Veröffentlicht am 16. Januar 2011 um 17:38 Uhr
Folgendes ist ein Gastbeitrag, den ich hier gerne einstelle und der mit meiner Meinung weitestgehend übereinstimmt. Der Autor ist mir bekannt, möchte aber an dieser Stelle nicht genannt werden. Meinungen dazu sind natürlich erwünscht. Trolle werden wie üblich zensiert.
Meine Analyse der Lage der K-Landschaft allgemein. Einer sagt, die Lage sei objektiv. Der andere sagt, das wissen wir nicht. Aber ich denke, das wissen wir schon. Und ich denke auch, daß die Lage ebenso objektiv wie subjektiv bedingt ist. Die Sache hat je nun diese zwei Seiten, die äußere und die innere. Die äußere stellt sich mir so da: Wir haben einen Kapitalismus, der seit mehr als 100 Jahren seine Widersprüche so zuspitzt, daß er reif zur Abschaffung ist. Aber er schafft sich nicht selbst ab, er muß abgeschafft werden. Es bedarf also ebenso solcher Kräfte, die ihn abschaffen. Doch die treten nicht einfach zeitgleich mit der Zuspitzung der Widersprüche oder gar im Takt irgendwelcher Krisenzyklen auf. Das zu glauben ist Vulgärmarxismus, und wer aus dem Fenster schaut, sieht, daß die Welt sich anders verhält. Obgleich wir gerade die größte Wirtschaftskrise seit 1929 hinter uns haben, ist die kommunistische Bewegung und ist nicht einmal die linke Bewegung merklich gewachsen. Stelle ich mir die Frage, warum das so ist, fallen mir drei Gründe ein:
a) das Scheitern des Sozialismus im 20. Jahrhundert wirkt in der Erinnerung der gegenwärtigen Menschen gewaltig nach; daß er Fehler hatte, daß er punktuell unmenschliche Züge besaß, daß er aus dem Dreck geboren wurde – das alles wären die meisten Menschen bereit zu übersehen, aber daß er nicht in der Lage war zu produzieren, das erschütterte das Vertrauen grundlegend. Der Sozialismus hat ein Looser-Image, und das bewirkt, daß die Leute eher daran glauben, den Kapitalismus menschlich machen zu können, als den Sozialismus erfolgreich. Das kann sich ändern, aber das wird es sehr wahrscheinlich erst mit der kommenden Generationen tun, deren Verhältnis zur Vergangenheit weniger belastet (aber auch ärmer an Kenntnis) ist.
b) der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, die Produktion von Armut, ist zu größeren Teilen in die Dritte Welt ausgelagert. Das führt dazu, daß alle nationalen Konflikte wesentlich entschärft werden. Politik findet aber national statt, und der politische Zustand eines Landes hängt nicht zuletzt auch von seiner Sozialsturktur ab. Es gibt in diesem Land eine Minderheit des Pauperismus, die isoliert ist und weder die Möglichkeit erhält, sich zu artikulieren, noch die Intelligenz dazu hat. Wir haben zweitens eine arbeitende Minderheit, sogenanntes Proletariat, Leute, die produktive Arbeit leisten, die aber schon wieder zu wohlhabend sind, eine Interesse daran zu haben, etwas zu ändern. Und wir haben eine Minderheit von Kleinunternehmern, Selbständigen, Dienstleistern, Beamten usf. Das ist die Lage, und diese Lage wäre nicht stabil, wenn der Reichtum, den wir hierzulande genießen, auch hierzulande produziert werden müßte. Ich finde es wirklich erstaunlich, wie groß die Bereitschaft der K-Gruppen ist, über diesen Umstand hinwegzusehen. Sie wollen eine Politik machen für eine Klasse, die in diesem Lande im Grunde nicht existiert, und wundern sich ernsthaft, warum ihnen die Anhänger ausbleiben.
c) der dritte Grund liegt im Funktionieren des modernen Medienapparats (Presse, TV, Internet), der in der Breite und in der Tiefe eine Wirkung hat, die kein Medium vor ihm hatte. Es ist eine Gehirnwäsche weniger der Art, daß Unwahrheiten verbeitet werden – Unwahrheiten werden verbreitet, seit es Politik gibt, jede Politik – auch die bolschewistische – besteht wesentlich in der Verbreitung von Lügen. Aber die Medien waschen den Menschen Hirne dahingehend, daß ihr Denken als solches deformiert wird. Mitunter berichten einige Medien ja die Wahrheit, aber wenn ich eine Bewußtseinsidustrie habe, die den Leuten den Wahrheitsbegriff aus den Köpfen vertrieben hat, die ihnen elementare Formen des Denkens aus den Kopf vertrieben hat, kann ich mit der Wahrheit nichts ausrichten. Vernunft – und das sieht man nicht nur an der BILD-Zeitung, sondern z.B. auch an offen-siv – wirkt nur dort, wo ihr zu wirken gestattet wird. Es gibt nichts zwingenderes als einen logisch makellosen Schluß, aber derselbe ist machtlos, wo die Grundregeln der Logik nicht anerkannt werden. Und genau darin besteht die Gesamtwirkung der modernen Medien. Die Einzelwirkung – direktes Lügen, Unterhaltung als Ablenkung – kann dagegen fast vernachlässigt werden.
Diese drei Gründe sind objektive Gegebenheiten, und sie erklären, warum eine gesellschaftliche Lage, die reif zur Veränderung ist, keine entsprechende subjektive Haltung in der Bevölkerung hervorbringt. Der subjektive Zustand ist nämlich gleichfalls objektiv begründet. Daß die K-Landschaft so schwach wie schwachsinnig ist, ist kein Fluch oder Pech, sondern es hat Gründe. Schwachsinnigkeit folgt aus Schwäche. Was passiert denn, wenn man von einer politischen Bewegung die Mitläufer (die von besagten drei Gründen gehindert werden, Mitläufer einr K-Bewegung zu werden) abzieht? Was bleibt dann übrig? Die Avantgarde? – Die zum geringsten Teil, denn die Avantgarde rekrutiert sich zum größeren Teil gerade aus den Leuten, die objektive Lagen einschätzen können. Was vor allem übrigbleibt, sind die Holzkopfe, die Dogmatiker, die Autisten. Leute, deren politische Standhaftigkeit nicht das Resultat geistiger Schärfe und politischer Disziplin ist, sondern Leute, die so sehr in ihrer eigenen Welt leben, daß sie selbst für den Opportunismus zu dumm sind. Die Standhaftigkeit dieser Leute ist keine Leistung, sondern kommt schlicht aus der Unfähigkeit, objektive Lagen zu erkennen. Dieser Menschenschlag dominiert aber die K-Landschaft, und daß er ihn dominiert, ist folgerichtig.
Und es stimmt: Mit diesen Leuten und mit diesen Gruppen erreicht man überhaupt nichts. Aber daß liegt nicht nur an der Unfähigkeit dieser Leute, sondern daran, daß sich die Gruppen mit zunehmender Veränderung dieser objektiv-subjektiven Gegebenheiten ebenso verändern. Eine jede Lage bekommt die kommunistische Bewegung, die sie verdient. Eine bessere Lage wird auch eine bessere Bewegung bekommen.