Gewerkschaft oder Partei?

17. November 2009 21:00

Zu meinem hier veröffentlichten Aufruf “Schafft die Kommunistische Initiative in Deutschland!” schreibt ein Christoph als Kommentar:1

Es ist eine tolle Idee eine VKPD aufzubauen.

Ich habe aber keine Lust mich als Gewerkschafter unter einer Führung einer Partei zustellen.

Ist es nicht besser, ein starke Gewerkschaft aufzubauen ohne Ideologie, wo alle mitmachen können, egal wo sie herkommen und welcher Überzeugung sie sind. Ob Christen, Kommunisten, Sozialisten, Hindus, Rätekommunisten und andere. Die Produktionsmittel gehören in die Hand der Arbeiterklasse. Und das kann nur eine weltweite solidarische Gewerkschaft schaffen. Schon mal was von der IWW gehört?

Mit IWW ist die Industrial Workers of the World gemeint.

Nichts gegen eine starke Gewerkschaft. Ich finde aber, gerade weil da jeder mit seiner eigenen Meinung drinnen ist und die versucht zu verwirklichen, ist das sehr hinderlich auf dem Weg zum Sozialismus. Nur eine straff geführte Partei mit konsequenter Linie ist in der Lage, eine Gesellschaft zu führen, in der es nicht nur um den gewerkschaftlichen Kampf um Lohnverbesserungen geht sondern um das Ganze an sich.

Was meint ihr?

  1. Rechtschreib- und Plenkfehler von mir korrigiert. []
  1. 9 Reaktionen

  2. Von Felix am 18. Nov 2009 um 09:37 Uhr

    Exakt, dem ist nichts hinzu zu fügen.

  3. Von AnyMOUSE am 18. Nov 2009 um 12:54 Uhr

    Das mag schon sein, dass es dann sehr viele Strömungen gibt, aber es lässt sich auch eine klare linke Position erkennen.

    In Deutschland ist es momentan leider so, dass vor allem durch die Direktkandidaten eine sehr ungenaue Repräsentation der Meinung stattfindet. Nehmen wir einmal an, Linke, Grüne, DKP, MLPD, etc, würden insgesamt vielleicht 60 Prozent der Erststimmen bekommen (also eine Mehrheit), können diese jedoch trotzdem keinen Kandidaten stellen. Denn jede Partei einzeln dümpelt dann irgendwo bei 15% während die CDU z.B. mit 20 Prozent dann doch eine “klare” Mehrheit bekommen hat. Die ganzen linken Stimmen in diesem Wahlkreis sind also egal, da keine linke Partei genug Stimmen bekommen hat. Die CDU allerdings kann mit ihrer eigentlichen Minderheit (gegenüber den linken Parteien im Ganzen) trotzdem das Direktmandat bekommen.

    Von daher wäre es meiner Meinung nach schon sinnvoll eine übergeordnete Partei/Gewerkschaft zu schaffen, um halt solche Chancen nicht verstreichen zu lassen. Aber da sind viele Politiker wahrscheinlich wieder zu kleinkariert und egoistisch um soetwas umzusetzen.

  4. Von Trixie am 18. Nov 2009 um 13:14 Uhr

    Hört sich irgendwie gefährlich an….nach Aberkennung der eigenen Meinung…wer gibt die Linie vor?

  5. Von redflag am 18. Nov 2009 um 21:49 Uhr

    Warum oder? Im Sozialismus soll es soch auch eine Einheits-Gewerkschaft geben.

