Zur Lage der kommunistischen Bewegung in Deutschland
Folgendes ist ein Gastbeitrag, den ich hier gerne einstelle und der mit meiner Meinung weitestgehend übereinstimmt. Der Autor ist mir bekannt, möchte aber an dieser Stelle nicht genannt werden. Meinungen dazu sind natürlich erwünscht. Trolle werden wie üblich zensiert.
Meine Analyse der Lage der K-Landschaft allgemein. Einer sagt, die Lage sei objektiv. Der andere sagt, das wissen wir nicht. Aber ich denke, das wissen wir schon. Und ich denke auch, daß die Lage ebenso objektiv wie subjektiv bedingt ist. Die Sache hat je nun diese zwei Seiten, die äußere und die innere. Die äußere stellt sich mir so da: Wir haben einen Kapitalismus, der seit mehr als 100 Jahren seine Widersprüche so zuspitzt, daß er reif zur Abschaffung ist. Aber er schafft sich nicht selbst ab, er muß abgeschafft werden. Es bedarf also ebenso solcher Kräfte, die ihn abschaffen. Doch die treten nicht einfach zeitgleich mit der Zuspitzung der Widersprüche oder gar im Takt irgendwelcher Krisenzyklen auf. Das zu glauben ist Vulgärmarxismus, und wer aus dem Fenster schaut, sieht, daß die Welt sich anders verhält. Obgleich wir gerade die größte Wirtschaftskrise seit 1929 hinter uns haben, ist die kommunistische Bewegung und ist nicht einmal die linke Bewegung merklich gewachsen. Stelle ich mir die Frage, warum das so ist, fallen mir drei Gründe ein:
a) das Scheitern des Sozialismus im 20. Jahrhundert wirkt in der Erinnerung der gegenwärtigen Menschen gewaltig nach; daß er Fehler hatte, daß er punktuell unmenschliche Züge besaß, daß er aus dem Dreck geboren wurde – das alles wären die meisten Menschen bereit zu übersehen, aber daß er nicht in der Lage war zu produzieren, das erschütterte das Vertrauen grundlegend. Der Sozialismus hat ein Looser-Image, und das bewirkt, daß die Leute eher daran glauben, den Kapitalismus menschlich machen zu können, als den Sozialismus erfolgreich. Das kann sich ändern, aber das wird es sehr wahrscheinlich erst mit der kommenden Generationen tun, deren Verhältnis zur Vergangenheit weniger belastet (aber auch ärmer an Kenntnis) ist.
b) der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, die Produktion von Armut, ist zu größeren Teilen in die Dritte Welt ausgelagert. Das führt dazu, daß alle nationalen Konflikte wesentlich entschärft werden. Politik findet aber national statt, und der politische Zustand eines Landes hängt nicht zuletzt auch von seiner Sozialsturktur ab. Es gibt in diesem Land eine Minderheit des Pauperismus, die isoliert ist und weder die Möglichkeit erhält, sich zu artikulieren, noch die Intelligenz dazu hat. Wir haben zweitens eine arbeitende Minderheit, sogenanntes Proletariat, Leute, die produktive Arbeit leisten, die aber schon wieder zu wohlhabend sind, eine Interesse daran zu haben, etwas zu ändern. Und wir haben eine Minderheit von Kleinunternehmern, Selbständigen, Dienstleistern, Beamten usf. Das ist die Lage, und diese Lage wäre nicht stabil, wenn der Reichtum, den wir hierzulande genießen, auch hierzulande produziert werden müßte. Ich finde es wirklich erstaunlich, wie groß die Bereitschaft der K-Gruppen ist, über diesen Umstand hinwegzusehen. Sie wollen eine Politik machen für eine Klasse, die in diesem Lande im Grunde nicht existiert, und wundern sich ernsthaft, warum ihnen die Anhänger ausbleiben.
c) der dritte Grund liegt im Funktionieren des modernen Medienapparats (Presse, TV, Internet), der in der Breite und in der Tiefe eine Wirkung hat, die kein Medium vor ihm hatte. Es ist eine Gehirnwäsche weniger der Art, daß Unwahrheiten verbeitet werden – Unwahrheiten werden verbreitet, seit es Politik gibt, jede Politik – auch die bolschewistische – besteht wesentlich in der Verbreitung von Lügen. Aber die Medien waschen den Menschen Hirne dahingehend, daß ihr Denken als solches deformiert wird. Mitunter berichten einige Medien ja die Wahrheit, aber wenn ich eine Bewußtseinsidustrie habe, die den Leuten den Wahrheitsbegriff aus den Köpfen vertrieben hat, die ihnen elementare Formen des Denkens aus den Kopf vertrieben hat, kann ich mit der Wahrheit nichts ausrichten. Vernunft – und das sieht man nicht nur an der BILD-Zeitung, sondern z.B. auch an offen-siv – wirkt nur dort, wo ihr zu wirken gestattet wird. Es gibt nichts zwingenderes als einen logisch makellosen Schluß, aber derselbe ist machtlos, wo die Grundregeln der Logik nicht anerkannt werden. Und genau darin besteht die Gesamtwirkung der modernen Medien. Die Einzelwirkung – direktes Lügen, Unterhaltung als Ablenkung – kann dagegen fast vernachlässigt werden.
Diese drei Gründe sind objektive Gegebenheiten, und sie erklären, warum eine gesellschaftliche Lage, die reif zur Veränderung ist, keine entsprechende subjektive Haltung in der Bevölkerung hervorbringt. Der subjektive Zustand ist nämlich gleichfalls objektiv begründet. Daß die K-Landschaft so schwach wie schwachsinnig ist, ist kein Fluch oder Pech, sondern es hat Gründe. Schwachsinnigkeit folgt aus Schwäche. Was passiert denn, wenn man von einer politischen Bewegung die Mitläufer (die von besagten drei Gründen gehindert werden, Mitläufer einr K-Bewegung zu werden) abzieht? Was bleibt dann übrig? Die Avantgarde? – Die zum geringsten Teil, denn die Avantgarde rekrutiert sich zum größeren Teil gerade aus den Leuten, die objektive Lagen einschätzen können. Was vor allem übrigbleibt, sind die Holzkopfe, die Dogmatiker, die Autisten. Leute, deren politische Standhaftigkeit nicht das Resultat geistiger Schärfe und politischer Disziplin ist, sondern Leute, die so sehr in ihrer eigenen Welt leben, daß sie selbst für den Opportunismus zu dumm sind. Die Standhaftigkeit dieser Leute ist keine Leistung, sondern kommt schlicht aus der Unfähigkeit, objektive Lagen zu erkennen. Dieser Menschenschlag dominiert aber die K-Landschaft, und daß er ihn dominiert, ist folgerichtig.
Und es stimmt: Mit diesen Leuten und mit diesen Gruppen erreicht man überhaupt nichts. Aber daß liegt nicht nur an der Unfähigkeit dieser Leute, sondern daran, daß sich die Gruppen mit zunehmender Veränderung dieser objektiv-subjektiven Gegebenheiten ebenso verändern. Eine jede Lage bekommt die kommunistische Bewegung, die sie verdient. Eine bessere Lage wird auch eine bessere Bewegung bekommen.




62 Reaktionen
Von Ernesto am 16. Jan 2011 um 23:14 Uhr
Sehr guter Text.
Von gewe am 16. Jan 2011 um 23:53 Uhr
Gut, ich denke, den Autor erkannt zu haben. Schreibstil und Denkweise sind mir seit längerem bekannt. Auch dessen scharfsinnige Denkweise und sein verdammt hoher Bildungsstand. Mit nicht nur diesem Beitrag will er die eingefahrenen K-Hirne aufrütteln, auch mal neu zu denken, was sie seit sonstwann als richtig halten und denken oder auch gar nicht denken.
Es sind durchdachte Erklärungsversuche zu einer nunmal – wenn man ehrlich mit sich und der Welt ist – bestehenden Situation.
Was mir problematisch erscheint, ist die durchscheinende defitistische Lageeinschätzung. Sprich, die Darlegungen könnten weiteres Denken, um Wege aus der Krise zu suchen, blockieren.
Die jetzige Situation sollte aber nicht als unveränderlicher Zustand verstanden werden. Es sollten auf diesen und weiteren Überlegungen die Aktivitäten aufbauen, die den Weg aus der verfahrenen Situation aufzeigen. Alles andere würde zu Resignation der Akteure führen und die bestehenden Zustände auf alle Zeiten manifestieren. Ausweglosigkeit, Perspektivlosigkeit lassen alle aktiven Kräfte einschlafen. Sollte also wirklich nur der Weg in die Barbarei das letztendlich einzig mögliche Ziel der Menschheit sein?
Ich kann und will das nicht wahrhaben. Der Mensch ist ein denkendes, ein soziales Wesen mit menschlichen Bedürfnissen. Der Großteil der Menschheit läuft – wenn er es denn erkennt – nicht bewußt in seinen Untergang. Das tut er, wenn er manipuliert wird und keine andere Kraft dagegen wirkt. Mich zwingt niemand, mich dem revisionistischen Kurs der DKP oder PdL anzuschließen. Ich muss auch nicht die “Vereinigungspolitik” der KPD mit der DKP befürworten. Ich bin in der Lage zu erkennen, wohin derartige K-Politik führt. Da bin ich bei weitem nicht der einzige, der das erkennen kann.
Es ist die Weiterentwicklung der marxistischen Theorie ein wichtiger und ständiger Begleiter unserer Aktivitäten. Das Erkennen und Beseitigen von Fehlern in der Theorie, die Weiterentwicklung, die sich an der Entwicklung des Menschen und seiner Verhältnisse festmacht. Hier ist sicher manches vernachlässigt worden. Doch dies allein ist nicht Ursache der Situation.
Zu Punkt a) würde ich noch anmerken wollen, dass der Makel nicht produzieren zu können auch zahlreiche Ursachen hatte. Der konkrete historische Kontext als auch der tatsächliche Entwicklungstand der Produktivkräfte sind für mich u.a. wesentliche Punkte.
Das der Sozialismus nicht gleich aus der Urgesellschaft hervorgegangen ist, hat bekanntlich auch den objektiven Grund, dass die Produktivkräfte noch Jahrtausende an Entwicklung brauchten, um das heutige Niveau zu erreichen. Hatten sie nunmehr im letzten Jahrhundert (Jahrtausend) wirklich schon den Zustand erreicht, der objektive Voraussetzung (nicht alleinige, aber zugehörige) sein musste? Ist dieses Niveau der Produktivkräfte heute erreicht?
Bei Punkt b) mag die Einschätzung, dass der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, die Produktion von Armut, zu größeren Teilen in die Dritte Welt ausgelagert wurde zutreffend erscheinen. Doch nicht restlos und die soziale Entwicklung für sehr viele Menschen hierzulande zeigt mir, dass diese Art Auslagerung auf gutem Wege ist, zurück in unsere reichen Länder geholt zu werden.
Würde dies ansonsten im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass eine revolutionäre Veränderung nur in armen Ländern möglich ist? Die Überwindung der jetzigen Gesellschaft nur in technologisch unterentwickelten Ländern? Hoffnungen auf Entwicklungen in Lateinamerika könnten diese Fragen bejahend beantworten. Doch ist es tatsächlich so der Fall? Laufen die Entwicklungen wirklich so?
Eine revolutionäre Bewegung setzt nicht nur heftige soziale Widersprüche voraus, sondern auch das erforderliche Niveau der Produktivkräfte und gut gebildete Menschen. Der Irrglaube, dass der demokratische Sozialismus auf dem Weg des ständigen Opportunismus und Revisionismus durch eine Art des Hinüberwachsens in die neue Gesellschaftsform auf wundersame Weise kommt, ist auch Folge des (medial und bildungsseitig angestrebten) Kulturnievaus der Wundergläubigen. Menschen, die nicht in der Lage sind, zu begreifen, was ihnen andere zu den tatsächlichen Ursachen und Wegen sagen, sind für Veränderungen nicht zu haben.
Ich empfinde auch in unseren Breitengraden einen immer mehr zunehmenden Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, ja einen immer unerträglicheren Widerspruch. Das geht mir nicht allein so. Im Gegensatz zu anderen Mitmenschen verfalle ich aber nicht in Resignation und heule nur noch herum, dass man sowieso nichts ändern kann. Ich bin weiterhin der Meinung, dass man etwas ändern kann und auch muss. Das dazu etliches weiter zu entwickeln ist, neu zu durchdenken, bestreite ich nicht. Aber es ist auch Resignation, Opportunismus, Revisionismus und Wunderglaube an eine sich selbst heilende Welt zu überwinden.
Alles mit einem mal wird kaum funktionieren, aber Schritt für Schritt mit verdammt viel Geduld und doch ausreichendem Zorn im Bauch sind keine unmöglichen Utopien – Trotz Alledem!
Von Lupe am 17. Jan 2011 um 20:56 Uhr
Brillanter Bericht, dem ich im Großen und Ganzen zustimme, der Ist-Zustand sieht in etwa so aus. Welche Ableitungen sich daraus ergeben, liegt im Auge des Betrachters. Der eine wird defätistisch darauf reagieren, andere wiederum nach Alternativen Ausschau halten (dies dürfte wohl die Mehrheit sein) bzw. diese setzen u.o. erarbeiten, wieder andere trotzig dagegen halten.
Diese und jene Passage ließ mich übrigens schmunzeln.
Ein paar kleine Webfehler sind mir übrigens dennoch aufgefallen.
1. der Pauperismus drückt nicht nur mangelnde Intelligenz bei einem Teil seiner Repräsentanten aus, sowie fehlende Möglichkeit sich zu artikulieren, es ist dies auch z.T. einer psychischen Problematik div. Figuren geschuldet.
2. Es ist nicht nur die fehlende Erreichbarkeit bzw. Einlösbarkeit von Wahrheit, da diese (angeblich) nicht gestattet sei,(allerdings nicht easy zu haben) es ist auch das nicht selten vorherrschende fehlende Interesse, die Wahrheit zu vereinnahmen.
Es gibt schließlich allerlei Zeitgenossen, die trotz Aufklärung die Achseln lediglich zucken und so was murmeln wie: “so ist die Welt halt”.
