Nebenbei, Entmündigung von Juden?

Stanislaw Hirschfeld schreibt in seinen Artikel über geheuchelte Israelkritik oder -solidarität, wer weiß das schon so genau…:

Nebenbei VII

„Lediglich 1/3 aller Juden weltweit lebt in Israel, die meisten anderen führen ein ganz normales Leben in anderen Staaten dieser Welt, ohne in irgendeiner Weise bedrohter zu sein, als die in Israel lebenden Juden.“ (Jane, Israelkritikerin, was auch sonst?)

Mal vorausgesetzt, die angeführten Behauptungen seien richtig: Wie bekloppt muß man sein, keinen Zusammenhang zwischen der Existenz eines gut bewaffneten jüdischen Staates und einem „ganz normalen Leben“ der nicht in Israel lebenden Juden erkennen zu können? Sehr? Extrem? Außerordentlich?

„Wer hingegen die Menschen in Israel schützen will, der sollte sie vor allem vor sich selbst schützen und für eine 2-Staaten-Lösung kämpfen, die es längst hätte geben können. Erst, wenn die völkerrechtswidrige und menschenverachtende Besatzungspolitik endet und ein lebensfähiger freier Palästinenserstaat entstanden ist, werden die Menschen in Israel sicher sein.“

Bis zu ihrer Entmündigung sollen sie sich eben umbringen lassen, diese frechen Juden, die dreist darauf beharren, in Israel zu bleiben, da kennt eine echte deutsche Linke keine Gnade. Zudem ist sie echt top marxistisch geschult und erkennt daher sofort die einzige „2-Klassen-Gesellschaft“ der Welt, wenn sie sie sieht. Man erinnert sich: Die Klassengesellschaft, das war doch auch so ’ne jüdisch-bolschewistische Erfindung im Dienste der kapitalistisch-kommunistischen Weltverschwörung dieser eigenartigen, unverschämten Mischrasse…

PS: Trotz linker Antisemiten ist Israelsolidarität leider auch bescheuert. Pech gehabt, werte Anti- und bald dann doch Prodeutsch-Deppen.

Leider bleibt für mich hier die Frage offen, warum eine 2-Staaten-Lösung eine Entmündigung der Juden sein soll.

Mag ja sen, ich sehe das Offensichtliche einfach nicht. Aber kann mir es dann mal bitte jemand erklären?

  1. 6 Reaktionen

  2. Von Sepp Aigner am 13. Dez 2010 um 17:04 Uhr

    Die Formulierung, irgendjemand, also in dem Fall eine wohl deutsche Staatsbürgerin, die sich selbst links verortet, solle für eine Zweistaatenlösung in Irael/Palästina kämpfen, ist schon schräg. Man kann sichvon aussen mit Leuten, die in der Gegend leben und eine solche Zweistaatenlösung wollen, solidarisch verhalten, mehr nicht. FÜR sie Lösungen – welche auch immer – „erkämpfen“ zu wollen, wäre schon eine Entmündigung der Leute, die es betrifft. Aber vielleicht handelt es sich auch nur um eine schlecht bedachte Formulierung.
    Diese nicht evtl. gewollte, ich vermute aber, eher ungewollte „Entmündigung“ ist aber sozusagen virtuell – während die Entmündigung der Palästinenser eine tagtägliche und systematische ist.
    Das „Missverständnis“ mit den Klassen, das Hirschfeld, glaube ich, nur heuchelt, sieht nach böswillig aus. Ich finde es offensichtlich, dass APARTHEID gemeint ist. Mit dem Bezug auf Klassengesellschaft mogelt sich Hirschfeld um den springenden Punkt herum und nimmt praktisch den Standpunkt ein, dass die israelische Apartheidspolitik gerade so „normal“ sei wie Klassenherrschaft in hundert anderen Staaten. Ist es aber nicht, ebensowenig, wie es das in Südafrika war.

