Honecker an beiden Seiten vorbei

12. November 2009 21:27

Gefunden bei Parnassos:

Honecker hatte das Kunststück fertigebracht, Ulbricht zugleich links und rechts zu überholen. Links, indem er die Vergesellschaftung der Produktion über dasjenige Maß hinaus, das vom Standpunkt der Produktivität sinnvoll ist, vollzog, die privaten und halbstaatlichen Betriebe einstanzte und eine entsetzliche Gleichmacherei in der Lohn- und Preispolitik betrieb, die jede Stimulation von Leistung ausschloß; rechts, indem er die Konsumtion zum Hauptziel der Wirtschaft machte, so daß das notwendige Gleichgewicht zwischen Akkumulation und Konsumtion die Volkswirtschaft in eine abwärts gerichtete Spirale zog, aus der sie nicht mehr herauskam.

  1. 11 Reaktionen

  2. Von Lupe am 13. Nov 2009 um 21:32 Uhr

    Die Quadratur des Kreises, die Neuauflage eines Perpetuum mobile, vielleicht war das ja sein Ansinnen, wer weiß? :grin:

  3. Von Hamlet am 15. Nov 2009 um 17:32 Uhr

    Ich glaube, Honecker hatte überhaupt kein Ansinnen. Der war, wenn am nächsten Tag die Sonne ebenso schien wie am Tag davor.

    H. hatte immer nur ein Ziel: zu bestehen. Aber der Witz am Bestehen ist, dass es nicht gelingt, wenn man nicht mehr anstrebt als nur das Bestehenbleiben. Man braucht eine Utopie, und genau die hat Honecker gefehlt.

  4. Von Sepp Aigner am 16. Nov 2009 um 14:21 Uhr

    Hamlet:
    So einfach ist das, glaube ich, nicht. Es geht ohnehin nicht um Honecker allein, sondern um die gesamte SED-Fuehrung und zuletzt die gesamte SED, die uebrigen politischen Organistionen in der DDR und die DDR-Buerger selbst und – auch ganz wichtig – die Bedingungen, die der DDR als Frontstaat zu Westen aufgezwungen waren. Fehler sind sicher gemacht worden. Aber die Erfolgsmoeglichkeiten der sozialistischen Entwicklung in der DDR waren ziemlich widrig und hingen v.a. nicht von ihr allein ab, sondern in hohem Mass vom Schutz der SU. Als Gorbatschow beschlossen hatte, die DDR zu verraten, war ihr Schicksal so gut wie besiegelt. Es haette ein wirklich heroische Bevoelkerung gebraucht, um die DDR zu verteidigen. Die gab es nicht. Die Niederlage Honecker anzulasten – auch wenn er Fehler gemacht hat – wird den Tatsachen nicht gerecht. Er war sicher keine charismatische Fuehrungspersoenlichkeit und kein schoepferischer marxistischer Theoretiker. Aber er war bis an sein Lebensende ein ehrlicher, aufrechter Kommunist.

    “Man braucht eine Utopie, und genau die hat Honecker gefehlt.” – Leicht gesagt, schwer getan – und, finde ich, ein wenig ueberheblich, wenn es von uns westdeutschen Linken kommt, die wir in der Nachkriegszeit nie viel gerissen haben. Wo ist denn unsere “Utopie” – und Deine, Hamlet ?