3. Der Reichtum der Massen ist keiner, allenthalben wird/wurde ein Vergleich zum real existierenden Sozialismus aufgemacht und dabei richtigerweise festgestellt, dass bei diesem der Individual-Konsum geringer als in den entwickelten kap. Staaten für recht Viele ausfiel.(schlimm genug!)
4.was ist übrigens “eine bessere Lage”? Wird einem da irgendwas gebacken, was einem mithin von Außen beschert wird? Backen wir nicht maßgeblich unseren Kuchen bzw. Brot selbst?
Zugegeben, die “Konditorei” wird sicherlich auch von Außen ihren Einfluss geltend machen, denn schließlich ist auch diese Republik sehr von Außenkontakten abhängig und das hat auch so seine Vorteile. Länder wie Frankreich, Italien (in spe?) Griechenland, Portugal sind ja schon anders gestrickt als gerade Old Germany. Die Erfahrung lehrt nun, dass so Allerlei von Außen hineinschwappt. War es denn nicht auch so bei der DDR, wo das Desaster der SU hineinschwappte? Umgekehrt wird sicherlich auch zu passender Zeit “ein Schuh draus” und sei`s ein 2. Bundschuh – abgewandelt versteht sich.(Abwarten, vor der Morgendämmerung ist bekanntlich die Nacht am kältesten.) Also.
Von gabbo am 17. Jan 2011 um 20:57 Uhr
der turn zu ml’er-grüppchen, die sich in orden, fahnen und parteitagen überbieten, war 69/70 schon rückwärtsgewandt und verstaubt. heute, 40 jahre später, ist der ganze klimbim nur noch lächerlich, wenn aus den zehntausenden ein paar hundert in die jahre gekommene rentner sind.
naja, fröhliches wegsterben und/oder resigniert aufgeben.
Von Sepp Aigner am 18. Jan 2011 um 10:18 Uhr
“Eine bessere Lage wird auch eine bessere Bewegung bekommen.” – Na dann. Warten wirs ab, überlassen wir es den kommenden Generationen ?
Von gewe am 18. Jan 2011 um 20:39 Uhr
@gabbo fühlst Du Dich heute wohl? Geht es Dir gut? Bist Du zufrieden mit Deiner Arbeit, Deinen Kollegen, Deinem Einkommen? Ist Deine (so vorhanden) Familie glücklich und zufrieden? Habt ihr evtl. Zukunftsangst? Belasten Dich Ausgaben für Unterkunft, Ausbildung und Gesundheit?
Wahrscheinlich nicht, oder?
Von gewe am 18. Jan 2011 um 20:41 Uhr
@Sepp Aigner: ist die gegenwärtige Lage wirklich so, dass keine wirksame Gegenkraft aufbaubar ist? Das die Linke sich weiterhin auf dem Weg nach unten bewegt? Wirklich nur warten … bis der Abgrund sich endgültig auftut?
Oder sind viele Menschen einfach nur ungenügend informiert?
Von Sepp Aigner am 19. Jan 2011 um 00:28 Uhr
gewe: Mein Kommentar war eine FRAGE an den VERFASSER des Beitrags, über den hier diskutiert wird.
MEINE Antwort auf diese Frage ist: Nein. Wir müssen auf gar nichts warten. Anstatt die schlechten Zeiten zu beklagen und die vorhandenen Kräfte madig zu machen, müssen die, denen wirklich an Veränderung der Verhältnisse gelegen ist, was TUN.
Das Wichtigste ist m.E., bestehende Organisationen mit revolutionärem Anspruch zu stärken, d.h. in ihnen MITZUARBEITEN. Ich halte die DKP für am geeignetsten. Wenn andere was anderes meinen, ist mir das in dem Zusammenhang erstmal auch egal. Der Punkt ist – SICH ORGANISIEREN und WAS TUN.
Der Beitrag “Zur Lage der kommunistischen Bewegung in Deutschland” hat, wenn man ihm folgt, zur Konsequenz, die Hände in den Schoss zu legen und zu nörgeln. Ich kann ihm auch deshalb nichts abgewinnen. Ein anderer Grund ist, dass die Zustandsbeschreibung und Analyse einseitig, undiferenziert, pauschalisierend sind und wichtige Aspekte nicht erfassen. Ich kann das nur als Beschreibung des eigenen Gemütszustands des Verfassers nachvollziehen, womit er natürlich bei vielen ankommt, weil es sich um einen verbreiteten Gemütszustand handelt.
Von alexandra am 19. Jan 2011 um 17:51 Uhr
Zur Lage der kommunistischen Bewegung in Deutschland
M.E. erster logischer Fehler. Reif zur Abschaffung im Sinne des histor. Materialismus ist nicht gleich reif zur sofortigen Abschaffung. Leider.
Und wenn du schon den Vergleich mit 1929 bringst: Die Überproduktionskrise hat zu mehr Monopolen geführt, zu mehr Kapitalbündelung bzw. „zu mehr Imperialismus“. Das in etwa läuft z. Z. immer noch. Kehrseite: Mehr Armut, mehr Arbeitslose, sozialer Abstieg der verlierenden Kleinunternehmer, also Anstieg der Arbeiterklasse, die existiert, wenn sich ihrer als solche auch nicht bewusst.
kann ich langsam nicht mehr hören, mein Geschiedener hatte auch punktuell unmenschliche Züge
Fehler in der politischen Führung, im geplanten Zusammenwirken der soz. Länder usw. wirken sich immer auf die Produktion aus. Aber so wie bei dir stimmt die Aussage einfach nicht. Das ist die von Merkel & Co. vertriebene Meinung, die auch das „Looser-Image“ verpasst hat.
Ja, sie haben den schönen Kapitalismus, der sich soziale Marktwirtschaft nannte, schon erlebt. An dem Begriff haben Heerscharen gebastelt. Sie wollen „ihren alten Kaiser Wilhelm wieder haben.“ Welche Leute übrigens, muss ich fragen.
Daran arbeiten bundesdeutsche Geschichtsbücher schon lange. Hier z. B. wäre ein Ansatzpunkt für nicht-sektiererische oder nicht im Sinne (Auftrag) des Kapitals arbeitende K-Gruppen. Ich weiß, Bildung klingt nicht sehr revolutionär. Nicht nur Lenin sah sie aber als vorrangig an. Außerdem hat sie ein klein wenig mit Bewusstseinsbildung zu tun.
Entschuldige, wenn ich schon wieder Einspruch erhebe. Gewe sagte dazu im letzten Absatz einiges. Und sogar deutsche Zeitungen (andere auch) vermelden unwahrscheinlich hohe Gewinnspannen – nicht für die Mehrheit natürlich. Es muss einem recht gut gehen oder man muss sehr anspruchslos sein, wenn man die zunehmende Armut nebenan nicht mitbekommt. Aber so hast du das sicher nicht gemeint. Sagen wir mal so: In der 3. Welt fällt uns das mehr auf. Wird uns auch immer wieder vorgesetzt, um uns zu zeigen, wie gut es uns geht. Zynisch gesagt: Auch eine Ablenkung von den Problemen vor der eigenen Haustür. Nein, ich beschönige nichts. Das ist ein eigenes Thema. Was in die Dritte Welt ausgelagert ist, ist nicht der Widerspruch von Kapital und Arbeit [du meinst sicherlich die gesellschaftliche Produktion und die privatkapitalistische Aneignung des Mehrwertes], sondern das Profitemachen des Imperialismus schlechthin.
Politik findet auch national statt. „Der politische Zustand eines Landes“ hängt in erster Linie von der herrschenden Klasse ab. Das wird häufig vergessen. Sie hat nämlich die Macht. Aber vielleicht meinst du eher Klassenkampf statt Politik? -
Anstriche: Gibt es schon Kommentare. Achtung vor psychologisch-intellektuellem Hochmut! Hier wäre der Bogen zu meiner obigen Bemerkung bzgl. Bildung zu spannen. Zur Arbeiterklasse gehört auch das Heer der Arbeitslosen. Da gibt es wohl schon einiges an Organisationen. Glaube aber nicht, man könne einen Arbeiter beeindrucken mit flammenden Revolutionsreden und roten Stickern am Revers! Für die sind das alles nicht ausgelastete Intelligenzlerkinder. Und sie hatten (haben) meistens recht damit.
Kurze Prozentrechnung: 3x Minderheit gleich ein Ganzes? Von insgesamt 37,994 Mio Erwerbstätigen gab es 2009 3,226 Mio Erwerbslose. Wir wissen, dass letztere Zahl stark geschönt ist. In 2008 waren noch 25,4 Mio im produzierenden Sektor tätig. Also pi x Daumen macht das schon noch ein paar Millionen an Arbeitern. Ich will nicht bestreiten, dass die in der Rüstungsindustrie recht gut verdienen und weiter verdienen werden, aber für alle anderen geht es sukzessive abwärts, die Chefs bei den Beamten ausgenommen. Da siehst du keinen sozialen Zündstoff?
Was die K-Gruppen wirklich wollen (eigentlich ihre Initiatoren), wäre einen eigenen Artikel wert. Ich hätte da schon einige Gedanken. Im Moment reicht mir das Glatteis draußen. Gabbo verwies am 17.01. auf die m.-l. Gruppen in den Siebzigern. Würde ich auch tun, z. B. unter KPD/AO nachsehen.
Womit wir wieder bei der Machtfrage wären.
Ich denke aber, dass man mit einer fundierten marxistisch-leninistischen Grundeinstellung durchaus Lüge von „Wahrheit“ unterscheiden kann. Manchmal ist das nicht so einfach, wenn Wissen und Informationen fehlen. Da sollte man die Aussagen der Leute von gestern und heute schon mal vergleichen.
Mancher „wenig intelligente“ Arbeiter könnte dir etwas beibringen. Er weiß nämlich, wo er hingehört und entscheidet danach. Nicht anders macht es der Bourgeois und das bereits länger, der Kleinbürger will i. d. R. nur zu ihnen gehören (zu denen „da oben“).
Zu den „bolschewistischen Lügen“ muss ich dir deutlich widersprechen. Wie kommst du darauf?
Mal abgesehen von der Wortwahl, die stark an ein vergangenes „Reich“ erinnert: Eine marxistisch-leninistische Politik hat das Lügen nicht nötig. Im Gegenteil, sie würde sich selber konterkarieren.
Und noch etwas: Das wesentliche Merkmal der Marxisten-Leninisten und Quelle ihrer Kraft ist ihre Ehrlichkeit gegenüber dem Volk in punkto ihrer Ziele und ihrer Vorstellungen. Dazu gehört auch und vor allem eine saubere und deutliche Sprache, die genau sagt, wo man steht und wofür und wie man handelt. Misstraue jedem, der dein Argument unbeantwortet zur Seite legt, dir den Mund verbietet oder nur mit Zitaten um sich wirft!
Warum, meinst du, wird beispielsweise Fidel Castro so verehrt? Es ist von Nutzen, seine Biografie zu lesen, auch, wenn Ramirez kein Kommunist ist.
Es ist ein großer Fehler, seine Erfahrungen mit den Lügen des bürgerlichen Staates auf einen auf dem Wege zum Sozialismus befindlichen Staat zu übertragen. Nach der Devise: Hier wird es so gemacht, also ist es überall so. (Weil ich in Deutschland Eisbein mit Sauerkraut mag, haben sich die in Spanien nach mir zurichten.)
Das ist die große Verfahrensweise der bürgerlichen Demokratien seit der Oktoberrevolution. Nicht wenige sich als Kommunisten bezeichnende Leute sind auf diesen Zug aufgestiegen. Sich hier etwas näher mit psychologischen Auswirkungen bürgerlicher Propaganda und deren gezielter Nutzung zu beschäftigen wäre ein weites Feld für „Lupe“.
An dessen Adresse: Warum muss ich unbedingt immer mehr konsumieren? Damit der Absatz stimmt? Ich habe noch keine Statistik gesehen, die sich mit dem Kulturkonsum der DDR-Bürger beschäftigt, oder dem ihrer geselligen Veranstaltungen in Gewerkschafts- oder Betriebskreisen u. a.! Aber vielleicht war das „Schlimm genug!“ auch umgekehrt gemeint.
Natürlich ist Taktik nicht mit Politik zu verwechseln. Ich muss dem Klassenfeind nicht alles unter die Nase reiben. Was Kommunismus für ihn bedeutet, weiß der ohnehin schon länger als alle Kommunisten zusammen. Das gilt im Sozialismus wie für Kommunisten im bürgerlichen Staat.
Der Marxismus-Leninismus ist eine Wissenschaft, die wie eine Wissenschaft zu erlernen ist. Es braucht ein gründliches Studium und gute Lehrer. Auch ein solcher weiß nicht alles, muss aber offen für Zwischentöne und Argumente sein. Da es sich um eine Wissenschaft handelt, die auf alle Bereiche des Lebens Einfluss hat, gehörte sie bei jedem Studium in der DDR dazu. Das Begreifen des Erlernten geschah häufig erst in der praktischen Arbeit, bei der Umsetzung von Erkenntnissen. (Gewiss, mancher sammelte nur Zensuren und war Karrierist.) Verrat ist hier nicht das Thema.
Sie ist es eben noch nicht. Da müssen wir uns wohl den Marx, Engels und auch Lenin noch etwas näher ansehen, vor allem bezüglich der Politökonomie, denn:
„Eine Gesellschaftsordnung geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind.“
in: Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie , Werke, Bd. 13, S. 468-477
Man muss denn nur noch die richtigen Einschätzungen finden und lesen. Und vor allem alle abschrecken, deren Aussagen wir nicht verstehen wollen oder können. Und darüber vergessen, wer eigentlich der Klassenfeind ist.
Hier war es wohl zu spät zum Schreiben. – Jeder Mensch hat gewisse Fähigkeiten. Ein guter Organisator erkennt das und setzt Leute entsprechend ein. Nicht jeder ist ein Einstein. Die Mehrheit ist bereits überfordert mit der Organisation des eigenen Lebens bzw. damit voll ausgelastet. Man muss sie deshalb nicht beschimpfen.
Das Gerechtigkeitsgefühl ist ausschlaggebend, der Solidargeist, die Lesefähigkeit …. Es ist die große Masse (denk an die Millionen!), die in Bewegung gebracht werden muss, um für ihre Rechte zu streiten. Dazu muss sie wohl am Ende der Leidensfähigkeit sein.
