Archiv für Februar, 2011

Zum Desaster von Rechts ein paar Links

Ich werde hier mal meine kleine gesammelte Rückschau auf den 19. Februar in Dresden geben. Viel wurde geschrieben und gezeigt, bei manchen Medienberichten konnte man annehmen, Dresden liegt, wie 1945, in Schutt und Asche. Ich kann versichern, die Stadt steht noch, heute ging wieder alles seinen normalen Gang, als ob nichts gewesen wäre.

War etwa nichts?

Die Nazis konnten nicht in Dresden marschieren. Das war ohne Zweifel ein großer Erfolg. Auch wenn die Nazis es teilweise anders darstellen, doch dazu später mehr.

Die zwei schlechtesten Nachrichten des Tages waren wohl die des Angriffes auf die Praxis und die Durchsuchung der Büros des Bündnis Dresden nazifrei.

Die Praxis, ein links-alternatives Wohnprojekt, war bereits 2010 das Ziel einen Angriffes. Diesmal erreichte dies jedoch eine besondere Dimension dadurch, dass die Polizei untätig zuschaute. In diesem Video bei 0:30 kurz zu sehen. Und im Hintergrund wird der Verkehr geregelt.

Mediale Aufmerksamkeit erreichte dieser Zwischenfall erstmal gar nicht. Lediglich Der Standard, eine österreichische (!) Zeitung berichtete recht früh am Abend darüber und band das Video ein. Erst viel später kommt es auch in den lokalen Medien zur Beachtung. In den Dresdner Neuste Nachrichten kann man dazu lesen:

(…) Das Video zeigt allerdings auch, dass in Sichtweite zum Tatort mindestens zwei Polizeifahrzeuge stehen, die nicht eingreifen. Auf den Vorfall angesprochen, konnte Dresdens Polizeipräsident Dieter Hanitzsch am Sonntag zunächst keine Angaben machen. (…)

Zu Gute halten möchte ich an dieser Stelle der DNN mal ihre sehr ausführliche Berichterstattung rund um den 13. und 19. Februar in Dresden.

Der zweite erschütternde Vorfall am Sonntag Abend war die Durchsuchung des Pressebüro des Bündnis Dresden Nazifrei. Dabei gab es nicht mal einen schriftlichen Durchsuchungsbefehl. Die taz, welche den ganzen Tag mit einem Liveticker begleitete, berichtete beizeiten darüber: “Dresden Nazifrei” im Visier des LKA. Bei der Durchsuchung wurden nach verschiedenen Berichten selbst nicht abgeschlossene Türen eingetreten und den Festgenommenen Anfangs ein Anwalt verwehrt.

Katja Kipping, Dresdener Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, dazu am selben Abend in einer Pressemitteilung:

Am heutigen Abend (19.02.) ist die Polizei in die Stadtgeschäftsstelle der LINKEN Dresden, das “Haus der Begegnung” auf der Großenhainer Straße, eingedrungen. Dabei haben die Beamten Türen und Fenster beschädigt und sich Zutritt zum Büro eines im Haus ansässigen Rechtsanwaltes verschafft. Alle im Gebäude anwesenden Personen wurden festgehalten und durften fast eine Stunde keinen Kontakt zu Außenstehenden, zum Beispiel zu Anwälten, aufnehmen. Dazu erklärt Katja Kipping, Dresdner Bundestagsabgeordnete und stellv. Parteivorsitzende der Partei DIE LINKE:

„Die Polizei hat eindeutig den Weg der Verhältnismäßigkeit verlassen. Sie hat grundlos hohen Sachschaden verursacht und Menschen ihrer Grundrechte beraubt.“

Eine Erklärung der Dresdener LINKEN findet sich u.a. auch bei Facebook: “Sondereinsatzkommando der Polizei stürmt „Haus der Begegnung“ und verwüstet Geschäftsstelle der LINKEN sowie eine Rechtsanwaltskanzlei”

Ansonsten im Osten nichts Neues, wie bereits mit dem Vorgehen der Staatsmacht 2010 gegen das Bündnis bewiesen wurde, damals noch bundesweit beachtet im Vorfeld des 13. Februar. Genützt hat es damals schon nichts.