  5. Von Lupe am 16. Nov 2009 um 22:22 Uhr

    @Sepp: Tja einfach war das Alles ganz gewiss nicht, daher sind simple Erklärungen fast immer sehr oberflächlich.
    Ein paar “Eckpunkte” lassen sich dennoch ausmachen, die zwar noch lange nicht alles abdecken, aber wenigstens ein Heranführen an die ganze Thematik und Problematik mehr oder minder ermöglichen.
    Ich greif mal 7 Aspekte heraus, weitere werden dann folgen, wenn denn das ganze Thema ernsthaft angegangen werden sollte.
    1. Die Ökonomie unter Honecker war in der Tat rückläufig, anders als unter Walter Ulbricht, mit seiner durchaus erfolgversprechenden NÖS. Immerhin bescherte diese der DDR Zuwachsraten von 7-8% und das unter ziemlich erschwerten Bedingungen.
    Niemand weiß nun, wie erfolgversprechend die NÖS langfristig gewesen wäre,dazu war sie zu kurz im “Einsatz”,doch sie war ein weiterer Versuch wert. Natürlich hätte dann Honecker, sowie das sonstige Politbüro und weitere Funktionäre. einen Teil ihrer Macht an Fachleute/Experten abgeben müssen, doch das kann/sollte ja nicht der Maßstab sein.
    2.Im Zusammenhang mit der niedergehenden Ökonomie erfolgte die zunehmende Hinwendung zum kapitalistischen Ausland allgemein und zur BRD insbesondere. So entstand Abhängigkeit, z.B. auch durch die Kreditvergabe, die sich verhängnisvoll auswirkte. Hinzu kamen Intershops, Golfeinkauf etc.
    Der ökonomisch Schwächere ist gut beraten, wenn er sich nicht mit dem ökonomisch Stärkeren wirtschaftlich sowie sonst weiter einlässt.
    Moralisch verderblich war der Freikauf von Gefangenen an die BRD. Man fühlt sich hierbei an den Ablasshandel der einstigen katholischen Kirche erinnert.
    Die Krönung all des Aufweichens war dann wohl die Helsinki-Schlußakte, die das Einfallstor des Imperialismus bedeutete. Hierbei sei besonders an Korb 2 ,besonders aber an Korb 3 erinnert.
    Der illusionäre Glaube, dass man mit dem Imperialismus eine friedliche Koexistenz schaffen könne, war ein bloßer Trugschluss.
    3. Die Honecker-Führung verfrühstückte gewissermaßen das Volksvermögen, d.h. sie gab mehr aus, als sie produzierte.
    Nun gut, irgendetwas Attraktives musste sie wohl bieten,- schon bei einem solch mächtigen Nachbarn,der von der DDR-Bevölkerung begierig als Maßstab genommen wurde – was allerdings nur bei einer gesteigerten Produktivität möglich ist.
    Haken an der Geschichte dabei war allerdings auch, dass für die NÖS auch der Segen der SU mehr oder minder einzuholen gewesen wäre, was sehr fraglich erschien, denn schließlich sägten die maßgeblichen Leute in Moskau, Ulbricht mit die Stuhlbeine ab.
    3. Es bestand so was wie ein Volksgemeinschaftsgedanke, der so ziemlich alle für den Sozialismus befähigt hielt, bei gleichzeitig mißtrauischem Überwachen. So was nennt man gemeinhin, mit 2 Zungen reden, bzw. entsprechend handeln.
    Erinnert sei an die Leugnung der Staatsführung von Kriminellen jenseits von einer bloßen Handvoll,sowie Faschisten in der DDR, was absolut betrachtet einfach nicht stimmte. Selbstbetrug einerseits und übersteigertes Misstrauen andererseits, herrschte vor.
    Die übersteigerte Rechthaberei (“die Partei hat immer recht”)sowie exzessives unkritisches Eigenlob befremdete zusehens die Massen.Es braucht wohl nicht groß erwähnt zu werden, dass recht tüchtig von der Staatsführung gelogen wurde.
    4.Dann gab es die Politik der Gleichmacherei und Befähigung Aller für sozialistische Tüchtigkeit. Es wurden z.B.wahllos Orden und Auszeichnungen in den Betrieben verteilt, und zwar reihum, was dort wiederum die spöttische Bemerkung, “Blechlein, Blechlein du mußt wandern”, hervorrief.
    5. Es herrschte übermäßige Kleinlichkeit und Gängelei vor.
    Hier im blog wird Peter Hacks erwähnt, der größte Kulturschaffende der DDR, der voll für den Sozialismus war und dennoch Konflikte mit der Staatsführung hatte, nur weil er Eigenständigkeit und Originalität besaß. Wie muss es da erst weiter Unten ausgesehen haben, wenn schon der fähigste Kopf der Kultur, in Schwierigkeiten mit der Obrigkeit geriet?
    6. All die genannten Gründe hätten dennoch nicht den Untergang der DDR hervorgerufen, wäre da nicht ein Gorbatschow aufgetreten mit samt seiner Perestroika, sowie aber auch schon davor, die mangelnde Solidarität der soz. Staaten untereinander.Das unerträglich aufgenötigte Wettrüsten durch die USA, darf allerdings auch nicht unerwähnt bleiben.(übermäßige Rüstungsausgaben, zu denen die SU gezwungen war,- natürlich nie so hoch wie bei den USA, dennoch – waren und sind dem Sozialismus nicht nur wesensfremd, sie schaden diesem weit mehr als dem Kapitalismus!
    7.Der DDR entstand ein großer Schaden, als so um 1980 rum die Öllieferungen verteuert und gedrosselt wurden.
    Nun ja, so ist das eben mit Brüdern, – jedenfalls immer mal wieder.
    Vorläufige Schlußbetrachtung: Ein zukünftiger Sozialismus hat weitaus bessere Karten, 1. weil er aus den vergangenen Fehlern lernt und 2. ihm jetzt die entwickelte EDV zugute kommt, was gerade für die Planwirtschaft so wichtig und vorteilhaft ist!

