Und nochmals zur skandaloesen Kommunismus-Sehnsucht

Man muss sich schon echt wundern, was in dieser Partei los ist, wenn Mecklenburg-Vorpommerns Linken-Chef Steffen Bockhahn sagt:

„Ich bin überrascht, dass der Kommunismus das Ziel der Partei sein soll. Mein Ziel ist er nicht. Ich bin demokratischer Sozialist. Das ist die Gesellschaftsordnung, die ich anstrebe“

Ok, damit bekommen wir wenigstens mal wieder bestaetigt, dass die Linkspartei eine sozialdemokratische Partei ist, aber ganz sicher keine sozialistische. Denn dann wuerde der Kommunismus am Ende des Weges stehen.

Und selbst Gesine Loetzsch rudert wieder zurueck:

„Die Linke ist linkssozialistisch, wir sind und werden keine kommunistische Partei. Und ich werde auch kein Mitglied der kommunistischen Plattform.“

Natuerlich hat der Spiegel damit eine wunderbare Steilvorlage um lachend zuzusehen, wie sich die Partei selbst zerfleischt. Die teilweise ins Abstruse abgleitende Linkenfeindlichkeit des Spiegels ist ja allseits bekannt.

  1. 10 Reaktionen

  2. Von Elias am 6. Jan 2011 um 08:42 Uhr

    Mir ist schon im letzten Bundeswahlkampf zur Sozialdemokratietümelei der so genannten „Linken“ (wie kann man nur so… sorry… doof und einfallslos sein und sich nach der Sitzordnung im Plenarsaal benennen) nur noch die Richtigstellung der überall im Blickraum hängenden Nullpappe eingefallen. Ab ob eine „SPD“ nicht genug wäre…

  3. Von Jerry am 6. Jan 2011 um 09:57 Uhr

    Das bringt uns wieder einmal zu der schwierigen, nie so richtig beantworteten Definitionsfrage, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus ist. Allgemeine Gleichheit versus Herrschaft der produzierenden Klasse? Stetige Direktlegitimation gegenüber einem Rousseauschen Gesamtwillen? Eingeschränkter Privatbesitz oder vollständige Vergesellschaftung?
    Ich nehme an, ich bin nicht der einzige, der hier keine eindeutige Antwort findet, und daher handelt es sich wohl eher um eine emotionale als eine programmatische Abgrenzung.

    Der Ausdruck Frau Lötzschs, jeden möglichen Weg, wohin nun letztlich auch immer, zu versuchen, auch in der Minderheit, ist in der Tat extrem mißverständlich und kann als Infragestellung des demokratischen Modells gedeutet werden. Daß hier starker Bedarf zur Klarstellung besteht, ist offensichtlich; eine Revolutionstaktik wie z.B. bei der MLPD, ist ja nun wirklich nicht das, was Die Linke anstrebt.

    Personen in der Stellung, wie sie Frau Lötzsch hat, sollten derartige verbale Pannen einfach nicht passieren. Daß dort eher zu viel als zu wenig interpretiert wird, sollte klar sein.
    Und daß seitens derjenigen, die Die Linke ablehnen, eine solche Aussage dankend verwertet wird, kann eigentlich auch nicht überraschen. Würde umgekehrt nicht anders gehandhabt.

    Ich hoffe einfach mal, daß das medial und parteiintern halbwegs schnell abgehandelt wird und keine längerfristigen Folgen hat.

  4. Von Zagard am 6. Jan 2011 um 12:43 Uhr

    Ein wenig passt das hier rein: Das ZDF zeigte am 04.01. den ersten Teil von Chinas Grenzen, heute Abend kommt der 2. Teil. Die ganze Dokumentation bietet recht interesante Informationen über China, nur der Antikommunistische Tenor ist ein wenig störend.

    Hier der Link dazu: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1223844/Tiger,-Schmuggler,-Festungsinsel

    Dieser ist noch 5 Tage verfügbar. Für alle die nicht die ganze Doku sehen wollen, ist Minute 20:00 bis 29:10 zu empfehlen, dort wird eine Nordkoreanische Grenzstadt behandelt.

  5. Von modesty am 6. Jan 2011 um 18:24 Uhr

    Von der Linken geht bestimmt nicht die Gefahr aus, dass ein ernsthafter Sozialismus/Kommunismus-Versuch gestartet wird. Was ich zum Kotzen finde, dass es viele Linke gibt, die es peinlich oder dumm finden, dass Gesine Lötzsch das Wort Kommunismus überhaupt in den Mund genommen hat.