Zum Geschehen in der Dresdener Südstadt am 19. Februar gibt es inzwischen unzählige Berichte, Fotos und Videos. So in der Sächsischen Zeitung, bei SPIEGEL ONLINE (mit Video) und beim mdr Sachsenspiegel (Video). Beim Letzteren schön am Anfang zu sehen, wie eine Polizeiblockade durchgebrochen wird.

Bei Indymedia findet man neben einem Livebericht vom Tag, der permanent über die Kommentare aktualisiert wurde, auch einen Pressespiegel mit vielen, vielen Links.

Alternative Dresden News (addn.me) berichtet: “Naziveranstaltungen enden im völligen Desaster”.

Die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (A.R.A.B.) hat in ihrem Beitrag “Dresden 2011: 20 000 Antifaschisten verhindern Naziaufmarsch” inzwischen fast anderthalb Dutzend Bildergalerien sowie fast genauso viele Videolinks zum Sonntag zusammengetragen, weshalb ich das hier nicht nochmal wiederhole sondern gerne dahin verweise. Eine ebenfalls umfangreiche Sammlung von Links gibt es bei trueten.de: “Was mir heute wichtig erscheint”.

Extra hinweisen möchte ich aber noch auf den Bericht beim Netz gegen Nazis: “Neonazis in Dresden 2011: Rückzug statt Umzug – aber Gewalt” sowie den Videobeitrag von Leftvision: “Dresden – die Proteste & Blockaden gegen den Naziaufmarsch am19.02.11″.

Und die andere Seite? Gehen wir doch erst mal über die Mitte, zu den armen, ach so gebeutelten Unternehmern in Dresden. Auf Facebook schreibt das Feng Shui-Haus:

(…) Der wirtschaftliche Ausfall der den Dresdner Händlern und Gastronomen entstanden ist… egal ob kleiner Einzelhandel oder große Kette, für fast alle ist der Samstag der wichtigste Umsatztag der Woche und grad in der “Saure-Gurken-Zeit” im Januar/ Februar eine fest eingerechnete Größe. (…) Aber ich bin auch ein kleiner Einzelhändler, dem dieser Tag auch wirtschaftlich richtig weh tut. Und ich hoffe, dass neben all anderen wichtigen Punkten auch dieser Aspekt in die Gesprächsrunden mit einfließt, wenn es darum geht, wie in Zukunft mit dem Thema Nazis in Dresden, Deutschland und Europa umgegangen wird!

Ja, darüber darf jetzt gerne mal gelächelt werden. So richtig lustig wird es aber, wenn man sich die Reaktionen der Rechten anschaut. (Diese werden von mir selbstverständlich nicht verlinkt!)

Der Kamerad Denny Rei aus Buchholz hat freundlicherweise auf Facebook einige Fotos aus der Sicht der Nazis bereit gestellt. Sicher nicht ganz gewollt freiwillig, wir danken dennoch. Anschauen kann man sie sich bei Indymedia Linksunten. Ja, da geht es schon beizeiten los mit Jägermeister und Saufen fürs Vaterland.

In einem Nazibericht (Hier als Kommentar) kann man dann lesen, wie dieser Tag am Ende doch noch als Erfolg verkauft werden soll. Ich gebe mal stark gekürzt wieder:

Dann will ich mal anfangen zu berichten. Um fünf klingelte der Wecker, frühstücken, anziehen, Sachen packen. (…) Die Fahrt verlief bis Dresden Südvorstadt eigentlich sehr ruhig. An der Abfahrt wurden wir durch die Polzei gestoppt, es war mittlerweile 12.30 Uhr. Dort standen wir bis 15.45 Uhr. Da ich den Life-Twitter verfolgte, wollten wir alle gesammelt aussteigen, aber unser “Reiseleiter” ließ uns nicht. Und da er zugleich noch Kameradschaftsführer ist, beugte sich die Mehrheit. (…) Die Zeit verging ewig nicht und wir saßen dort fest, die Polizei bekam immer mehr Verstärkung, ab dem Zeitpunkt konnten wir nicht mehr raus. Mehrere bekamen, durch Ausbruchversuche, ihren Knüppel zu spüren. (…) wir kamen in einem Wohngebiet (Dresden Plauen?!) zum Stehen. Alle riefen durcheinander: “Raus, Sponti” o.Ä. Also verließen wir unseren Bus und liefen ein paar Meter bis zur nächsten Kreuzung. Dort kamen wir wieder zum Stehen. Langsam wurde der Kessel enger, wir mussten allerdings zu unseren Bussen zurück, denn unsere Busse mussten um 17.00 Uhr Dresden verlassen (…) Egal, was andere sagen, für mich war es keine Niederlage, (…) WIR sind gelaufen, auch wenn es nicht unbedingt weit war…