Um eine Masse zu bewegen, braucht es Energie. Sie nennt sich revolutionäre Geduld.
Von Josef A. Preiselbauer am 19. Jan 2011 um 20:23 Uhr
@Alexandra: Ich habe es nachträglich formatiert. Das geht schon in Ordnung.
Zitate kannst Du einfach zwischen < .blockquote> und < ./blockquote> setzen. (Bitte ohne den “.”)
Von gewe am 19. Jan 2011 um 21:31 Uhr
Danke @Alexandra und @SeppAigner, dass ich merken durfte, dass ich doch nicht völlig politisch verblödet bin. Eure Beiträge sollten auch einigen anderen Götzengläubigen etwas die Augen öffnen und das kritische Denken wieder in Fahrt bringen.
Rhetorik, Psychospielchen und unerreichbare akademische Höhen sind nicht das Ding der Arbeiterklasse. Wenn diese dann noch gegen die Arbeitklasse eingesetzt werden, verbessert das die Lage keinesfalls.
Von Lupe am 20. Jan 2011 um 00:25 Uhr
@alexandra: liebe Alexandra, du hast dir denkbar große Mühe gegeben, Donnerwetter. Dabei hast du auf deine, dir eigene Weise die Textpassagen des Herrn Anonymous – wenigstens partiell -(zurecht)gedeutet, z.T. auch willkürlich uminterpretiert, damit`s auch wirklich in dein spezifisches Weltbild passt. Deine Philippika, deine Leidenschaft, hat dir einen großen Impetus verliehen, doch nähere Erläuterungen oder gar (empirische) Fakten sucht man leider vergebens. So wirkt denn alles wie ein politisches Bekenntnis,ein verkürztes Manifest,das man entweder so annehmen kann, oder auch nicht.
Fest steht jedenfalls,dass dich der Text des uns unbekannten Schreibers,dir wohl ziemlich unter die Haut geht,(oder ging)dafür garantiere ich mal.
Doch nun zum sogenannten Konsumismus, der (auch) in den sozialistischen Staaten als solcher als Begriff kreiert wurde und so wohl eine Art Rechtfertigung des eigenen Mangels zum Ausdruck bringt bzw. brachte.
Damit es klar ist, es geht nicht darum in der Manier eines Gargantua und Pantagruel sein Leben zu führen, so wie dafür die Bahn zu ebnen. Das wäre wohl ziemlich töricht. Es geht aber sehr wohl darum, die täglichen Dinge des Lebens der Bevölkerung recht preiswert und ausreichend zur Verfügung zu stellen.
Muß ich nun erst aufzählen, was ich da so meine? Wahrscheinlich schon. Nun, es fehlte auch in der DDR an so Vielem, was das tägliche Leben ausmacht. Da fehlte es an Hausrat, oder wenn da, dann zu teuer. Von der Unterwäsche,Kleidung via Bettzeug, Elektrogeräte, Werkzeuge, Wandfarbe usw. Auch waren so allerlei Lebensmittel entweder zu teuer, oder aber zeitweilig nicht zu kaufen. Auf ein Auto mußte man ca. 16 Jahre warten, bis dass man an die bespöttelte Rennpappe endlich herankam.Allerlei Komsumgüter waren regelrecht popelig. Dann gab es dutzendhaft Waren, die recht rasch entzwei gingen. (mal kaufte ich ein Zelt, das schlechte Qualität besaß, mal war es ein Wecker aus Ruhla, der recht bald sein Ticken einstellte, selbst Schulbücher aus bloßem Paperback usw.)
Dabei war es so, dass die DDR von allen soz. Staaten noch den höchsten Lebensstandard aufwies.
Nehmen wir mal an, die soz. Staaten allgemein und auch die DDR wären produktiver gewesen, dann hätte es mit Sicherheit nicht den abwertenden Begriff “Konsumismus” gegeben.
Da die Staatsführungen Mangel und Mängel aber nicht eingestanden,logen sie lieber, bis das die Balken sich bogen, ( wie im Kapitalismus halt auch)sehr zum Verdruss der Bevölkerung, die ja ziemlich genau wusste, wo denn eigentlich der Schuh drückte.
Zunächst mal bis hierhin.
Von Sepp Aigner am 20. Jan 2011 um 14:29 Uhr
Lupe: “Muß ich nun erst aufzählen, was ich da so meine?”
- Ist ja alles richtig. Aber das und vieles mehr von den sozialistischen Unzulänglichkeit erzählen wir uns jetzt gegenseitig seit zwanzig Jahren. Ich denke, wir haben es uns gemerkt und könnten es dabei belassen und uns zu gegebener Zeit, nämlich wenns wieder um Sozialismus geht, dran erinnern.
Worum es heute geht, sind doch hauptsächlich andere Sachen. Allgemein gesagt: Überall, wo sich ein bischen Widerstand regt und Leute mit linkem Selbstverständnis darauf einwirken können, diesen Widerstand stärken, organisieren helfen, mit der geschichtlichen Erfahrung, die wir im Klassenkampf doch haben, füttern, um zigmal begangene Fehler nach Möglichkeit zu vermeiden. Dergleichen. Das geht besser, wenn Sozialisten und Kommunisten sich miteinander organisieren und kollektiv was tun. Heute. Nicht in der nächsten Generation, dann sind wir Heutigen nämlich schon gestorben.
Von Alexandra am 20. Jan 2011 um 17:05 Uhr
Ach, Lupe, du enttäuschst, wo du doch mit solch gebildeten Worten daherkamst. Ich bin sicher, dass Anonymus meine Einwände nicht als Zerreißen empfindet.
Dabei hat man sich im deutschen Geschichts- bzw. Gemeinschaftskunde-Unterricht sicher große Mühe gegeben, um zusammenhängende Begriffe zu formulieren.. Anstatt mit den von den meisten Lehrern nebenbei für die Begriffsstutzigen gelieferten Beispielen (vor 4 Jahren gehört: In Ostberlin gab es keine Autos) zu kommen, hätte ich zumindest eine Argumentation auf Höhe der letzten Gymnasialstufe erwartet. Da wird das Wirtschaftsleben beider deutscher Staaten verglichen und der DDR zugeordnet:
- Arbeitsplatz und Beruf können nicht frei gewählt werden
- Verwaltungsapparat aufwändig.
- Mangelnder Leistungsanreiz
- Versorgungslücken und phantasielose Güterproduktion nach Plan.
Klingt doch viel Gebildeter, zumal ja nach den Ursachen gesucht werden soll, die da (immer noch letzte Gymnasialstufe) sind:
- staatliche Zentralverwaltungswirtschaft (ZW) (= zentrale Planwirtschaft)
- Staatseigentum
- Staatlich festgelegte Preise
- Der Staat als Besitzer der Produktionsmittel
- Ziel des Wirtschaftslebens ist die Befriedigung der Bedürfnisse durch maximale Planerfüllung.
Und was gibst du wieder? – Das Fazit aus einem Geschichtsbuch der Bundeszentrale für Politische Bildung. Wer dergleichen mal in Händen hält: Die „DDR“ existiert düster zwischen etwa 49 und 61 und ab 1989. Zwischendurch gibt’s nichts mehr zu dokumentieren, um Himmels Willen keine Fortschritte! Also Bild-Zeitungs-Niveau. Na ja, bleibt halt immer etwas hängen.
Schlussbemerkung: Ich habe hier nur das Schema für die ZW wiedergegeben. Ohne Kommentar. Das für die Freie Marktwirtschaft liefere ich nach.
Und für Sepp: Entschuldige, mit dem, was zu tun ist, hast du sicher Recht. Aber nicht mit dem: Ist ja alles richtig. Bewusstseinsbildung findet nun mal im Kopf statt.
Von Lupe am 20. Jan 2011 um 20:18 Uhr
@Sepp: Meine Ausführungen waren ja auch nur für Alexandra gedacht, andernfalls hätt ich mir einen entsprechenden Text erspart.
Deinen weiteren Überlegungen pflichte ich bei.
Jetzt kommt es darauf an, dass sich linke Organisationen, dort wo es hinpasst, bzw. sinnvoll oder notwendig ist, für Aktionen vernetzen, zumindest nicht getrennt aufmarschieren und vor allem sich auch solchen (größeren)Bewegungen mit anschließen, die es z.Z. gerade gibt.
Eigenbrötelei wäre jedenfalls kontraproduktiv.
Dabei geht es nicht nur um die Erhöhung der Schlagkraft, sondern auch maßgeblich darum, überhaupt wahrgenommen zu werden.
Von gewe am 20. Jan 2011 um 21:19 Uhr
Tja, ja, der Herr Arno Nym und der Herr Lupe. Schön, mal wenigstens einmal an so einem Schei..tag wie heute, was zu lachen gehabt zu haben.
Oder anders gesagt, es hat auch seine Vorteile, wenn man einen ordentlichen Dickschädel hat.
Von Sepp Aigner am 20. Jan 2011 um 21:43 Uhr
Alexandra: Bewusstseinsbildung – “Ist ja alles richtig”:
Mit “alles richtig” meinte ich Lupes ansatzweise Aufzählung der Mängel der DDR. Die gabs ja tatsächlich. Einige waren objektiv bedingt und nicht zu ändern, andere subjektiv und vermeidbar, und viele wurden im Lauf der Existenz ja auch erfolgreich abgestellt oder gemildert, übers Ganze gesehen hat sich das Leben ja von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verbessert. Was tatsächlich gemachte Fehler betrifft, finde ich es richtig, sie zu benennen, allerdings unter Wahrung der Proportionen: Die DDR war das bessere Deutschland, ungeachtet Rennpappe und Bananenmangel.
Mir scheint aber, dass es unter Kommunisten oder ehemaligen solchen, die sich trotzdem noch “irgendwie links” fühlen und auch die Verteufelung der DDR nicht 1:1 mitmachen, eine Nörgelhaltung gegenüber den ehemaligen sozialistischen Staaten gibt, die sich irgendwie verselbständigt hat und seit jetzt zwei Jahrzehnten wieder- und wiedergekäut wird, und dass diese bei manchen Leuten längst zu einem Alibi geworden ist für ein mehr oder weniger bloss kommentierendes Danebenstehen bei den heutigen politischen Möglichkeiten für Kommunisten, die sich aus den HEUTIGEN Widersprüchen ergeben. Deshalb hab ich Lupes Aufzählung mit “ist ja alles richtig” “abgetan”, um auf das zu kommen, was zu TUN ist.
Was die Bewusstseinsbildung betrifft, also die Bildung von Klassenbewusstsein, scheint mir, dass in allererster Linie an den heutigen Widersprüchen anzusetzen ist. Und in zweiter Linie dürfen wir uns unsere Geschichte nicht abschneiden lassen, z. B. die DDR nicht “delegitimieren” lassen. Ich hab das mal in einem Text in meinem Blog auszuführen versucht, der erstaunlich oft gelesen worden ist: http://kritische-massen.over-blog.de/article-wer-nicht-selbst-fur-sich-entscheidet-uber-den-wird-entschieden-64064907.html
Von Lupe am 20. Jan 2011 um 23:08 Uhr
Alexandra, aber, aber, wie schnell du doch urteilst und dich da denn doch vergallopierst.(ab an die Longe,bitte sehr!) Ich darf dir versichern, dass ich die DDR, die ich übrigens recht gut kenne, allemal in 2 Epochen einteile, nämlich die eines Walter Ulbricht und die, eines Erich Honeckers. Dabei stelle ich fest, dass die DDR unter Walter Ulbricht ökonomisch recht erfolgreich war, und die unter Erich Honecker eben nicht!
Please, don`t speak about the BILD Zeitung, da vertust du dich gar sehr. Derlei Holzhammer-Methoden sind wenig hilfreich, sondern eher Ausdruck eines massiven und mithin eifernden Zorns, um es einmal moderat zu sagen.(sine ira et studio!)
“Glück Auf”
Von alexandra am 21. Jan 2011 um 17:57 Uhr
Sepp: Deinen Blog-Beitrag lese ich morgen. Ich verstehe dich schon nicht falsch.
Aber nun noch mit eiferndem Zorn zu Lupe:
Das kann ich leiden, erst Parolen in die Welt setzen und dann den Schwanz einziehen und sich mit Sturm- und Drang-Parolen auf die Seite der Macher schlagen. Und wo warst du dir mit Sepp einig? Mit dem Ist-ja-alles-richtig hat er dir den Rettungsanker zugeworfen.
Nur mal nebenbei: Die gleiche Argumentation kommt auch von den Rechten bis ganz Rechts außen. Und nicht immer sind sie am Hakenkreuz auf der Stirn erkennbar. Was machst du dann im Aktionsbündnis? Ist-ja-alles-richtig sagen?
(He, Lupe, nicht empfindlich sein, ich meine das sachlich und nicht persönlich!)
TEIL II – Basiswissen fürs Lügen (zu meinem Beitrag vom 20.01.)
Zielstellung ist nachzuweisen, welcher Gesellschaftsformation das Lügen immanent ist. Und ein bissel auch, wie geschickt es gemacht wird.
Kommen wir zum Wirtschaftsleben der Bundesrepublik bzw. eines „demokratischen Staates“ nach Gymnasiallehrers Diktion. Als Nachteile nennt er (oder die BPB, s. o.20.01.)
- Ausbeutung wirtschaftlich Schwächerer
- Monopole und Kartelle können die Preise festsetzen
- Keine soziale Absicherung der Arbeitnehmer
- Konjunkturschwankungen
- Arbeitslosigkeit.
Und klärt uns über das Wirtschaftsleben auf:
- Freie Marktwirtschaft
- Markt bzw. Angebot und Nachfrage steuern die Wirtschaft
- Privateigentum an Produktionsmitteln
- Preisbildung erfolgt durch den sich über Angebot und Nachfrage bildenden Gleichgewichtspreis
- Festsetzung der Löhne durch den Arbeitgeber
- Ziel des Wirtschaftslebens ist die Gewinnerzielung in Form von Profit.