    Warum ist es dermaßen selbstverständlich die in bürgerlichen Kreisen gepflegte Gleichsetzung von Stalinismus und Kommunismus als gegeben zu akzeptieren? Man setzt doch auch nicht die Katholische Kirche mit der Inquisition gleich. Oder den Kapitalismus mit Hunger, Ausbeutung, Umweltzerstörung, wobei das ja durchaus angemessen wäre.

  6. Von gewe am 6. Jan 2011 um 22:26 Uhr

    @Jerry: Sozialismus ist der übergang zum Kommunismus. Im Sozialismus werden die kapitalistischen Hinterlassenschaften beseitigt und wird die neue ausbeuterfreie, zentral geplante sozialistische Wirtschaft aufgebaut. Dieser Aufbau ist – wie wir heute deutlich wissen – nicht in wenigen Jahren oder Jahrzehnten zu schaffen. Das braucht schon etwas länger. Das hat sicher auch ein Chruschtow gewußt, als er den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft viel zu früh bekanntgab. Das war aber bereits konterrevolutionäre Absicht.
    Walter Ulbricht hat davor gewarnt und gemeint, dass der sozialistische Aufbau durchaus mehr als hundert Jahre dauern kann. Schon weil das bisher keiner versucht hat, also Erfahrungen gesammelt werden müssen und entsprechende Korrekturen beim Aufbau vorzunehmen sind.
    Das ist eine wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung in bisher nie gekannten Formen und Folgen.
    Ziel des Kommunismus ist die vollständige Vergesellschaftung sämtlicher Produktionsmittel. Das ist die Voraussetzung für eine zentrale, bedarfsgerechte Planung und Produktion (Planwirtschaft). Ziel sind Produktionsverhältnisse, wo die Menschen sich wohl fühlen. Bei entsprechendem Entwicklungsstand der Produktion bekommt jeder, was er braucht. Jeder Mensch gibt, was er kann. Also eine für alle Menschen gerechte gesellschaftliche Lösung. Selbstverständlich sind gesundheitliche Betreuung, Bildung, Wohnen, Essen, Trinken kostenfrei. Alles andere wird Schritt für Schritt dazu geführt. Die individuelle Freiheit jedes Menschen ist Ziel dieser gesellschaftlichen Veränderungen. Jeder Mensch ist frei in seinen Entscheidungen, mit was er sich Tag für Tag beschäftigen will. Die Arbeit ist dann Bedürfnis und nicht Zwang zum Erwerb der notwendigen Geldmittel für den Lebensunterhalt. Ob eines Tages Geld und Staat vollständig verschwinden ist noch lange nicht geklärt. Aber sie werden eine völlig andere Rolle als in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft spielen.
    Diese Gesellschaft braucht keine Geldsäcke, Ausbeuter, Schmarotzer und sonstige Volksbetrüger mehr. Das ist das, was die heute herrschende Klasse der Bourgeosie im Bund mit Adel und Pfaffentum so ängstigt. Ihr ganzer Reichtum ist dann einfach objektiv überflüssig, weil nicht mehr erforderlich und nicht mehr erstrebenswert. Das Kriege und Faschismus dann ihrer Wurzeln entzogen sind, sei nur ergänzend bemerkt.

    Das ganze Theater um die PdL, ihre eigenartige Vorsitzende ist doch alles nur Volksverdummung. Eine sozialdemokratische Partei wird als Steigbügelhalter der Kapitalisten niemals eine sozialistische und erst recht keine kommunistische Gesellschaft anstreben. Alles nur Verdummung und Augenauswischerei, um ehrliche Linke bei der PdL zu halten und zu verhindern, dass diese womöglich zu einer wirklichen kommunistischen Partei oder jetzt erst mal zur KI abwandern.

    Wenn unsere Obervolksverdummer ihr dorftrotteliges Hinterherlatschvolk mit grusseligen Warnungen vor einem neuen Kommunismus weiter verdummen, dann zeigt das, wie perfide und verängstigt diese Leute eigentlich sind.
    Einen erneuten Kommunismus kann es nur geben, wenn es einen Kommunismus in der Vergangenheit bereits gegeben hätte. Diese Entwicklungsstufe der Zivilisation hat noch kein einziges Land bisher erreicht.
    Es gibt aber immer mehr Menschen, die die Vorstufe, den Sozialismus ernsthaft anstreben. Das erzeugt bei den Herrschenden bereits große Panik. Sie sehen sich erneut der Diktator der arbeitenden Menschen ausgesetzt. Diese werden dafür sorgen, dass den Superreichen die Flügel gestutzt werden und die Pfaffen dorthin verschwinden, wo sie sein sollen – in ihre Kirchen und nicht in den Parlamenten und Schulen.