  6. Von Eduardo am 19. Nov 2009 um 01:47 Uhr

    “Nur eine straff geführte Partei mit konsequenter Linie ist in der Lage, eine Gesellschaft zu führen, in der es nicht nur um den gewerkschaftlichen Kampf um Lohnverbesserungen geht sondern um das Ganze an sich.”
    Das ist richtig. Es gibt aber ein Problem, das gleichzeitig eine Gefahr repraesentiert, und naemlich: was versteht sich unter “eine straff geführte Partei mit konsequenter Linie”? :roll: :!:

  7. Von fulluht am 19. Nov 2009 um 12:21 Uhr

    Das hört sich sehr starr an und scheint innerparteiliche Demokratie, die ja nicht zuletzt von Rosa Luxemburg gefordert wurde, auszuschließen? Eine Partei ist keine* militärische Organisation, die von ein paar Leuten an der Spitze geführt wird. Der Input muss von allen Mitgliedern kommen. Ansonsten fangen wir dort wieder an, wo wir aufgehört haben. Nur wenige würden sich einer solchen Partei anschließen, und das mit Recht. Solange die Grundsätze der Partei nicht angetastet werden (z.B. Vergesellschaftung der PM), sollte dort Platz für jede Meinung sein.

    *sollte keine sein

  8. Von AnyMOUSE am 19. Nov 2009 um 14:40 Uhr

    Deswegen zielte meine Idee erstmal darauf ab, wichtige Mandate zu erlangen, durch gezieltes Einsetzen von gemeinsamen Kandidaten. Somit hätten die eher linken Parteien mehr Stimmen bekommen… (siehe Post weiter oben)

    Alles hat seine Vor- und Nachteile! So auch eine Partei mit weitreichend basisdemokratischen Entscheidungsprozessen, oder eine straff von oben geführte Organisation…

    Um was zu erreichen, muss man oft eine gewisse Größe und dadurch leider erst Stärke und somit politische Relevanz erreicht haben. Aber wie es so ist, je größer die Partei/Organisation ist, desto mehr Kompromisse müssen eingegangen werden…

  9. Von Sepp Aigner am 19. Nov 2009 um 15:08 Uhr

    Der Ausgangspunkt einer Bestimmung dessen, was eine kommunistische Partei sein muss, sollte, finde ich, ihre Funktion sein. Die Arbeiterklasse muss so viel Macht entwickeln, dass sie die der Bourgeoisie in Frage stellen und ueberwinden kann. Darum geht es.

    Nun hat die Bourgeoisie einen gewaltigen Mchtapparat, einen viel groesseren und ausgereifteren uebrigens als zu Zeiten der Oktoberrevolution, der alle Tricks beherrscht und jedes – aber auch jedes ! – Gewaltmittel “im Bedarfsfall” anwendet.

    Einen SOLCHEN Apparat muss man besiegen – was offensichtlich nicht gerade leicht ist.

    Ich stelle mir eine kommunistische Partei so vor, dass bei ihr “alle Faeden zusammenlaufen”, von allem, was die Arbeiterklasse politisch unternimmt, von der Durchsetzung eines Zebratstreifens in einem Wohngebiet bis zum Generalstreik. In ihr muessen sich die konsquentesten und ehrlichsten Leute aus solchen Detailkaempfen sammeln, all die Detailanliegen auf das jeweils allerwichtigste konzentrieren und – obwohl das militaerische Bild schief ist, weil eine politische Organisation umfassendere Aufgaben hat – wie ein Generalstab und eine Kaderarmee funktionieren.

    Das Problem ist, wie wir aus der Geschichte wissen, dass die beiden Strukturelemente Demokratie und Zentalisierung der Macht oft in Widerspruch zueinander geraten – entweder in der Richtung, dass die Zentrale sich ueber die Masse erhebt, oder in der Richtung, dass die Partei zum zahlosen Debattierklub wird.

    Beides ist kontraproduktiv. Das eine kann man an den regierenden kommunistischen Parteien der ehemaligen sozialistischen Staaten studieren, das andere z.B. an den Trotzkistenhaeuflein oder am sogenannten Eurokommunismus.