Ist doch ehrlich, der Herr Lehrer? Bis auf ein paar kleine „Schönheitsfehler“ eben. Die biegt er dann zurecht. Seine Zielsetzung ist (im Auftrage des bürgerlichen deutschen Staates) der Vergleich zugunsten seiner „Arbeitgeber“. Deshalb ordnet er der freien Marktwirtschaft zu:
- Der Markt richtet sich nach den Wünschen der Verbraucher
- Unternehmen können den Wettbewerb durch Preisabsprachen einschränken
- Wenn ein Anbieter ausfällt, besorgt sich der Nachfrager die benötigten Güter bei einem anderen Lieferanten
- Erfindungen und wirtschaftliche Höchstleistungen sind eine Folge des starken Wettbewerbs.
Wohlgemerkt, auf seine Lügen zum sozialistischen Wirtschaftssystem geht er nicht ein, sondern setzt noch eins drauf:
- Der Staat bestimmt durch genaue Pläne, was investiert und was produziert wird.
- Der Staat weist den Auszubildenden die Betriebe zu, da er den Einsatz der Arbeitskräfte steuert.
- Arbeitslosigkeit ist unbekannt, da Arbeitslose zu Lasten der Gesamtwirtschaft „verplant“ werden.
- Kleine Planungsfehler in einem Wirtschaftsbereich setzen sich fort und führen zu Versorgungslücken.
- Der rücksichtslose Konkurrenzkampf ist beseitigt, die wirtschaftlich Schwächeren werden nicht mehr ausgenutzt.
- Streiks für bessere Arbeitsbedingungen sind verboten, weil dadurch die Planerfüllung gefährdet würde.
Bis dahin erst mal die Basis. Die negativen Seiten der freien Marktwirtschaft werden natürlich durch eine soziale Politik (nennt sich dann soziale Marktwirtschaft) ausgebügelt. Wäre ein zu erweiterndes Thema.
Kontrollfragen (kurze Antwort möglich?):
1. An welchem Gängelband wird hier der willige Gymnasiast zur Einsicht in die Notwendigkeit der bürgerlich demokratischen Ordnung geführt?
2. Der Vergleich findet auf welchem Gebiet statt und warum?
3. Wo wird hier der Begriff Staat gebraucht?
Weitere oder andere Fragen, Antworten und Bemerkungen sind nicht nur möglich, sondern erwünscht.
Von Dieter am 21. Jan 2011 um 20:16 Uhr
Mal ne Frage an Gewe,Du schreibst:”Vereinigungspolitik” der KPD mit der DKP befürworten.”Wie kommst Du zu solch eine Behauptung?
Von Lupe am 22. Jan 2011 um 09:54 Uhr
@alexandra: (die “Große”)Wer immer du auch bist, du diffamierst und zeigst dich ausgesprochen niederträchtig!
Du konstruierst da was zusammen, so das der Griff zur Kotztüte vorsorglich schon mal angebracht wäre, gäbe es nicht als Schutz so was wie eine Contenance, die dann letztendlich den Brechbeutel wiederum überflüssig macht.
Ein sittlich-ethisches Bestreben kann ich jedenfalls nicht bei dir feststellen, das nur mal so by the way.
Dennoch bist du gebenedeit “unter den Weibern und gebenedeit die Frucht deiner Gedanken”, schon weil du was Pseudoreligiöses an dir hast,mehr oder minder fanatisch sicherlich noch dazu.
Damit hier die Leserschaft nicht nur auf Grund von Zwistigkeit und Gemeinheiten angewidert oder aber erheitert ist, sei mal die Metaebene gewechselt.
Ich möchte nicht, dass Leute wie du und Deinesgleichen an die Macht kommen. (passiert eh nicht)Warum?(Eine gewisse Opposition allerdings, schon weil jedweder antikapitalistische, antibürgerliche Widerstand der Bourgeoisie das Gruseln lehrt und sie und ihr bürgerlicher Staat dann zwangsläufig Konzessionen an die Bevölkerung vornehmen muß.)
Nun, Humanität und Demokratie blieben da mal locker auf der Strecke!
Wie würde sich das zeigen? Folgende Hatz auf folgende Werte/Phänomene wären sehr wahrscheinlich fällig:
1. abstrakter Humanismus
2. Demokratismus
3. Individualismus
4. Subjektivismus
5. Kleinbürgerlichkeit
6. Kosmopolitismus
7. Individualismus
8. Philantropismus
10. Anarchismus
11. Voluntarismus
12. Skeptizismus
(weitere “ismen” können bei Bedarf noch nachgereicht werden!)
So, dabei wollen “wir” es mal (vorerst) bewenden lassen. Es wäre ja nix einzuwenden, wenn all dies nur auf akademischem Felde konstatierend oder parodierend ausgetragen würde, doch dabei bliebe es ja nicht. Leute wie du, würden all dies zur Kampfansage mit allen üblen Folgen machen. Auf 12 sogenannte “finstere Gestalten” würdest du doch ganz gern eine Treibjagd veranstalten,um dann im Nachhinein zum Halali zu blasen.
So, zunächst mal bis dahin, nun bist du am Zug, sic!
Von gewe am 22. Jan 2011 um 10:22 Uhr
@Dieter: Aus den “Angeboten”, die die KPD der DKP macht. Konkret die Grußadresse an die DKP aus Anlass ihres Parteitages in DRF, Novemberausgabe. Wenn die KPD (-Führung) alle programmatischen-politischen Papiere, die es aktuell bei der DKP gibt, akzeptiert, dann nenne ich das Akzeptanz des revisionistischen Kurses der DKP-Führung. Ich bin sicher, dass es in der DKP viele ehrliche, überzeugte Kommunisten gibt. Aber wenn die Partei Mitglieder rauswirft, nur weil sie sich in der KI engagieren, dann habe ich ein Problem mit der DKP. Tut mir leid Sepp Aigner. Wenn diesen Kurs die KPD akzeptiert, weil sie die Einheit der Kommunisten hierzulande nur in der Einheit von DKP und KPD (und vielleicht noch mit der sozialdemokratischen PdL) sieht, dann kann ich mich mit dieser Partei nicht anfreunden. Aber das alles kann nicht zur Folge haben, dass wir die Hände in den Schoß legen und einfach nur auf bessere Zeiten warten. Die kommen in dieser Legislaturperiode unseres Universiums nicht von allein. Da muss konkret, gezielt, ehrlich, kritisch und bewußt an der Veränderung der “Zeiten” etwas getan werden – Trotz Alledem!
Von Sepp Aigner am 22. Jan 2011 um 15:14 Uhr
gewe: “Aber wenn die Partei Mitglieder rauswirft, nur weil sie sich in der KI engagieren, dann habe ich ein Problem mit der DKP” – Ich weiss nicht, ob irgendjemand deswegen aus der DKP ausgeschlossen worden ist. Aber ehrlich, gewe, wenn das nicht der Fall wäre, dann hättest Du kein “Problem mit der DKP” ? Und wenn Du ja kein Prioblem mit ihr hättest, würdest Du eintreten (- das wär doch die Konsequenz ?!) ? Das glaub ich Dir nicht.
Im übrigen tritt die KI, jedenfalls die der “Februar-Konferenz” der DKP gegenüber feindlich auf. In der DKP gelten immer noch die marxistisch-leninistischen Organisationsprinzipien. Wir sind kein Sammelsurium wie die Linkspartei. Wie können sich ausgerechnet ausgesprochen … traditionsbewusste … Kommunisten (Ich meine die KI) darüber erbosen, wenn eine kommunistische Partei Mitglieder ausschliesst, die sich in einer Organisation engagieren, die als parteifeindlich auftritt ? Ist das nicht … nunja -doppelbödig ?
Deinem “Trotz alledem” stimme ich zu.
Von Josef A. Preiselbauer am 22. Jan 2011 um 16:37 Uhr
Na ja, das mit der DKP und der KI… KI geht ja bekanntlich hauptsaechlich auf offen-siv zurueck und die war noch nie oder schon lange nicht mehr DKP-freundlich. Und wenn die DKP (wie alle anderen) nicht 100%ig fuer KI ist, dann ist sie dagegen. (Jaja, kennt man). Und alles was nicht 100% KI-pro ist, ist ja fuer die KI revisionistisch. Damit stoesst die KI aber auf einen Haufen Probleme und Gegenwind. Ich finde das ziemlich sektirerisch.
Von Sepp Aigner am 22. Jan 2011 um 18:12 Uhr
Hallo Josef Preiselbauer
- das überrascht mich jetzt. Ich dachte, Du bist Anhänger der KI, und zwar der “Februar”-KI ?
Von gewe am 22. Jan 2011 um 19:30 Uhr
@Sepp Aigner: Rauswurf ist leider geschehen. Einen Fall kenne ich konkret und den Betreffenden durchaus schon einige Jahre.
Ansonsten Sepp Aigner, ich könnte mir durchaus vorstellen, an deiner Seite “auf die Barrikade” zu gehen. Deine Bemühungen habe ich seit längerem erkannt.
Wie Du jedoch richtig vermutest, gibt es mehr als den Rauswurf, was mich von der DKP fernhält.
Liegt u.a. auch an eigenen Erfahrungen mit damals jungen Genossen aus der Zeit Anfang der 70ziger Jahre und an Erfahrungen die mir sehr nahe stehende Menschen Anfang der 90ziger Jahre gemacht haben.
Ja klar, es gibt immer und überall schwarze Schafe. Ob damals oder heute. Die müssen nicht mal die Mehrheit darstellen. Wir werden auch niemals die ideale, vollständig fertige und super geeignete Partei finden. Bei Organisationen mit sehr vielen Menschen, gibt es im einzelnen viele Probleme und Problemchen und sicher auch viele zu beachtende Befindlichkeiten. Das alles in eine gemeinsame Richtung zu bekommen, ist für keine Parteiführung einfach.
Aber die Richtung gibt die Parteiführung vor und die Richtung stößt bei den mir bekannten Dokumenten nicht auf Zustimmung.
Oder warum tun sich KPD und DKP so schwer, mit der KPD(B) zusammen zu finden? Warum keine Zusammenarbeit in der KI? Warum gibt es einen Beschluß der Parteiführung, die es DKP-Mitgliedern verbietet, in der KI aktiv zu werden. Wenn es ehrliche Kommunisten dann doch tun, gibt es Konsequenzen.
Ich bin in keiner der Parteien Mitglied und kann daher diese Prozesse nur von außen beurteilen. Meine Informationsquellen sind die jeweiligen Zeitungen der Parteien, das Internet und Gespräche mit dem einen oder anderen Mitglied der Parteien.
Von Josef A. Preiselbauer am 22. Jan 2011 um 19:57 Uhr
Sepp: Bin ich auch. Aber ich sehe einiges kritisch.
Von Sepp Aigner am 22. Jan 2011 um 22:24 Uhr
gewe: Verhältnis der DKP zu anderen Organisationen mit kommunistischem Anspruch:
Ich halte es für einen Mangel, dass die Partei, der ich angehöre, nicht – soweit sie dazu überhaupt in der Lage ist – systematisch versucht, mit diesen in ein Verhältnis der Aktionseinheit zu kommen und nach Wegen der Vereinigung zu suchen. Gleichzeitig Mitglied der DKP und der KI zu sein, ist aber eine andere Frage. Das bricht m.E. die Parteidisziplin, weil sich die KI ausdrücklich gegen die DKP positioniert und sie pauschal als revisionistisch einstuft. Wenn aber das Hauptkriterium der KI die Abgrenzung vom Revisionismus ist, Revisionisten (also wir von der DKP) angeblich das Haupthindernis für eine marxistisch-leninistische Partei sind – wie können dann DKP-Genossen in der KI mitarbeiten ?
Was ich zur KI meine, steht hier: http://kritische-massen.over-blog.de/article-zu-den-differenzen-zwischen-den-kommunisten-in-deutschland-55228267.html
Von Dieter am 23. Jan 2011 um 18:21 Uhr
Hallo Gewe ich kann aus dem Artikel in der Roten Fahne von Nov. 2010 nicht herauslesen, das die KPD den revisionistischen Kurs der DKP akzeptiert. In der zweiten hälfte wird auch Kritisch auf die Führung der DKP eingegangen. Darin heißt es “Die auf Einladung der KPD zustande gekommene Beratung am 19 Dezember 2008 unterbreiteten Vorschläge zur Bildung einer Arbeitsgruppe beider Führungsorgane zum Ausloten gemeinsamer Aktionen bis zur Vereinigung(nicht Anschluß)beider Parteien wurden von der Führung der DKP abgelehnt.Wenn Wenn in den Dokumenten der DKP vom “gemeinsamen Handeln von Kommunisten mit sozialistisch oder kommunistisch orientierten Kräften” mit anderen Organiationen gesprochen wird,sollte das nartülich in erster Linie für Marxisten-Leninisten beider Kommunistischen Parteien gelten, die beide in der Tradition von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gegründeten und von Ernst Thälmann,Wilhelm Pick und Max Reimann geführten Kommunistischen Partei stehen”. Weiter kommt die KPD zum ausgang “Unterschiedliche Kampfbedingungen führten bekanntlich zur Neukonsitituirung der DKP im Jahre 1968 und nach der Zerschlagung der SED zur wiedergründung der KPD im Januar 1990 noch in der DDR.Die DKP gab es zu dieser Zeit in der DDR nicht. Ein Wiezusammenfinden und Herstellung der Einheit erfordert einfach die Klassenkampfsituation”. Zum Schluß Noch den Appel ” Genossinnen und Genossen, wir vertreten die Gleichen Interessen und haben das Gleiche Ziel.Die Zeit erfordert Handeln-Handeln im Interessen der Ausgebeuteten. Laßt uns den Weg über die enge Zusammenarbeit,gemeinsame Aktionen bis zur Herstellung einer einheitlichen Kommunistischen Partei zügig beschreiten”. im ganzen Artikel,lieber Gewe sehe und kann ich nicht erkennen,dass hier also ein revisionistischer Kurs akzeptanz findet, oder man Interpretiert es so, weil man es so haben will.
