Der Erdenwunder schönstes…

Nur um mal wieder auf Peter Hacks (Die Gedichte, Hamburg 2000) hinzuweisen:

Wer kann die Pyramiden überstrahlen?
Den Kreml, Sanssouci, Versailles, den Tower?
Von allen Schlössern, Burgen, Kathedralen
Der Erdenwunder schönstes war die Mauer.
Mit ihren schmucken Türmen, festen Toren.
Ich glaub, ich hab mein Herz an sie verloren.

Seit 20 Jahren ist der antifaschistische Schutzwall, auch “Mauer” genannt, Geschichte.

Apropos Geschichte: Da sei auf trueten.de hingewiesen. Bzw. einfach mal kopiert.

Außer dem heutigen 20. Jahrestag der Wiedervereinigung und dem damit für einige Leute verbundenen deutschnationalen Getaumel und dem “Ende der Geschichte” steht der heutige 9. November auch noch für weitere bedeutsame Ereignisse:

Seit der Veröffentlichung dieser Beiträge im letzten Jahr hat sich auf drastische Weise gezeigt, wie toll das beste aller gesellschaftlichen Systeme funktioniert…

  1. 10 Reaktionen

  2. Von usuwer am 9. Nov 2009 um 23:00 Uhr

    …besser kann man es nicht sagen… :roll:

  3. Von Trixie am 10. Nov 2009 um 11:44 Uhr

    Meine Verwandtschaft und die Eltern sind von drüben,
    aber irgendwie konnten sie das Leben dort nicht lieben.
    Da haben sie, wer hätte das gedacht:
    einfach in den Westen rübergemacht! *g*

    Und ich, ihr erster Wurf hier bei uns im Ruhrgebiet,
    bin die Trixie und finde auch nicht alles gut, was HIER geschieht.
    Nur die Knete ist noch wichtig,
    der Mensch ansich ist völlig nichtig.
    Sie vergassen mich und schufteten sich reich, meine Alten,
    nur für die Blagen hiess es, jetzt bin ich gross, sie können ihre Kohle behalten.

  4. Von DDR-FAN am 10. Nov 2009 um 16:48 Uhr

    :sad:
    Hallo Trixie,
    das hast Du gut geschrieben. Mir fehlt in diesem Staat auch
    die menschliche Wärme. Bei uns im Haus geht es noch ein bißchen DDR-mäßig zu. Hier hilft man sich noch gegenseitig
    auch ohne Bezahlung.
    Aber das ganze Umfeld ist so trostlos. Es gibt so viele
    Jugendliche, die keine Ausbildung bekommen oder garnicht erst machen wollen, weil sie keine Perspektive im Leben sehen. Es stimmt in keinem Fall, dass wir in der DDR keine
    Zukunft gesehen hätten. Wir haben alle oder beinahe alle
    einen Beruf erlernt oder studiert. Es bekam J E D E R
    seinen Arbeitsplatz. Alles ging viel gerechter zu. Der Betriebsleiter verdiente vielleicht das Doppelte der Arbeiter, aber keine Millionen. Wir hatten nicht viel, aber wer sich kulturell betätigen wollte bekam immer Unterstützung. Meine Tochter war für monatlich 10 Pf Ost
    in einem Pferdesportclub. Aber wer glaubt das heute noch oder besser wer will wissen, dass eine Konzertkarte 10 M gekostet hat? Wir haben doch ALDI und RTL!!!!

  5. Von gewe am 10. Nov 2009 um 21:23 Uhr

    Nein also DDR-FAN, solche Kritik am Tag der Freiheit und zum Fest der Freiheit. Sei doch froh, dass Du nun seit 20 Jahren frei bist. Millionen Menschen sind sogar von der Arbeit befreit. Mann, wie haben wir es doch alle gut heute. Ich hätte gestern die Angie umarmen können. Was habe ich mich gefreut, als ich heute in der Zeitung ein Bild von ihr mit meinen besten Freunden – Grobatschow zur linken und diesem singenden Giftzwerg zur rechten – in der Zeitung sah. Nein wirkich, Du mußt Dich nur freuen, dass Du endlich die Freiheit bekommen hast. Nur Freiheit ist wichtig für den Menschen. Alles andere ist überflüssig. Hauptsache wir haben die Freiheit, die Freiheit und nochmal die Freiheit.
    Ähmmm, wozu? Du kannst Fragen stellen …

  6. Von Trixie am 11. Nov 2009 um 08:57 Uhr

    Ich lebte schon immer im Westen und war noch nie frei. Die Freiheit gibt Dir nicht der Staat, die kann nur in Dir selber wohnen. Und die kann nur wachsen, wenn Du in einem liebevollen Umfeld aufwächst, die Dir Dein Leben, Deinen Geist, Deine Seele und Deine Gedanken lassen.