Das Heulen und Zähneklappern war groß bei den Nazis. So wird geschrieben:

Ägyptische Verhältnisse in Dresden – Politische Machthaber und Polizei Hand in Hand mit Kriminellen!

(…) Bereits in den Morgenstunden bildeten sich größere Gruppen von „Linken“, die, von der Polizei eskortiert (!), gezielt in den Bereich der Dresdner Südvorstadt geführt wurden (…) Dabei wurden auch Gruppen von Personen mit sogenanntem Migrationshintergrund beobachtet. (…) Während die kriminellen Elemente ungehindert auf die Altstädter Seite gelassen wurden, untersagte man mehr als 6.000 Anreisenden, die Busse zu verlassen und zu den vorgesehenen Veranstaltungsorten zu gelangen. (…) Während sich im Innenstadtbereich der, von den Machthabern und linken Gewerkschaften gerufene, Mob austobte und teilweise ganze Straßenzüge unter Aufsicht der Polizei in ein Trümmerfeld verwandelte (…) Wir bedanken uns bei allen Kameraden für ihren heutigen Einsatz und die ungewöhnliche Disziplin, welche sie trotz allem zu moralischen Siegern macht! (…)

Jaja, moralische Sieger, ihr Spinner! Seht es ein, ihr habt verloren!

Stehparty am Bahnhof.Aber wie aus Ger?chten zu entnehmen ist haben die linken gut bekommen.Hier stehen wir nun.Deutsche,Tschechen Franzosen,Spanier.Bunte Truppe und doch alle WEISS.
Weite Power.

Weite Power! OMG!

Und dann wird über die antifaschistischen Gegendemonstranten gejammert:

Da kamen in Dresden also 20 000 Deutschenhasser zusammen, aber sicher nicht ganz freiwillig. Wenn ich die Fresse vom Thierse sehe, kann ich mir vorstellen, wer die Busse finanziert hat.

Aber diese fixe Idee, das wir alle bezahlt worden, setzt sich immer wieder fort.

Ich wohne viele hundert Kilometer von Dresden entfernt, aber selbst in unserem lokalen Käseblatt hat die Gewerkschaft Anzeigen geschaltet, wo auf einen kostenlosen Busfahrdienst, der linke Esel und blökende Gewerkschaftsschafe zum “Kampf gegen Rechts” nach Dresden karrte hingewiesen.

In der Idiotenpresse liest man dann: “Dresden wehrt sich mit Gewalt gegen Nazis.” Das ist mal eine schöne Umschreibung dafür, daß aus dem ganzen brd-Gebiet gewalttätig Idioten zusammengefangen und nach Dresden speditiert wurden, um dort gegen Recht und Freiheit zu brandschatzen.

Und noch mehr Gefasel in der Art wie:

Wie festgestellt werden kann, wurden Tausende Nationalen überall, auf Weisung der politischen Verwalter der USraelischen Kolonie, der Zugang zum Nürnberger Platz verwehrt.

Was zeigt uns das ? Die eingesetzten Verwalter der BRD sollen mit allen Mitteln verhindern, dass die Deutschen wieder eine Nationalbewusstsein entwickeln.

Argh, mir wird schlecht, ich höre jetzt lieber auf. Man kriegt ja doch keinen Verstand in diese Hohlköpfe, obwohl da viel Platz wäre.

Gute Nacht!

Heute ist Wahl in Hamburg

War es vor 80 Jahren auch schon mal.

Wahl in Hamburg

Dresden am 19. Februar 2011 – Diese Stadt bleibt Nazifrei!