Meine 2.Frage ist nun warum wird eine Kommunistische Initiative gegründet? Wenn man den Revisionismus in der ein oder anderen Partei bekämpfen will/und muß, Muß man es dann nicht innerhalb einer Partei es tun? das setzt aber voraus, das man dann in dieser Partei bleibt. Das dort die Marxisten-Leninisten sich stärker bündeln müssen, das die Revisionisten nicht die oberhand gewinnen. Aber was Macht man, man geht geschmollt aus der Partei raus schließt sich einer anderen Organisation an, die sich gegründet hat, den Klassenfeind freut es, das es neben der KPD und DKP eine KI gibt, um so mehr Kommunistischen Parteien es in Deutschland gibt, um so mehr kann der Klassenfeind, seine Hände ruhig in seinen Schoß legen und weiter seine Geschäfte gegen die Arbeiterklasse und anderen Ausgebeuteten erledigen.Na Klar bin auch ich dafür das in der DKP eindeutige Verhältnisse herbeigeführt werden müssen und das erste wäre Die volle Anerkennung der Politik unter Stalin und ihn wieder als Klassiker des Marxismus-Leninismus anzuerkennen, somit auch die Diktatur des Proletariat die unter Stalin geherrscht hat, die Anerkennung und Leistungen der DDR, nicht aber den Revisionismus, der ein vorschub leistete für die bürgerliche Konterrevoluion 1989. uv.m.
Von Sepp Aigner am 23. Jan 2011 um 21:22 Uhr
Dieter schreibt: “Na Klar bin auch ich dafür das in der DKP eindeutige Verhältnisse herbeigeführt werden müssen …”
Ein gutes Dafürsein. Aber die Hunderte ? Tausende ?, die der DKP vorhalten, ihr Kurs sei revisionistisch, hätten das schon längst ändern können. Auf dem 19. Parteitag haben genau drei Delegiertenstimmen gefehlt, um die Vorlage des alten PV in die Minderheit zu bringen und die des Westberliner und Hamburger Landesverbands zur Diskussionsgrundlage zu machen. Trotzdem sind in den Parteitagsdokumenten wesentliche Verbesserungen erreicht worden, und bereits im Vorfeld musste die ursprüngliche Absicht,die so heftig umstrittenen “Thesen” in den Parteitag einzubringen fallengelassen werden.
Ein paarhundert Marxisten-Leninisten mehr hätten die Zusammensetzung des Parteitags verändern und die Mehrheitsverhältnisse auf dem Parteitag entscheidend verändern können. – Wo wart Ihr denn ? Wo seid Ihr denn ?
Wer sich im übrigen ein Bild über den Kampf gegen opportunistische Positionen in der DKP machen will, sollte mal T+P lesen, z. B. die Hefte 19 bis 23.http://www.tundp.info/
Von Alexandra am 24. Jan 2011 um 12:01 Uhr
An alle, und pardon, wenn ich eure mich auch interessierende Diskussion kurz unterbreche : Zugegeben, mein Überfall mit dem Lehrmittelblatt aus dem Geschichts-/Gemeinschaftskundeunterricht war ein bissel langatmig, obwohl ich nicht verstehe, was daran den agent provocateur so auf die Palme gebracht hat.
Zum Gängelband: Natürlich der ausschließliche Konsum materieller Dinge. Brot und Spiele bei den Römern, um das Volk ruhig zu stellen.
Der Ausgangspunkt des Lehrers, die Gegenüberstellung, ist demagogisch zurecht gebogen. Er stellt eine Gesellschaftsformation unvollständig einer Wirtschaftsordnung gegenüber, die bei ihm ganz ohne Staat daherkommt. Die „Regierung“ ist hier Kontroll- und Schutzorgan des (kapitalistischen ) Wirtschaftssystems.
Der Staat wird nur im ZW verteufelnd (in der MW gar nicht) dargestellt. Obendrein ist vieles mit gewollten Falschangaben behaftet (z. B. Berufsausbildung, Ziel der Wirtschaft u. mehr).
Das vorgestellte Lernkonzept umfasst nur etwa 2-3 Unterrichtsstunden.
Es sind Lügen, um das System sozialistischer Volksrepubliken zu diskreditieren. Der bürgerlich-demokratische Staat lässt sich diese Unterrichtssparte viel kosten!
Fritzchen in seiner Schulbank (und an der Uni) ist natürlich mächtig in der Klemme. Er braucht eine gute Zensur, um beruflich weiter zu kommen. Also bietet es sich für Fritzchen nicht an, den Mund aufzumachen. Leider entscheiden zum größten Teil die mündlichen Noten.
Die aus der DDR stammenden Eltern wissen zu viel. Das ist eines der großen Probleme von Merkel, Knabe & Co.
Sepp schrieb in seinem Blog: Soweit Erinnerung der Arbeiterbewegung im allgemeinen Gedächtnis ist, ist sie heute fast vollständig übermüllt von den Interpretationen der anderen Seite, der bürgerlichen Erziehungs- und Meinungsmaschinerie.
Es gibt noch weitere prägnante Ausführungen in seiner Neujahrsansprache.
Wir brauchen dringend wieder Arbeiter- Bildungsvereine (Name unwichtig), die konkret und parallel auf den Bildungsmüll u. a. eingehen.
Das wäre übrigens auch eine Möglichkeit für Marxisten-Leninisten, parteiübergreifend zu arbeiten.
Von Alexandra am 24. Jan 2011 um 18:05 Uhr
Zusatz: Natürlich nicht nur die aus der DDR stammenden Eltern.
Zur DKP/KPD/KI-Diskussion :
Ich hatte die DKP eigentlich auch als revisionistisch „verseucht“ abgehakt. Aber nach einigen anderen Erfahrungen werde ich mich wohl revidieren müssen. Weil: Diese Superpartei mit lauter marxistisch-leninistischen Genossen und lauterem Diskussionsmanieren gibt es nicht. Schon in der DDR hat man gehörig kämpfen müssen. Allerdings kenne ich von dort einen in der Regel sehr sachlichen Umgangston. Die gemeinsame Aufgabe verlangte es. Postenjäger, Besserwisser u. dergl. sterben kaum aus.
Sepp hat schon recht unter (23.1.21.22). Vielleicht kommen jetzt die Nicht-Revisionisten auch mehr zu Wort? Positionen austauschen ist ohnehin wichtig. Wer sieht schon immer alles richtig …
Es ist doch prima einfach, wenn eine Linie vorgegeben wird wie z. B. der Aufruf zur Schaffung der KI. Er war richtig sauber u. erfreulich. Leider wars das heute auch auf weite Strecken. Abgesehen davon, dass man in Veröffentlichungen das Verhältnis zur DDR vor allem dem Rotfuchs überlassen hat (man gut so), wurde der Marxismus-Leninismus reichlich konterkariert in Form von: Alles, was nicht meiner Meinung ist, ist revisionistisch. Dabei sind auch Offensiv u. a. auf politökonomischen Gebiet derbe Schnitzer unterlaufen. Oder sie untermauern eine Linie.
Doris Tatus verweist auf einen Bericht Feldbauers zur kommunistischen Bewegung in D: Nach einer Periode aktiver Zusammenarbeit mit “offensiv” habe der “RotFuchs” 2004 einen Bruch herbeigeführt, der möglicherweise auf Konkurrenz-Probleme ….. Es sei zu sonst nur aus der maoistischen Szene bekannten Ausfällen gekommen.
http://schattenblick.org/infopool/politik/meinung/pmsp0032.html
@Dieter u. Gewe: Es haben sich in der KI zweifelsohne vor allem junge und engagierte Genossen getroffen. Vermutlich haben sie sich etwas zu weit hervorgewagt bei ihrer Überzeugungsarbeit. Das muss jede Partei als Angriff werten. Und es wird noch direkter angegriffen. Das Video gegen Hans-Heinz-Holz ist nicht nur sehr plump. Den Stehr hatte nur anfangs bei der 1.Perspektivkonferenz jemand des Rev. überführt, echt gut – und sachlich!
Warum erscheint aber die DKP als Hauptzielrichtung?
Zur Grußadresse KPD-DKP: Solche Schreiben muss man nicht über-, aber auch nicht unterbewerten. Noch ist eine Antwort möglich, kam vielleicht schon. Das Schreiben ist kein Akzeptanz-Schreiben für alle Dokumente!
Oft vergessen: Es gibt einen Unterschied zwischen Parteiarbeit und Bündnispolitik. Das sagt das: Trotz alledem
Von Lupe am 24. Jan 2011 um 19:58 Uhr
Es ist ausgesprochen dämlich, ausgerechnet an den Bedürfnissen “Brot und Spiele” übermäßigen Anstoß zu nehmen. Leider spukt bei einem Teil der Linken derlei Ablehnung im Kopp herum, sind sie derlei Wünschen abhold. Wer so gestrickt ist, muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie oder er nicht einem Konventikelgeist unterliegt, bzw. von diesem vereinnahmt ist, schlimmstenfalls der Askese das Wort spricht.
Ich rechne es dem Gegenstandpunkt hoch an, dass er dem Konsum ausgesprochen zugetan ist, also sich für die materielle Wohlfahrt der Werktätigen ausspricht.
So sah es auch schon einst Heine und auch Brecht. Erinnert sei in diesem Kontext auch an das Einheitsfrontlied, das u.a. auch die materiellen Bedürfnisse der Werktätigen hervorhebt.
http://erinnerungsort.de/einheitsfrontlied-_112.html
Noch pointierter hebt Brecht den materiellen Wohlstand in der Dreigroschenoper hervor, nämlich in der “Ballade vom angenehmen Leben”.
Dort heißt es: “nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.”
Auch Degenhardt spöttelt über die Kritiker des Konsums. In einem seiner Lieder singt er: “lieber Doktor Degenhardt, Drecksau mit dem Ulbricht-Bart,…der vom Sozialismus singt und dabei Champagner trinkt,…” (auch ich trinke gerne gute französische u.o. italienische Weine und zeige mich da nicht zimperlich – nota bene)
Nicht nachvollziehbar ist in diesem Kontext auch die entsprechende Kritik an Sahra Wagenknecht, der ein Hummergericht angelastet wurde. Sie erhielt so den Spitznamen “roter Hummer”.
Es war schon einst ein Gütezeichen der 68-er, dass sie einen Totalverriß des Konsums vornahmen. Als sie dann allerdings an den Futtertrögen gelangten, ließen sie sehr rasch von ihrer Konsumkritik ab!
Wer geißelt übrigens noch recht vehement den Konsum? Nun, es ist das Christentum, das den Massen mal lieber die Askese, den späteren Trost in einem imaginierten Himmelrreich andient. Div. andere Religionen stehen dem übrigens in nichts nach.
Ich frage mich zudem, welchen Sinn eigentlich Tarifkämpfe machen sollen, wenn denn der Konsum recht anrüchig ist.
Was braucht eigentlich ein Proletarier mehr Lohn, wenn denn die individuelle Wohlfahrt recht bedeutungsarm ist?
Ich bin mir sicher, dass recht viele sogenannte Arbeitgeber ein gleiches eia-popeia den Lohnabhängigen andienen. Recht häufig heißt es doch, grade bei Kleinunternehmern: “Mensch Kerl, du willst mehr Lohn, doch nur, damit du den dann versäufst.” (hab ich mal von einem Speditionsunternehmer gehört, als ich einst als Student in einer Spedition arbeitete.
Wer also den Individualkonsum “en gros” geißelt, betreibt ganz einfach das Geschäft der Reaktion, die besonders anspruchsvollen Konsum möglichst nur bei der Bourgeoisie verortet wissen will.
Sicher, ein ausschließliches Kaprizieren auf Konsum und Spiele, käme einem bloßen panem et circenses, also einem Einschläfern der Massen gleich, wenn denn nicht noch mehr “auf der Pfanne” wäre. Doch gemach, es entspricht nicht dem Wesen des Sozialismus, so verengt aufzutreten.
Dass er übrigens dem Konsum abhold gegenübertritt/trat, ist allerdings eine Mär. Jedwede Verbesserung auch der individuellen Lebenslage hebt bzw. hob er positiv hervor. Es wäre ja auch sehr merkwürdig, wenn er dies nicht so handhabt/e. Warum sollte er nicht seine Attraktivität erhöhen? Ist es denn nicht ein uralter Traum sehr vieler Menschen, die materielle Wohlfahrt eines jeden Einzelnen zu befördern? Ich meine schon. Und war es nicht grade ein Problem der DDR, dass sie dies nicht ausreichend erfüllte? War es nicht vielmehr so, dass recht viele Menschen recht unzufrieden waren und den mangelnden Konsum anmeckerten?
Laut bürgerlichem Lager sehnten sich angeblich Alle nach der Freiheit. Wessen Freiheit?, Freiheit für Wen? – ,allerdings.
Nein, es gab recht viele DDR-Bürger, die der Illusion aufsassen, in der BRD, bzw. einem kapitalistischen Gesamt-Deutschland, wäre ihnen vollauf gedient.
Tatsache ist jedoch, dass der dort dargebotene Konsum noch lange nicht für Alle da ist, so dass er für beachtliche Teile der Bevölkerung nur zum Angucken im Grunde genommen da ist.
Wer nun also beachtliche Teile der Bevölkerung (Lohnabhängige, Arbeitslose) für den Sozialismus gewinnen will, der muss zwangsläufig die Anhebung des individuellen Lebensstandards herausstreichen. Dabei kommt es auch darauf an klarzustellen, welche ganz konkrete Wirtschaftsweise es möglich macht, dass ein Facharbeiter oder Facharbeiterin im Sozialismus zumindest gleichviel Konsum wie im entwickelten Kapitalismus anzubieten weiss. Irgendwelche nostalgisch-rückwärtsgewandte “Offerten” helfen jedenfalls nicht weiter, könnten höchstens Hartz-IV Empfänger ansprechen, auf die es aber nur sekundär ankommt, schon weil sie keine wirkliche Schlagkraft entwickeln können, zudem als Erbauer einer neuen Gesellschaft nur selten die entsprechenden Voraussetzungen bieten. Vielmehr kommt es geradewegs auf Teile der akademischen “Gilde”, sowie Facharbeiter als auch div. Angestellte an, andernfalls ist ein Art “Herumgekrebse”.
Nun mal was zu den Spielen – ganz konkret geschehen in einem sozialistischen Land : just lese ich ein Buch von Karl Schlögel über die 30-er Jahre in der SU. U.a. ist da ein Kapitel einem Luna-Park in Moskau gewidmet. Dieser beginnt wie folgt: “Am 18. Mai 1937 öffnete der Gorki-Kultur- und Erholungspark seine Pforten. 300000 Menschen kamen am ersten Tag der Sommersaison…..Die Besucher fanden ein breites Angebot an Formen der Erholung und Unterhaltung….”(Tourist Guide)
Und war es nicht auch die DDR, wenn auch im bescheidenen Umfang, die den Spielen huldigte? Erinnert sei nur mal an die Kinderparks, die in mehreren größeren Städten angelegt wurden!