  6. Von Hamlet am 17. Nov 2009 um 21:25 Uhr

    @Sepp

    Ich bin kein westdeutscher Linker, sondern geborener DDR-Bürger.

    Der Sozialismus war so konstituiert, dass so ziemlich alles von den Fähigkeiten und Absichten der Führungspersönlichkeiten, v.a. des Partei und Staatsführers abhing. Ich will das gar nicht kritisieren, aber der Fall war es einfach, und deswegen ist die Frage nach dem Zustand der Partei als ganze zu kurz gedacht. Man weiß das doch seit Lenin: Die Partei ist immer so gut wie ihre Spitze. Wenn sie am Ende genauso verkorkst wie Honecker war, dann ist das nicht die Ursache für Honeckers Verkorkstheit, sondern deren Folge.

    Ich werfe Honecker nicht vor, dass er Fehler gemacht hat. Fehler machen alle, weil kein Mensch ohne Fehler ist. Ich werfe Honecker vor, nachlässig und nicht energisch genug regiert haben. Dieser Vorwurf ist grundsätzlicher. Macht bedeutet auch Verantwortung. Wehe dem Land, dessen mächtigster Mann keine Ansprüche mehr hat. Anspruchslosigkeit war, woran Honecker (Man lese das Andert/Herzberg-Interview) vor allem litt.

    Ich habe das Problem Honecker deswegen auf die Formel Verlust-der-Utopie gebracht, weil es das ist, worum es dabei im Kern geht. Dass man darüber hinaus noch viel mehr zum Thema sagen kann, streite ich nicht ab, aber dann muss man natürlich auch wirklich viel mehr sagen. Dann reichen die paar Bemerkungen, die du gegeben hast, auch nicht aus.

    Leider fehlt noch das große Buch, das die Ursachen der Untergangs der DDR gut und vollständig auf den Begriff bringt. Es wird Zeit, dass es einer schreibt.

  7. Von Sepp Aigner am 17. Nov 2009 um 22:23 Uhr

    Lupe:
    Ich halte das Zitat, das Daniel uns hingestellt hat, ja fuer richtig und die meisten Deiner Argumente auch. Es ging mir darum, dass am Untergang der DDR nicht Honecker schuld war und dass die DDR ueberhaupt nicht wegen der schlechten Politik der DDR-Fuehrung untergegangen ist.Ich meine auch, dass die unter Ulbricht entwickelte Politik ein viele schoepferischerer und realistischerer Ansatz war. Das, und das Meiste, was Du an Maengeln und Fehlern ist zwar Fakt, aber es ist nicht URSACHE, sondern mehr ein Umstand, der es ERLEICHTERT hat, die DDR zu liquidieren.

    Ich denke, nach dem Verrat Gorbatschows haette die einzige Moeglichkeit, die DDR zu retten, darin bestanden, dass ihre Buerger sie buchstaeblich mit Klauen und Zaehnen verteidigt haetten, mit der Perspektive, als kleine rote Insel in einem aeusserst feindlichen und maechtigen Umfeld auf nicht absehbare Zeit ausharren zu muessen. Diese Buerger gab es nicht, und das waere ja auch viel verlangt, ein Heroismus, den es gewoehnlich nur in seltenen geschichtlichen Augenblicken gibt, aber schwerlich fuer Jahrzehnte. Selbst von den 2,3 Millionen SED-Mitgliedern waren mehr als 90 % dazu nicht bereit, von den uebrigen gar nicht zu reden (obwohl unter den uebrigen auch viele ehrlich vom Sozialismus ueberzeugte Menschen waren, wahrcheinlich nicht weniger als in der SED). Aber insgesamt war es allenfalls eine kleine Minderheit, die z.B. bereit gewesen waere – und das waere notwendig gewesen – die JU und die uebrigen Strolche von den Westparteien, Geheimdiensten etc., die sich vom Westen her einmischten – mit der Waffe in der Hand zu verjagen – und zwar bei nicht unwahrscheinlicher Moeglichkeit, fuer die Verteidigung des Sozialismus sterben zu muessen und wahrscheinlich trotzdem zu verlieren.