  7. Von Jerry am 8. Jan 2011 um 00:26 Uhr

    @gewe: Ich für meinen Teil sehe im Sozialismus etwas mehr als einen Übergangszustand, und betrachte ihn als eigenständiges Gesellschaftsmodell, aber da ich mich selbst als Sozialisten bezeichnen würde, bin ich da sicher nicht ganz unvoreingenommen.
    Aber ich denke, selbst wenn man eine dialektische Betrachtungsweise wählt, nach der eine dynamische Entwicklung der Gesellschaftssysteme besteht, deren vorletzte Stufe der Sozialismus und deren letzte der Kommunismus ist, fällt die Abgrenzung doch ausgesprochen schwer. Wie sehr die Interpretationen da schwanken, bemerkt man ja schon beim Vergleich der sowjetischen mit der chinesischen Selbstsicht.

    Deine Betrachtung des Kommunismus unterscheidet sich nicht wesentlich von meiner des vollständig ausgeformten Sozialismus (und es überrascht mich, daß sie nicht einmal die kapital- und geldlose Gesellschaft beinhaltet), also fehlt uns schon wieder der Definitionsrahmen. Ich bleibe dabei, daß es sich um keine sachlich fundierte Trennung handelt, sondern um eine künstliche Abgrenzung der politökonomischen Gruppen des 19. Jahrhunderts, ähnlich der Selbsteinteilung westlicher Linker der Nachkriegsjahrzehnte in Trotzkisten, Stalinisten, Maoisten, usw.

    Daß der Wechsel in ein neues Gesellschaftssystem und das damit verbundene allgemeine Bewußtsein Zeit und Geduld braucht, sehe ich genauso, und gerade deshalb bevorzuge ich eine langsame Reformtendenz gegenüber einer Revolution, der oft genug im Nachhinein die Unterstützung des Volkes fehlt. Fünfzig bis hundert Jahre halte ich in der Tat für eine angemessene Schätzung. Zeitrahmen, die diejenigen Politiker, die ihr Denken auf die eigene Lebenszeit beschränken, leider selten abwarten wollen. Mit Eile und Hektik klappts nicht.
    Gerade aus diesem Winkel steht mir Die Linke deutlich näher als Parteien wie DKP oder KPD – Sie plant keinen radikalen Umsturz, für den ich keine Erfolgschancen sehe, sondern einen langsameren aber zielgerichteten Umbau.

    Sozialismus und/oder Kommunismus ist derzeit nicht mehrheitlich gewollt. Um das Schrittchen für Schrittchen zu ändern, wüßte ich nichts günstigeres als eine Partei, die eben doch noch irgendwie als legitimer Teilnehmer in Bund und Ländern betrachtet wird, und die von dort aus langsam Verbesserungen (aus unserem Blickwinkel, versteht sich) bewirkt.

    Naja, ich fürchte, so langsam sprengen wir das Thema…

  8. Von Inson am 8. Jan 2011 um 12:48 Uhr

    Och, Jerry machs dir doch nicht so schwer. Du bist bei den Reformisten von der PdL, besser noch in der guten alten Tante SPD, gut aufgehoben. Das Original ist immer besser.
    Was du bevorzugst oder nicht ist völlig unerheblich. Es gibt, daß kann jeder seit Marx wissen, gewisse Gesetzmäßigkeiten in der gesellschaftlichen Entwicklung. Marx beschreibt das im „Kommunistischen Manifest“ so: „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“ Daran wirst weder du, noch die PdL oder die SPD irgendetwas ändern, egal wie hartnäckig ihr diesen Fakt ignoriert. Gesetzmäßigkeiten, das ist das schöne daran, funtionieren unabhängig davon ob du sie zur Kenntnis nimmst oder nicht. Diese Klassenkämpfe haben, man kann das historisch ausgezeichnet nachvollziehen, entweder mit dem Sieg einer, oder mit dem Untergang beider Klassen geendet. Die Widersprüche zwischen den Klassen waren mithin antagonistisch und kulminierten im Klassenkampf und in der Revolution! Sie waren und sind die „Lokomotiven der Geschichte“!
    Reformen innerhalb eines Systems sind immer Reformen im Sinne der herrschenden Klasse.Regierungsfähig in diesem Land wird man erst wenn man das verinnerlicht hat.
    Diesen Job hat die SPD vorzüglich gelöst und die PdL schickt sich an in ihre Fußstapfen zu treten.
    Viel Spaß dabei!