Also!
Von Helmfried am 24. Jan 2011 um 21:31 Uhr
@Alexandra: “Das Video gegen Hans-Heinz-Holz ist nicht nur sehr plump.” – Ich bin mal wieder nicht up to date. Wo kann man sich das ansehen?
Von Alexandra am 25. Jan 2011 um 14:44 Uhr
@Helmfried: Da muss ich mich berichtigen, er wird nur im 3. Teil der Videos : Die KPD, DKP und die KI, genannt. Hat sich bei mir als Name eingeprägt. Aber es betrifft die ganze Reihe, die nicht o.k. ist. Plump ist nicht ganz zutreffend. Es wird viel behauptet, auch unwahres, ohne sachlich auf Argumente einzugehen. Ist wahrscheinlich nicht möglich, weil dazu marxistisch-leninistisches Wissen gehört. Das bringt ein HHH eben. Bei Vertretern der KI erscheint das sehr demagogisch.Auch sie lieben keine Kritik. http://www.youtube.com/watch?v=1srLLG0sHnY
Von Alexandra am 25. Jan 2011 um 14:44 Uhr
Muss aber nicht auf alle zutreffen.
Von Alexandra am 25. Jan 2011 um 14:45 Uhr
@Lupe: Da bleibt nur zu wünschen, dass du noch lange nach deinem Gusto leben kannst! – Ansonsten bin ich sehr mit deinen Aussagen einverstanden, außer dem Satz mit den Hartz-IV-Empfängern, aber dazu nicht jetzt.
„Es ist ausgesprochen dämlich, ausgerechnet an den Bedürfnissen “Brot und Spiele” übermäßigen Anstoß zu nehmen. ………….“
„Brot und Spiele“ – die Metapher nimmt Bezug auf den römischen Prinzipat. Um der Volksunruhen Herr zu werden, ließ der Kaiser in Rom (und auch anderswo in den Provinzen) sozusagen als Ventil Getreide verteilen und veranstaltete zur Ablenkung Spiele.
Und ich habe den imperialistischen Gott des Konsums damit verglichen. Die Bourgeoisie weiß (und nicht nur von den Römern), dass ein voller Magen friedlich bleibt. Sie hebt deshalb in ihrer schulischen Argumentation den Konsum an herausragende Stelle und behauptet, dass nur der Kapitalismus einen solchen gewährleisten kann, weil durch den Konkurrenzkampf ein Wettbewerb zur Schaffung immer neuer Entwicklungen läuft.
Und alle Schüler sind natürlich voller Zustimmung, bekommen sie doch gleichzeitig den Alltag im Sozialismus in den düstersten Farben geschildert. So nebenbei schlucken sie dann auch (mit 17 ist man voller Optimismus), dass die Zielsetzung des kapitalistischen Wirtschaftssystems in Gewinn und Profit besteht. Sie sind ja Teilhaber.
Ich denke, dass diese Argumentation auch heute noch weiter wirkt in den „höheren“ Schulen. Meine zitierten Arbeitsblätter waren noch vor 3 Jahren in Gebrauch. Die Kinder des Arbeiter-Volkes mit prekärem Einkommen sind mittlerweile am Begreifen, dass z. B. das i-phone nicht für sie gemacht ist.
Du weißt sicher, dass in den Forschungslabos der Industrie an Geräten gearbeitet wird, die nach 5 Jahren (je nach Fabrikat) ihren Geist aufgeben. Die Menschen wollen angeblich laufend etwas Neues. Die Pharmaindustrie bringt deshalb ständig neue (wirklich?) Medikamente und Pülverchen auf den Markt, koste es, was es wolle. Dem Patienten natürlich, der, wenn nicht krank und Raucher, wenigstens nikotinabhängig bleiben soll. Da habe ich doch vor einer Woche in der Apotheke Werbung für eine Zigarette gesehen, die brennt, Vergnügen bereiten wegen des inhalierten Nikotins und absolut unschädlich sein soll. Welche Heuchelei!
Erinnere dich an den Schulmeister: Die (soziale) Marktwirtschaft ist die überlegene. Ich glaube, das Wort wurde erfunden, weil der Kapitalismus einen schlechten Klang hat. Er und sein „Nachfolger“, der Imperialismus, führen zu nie dagewesener Verschleuderung materieller Ressourcen und menschlicher Werte.
Und damit du es nicht in den falschen Hals bekommst, hier noch ein Mal ausdrücklich: Ich bin nicht für einen Sozialismus à la chinesischer Kulturrevolution!
Von Alexandra am 25. Jan 2011 um 14:49 Uhr
@Josef A. Preiselbauer: Falls du die Grußadresse der KPD an die DKP auf die Seite stellen möchtest, hier ist sie vollständig. Aus: Die Rote Fahne, 11/2010
An die Delegierten des 19. Parteitages der DKP übersandten wir folgendes Grußschreiben :
Liebe Genossinnen und Genossen der Deutschen Kommunistischen Partei !
Zum 19. Parteitag übermitteln die Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands in brüderlicher Verbundenheit herzliche Kampfesgrüße und wünschen einen erfolgreichen Verlauf zur weiteren Stärkung der Kampfkraft Eurer Partei.
Der von den aggressiven Kreisen des Monopolkapitals und ihrem Willensvollstrecker, der Regierung der BRD, entfachten Kriegspolitik zur geostrategischen Beherrschung ganzer Landesteile der Erde und ihrer ökonomischen Ressourcen, verbunden mit dem menschenverachtenden Sozialraub gegenüber breiten Schichten des Volkes im Innern, gilt es durch vereinte Kraft der Arbeiterklasse und ihrer Bündnispartner, durch eine breite antiimperialistische Front entgegen zu treten. Hierzu ist das vereinte führende Handeln der Marxisten-Leninisten – der Deutschen Kommunistischen Partei und der Kommunistischen Partei Deutschlands – bis zur Entwicklung zu einer einheitlichen Kommunistischen Partei gefordert, um Ziel und Richtung des Kampfes zu geben. Nichts fürchtet der Klassenfeind mehr, als eine starke einheitliche Kommunistische Partei.
In vielen örtlichen Bereichen und auf Landesebene hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass durch gemeinsames Handeln mehr erreicht und die Anziehungskraft der Kommunisten erhöht wird. Die Organisationen der Deutschen Kommunistischen Partei und der Kommunistischen Partei Deutschlands arbeiten hier eng zusammen und bilden zusammen mit Angehörigen Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke ein Zentrum für die Zusammenarbeit linker Organisationen und Kräfte im Territorium. Es finden gegenseitige Hilfen bei der Einholung von Unterstützungsunterschriften für den Wahlantritt und bei gemeinsamen Aktionen auf der Straße statt.
Unverständlich ist, und so finden es viele dieser Genossen, warum die Führung der DKP eine solche gemeinsame Zusammenarbeit auf zentraler Ebene ablehnt. Die bei der auf Einladung der KPD zustande gekommenen Beratung am 19. Dezember 2008 unterbreiteten Vorschläge zur Bildung einer Arbeitsgruppe beider Führungsorgane zum Ausloten gemeinsamer Aktionen bis zur Vereinigung (nicht Anschluss) beider Parteien wurden von der Führung der DKP abgelehnt.
Wenn in den Dokumenten der DKP vom „gemeinsamen Handeln von Kommunisten mit sozialistisch oder kommunistisch orientierten Kräften“ mit anderen Organisationen gesprochen wird, sollte das natürlich in erster Linie für die Marxisten-Leninisten beider Kommunistischer Parteien gelten, die beide in der Tradition von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gegründeten und von Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck und Max Reimann geführten Kommunistischen Partei stehen. Unterschiedliche Kampfbedingungen führten bekanntlich zur Neukonstituierung der DKP im Jahre 1968 und nach Zerschlagung der SED zur Wiedergründung der KPD im Januar 1990 noch in der DDR. Die DKP gab es zu dieser Zeit in der DDR nicht. Ein Wiederzusammenfinden und Herstellung der Einheit erfordert einfach die Klassenkampfsituation.
Genossinnen und Genossen,
wir vertreten die gleichen Interessen und haben das gleiche Ziel. Die Zeit erfordert Handeln – Handeln im Interesse der Ausgebeuteten. Lasst uns den Weg über die enge Zusammenarbeit, gemeinsame Aktionen bis zur Herstellung einer einheitlichen Kommunistischen Partei zügig beschreiten.
9. Oktober 2010
Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands
Von Lupe am 25. Jan 2011 um 19:30 Uhr
@Alexandra: Du,deine Stellungnahme zu meinem Text ist ja recht brauchbar, da kann ich was mit anfangen.
Ein Bereich ist übrigens ausgesprochen erwähnenswert, nämlich das (evtl.) Einschläfern der Massen, wenn sie denn ihren “Brotkorb” vergrößert bekommen, oder aber erkämpft haben. Es ist übrigens ein ziemlicher Unterschied, ob man etwas erkämpft, oder ob einem was gewährt wird!
Ich denk da auch an Bürger der DDR, denen viele soziale Errungenschaften gewährt bzw. zur Verfügung gestellt wurden, die sie dann nicht selten gar nicht oder nicht ausreichend würdigten. (ob dieser Thread für derlei Überlegungen eigentlich geeignet ist, wage ich allerdings zu bezweifeln)
Bei den Hartz-IV-Empfängern warte ich mal ab, was du da an meinem dsbzgl. Text zu monieren hast.
Von KlausDDR am 28. Jan 2011 um 20:23 Uhr
Liebe Genossen,
warum muß es eigentlich immer eine Partei sein, die die Avantgarde darstellen soll? Ich war bis Mitte der 90er Mitglied der noch in der DDR gegründeten KPD. Schon damals gab es genug Querelen in der deutschen kommunistischen Bewegung, und die setzen sich bis heute fort (siehe jüngste Entwicklung in der KI). Ich hatte – was die Entwicklung zu einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Partei in Deutschland angeht – ursprünglich Hoffnungen in den RotFuchs als auch in die Kommunistische Initiative gesetzt. Aber beides scheint nicht in diese Richtung zu gehen. Trotzdem bin ich immer Kommunist geblieben, werde mich aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt keiner der bestehenden Parteien und Gruppen anschließen. Ich bin Mitglied der IWW (Industrial Workers of the World) geworden, einer internationalen revolutionären Gewerkschaft jenseits der systemkonformen DGB-Gewerkschaften. Auch wenn nicht alles funktioniert, man achtet sich, egal aus welchem linken Hintergrund man stammt.
Das würde ich mir auch für die kommunistische Bewegung in Deutschland wünschen, denn es gibt viel zu tun. Deshalb vor allem: Einheit!
Von Sepp Aigner am 30. Jan 2011 um 11:06 Uhr
KlausDDR:
Es ist doch keine Frage, dass Du auch als parteiloser Kommunist arbeiten kannst. Aber das kannst Du bloss, weil es eine organisierte kommunistische Bewegung gibt, auf die Du Dich beziehen kannst, wenn auch in Deinem Fall sozusagen negativ, indem Du sagst, “das, was es da gibt, mag ich nicht”.
Dass eine kleine (trotzkistische, vermute ich ?) Gewerkschaftsorganisation kommunistische Parteien ersetzen kann, finde ich … naja, eigentlich nicht diskutierbar. Ich halte das für ziemlich daneben.
Natürlich gibt es immer wieder fortschrittliche und sogar revolutionäre Bewegungen, in denen Kommunisten (zunächst) keine Rolle spielen. Die kubanischen Revolutionäre sind ein solches Beispiel. Aber für ausnahmslos alle solche Bewegungen kommt der Zeitpunkt, an dem sie sich entweder den wissenschaftlichen Sozialismus aneignen oder politisch degenerieren. Ich kenn zumindest kein Gegenbeispiel. (Umgekehrt ist die Aneignung des Marxismus-Leninismus keine Lebensversicherung, wie wir inzwischen auch wissen.)
Von Lupe am 30. Jan 2011 um 14:43 Uhr
@Klaus: Auf die Wobblies hast du dich also kapriziert, mithin eine sehr kleine Splittergruppe. zugegeben, die waren mal groß, doch lang ist`s her.
Selbstverständlich sind die Anarcho-Syndikalisten ein Teil der Arbeiterbewegung, es gibt da kein Vorfahrtsrecht für Kommunisten. All das ist ja im Kommunistischen Manifest unter dem Titel “Proletarier und Kommunisten” in etwa nachzulesen.
Es ist allerdings ein verhängnisvoller Irrtum, die politische Entwicklung eines Landes bzw. von Ländern ausschließlich auf Gewerkschaften aufzubauen, erst recht nicht auf Splittergrüppchen, von denen ein weiterer Zuwachs eher nicht zu erwarten ist.
Eine kommunistische Partei, sowie weitere linke Parteien, so erwünscht, ist/sind allemal erforderlich, schon weil Gesellschaft sehr viel mehr ist als ein bloßer Betrieb.
Dass der Anarchismus einen gesellschaftlichen Wandel vollziehen kann, hat er noch nie unter Beweis stellen können, ist er doch gar zu sehr an Träume und Utopien verhaftet. So kann er denn also nur flankierend der Arbeiterbewegung zur Seite stehen, so er denn in namhafter Größe existieren sollte. Dass er an sich recht sympathisch ist, ändert an dieser Feststellung herzlich wenig.
Kommunistische Parteien waren zeitweilig fürchterlich, dann aber auch wieder opportunistisch. Erinnert sei da in der jüngeren Geschichte die unrühmliche Rolle der irakischen Kommunisten, dennoch sind sie per se notwendig und sei`s nach einem Systemwechsel. In der Zeit davor werden sie gebraucht, um dem Kapitalismus Zugeständnisse abzuringen.
Wer sagt übrigens, dass sie sich nicht weiter entwickeln können, den Erfordernissen der Zeit Rechnung tragen?!
Mag sein, dass dies auch andere linke Organisationen (Sozialisten) vermögen, doch bin ich da eher skeptisch.