  3. Von gewe am 13. Dez 2010 um 19:09 Uhr

    Wenn der Hirschfeld meint, sich ein „marxistisches“ Urteil erlauben zu können und mit einer eigenen Klassendefinition zu Menschheit zu bereichern, ist das seine Sache. Diesen ganzen wirrsinn öffentlich zu machen, läßt ihn im Sarazinlager erscheinen.
    Da gibt es nichts zu erklären, da dieser ganze Schwachfug eines Schwachmaten nicht erklärbar ist.

  4. Von Jerry am 13. Dez 2010 um 20:58 Uhr

    Die Frage ist, denke ich, ob man den Staat Israel als jüdischen Staat definiert. Dort scheint man sich darüber auch nicht so ganz einig zu sein.
    Daraus entscheidet sich, wie dieses Land mit seinen religiösen Minderheiten umgeht, und ich denke, auch für den Konflikt mit seinem halbstaatlichen Nachbarn hat das gewisse Auswirkungen. Und natürlich entscheidet sich auch ein Thema wie das von dem Zitierten angesprochene darüber, indem es bedingt, ob man die Befürwortung von Zweistaatlichkeit nun als eine Maßnahme ansieht, schwer vereinbare Gruppen auseinanderzuhalten, um eine halbwegs funktionsfähige Demokratie in beiden Regionen zu gewährleisten, oder dazu, sie „reinzuhalten“.
    Im Konflikt mit den weiteren arabischen Nachbarn brächte auch Laizismus vermutlich nicht sehr viel, da dieser dort nicht allgemein anerkannt würde, aber zumindest in der Schärfe um palästinensische Fragen würde es ein wenig Sachlichkeit gewährleisten.

    Die Menschen in Israel leben seit Jahrzehnten in einem Zustand, der permanent zum Krieg werden kann und es gelegentlich auch wird. Zudem wären da häufige Anschläge. Das prägt mit Sicherheit das Denken und Empfinden. In diesem Sinn würde ich ihre Lage definitiv nicht als „normal“ bezeichnen wollen.
    Nichtsdestotrotz muß es doch auch für einen Außenstehenden möglich sein, abseits von religiösen Fragen die Nahostpolitik sachlich zu betrachten, und brutale und schlechte Handlungen als solche zu bezeichnen (der Fairness halber sollte man das natürlich nicht auf eine Seite beschränken). Blinde Solidarität und Gefolgschaft, ob nun für Israeliten oder Palästinenser, hilft schlicht nicht weiter.

    Ich hab lange Zeit meine Hoffnung auf eine Einstaatenlösung mit extrem ausgepräger Konkordanzdemokratie gesetzt, gewissermaßen eine verstärkte Variante der Schweiz. Aber im Irak hat sich ja zwischenzeitlich gezeigt, daß das auch nicht klappt. Also vermutlich doch lieber zweistaatlich.

    Von den im Eintrag Zitierten, um nochmals darauf zurückzukommen, überzeugt mich keiner ansatzweise. Einerseits eine ziemlich ungeschickte Argumentation, die es mehr als verdient hat, angegriffen zu werden, andererseits eine Antwort, die sich nur auf plumpe Beleidigungen und hinkende Vergleiche stützt.

    Warum is dieser Brocken Wüste nur so verdammt heilig, daß man sich die Schädel dafür einschlägt…

  5. Von Josef A. Preiselbauer am 14. Dez 2010 um 01:42 Uhr

    @gewe: Ich denke nicht, das der Hirschfeld hier mit einer eigenen Klassendefinition daher kommt. Mir scheint eher, er spricht nur aus, was diese Jane denken könnte. Macht es sich damit aber nicht zu eigen.

  6. Von Josef A. Preiselbauer am 14. Dez 2010 um 01:45 Uhr

    @Jerry: „Blinde Solidarität und Gefolgschaft, ob nun für Israeliten oder Palästinenser, hilft schlicht nicht weiter.“ Leider kennen die meisten Linken nur das Eine oder das Andere. Vom Stanislaw Hirschfeld würde ich das nicht sagen.

  7. Von Hirschfeldscher Linkgenerator am 20. Dez 2010 um 16:01 Uhr

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