    Die Lage war einfach, und zwar aus Gruenden, die im wesentlichen nicht von der DDR-Fuehrung verschuldet waren, schier aussichtslos, und entsprechend haben sich die Leute verhalten. Und diese Lage war nicht herbeigefuehrt von einem unfaéhigen Honecker. Die DDR war in dem globalen Kraeftemessen zwischen Sozialismus und Kapitalismus, das letzterer noch einmal fuer sich entscheiden konnte, nur ein Bauer (oder hoechstens ein Springer, um im Bild zu bleiben). Der rote Koenig sass in Moskau und war ein mieser, dummer, eitler und korrupter Sozialdemokrat.

    Mit Deiner “vorlaeufigen Schlussbetrachtung” bin ich uebrigens einverstanden.

  8. Von Lupe am 18. Nov 2009 um 01:19 Uhr

    Sepp, es war nicht meine Absicht alles auf Honecker abzuwälzen,wie du vielleicht von mir annimmst, entlasten kann man ihn allerdings auch nicht, da machst du es dir ein wenig zu einfach.
    Genauso wenig kann man alles auf Gorbatschow abwälzen, da vor ihm, sich in der SU bereits eine Stagnationsphase breitmachte.
    Was ich darstellte, war übrigens keine Sortierung nach Ursache und/oder Folge, wobei diese ineinander verschränkt sind, sondern vielmehr eine Beschreibung, die eine solche Einteilung, zunächst einmal nur partiell, beinhaltete. Dies deshalb, weil dann noch viel Weiter ausgeholt werden müsste.
    Eine solche “generalstabsmäßige”, also gründliche Bewertung, ist nur schwer dsbzgl. zu erreichen, so dass natürlich nur ein Torso herausgemeiselt werden kann, nicht mehr, aber auch nicht weniger, wenn wir das nur wollen.
    Selbstverständlich ist die DDR, dieser “Klein-Zaches genannt Zinnober”,(E.T.A.Hoffmann)so mein manchmal gebrauchter nickname für dieses Land, nie losgelöst von der gesamten einstigen sozialistischen Staatengemeinschaft zu sehen, worin wir uns ja wohl einig sein dürften.

  9. Von Sepp Aigner am 18. Nov 2009 um 09:01 Uhr

    Hamlet:
    Finde ich alles richtig. Meine Einwaende (auch zu Lupe, s. voriger Kommentar) richten sich darauf:

    Die DDR, ihr Ansehen, ihre Geschichte werden vom Gegner systematisch demontiert. Das ist fuer den Gegner wichtig im Kampf gegen heutigen Veraenderungswillen – “schaut doch, das bringt doch nichts, die DDR zeigt, wohin das fuehrt …”. Das sollte man, meine ich, bei einer kritischen Auseinandersetzung mit der DDR als Linker stets im Auge behalten, wobei eine solche natuerlich notwendig ist, weil wir lernen muessen.

    Das Geschichtsbewusstsein ist ein wichtiger Kampfplatz. Tatsache ist, dass die DDR trotz all ihrer Maengel, inklusive einer in den letzten Jahrzehnten mittelmaessigen oder sogar schlechten Fuehrung, die bisher groesste Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung ist. Diese Tatsache muss m.E. gegen die buergerlichen Angriffe verteidigt werden, nicht nur einer “historischen Gerechtigkeit” wegen, sondern weil sich die Arbeiterklasse ihre eigene Geschichte nicht abschneiden lassen darf.