  7. Von Lupe am 11. Nov 2009 um 14:56 Uhr

    Alle Jahre wieder kommt nicht nur das vermeintliche Christuskind, auch das Novemberspektakel in Berlin ereilt uns.
    Diesmal fiel es besonders üppig aus, die Selbstinszenierung der politisch Mächtigen war beachtlich. Da die Domingotruppe und dann die Ansprachen der maßgeblichen Staatsfiguren, ui-jui-jui! Auch der Gorbatschow, liebevoll Gorbi hierzulande genannt war dabei, doch vor ihm sprach erst einmal Sarkozy, war eben doch wichtiger. Bedauerlicherweise fehlte aber das Trumpf As der imperialistischen Häuptlinge, die Stimmung zwischen D und USA scheint wohl doch nicht so gut zu sein. Wie auch, der einstige Ziehsohn, mausert sich mittlerweile gar sehr, geht eigene Wege, bewegt sich in Richtung Großmacht, was selbst der einstige US-Botschafter besorgt feststellte, ergo Konkurrenz.Das Problem, wer zuerst sprechen darf, trat so wenigstens nicht auf.
    Der Papst war auch nicht da,ach herrje, der schaute womöglich heimlich in seinem Observatorium, dem lieben Gott beim Abendessen zu, wie der so sein Manna aß, oder zechte gar erlesene Weine mit seinen Kardinälen, bzw. legte Hand an sich selbst, wer weiß das schon so genau. Auch der Dalai-Grins-Bumbs fehlte ganz einfach, hat wohl neue Kalenderweisheiten ausgeheckt o.ä.m. Ansonsten war für Stimmung gesorgt, für viele Berliner mal wieder etwas Abwechslung in deren sonstigen Tristesse.
    Ein ganzer Batzen Dominosteine war aufgestellt, die es umzupurzeln galt.
    - Wäre eigentlich ganz nett gewesen, hätte der Heilige Vater mit seinem Stecken das Ganze angeschubst.-
    Lediglich die 99 bunten Luftballons, die fehlten. Wie auch, da ist schließlich von Kriegsministern die Rede, also weg bei solch einer Feierlichkeit.
    Das machte aber nix, auch so freuten sich allerlei Berliner Menschen.
    War die Welt auch so erfreut? Wohl kaum. Ein nun wiederstarktes D konnte und kann ganz gewiß nicht im Interesse der Völker sein, gar zu sehr ist die unheilvolle Vergangenheit bekannt und gefürchtet.
    Kohl hat selbst einmal offen zugegeben, dass sich in Europa so ziemlich niemand auf den Fall der Mauer freute, ausgenommen Spanien, womit er nur den Staat gemeint haben konnte.Außerhalb E. waren es dann lediglich noch die USA, die den 9.11. begrüßten.
    Es jubelten ob dieser Entwicklung natürlich das Finanzkapital, sowie die sonstigen Monopole, egal woher kommend, da nun Morgenluft witternd und folglich sich ein Loch in den Arsch freuten. Begeistert waren und sind auch die Alteigentümer von einstigen Fabriken, Mietshäusern und sonstigen Liegenschaften, inkl. der Fürst von Stollberg usw.
    Weniger erfreut über diese jetzige nationale Jubel-Veranstaltung waren zudem die Abgeordneten sowie Runde Tische-Aktivisten, die in den hinteren Reihen Platz zu nehmen hatten, Spezialeinladungen erhielten sie nicht.
    Auch der heiser singende Biermann war nicht mehr gefragt, der/die Mohr/en hat/haben seine/ihre Schuldigkeit getan, er/sie darf/dürfen daher gehen.
    Dafür konnte unser Gummi-Gold-Bärchen-Showmaster mal wieder recht tüchtig punkten, ist eben wichtiger als einst hofierte Figuren.
    Eigentlich gibt es als Extra den “Gorbi” lediglich am 9. Nov., da heißt es kurzweilig “Orbi et Gorbi”, danach darf er nur bei eher drittklassischen Veranstaltungen auftreten, wird dort gewissermaßen aufgefahren.
    Gleiches gilt in noch stärkeren Maße für Walesa, der so Mancherlei Absonderlichkeiten von sich gab, dies überaus helle Licht von der besonderen Art.
    Was bleibt uns jetzt noch? Ach ja, St. Martin, die Sache mit dem Almosen für Arme. 2 Termine dicht hintereinander, die eigentlich recht gut zusammenpassen.

  8. Von Lupe am 11. Nov 2009 um 19:25 Uhr

    Es fehlen noch einige wenige “Pinselstriche” zu meinen Ausführungen.
    Ja das Merkel sprach natürlich auch, wie immer wolkig und überaus nichtssagend. Auch der Wowo, sprach artig sein Wau-Wau.
    Statt der schon erwähnten Luftballons stiegen übrigens jede Menge Seifenblasen voll gepackt mit Freiheitsparolen von der nichtssagenden und doch üblen Art, himmelwärts. Banaler und unappetitlicher ging es nun wirklich nicht. Da wurde natürlich nicht gefragt: Freiheit für WEN, WESSEN Freiheit, Freiheit für WAS und WOFÜR, – nicht doch, das hätte nun wirklich gestört!
    So reichte es denn völig, das derlei banale, als auch gemeingefährliche und betörende Nebelkerzen verfeuert wurden, auf dass das ahnungslose Publikum dies erneut verdaue. :evil:

    Die rostige Laterne, recht lesenswert!

    Zur Mauer und allem was damit zusammenhing, werde ich dann angemessen berichten, wenn denn hier das Echo lebhaft ausfällt.

  9. Von Inson am 19. Jan 2010 um 18:19 Uhr

    Ein wenig verspätet, ein kleines Gedicht von mir:

    20 Jahre Mauerfall

    Das Kapital lässt feiern überall
    Verräter, Narren und Idioten
    Sorgen für die Einschaltquoten
    Von der Oder bis zur Saar
    Machen die Statisten klar
    Gesundheit, Arbeit kein Problem
    Lasst es doch so weitergehen
    Bildung und Afghanistan
    Danach krähte nie ein Hahn
    Einig Deutschland, das ist wichtig
    Ziel des Schwachsinns ? Klar ersichtlich
    Alternativen zum System
    Sind hier nicht so gern gesehen
    So Feiern wir auf jeden Fall
    bald

    30 Jahre Mauerfall

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  2. 11. Nov 2009: Mauerlyrik « Die Rostige Laterne
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