Abschließend sei noch erwähnt, dass der IWW wohl kaum eine trotzkistische Organisation ist, siehe hierzu folgender Wiki-Bericht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Industrial_Workers_of_the_World
Von Sepp Aigner am 30. Jan 2011 um 19:15 Uhr
Lupe: Ich lasse mich gern belehren. Ich hatte den Namen bloss irgendwie vage in Erinnerung und hab die Leute also in die “falsche Ecke” gestellt.
Von Lupe am 1. Feb 2011 um 00:06 Uhr
Wir haben sehr wohl eine Klasse des Proletariats, wenn auch keine Klasse “für sich”, sondern vielmehr eine Klasse “an sich”!
Dies sei grade mal so nachgereicht.
Hier nun m.E. die 3 wichtigsten Parameter, die ein Werden und Wachsen einer Kommunistischen Partei erst ermöglichen:
1. Aufstieg einer K. P. ist maßgeblich von einer Aufbruchstimmung in der Bevölkerung abhängig. Diese kann man nicht von Außen hervorrufen, sondern lediglich ausnutzen, wie schon Lenin feststellte. Was jenseits davon kreiert wird, kann daher nur ein bloßes, fast schon desperates, zumindest aber lediglich trotziges Herumfuchteln sein.
Die KPD entstand auch nicht aus heiterem Himmel, sondern war die Folge eines vorangegangenen mörderischen Krieges, der sehr opferreich und überaus verarmend für breite Teile der Bevölkerung war!
Dies igenorierend, heißt zudem, in hemmungslose Handwerkelei zu verfallen und ist darüberhinaus Ausdruck eines hemmungslosen Voluntarismus!(a priori lediglich)
2. eine Vergangenheitsaufarbeitung ist unumgänglich!
3. es muss eine umfassende Analyse der ökonomischen und sozialen Verhältnisse hierzulande vorgenommen werden. Auch der gesellschaftliche Bewußtseinsstand der Massen ist zu beleuchten, hierzu gehören dsbgl. Ursachen sowie daraus resultierende Folgeerscheinungen bei der deutschen Bevölkerung allgemein, sowie des Proletariats insbesondere.
Dabei darf keinesfalls nur auf den traditionellen “Blaumann” (Groß-Industrieproletarier) Bezug genommen werden, der mittlerweile, numerisch gesehen, in der Minderheit sich befindet, dennoch (weitestgehend) die Profite durch seine Arbeit generiert.
Von Sepp Aigner am 1. Feb 2011 um 08:09 Uhr
Lupe:
Der Punkt ist doch, dass der Parteiaufbau in nicht-revolutionären Zeiten notwendig ist, damit Die Arbeiterklasse, wenn es “darauf ankommt”, eine Organisation HAT, mit der sie sich organisieren kann. Die Partei entsteht doch nicht spontan, sondern nur in geduldiger zäher Arbeit. Schon oft sind revolutionäre Situationen vorübergegangen, weil es eben keine revolutionäre Organisation gab. Daher ist das, was wir jetzt tun (oder nicht tun) keineswegs weniger bedeutend als das, was in einer revolutionären Situation zu tun ist.
Du schreibst ja selbst: “es muss eine umfassende Analyse der ökonomischen und sozialen Verhältnisse hierzulande vorgenommen werden.” Das ist z.B. eine IMMER aktuelle Aufgabe. Und wer soll das machen ? Einzelne Intellektuelle, die gerade Lust haben, sich mit sowas zubeschäftigen ?
Dass in nicht-revolutionären Zeiten kommunistische Organisierung “daher nur ein bloßes, fast schon desperates, zumindest aber lediglich trotziges Herumfuchteln sein” kann, stimmt doch einfach nicht. Über viele Jahrzehnte haben kommunistische Parteien in nicht-revolutionären Zeiten eine kluge Politik betrieben und tun es auch heute.
Voluntarismus und Handwerkelei sind überhaupt nicht zwangsläufig. Wo das auftritt gibt es spezifische Gründe. Eine nicht-revolutionäre Situation ist dafür kein hinreichender oder zwangsläufiger Grund.
Ich glaube, Du mogelst Dich mit schlechten Argumenten um die Organisationsfrage herum. Leider bist Du keine Ausnahme.
Von Lupe am 1. Feb 2011 um 18:32 Uhr
@Sepp: Sepp, es ist leider Unsinn, was du da gerade schreibst!
Der Beweis, siehe hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/K-Gruppe
Welche Notwendigkeit sollte denn bestehen, dass es eine solche Vielfalt an K-Gruppen gibt? Ist es nicht vielmehr echt kunterbunt, ein wahres Narrenparadies?! Es kam und kommt indes noch schlimmer. Da gab und gibt es Abspaltungen, Selbstauflösungen und Überläufertum hin zu den Grünen und auch zu den D. Linken. Mehr hat die BRD sowie Deutschland aber nicht hervorgebracht!!!
Wer will so was noch ernst nehmen??
Jede linke Sekte meint von sich behaupten zu können, genau sie sei die Richtige, die anderen jedoch die Falschen!
Dazu die sattsam bekannten Schützengrabenkämpfe, all dies nun schon seit den 70-er Jahren.
Was die ökonomische Beurteilung anbelangt, sieht es so aus, dass gar manche linke Kleintruppe den Lorbeerkranz in Sachen Flachheimerei verdient hat.
Es gibt durchaus linke Intellektuelle, die ihr entsprechendes Handwerk in Sozioökonomie da besser verstehen. Ich greif da mal auf die Schnelle 3 Persönlichkeiten heraus: Da gibt es einen Rainer Roth, der recht viel in Punkto Ökonomie versteht. Seine Publikationen sind bevorzugt im labournet nachzulesen. Da gibt es Sahra Wagenknecht, die sich in der Bewertung des Fianzkapitals verdient gemacht hat, und es gibt den sogenannten “grünen Frosch”, der zumindest im größeren Umfang empirisches Material über die Ökonomie des Kapitalismus allgemein, sowie die der imperialistischen Staaten insbesondere,liefert. Sonstige Bewertungen schenke ich mir, hier in diesem Zusammenhang.
Sollte deine Bewertung jenseits dieser Republik gemeint sein, dann können wir durchaus erneut diskutieren und werden dann wohl auch eine gemeinsame Schnittmenge vorfinden.
Solltest du allerdings deine Überlegungen mehr im Sinne eines bloßen “per se” meinen, dann wäre dies allerdings lediglich ein Ideal, nach dem sich die Realität zu richten habe. Es wäre dies allerdings, lediglich ein bloßes Imaginieren!
Von Josef A. Preiselbauer am 1. Feb 2011 um 19:39 Uhr
@Lupe, Sepp hat nicht geschrieben, dass es nötig ist, das es so viele K-Gruppen gibt.
Von Sepp Aigner am 1. Feb 2011 um 20:58 Uhr
Ich meinte nicht, dass ich es gut finde, dass es keine einheitliche kommunistische Partei gibt, sondern eine Reihe von Organisationen mit diesem Anspruch. Ich glaub, das hab ich auch nirgends geschrieben ? Ich meine auch nichts “per se”, sondern die vorfindliche Realität. Die sehe ich allerdings anders als Du.
- Es gibt nach wie vor in Deutschland ein beachtliches Aktiv von erfahrenen Kommunisten und auch ein gewisses theoretisches Niveau – genug, um eine ordentliche KP betreiben zu können. Unglücklicherweise verteilt sich das auf mehrere Organisationen – die DKP, die KPF in der Linkspartei, die RotFuchs-Gruppen, die aus der SED hervorgegangene KPD bzw. KPD(B) die KAZ-Gruppen und noch einige andere. Aber wer sich kommunistisch organisieren möchte, kann das sinnvoll tun. Es stimmt doch gar nicht, dass die Genannten hauptsächlich untereinander streiten. Hauptsächlich wird ernsthafte politische Arbeit geleistet.
Für Deine “Beschreibung” des Kommunismus in Deutschland musst Du nicht zufällig auf die K-Gruppen zurückgreifen, die doch bis auf winzige Reste längst untergegangen sind, und von denen die meisten, als hauptsächlich studentische Organisationen, auch nie viel mit der Arbeiterbewegung zu tun hatten.
Das ist doch Schnee von gestern. Für die Frage, ob und wie man sich kommunistisch organisieren soll, spielt das doch gar keine Rolle. Brauchst Du Deine abschätzige und verächtliche Sicht, um Dir zubeweisen, dass Du recht hast, wenn Du abseits stehst ?
Von Lupe am 1. Feb 2011 um 21:41 Uhr
Josef, das ist schon klar. Es geht hier vielmehr um eine Bestandsaufnahme.
Von Alexandra am 4. Feb 2011 um 15:31 Uhr
@Lupe am 25.: Die Basis, Lupe, sollte doch immer die Gegenwart, der Ausgangspunkt sein. Was nicht erwirtschaftet wird, kann nicht verbraucht werden. Hast du nicht gearbeitet und demzufolge keinen Lohn etc., kannst du dir nichts leisten. Werte, gleich welcher Art, müssen geschaffen werden, ist doch selbstverständlich. Wenn du den Arbeiter am Fließband nicht hast, kannst du lange nach einem PC krähen. Oder nach Brot, einer Tasse, einer Rasierklinge … Das ist im Sozialismus nicht anders. Erst das Brot, dann sukzessive der „Rest“. Wenn keine ordentliche Basis für die Produktion von Gebrauchsgütern geschaffen wird, wird es keine geben. Deshalb zuerst die Verstaatlichung (sprich: Überführung in Volkseigentum) von allen natürlichen Ressourcen und Gegebenheiten und der hauptsächlichen Produktionsmittel, um auf dieser Basis weiter zu kommen. Es ist eine Frage des Vorhandenen und des zu Schaffenden – und der Kräfte, die sich dafür einsetzen. Damit kämen wir von der Basis zum sog. Überbau.
„Kommunismus ist nur eine Wirtschaftsform, die Demokratie stelle ich nicht in Frage.“ Das wurde am 27.1. in der jungen welt wiedergegeben von einer, zugegebenermaßen noch recht
jungen Anhängerin der SDS. Die Linke.
Der Artikel ist insoweit interessant, weil er dem Unterrichtsstoff der BRD-Schulen entspricht. (siehe 22.01.) In gesellschaftlicher Hinsicht fehlt das dialektische Denken (und Wissen). Aber den ersten Schritt ist sie gegangen.
Der „Konsum“ schließt im Sozialismus mehr als die ganz persönlich zu erhandelnden Dinge ein. Und wenn die politischen Voraussetzungen für die optimale Entfaltung der Produktivkräfte nicht gegeben sind, wird es mehr oder weniger „Herumgekrebse“. Vergiss nicht, dass jede Menge anständiger Leute in der DDR täglich einen Kampf geführt haben, damit alles besser funktioniert.
Einverstanden mit unnützen „Offerten“ (aber gesagt werden muss manches doch). „…Hartz-IV Empfänger ansprechen, auf die es aber nur sekundär ankommt, schon weil sie keine wirkliche Schlagkraft entwickeln können …“ usw. Ich denke, hier lässt du dich von ganz persönlichen Einzel-Erfahrungen leiten. Denke erstens an die Mio. Arbeitslosen und zweitens an die Rasierklingen. Erstere gehören zur Arbeiterklasse. Ohne die läuft nichts. Mit Akademikern und Facharbeitern allein baust du keinen Soz. auf. Du richtest ihn mit ihnen eher zugrunde. Wenn sie nämlich nicht genug kriegen und überall nur absahnen wollen. Betrifft natürlich nicht alle. Nur die Verräter und Mitläufer.
Aber natürlich werden auch die Akademiker für den Aufbau gebraucht. Die auf der richtigen Seite stehen.
@an Klaus DDR vom 29.: Ist sicher im Moment eine sehr gute Entscheidung, die Gewerkschaft. Wenn die Entwicklung vielleicht auch weiter geht als bis zur trade-unionistischen, eine Gewerkschaft wird die Avantgarde nicht ersetzen, aber Kader formen. Für Kommunisten ist Gewerkschaftsarbeit ein Muss. Bloß, was machst du, wenn du „draußen“ bist? Auf der RLux.-Konf. Gab der PAME-Vertreter einige gute Anregungen. Gewerkschaften stehen „traditionell“ unter Feuer, von allen Seiten. Und der Weltgewerkschaftsbund kann auch eine gute Sache sein. Die Trotzkisten, z. B., lehnen die großen Gewerkschaften ab, sagen den kleinen Gruppen aber alle ihre Unterstützung zu. Und vergessen dabei nicht, dass die entscheidende Rolle der revolutionären Führung zukommt. (Was immer sie wollen. Und sie sind clever. Sehr akademisch gebildet.)
@Lupe 1.2.: Deine KPD-Gründungsphase greift zu kurz. Ihre Gründung mag, zeitlich gesehen, eine Folge des 1. Weltkrieges sein. Aber sie ist Ergebnis einer langen Entwicklung der Sozialdemokratischen Partei, die ursprünglich revolutionär war. Was sich hier zur KPD gefunden hatte, war der erhalten gebliebene revolutionäre Kern. Ist natürlich jetzt arg kurz. Ich möchte vor allem herausstellen, dass da „etwas“ unterschwellig lange gärt und im Bewusstsein bleibt – nämlich die kommunistische Weltanschauung.
Von Lupe am 5. Feb 2011 um 10:58 Uhr
@Alexandra: krude, was du da so schreibst!
-”man kann nicht mehr ausgeben, als man erwirtschaftet.” Ja sicher, es stellt sich doch dann aber die Frage, wieviel wird/wurde erwirtschaftet bzw. in welchem Umfang. War der denn umfassend? Doch wohl eher nicht.
-Klar schließt der Konsum mehr als nur die persönlichen Belange ein. Doch auf die kommt es eben auch maßgeblich an. Vergiss das nicht.
- “anständige Leute”, was hat das eigentlich mit wirtschaftlicher Effizienz zu tun?
-Arbeitslose: ich erwähnte sie im Kontext eines Klassenkampfes und ihrer Bedeutung in ihm. Im Sozialismus gibt es keine A., jedenfalls nicht dauerhaft, wenn doch, dann stimmt was nicht mit diesem.