  9. Von gewe am 8. Jan 2011 um 18:23 Uhr

    @Jerry: ergänzend zum Beitrag von Inson sage ich mal wieder, es ist nur eine Frage der Zeit, wann es zum Vereinigungsparteitag SPD und PdL (oder was sie dann für einen Namen haben) kommt. Unterschiede werden für mich immer geringer.
    Ich kann ja die Menschen verstehen, die sich den Übergang zum Sozialismus gewaltfrei wünschen. Doch ist das blanke Illusion. Das der demokratische Sozialismus ein Irrtum ist und nie funktionieren kann und wird, wurde bereits vor 150 Jahren festgestellt. Ich kenne persönlich die Diskussionen Anfang der 70-ziger in der DDR zum Thema – wohl auch im Ergebnis des „Prager Frühlings“. Die führenden „Frühlings-Kommunisten“ hatten nie die Absicht den Sozialismus zu verbessern und zu erhalten. Nein, sie wollten ihn ganz und gar beseitigen. Das war sozusagen einer der Testläufe seit 1954, als Chruschtschow die marxistische Linie (von Stalin konsequent vertreten und 30 Jahre lang erprobt) verließ. Letztendlich hat ein Gorbatschow und Co. dieses konterrevolutionäre Programm vollendet. Da glaubte man auch anfangs, das nun die letzte Stunde des Kapitalismus geschlagen hatte, bis so nach und nach diese Leute die Hosen runterließen. Für diese Leistung hat Gorbatschow viele Orden und sicher viel Geld bekommen und durfte seinen Wohnsitz in der BRD nehmen.
    Die PDS – LINKE – PdL durfte nur als Partei mit einer Linie ala Gorbatschow agieren. Ansonsten hätte ein bundesdeutsches Parteiverbot schnell für Klarheit gesorgt. Das zeigt ja auch die hektische Reaktion der Bourgeosie über die Kommunismus-Schwafelein der Frau Lötzsch. Das schafft natürlich in den Köpfen der linksgläubigen PdL-Anhänger die Bestätigung, dass die PdL wirklich eine linke Partei mit Ziel Sozialismus ist. Für mich ist das alles eine gut abgestimmte Verarschung der ehrlichen Linken.
    Solange die PdL das Auffangbecken aller (ehrlichen und scheinbaren) Linken ist, wird sich in dieser Gesellschaft sozial nichts ändern, weil sich die Grundlagen dazu nicht ändern werden. Das Kapital wird nicht freiwillig auf sein Eigentum und seine gehorteten Werte verzichten. Das sind die Grundlagen der heutigen Macht des Kapitals und diese Macht gibt die Bourgeosie freiwillig nicht ab. So doof sind nur die letzten sozialistischen Machtinnehabenden gewesen. Die sogenannte friedliche Revolution von 1989 – die marxistisch betrachtet natürlich eine Konterrevolution war – wird sich beim Übergang zum Sozialismus nicht wiederholen. So sehr wir uns einen friedlichen übergang auch wünschen.
    Solange die PdL und ihre Anhänger dem Glauben verfallen sind, es wird über einen längeren Zeitraum zu einem friedlichen Übergang kommen, werden wir alle auf diesen Sankt Nimmerleinstag warten dürfen und uns weiterhin einer im schlimmer werdenden Ausbeutung
    des Kapitals mit allen sozialen Folgen unterziehen müssen. Die Verantwortung dafür darf sich auch die PdL zuschreiben. Sie ist wie die SPD ein systemerhaltender Steigbügelhalter der kapitalischen Machtverhältnisse.
    Daran ändern all diese wischi-waschi unscharfen Diskussionen und Argumentationen – denen auch Du und viele PdLer verfallen sind – objektiv überhaupt nichts.
    Freut euch von mir aus alle über eure Friedfertigkeit, über zunehmende gesellschaftlliche Anerkennung (in Folge des immer mehr umsich greifenden Opportunismus in der PdL) und verbringt von mir aus euer restliches Leben in dieser Eiapopeia-Kapitalismushaltung. Nur wundert euch nicht, wenn plötzlich das große Erwachen kommt, weil das Kapital alles in Grund und Boden gewirtschaftet hat.
    Die sozialen Folgen bis hin zur Frage der weiteren Existenzmöglichkeit der Menschheit auf diesem Planeten kann man dann nicht mehr mit Schönrednerei ändern.

  10. Von gewe am 9. Jan 2011 um 13:50 Uhr

    Ergänzend zu meinem gestrigen Beitrag sei hier auf
    http://www.jungewelt.de/2011/01-08/048.php verwiesen.

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  2. 7. Jan 2011: trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

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