    Die Einheit von Demokratie und gleichzeitiger zentralisierter Aktion kann man, glaube ich, letzten Endes nicht einfach ueber organisatorische Konzepte oder dadurch, dass man das “dekretiert” erzwingen.Das muss sich in der Praxis durchsetzen (und ist, wo es gelingt, auch gleich wieder gefaehrdet). Solange das ein lebendiger Prozess ist, sind kleine Schwankungen nach der einen oder anderen Seite hin auch nicht schlimm, wenn das nicht gerade in einer Lage passiert, in der es “um die Wurst geht”.

    Hier machen die KI-Leute, glaub ich, einen Fehler. Sie kaprizieren sich darauf, dass die kommunistische Partei, die ihnen vorschwebt, jeglichen Revisionismus ausschliessen muss. Es ist allerdings eine Erfahrung, dass Revisionismus gefaehrlich ist. Aber er ist gerade deswegen gefaehrlich, weil er dauernd und unvermeidlich aus den Existenzbedingungen der Arbeiterklasse selbst heraus entsteht und nur konkret, da, wo er halt auftritt, bekaempft werden kann. Sein Auftreten “auszuschliessen”, indem man sich das ganz fest vornimmt, ist m. E. illusionaer, ein ultralinker Schlenker.

    Ich finde, Kommunisten, die noch nicht organsiert sind, sollten das am besten in der DKP tun, weil das die Partei ist, die trotz ihrer Kleinheit immer noch die groesste Haufen ist und am ehesten das historische Erbe der KPD repraesentiert. Das ist naemlich auch so ein Punkt: Die gemachten Erfahrungen der vorhergehenden Generationen aufbewahren, die Organisation nicht abreissen lassen, auch dann nicht, wenn es zeitweise oder immer wieder gute Gruende fuer Unzufriedenheit mit dem eigenen Haufen gibt, Schwankungen und alle moeglichen Schwaechen auftreten. In der DKP ziehen sich bestimmte Diskussionen z.B. schon praktisch zwei Jahrzehnte hin.

    Ein Punkt ist seit langem die Einschaetzung der sogenannten Globalisierung und, in dem Zusammenhang, die Bedeutung der Nationalstaaten, die Gewichtung der Buendnisse im imperialistischen Lager, das Verhaeltnis zur linken Sozialdemokratie (PdL).- Und jetzt, mit der Weltwirtschaftskrise, klaert sich so manche theoretische Position einfach praktisch, wird widerlegt oder bestaetigt.

    - Das ist, finde ich, ein Beispiel dafuer, dass es sich lohnt, Schwankungen lang auszuhalten – manchmal jahrzehntelang ! – und sich dreimal zu ueberlegen, ehe man wegen Differenzen gleich das Handtuch wirft, sich spaltet und den naechsten Haufen gruendet.

    Wo die kommunistische Bewegung staerker ist als in Deutschland, passiert das auch nicht so leicht. Letzte Endes ist die deutsche Vereinsmeierei auch Ausdruck der politischen Schwaeche und Isoliertheit der Kommunisten. Die portugiesische KP z.B. lebt auch seit langem mit gewissen inneren Differenzen, macht aber trotzdem eine kluge und erfolgreiche Politik. Wuenschen muss man sich natuerlich eine Partei wie die KKE, in der anscheinend grosse innere Einheit besteht und gleichzeitig eine straighte Politik gemacht wird. Aber das kann nur ein ERGEBNIS sein und nicht von VORNHEREIN dekretiert werden.

    Uff, besser, ich hoer an der Stelle mal auf.

  10. Von Isi am 30. Dez 2009 um 15:06 Uhr

    Das sehe ich anders: Nur eine Gewerkschaft erfordert auch die prkatische Umsetzung der Prinzipien. In einer Partei ist es leicht, Phrasen zu dreschen und Stellvertreterpolitik zu machen, aber eine Gewerkschaft fordert eine gewerkschaftliche Praxis ein.

    Allerding ist die einzige deutsche Gewerkschaft, die diesen Ansprüchen gerecht werden kann, derzeit die FAU.

    Isi

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