    In gewisser Weise arbeitet es der buergerlichen Propaganda in die Haende und entspricht einfach nicht den Tatsachen, wenn wir den Untergang der DDR als Folge deren innerer Entwicklung – z.B. Fuehrung ohne Utopie – interpretieren. Das kann sich leicht zu den uebrigen Legenden gesellen, wie: die DDR sei bankrott gewesen, die Produktionsmittel seien eh bloss Schrott gewesen, es habe sich bei der Konterrevolution im wesentlichen um eine Volksbewegung gehandelt etc.pp. … Eine unfaehige Fuehrung hat sie halt auch noch gehabt …

    Kritik an der DDR muss m.E. immer unmissverstaendlich von deren prinzipiell positiven Funktion ausgehen und sich in ein solches Gesamturteil einordnen, wenn der Effekt des ungewollten Wassertragens fuer die buergerliche Propaganda vermieden werden soll.

  10. Von Lupe am 18. Nov 2009 um 20:45 Uhr

    Selbstverständlich hatte die DDR recht viele Errungenschaften, war historisch betrachtet, der BRD weit voraus!
    Diese ihre Errungenschaften müssen genutzt werden und sei es, in Form von kritischen Fragen, etwa in der Art: warum gab es in der DDR keine Arbeitslosigkeit,keine Zukunftsängste,Frieden und Antifaschismus,soziale Geborgenheit, billige Mieten, ein vorbildliches Gesundheits,- u.Bildungssystem, materielle Gleichstellung der Frauen usw., während es im jetzigen Deutschland all das nicht gibt.Warum nur geht es hier nicht, “Otto-Normal-Bürger” findet es heraus!
    Die “junge welt” hat erst vor Kurzem einen entsprechenden Artikel veröffentlicht, der haargenau solche Fragen stellte und dabei hervorhob, dass es nun mal Schluß sein muss, dass z.B. DDR-Bürger im Beichtstuhl Platz zu nehmen haben, bzw. dort hinein manövriert werden.Dort haben sie natürlich haargenau nichts zu suchen, vielmehr ist der Umkehreffekt sehr viel eher angebracht.
    Dabei kommt es maßgeblich darauf an, nicht nur in Verteidigung zu gehen, sondern u.a. angreifend zu fragen! So der Tenor nicht nur des Artikelschreibers.

  11. Von Sepp Aigner am 19. Nov 2009 um 08:10 Uhr

    Lupe:
    Ganz Deiner Meinung.

  12. Von Lupe am 19. Nov 2009 um 19:14 Uhr

    @Sepp: Ich möchte noch an einen Ausspruch von dir anknüpfen, nämlich dein Hinweis, dass 90% der Parteimitglieder der SED nicht für den Erhalt ihres Landes gekämpft hätten.
    Das ist wohl wahr, zeigt aber auch die zuletzt existierende Misere auf. Es wurde nämlich so ziemlich Jeder der 2 Arme und 2 Beine hatte, bzw. jeder x-beliebige Hinz und Kunz in die Partei aufgenommen, also keine Siebung von Spreu und Weizen vorgenommen.
    So war denn zum Schluß die SED ein Sammelbecken von Karrieristen, Opportunisten, sowie auch aufrichtigen Kommunisten, wenn auch Letztere in der Minderheit.
    Als gravierendes Beispiel sei nur mal dieser armselige Schabowski genannt, der immerhin Politbüro-Mitglied war und bekanntlich der Inbegriff eines Wendehalses war und ist!!
    Wer da einst meinte, dass ja nun alle tolle Kommunisten seien, oder es diese in der Partei ganz gewiss werden, der irrte gar sehr.
    Dies war schon deshalb nicht möglich, da die DDR-Bürger ihren Sozialismus nicht revolutionär, nicht komplett aus eigener Kraft erkämpften. Natürlich gab es noch andere Gründe, doch das wäre dann eine andere Baustelle.
    Zugegeben, die politische Großwetterlage, also der Zerfall der SU gab den eigentlichen Ausschlag. Dennoch wäre es notwendig gewesen, rechtzeitig eine gründliche Siebung der Parteimitglieder von Zeit zu Zeit vorzunehmen.
    Was hätte das in der Endsumme bewirkt? Nun das Ende wäre dann weniger würdelos verlaufen. Das Ansehen des Sozialismus wurde auch deshalb arg beschädigt.
    Auch ist es so, dass die Art des Untergangs spätere Generationen bemessen werden und wollen, das Urteil fällt dann entsprechend aus.
    Zum Vergleich sei mal der verlorene Bauernkrieg von 1524/25 erwähnt. Auch zu der Zeit wurden fürchterliche Fehler begangen, doch war das Ende zwar sehr tragisch, nicht jedoch schmählich, wie 1989!

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