-KPD: klar gärte es vorher zeitweilig, dann aber auch wieder nicht, siehe Deutschlands Kriegseintritt begleitet mit breitestem Jubel! (siehe dazu auch Heinrich Manns “der Untertan”)
Ein Gären allein reicht aber nicht immer aus für die Gründung einer Partei, denn wenn doch, dann könnte eine solche ja beliebig vorgenommen werden, was ja in der Realität nicht geschieht.
Das Gären selbst: wieviel Gärung? Bei Wem? In welchem Umfang bei den Massen? Wie stark? Welcher Bewußtseinsstand? usw.
Von Sepp Aigner am 8. Feb 2011 um 20:55 Uhr
Lupe:
” … Das Gären selbst: wieviel Gärung? Bei Wem?” – Ist das nicht eine Frage, die DU DIR SELBER FÜR DICH beantworten müsstest ? Auf Alexandra antwortest Du, da gehts ums Allgemeine”. Auf meine Frage antwortest Du nicht, da gehts ums Konkrete. Kein Zufall. oder ?
Von Lupe am 9. Feb 2011 um 20:12 Uhr
@Sepp: Du hast mehrere Fragen gestellt, welche also meinst du?
Von Sepp Aigner am 11. Feb 2011 um 05:35 Uhr
Lupe:
Die da: “Das ist doch Schnee von gestern. Für die Frage, ob und wie man sich kommunistisch organisieren soll, spielt das doch gar keine Rolle. Brauchst Du Deine abschätzige und verächtliche Sicht, um Dir zubeweisen, dass Du recht hast, wenn Du abseits stehst ?”
Von Lupe am 11. Feb 2011 um 21:22 Uhr
Ob Jemand abseits steht oder nicht, hängt doch auch maßgeblich davon ab, ob eine Bewegung/Partei im Aufwärtswind sich befindet, oder aber vor sich hindümpelt. Das ist zunächst einmal eine ganz pragmatische “Güterabwägung”. So wie du aber vorgehst, wird ne Art moralische Veranstaltung draus.”Wo genau stehst du Mensch/Genosse”.
Ich kann es auch so als Zielsetzung sagen: nichts ist schrecklicher als bloßer Misserfolg,nichts köstlicher als Erfolg/e. Bleibt so was über einem längeren Zeitraum aus, dann wird es ganz einfach uninteressant, ja ausgesprochen ranzig. Wer nun aber auf abstrakte Wahrheiten aus ist, der wird natürlich eine andere Elle anlegen – wollen. Als eine Art Rückschau – “die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug” – ja gewiss, doch bitte nicht im Werkelalltag, da heißt es klar, “nicht kleckern, sondern klotzen.” Nun gibt es jedoch Menschen, die da glauben, aus einem bloßen Schneeball wird denn doch ne Lawine, ergo laßt uns anfangen, “frisch Gesellen seid zur Hand”, wie es in Schillers Glocke so bemerkenswert heißt.
O.k., wenn mir jemand hieb,-und stichfest nachweisst, dass es mit dieser oder jener antikapitalistischen Partei/Organisation sukzessive voran geht, dann steck ich das zumindest nicht einfach weg. Sollte es wider eigener Erfahrung und Wissen solch eine Organisation geben, dann lass mich das bitte wissen, denn dann setz ich mich mit solch einer Partei etc. zumindest inhaltlich auseinander.(das wird dir allerdings nicht gelingen!) Anschließend erfolgt danach eine entsprechende Entscheidung.
Von alexandra am 12. Feb 2011 um 12:36 Uhr
@ Lupe: Deine letzte Wortmeldung habe ich eben erst gelesen. Dein letzter Absatz scheint meine vorher geschriebene Ansicht zu bestätigen:
Du betreibst Wortspielerei. Mglw. kannst du mit dem Begriff „optimale Entfaltung der Produktivkräfte“ auch nichts anfangen, für die entsprechende ökonomische und polit. Bedingungen eben gegeben sein müssen. Das ist ein ganzer Entwicklungsprozess. Für den chinesischen Arbeiter, der die Landarbeit nicht mehr will, ist es ein Fortschritt, am Fließband zu arbeiten u. regelmäßig Geld zu verdienen, auch wenn’s noch wenig ist. Aber, wie ich auf der von dir empfohlenen Webseite Labournet nachlesen konnte, lernt er ziemlich schnell, ein bewusster Arbeiter (und Gewerkschafter) zu sein. Auf diese Art nimmt auch die Stärke der VR China zu. Danke übrigens für den Hinweis, auch wenn allerhand reaktionäres Zeug „so ganz nebenbei“ auf dieser linken Seite verbreitet wird. Rainer Roth übrigens zum bedingungslosen Grundeinkommen ist sehr interessant und ausführlich.
Ich habe den Eindruck, dass du erst warten willst, bis man dir rundum optimale Bedingungen bietet, um dich festzulegen.
Unter vorhandenen optimalen Lebens-Bedingungen wird man nie zum Sozialismus kommen, auch nicht, solange es den Leuten zu gut geht. Das wird aber nicht so bleiben in der BRD und ist in einigen europäischen Ländern schon lange nicht mehr so. Außerdem sind „optimale“ Lebensbedingungen in einem hochindustrialisierten imperialist. Staat erkauft mit der Unterdrückung von Mio. armen Leuten. Auch wenn dir diese Wortwahl als krude erscheint und es sicher leichter ist, mit pseudowissenschaftlichen Parolen zu hantieren, es stimmt trotzdem ganz ungeschminkt. Und „anständige Leute“ braucht es auch bei der Hebung der Produktivität im Sozialismus, solche nämlich, die nicht nur an sich denken. Wirtschaftliche Effizienz ist ein sehr allgemeines Wort. Im kapital. Sinne heißt es: Profit um jeden Preis. Und zuerst für den Vorstand. Effizienz? Gibt es im Kapit. im eigentlichen Sinne nicht. In den kleineren Buden wahrscheinlich schon.
Was ist Sozioökonomie? Politische kenne ich, die des Soz. u. des Kapit. immer fein unterschieden.
@Sepp: Ich denke übrigens nicht, dass mir Lupe nur antwortet, weil es ums Allgemeine geht. Er stört sich offensichtlich auch an meiner Wortwahl und freut sich an seinem Bildungsstand. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber mit dialektischem Denken tut er sich schwer. Den Namen Alexandra habe ich übrigens in Gedanken an Alexandra Kollontai gewählt. Sie hat sich als enge Mitarbeiterin Lenins gleich nach der Oktoberrevolution insbesondere um die Eingliederung der Frauen (und Kindern) in den sozialistischen Aufbauprozess gekümmert. Später war sie lange Jahre Botschafterin der SU in nordischen Ländern.
@Klaus DDR: Falls du noch mitliest, ein kleiner Hinweis. Sieh dir die Aufstände in Tunesien und Ägypten näher an. Dann kommst du darauf, warum nur eine m.-l. Partei die Massen führen kann und muss. In beiden Ländern lange Jahre verboten, werden sie jetzt kaum die Kraft haben, eine revolut. Führung zu übernehmen, auch wenn die tunesische etwas mehr Einfluss hat. Und vielleicht etwas mehr erreicht als in Ägypten. Das Volk als homogene Masse wird wie immer betrogen werden.
Es waren ja nicht nur die in Eile zur Krisensitzung zusammen getrommelten europäischen Staatschefs (der großen Länder). Das meiste läuft im Hintergrund, angefangen vom in Ägypten aktiv tätigen Moss. und seinen Provokateuren bis hin zu dessen großen Bruder. Der hat selbst Stunden vor dem Rücktritt Mubarraks dessen Rücktritt verkündet. Bereits 1967 im 6-Tage-Krieg haben die vereinten europäischen Streitkräfte Israel gegen Nasser und seine fortschrittliche Regierung unterstützt (es saßen auch bundes-deutsche Piloten in israelischen Fliegern). Wohin hat sich das Kräfteverhältnis heute verschoben?
Es braucht schon eine gemeinsame Kraft gegen den Imperialismus. Und eine konsequente Partei, die in der Lage ist, die Führung zu übernehmen.
Das aber muss lange und gründlich vorbereitet werden, auch mit einer wissenschaftlichen Weltanschauung.
Von Lupe am 13. Feb 2011 um 12:28 Uhr
@alexandra:(diesmal klein geschrieben, aha!) Bei deinem Text ergeben sich einige Fragen, zumindest für mich. Du hast gar manche Bemerkung so mal hingeworfen. (purzelnd liegen da einzelne Bausteine herum) Es wäre ganz sinnvoll gewesen, etwas weiter auszuholen, um so deine Einwände zu verdeutlichen. So aber entsteht unweigerlich der Eindruck, dass du einfach (zornig) was bewhauptest. Das kann alles so sein, oder aber auch nicht, bedenke das!
Hier mal paar Kostproben deiner Philippika:
- was sind eigentlich “optimale Bedingungen”? Es gibt sicherlich einige Grundvoraussetzungen, die gesellschaftliche Umbrüche ermöglichen
- wann bitte geht es eigentlich “den Leuten” zu gut? Wer sind zudem “die Leute”?
-wann bitte sehr geht es pseudowissenschaftlich und wann “geht`s los” im Sinne von Wissenschaft?
-”Effizienz gibt`s wahrscheinlich nur in kleinen Buden” – Nix Genaues weiß man nicht, sag ich da! Auch in kap. Großbetrieben wird Effizienz angestrebt, dabei teils erreicht, teils auch nicht, steht aber jedenfalls auf der “Agenda”.
-”mit der optimalen Entfaltung der Produktivkräfte kannst du möglicherweise auch nichts anfangen” Q.e.d., sag ich da mal.
Aber ich will dir gerne in den Steigbügel verhelfen. Wie sieht`s aus mit bestmöglichem Arbeitseinsatz der Werktätigen, also kein Leerlauf, keine Arbeitseinsätze, die den Produktionsausstoss mindern bzw. ihn nicht steigern. Bei den Produktionsmitteln leistungsfähige Maschinen,/sonstige Produktionsmittel, die mit möglichst geringem Energieaufwand größtmögliche Leistungen hervorrufen usw.
“Fortschritt am Fließband” So-so! Dann schau dir mal den entsprechenden Film von Chaplin an.
Sieht so für dich die Dialektik aus? Es scheint so! Ich hab aber eher den Eindruck, dass du da mechanizistisch “unterwegs” bist.
-sozioökonomisch? Z.B. der Zusammenhang von Ökonomie und Klassen, die Einflussnahme, die Stellung in der Ökonomie/Produktion der einzelnen Klassen etc.
-”anständige Leut” mmh, ja-ja, die muss es sicherlich auch geben. Aber ach, wenn es gar zu altruistisch zugeht, dann dürften die Produktivkräfte entweder temporär oder “überhaupt” recht gering sein.Dann schlägt schon mal Quantität in eine bestimmte Qualität um, und die ist wenig angenehm, weil recht opferreich. Da`s am schönen Leben also so hapert, muss notgedrungen solch ein Defizit durch bloße Ideologie, plus Dauerappelle “ausgebügelt” werden. Wer genau lechzt trotzdem nach solchen Zuständen? Der gläubige Mensch!
So,das nimm!
Von Alexandra am 22. Feb 2011 um 18:05 Uhr
@Lupe am 13.02.: Effizienz im betriebswirtschaftlichen Sinne heißt jährliche Profitsteigerung, weil ein Betrieb sonst als nicht effizient angesehen wird. Wenn dergleichen z. B. per Technologie nicht mehr machbar ist, muss anderswo „gespart“ werden. Das wird zuerst am Arbeitslohn sein. Oder über Entlassungen, andere dürfen dann Mehrarbeitleisten. Z.B.
Die kleineren Buden habe ich ausgenommen, weil dort oft das Überleben der Firma wichtiger ist als die jährliche Profitsteigerung. Hier läuft dergleichen allerdings häufig auch über Selbstausbeutung des Kleinunternehmers.
Im Soz. sieht das grundsätzlich anders aus. Natürlich ist auch hier Sinn und Zweck, dass besser und rationeller produziert wird. Allerdings können Ergebnisse eines weniger rationellen (effektiven) Betriebes aus verschiedenen Gründen ausgeglichen werden mittels der gesamtgesellschaftlichen Planwirtschaft. Das erlaubt, zugespitzt verdeutlicht, z. B. das Weiterexistieren von Betrieben, die Behinderte beschäftigen. Oder solcher Betriebe, in denen Modernisierungen planmäßig noch nicht anstehen oder aus anderen Gründen nicht möglich sind. Das ist ein komplexer Prozess. Im Übrigen geht es auch nicht darum, einen Werktätigen so auszupowern, dass er drei Tage nach der ersten Rentenzahlung stirbt.
Bei aller Aversion gegen Fließbandarbeit: Es ist ja wohl nicht das Fließband, welches das Tempo vorschreibt. Und individueller Fortschritt ist immer nur anhand der konkreten Situation zu sehen. Hatte das Chaplin in seinem Film nicht auch gesellschaftskritisch gemeint?
Was die „optimalen Bedingungen“ betrifft: Optimal ist ein schlechtes Wort, sollte man sicher meiden. Aber du erwartest sicher nicht, dass ich dir hier einen Vortrag über die Rolle der Produktivkräfte bei der Vergesellschaftung der Produktion und beim „Übergang“ zum Sozialismus halte? Um zu beweisen, dass ich damit umgehen kann? Ich hätte Bedenken zu langweilen oder den Rahmen zu sprengen. – Sozioökonomie: Dachte ich’s mir. Das Problem ist wirklich dieser Begriffsmischmasch, der die Verständigung so schwierig macht. Nur denke ich, irgendwie muss das doch auch möglich sein. Aber die Sozialdemokratie zieht natürlich ihren Max Weber vor und vermengt Ökonomie und Soziologie zur „sozialen Ökonomie“. Irgendwie muss man ja eine freundliche Erklärung für den Kapitalismus finden. Nimms nicht persönlich. Ich reagiere auch nicht wütend und mechanistischer Materialismus ist nicht meine Weltanschauung. Da ich mit der marxistisch-leninistischen aufgewachsen bin, muss ich mich halt in den Begriffswirrwarr der bundesdeutschen Oberhoheit hineindenken. Was mich nicht hindert zu verwerfen.