogenannte alternative Freiräume, in Form von selbstorganisierten Straßenfesten, Wohnprojekten, besetzen Häuser, Freepartys, Selbsthilfe Werkstätten, Umsonstläden, Nachbarschaftshilfe oder ähnliche möglichst unkommerzielle Projekte, können die Basis für die Infragestellung des derzeitigen insbesondere kapitalistischen Normalzustandes sein.
Wir erträumen, brauchen, fordern und erkämpfen uns immer mehr solcher Freiräume; doch die Realität macht es uns immer schwerer. Besetze Flächen und Häuser werden brutal geräumt.
Stadtviertel, wie die als alternativ bezeichnete Neustadt, werden zu Kamera überwachten Wochenendpartymeilen umfunktioniert, in denen das nicht perfekt in ein sauberes Stadtbild passende Leben kriminalisiert wird. Dabei stellt das Kaufen von alkoholischen Getränken in Spätshops am Wochenende schon eine potenzielle Straftat dar und erhöhte Polizeipräsenz soll für Ruhe und Ordnung sorgen.
Diese Stadtumstrukturierung und sogenannte Aufwertung von Stadtvierteln ist kein Zufall und erst recht kein neuartiges unerklärbares Phänomen.
In kapitalistischen Raumnutzungskonzepten geht es darum, möglichst viel Kapital zu erwirtschaften, egal wer darunter leiden muss oder davon profitiert.
Sogenannte Latte Macchiato schlürfende Yuppies mit dicken Autos sind eine Auswirkung dieser Konzepte, jedoch nicht die Ursache oder das eigentliche Problem. Sie sind ein Teil des Ganzen wie wir auch.
Somit kann die blinde Skandalisierung der Auswirkungen nicht unser Ziel sein, zumal dieses unreflektierte Betrachten der Verhältnisse genügend Anknüpfungspunkte an neonazistisches und antisemitisches Verschwörungsdenken bietet.
Unsere Forderungen nach einem solidarischen Leben miteinander, die Schaffung von dauerhaften selbstverwalteten und unkommerziellen Räumen bleibt bestehen.
Hier und heute wollen wir mit euch durch diese Nachttanzdemo auf unsere Forderungen aufmerksam machen und mit euch gemeinsam feiern.
Raven gegen die Gesamtscheisze!!!














Eine Reaktion
Von HanHan am 24. Mai 2009 um 15:16 Uhr
Eine sehr schöne Demo muss man sagen!
hat mich gefreut…