Wie schrieb ich heute früh auf Twitter?

Nu, pogodi, Nazi! 2010 erlebten sie ihr Moskau 1941, heute bekommen sie ihr Stalingrad!

Und so war es dann auch. Die drei angemeldeten Kundgebungen und was weiß ich noch endeten für die Nazis in einem Fiasko, welches sie letztendlich selber freiwillig abbrachen. Besser war es!

Ich bin 10 Stunden am Stück durch die Stadt gelaufen und hab verschiedene Orte besucht. Dafür hätte ich gerne einen kleinen Applaus und eine große Tüte Mitleid.

Doch der größte Respekt gebührt all den tausenden und aber tausenden Antifaschisten, die heute stundenlang in Blockaden ausharrten, um die Nazis nicht laufen zu lassen. Es war ein voller Erfolg! Danke euch allen, woher auch immer ihr gekommen wart!

Ich stehe nun vor der Aufgabe, aus über 500 Fotos die besten rauszusuchen und darüber zu berichten, was ich erlebt und gesehen habe. Da es am Ende doch noch über 100 Fotos sind, muss ich in diesem Bericht einen Knick machen, den sehen aber nur die, die direkt das Blog aufgerufen haben. Ich hoffe, der Artikel gefällt Euch. Ich erhebe keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und alles sind nur persönliche Eindrücke.

Schon seit dem gestrigen Tag merkte man, dass die Stadt nur so vor grünen und blauen Touristen wimmelte. Aber das kannte man ja auch vom letzten Wochenende in Dresden.

Bis dato war es aber ruhig. Da blieb auch mal Zeit für das eine oder andere Erinnerungsfoto.

Auf den Brücken, hier auf der Augustusbrücke, bekamen alle anderen Touristen dann schon einen Vorgeschmack auf den Ausnahmezustand, der der Stadt bevorstand. Autos und Straßenbahnen wurden rigoros kontrolliert und wer nicht in das polizeiliche Konzept des braven Bürgers passte, der wurde abgewiesen, die Altstadt zu betreten.

Das Bündnis Dresden Nazifrei hatte zum Sammelpunkt ab 8.30 Uhr an beiden Enden der Marienbrücke aufgerufen. Auf der Neustädter Seite standen dann auch schon mehrere hundert Antifaschisten.

Ich muss gestehen, zu dem Zeitpunkt hatte ich meine Zweifel, dass wir an diesem Tag etwas bewirken würden. Denn was nützt die Marienbrücke, wo doch die Nazis auf der Altstädter Seite jenseits der Bahngleise auflaufen wollen? Zum Glück wurde ich eine Besseren belehrt.

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Ein Chaos in dieser Stadt…

Gestern hieß es noch, die Nazis bekommen nur EINE STATIONÄRE Kundgebung in Dresden Cotta. Man konnte glatt annehmen, die Stadt hat doch noch ein Einsehen.

Vom DGB wurde zur genehmigten Mahnwache am 19.02.2011 vorm Volkshaus Dresden geladen.

Und heute?

Heute wurde hat das Verwaltungsgericht Dresden mal wieder “demokratisches Recht” gesprochen

Das Dresdner Verwaltungsgericht hat den Eilanträgen der Rechtsextremisten Recht gegeben. Wie die Richter am Mittag mitteilten, darf die Stadt die drei angemeldeten Veranstaltungen der Nazis nicht zu einer stationären Kundgebung zusammenfassen. (…) Zudem betonte das Verwaltungsgericht, dass die Polizei gegen eine friedliche Versammlung nur unter den besonderen Voraussetzungen des polizeilichen Notstands einschreiten darf. Behördliche Maßnahmen müssten sich primär gegen Gegendemonstranten richten. (…)

Mit anderen Worten: Die Nazis dürfen auflaufen und die Gegendemonstranten haben sich gefälligst zu verpissen!

Die Gerichte haben schon für den 13. alle Gegenaktivitäten in der Innenstadt (Altstadt) untersagt. Blockaden dürfen nur symbolisch erfolgen! Haha!1

Ich könnt schon wieder kotzen…

Vom DGB kam eben eine Rundmail an:

Das Ordnungsamt der Landeshauptstadt Dresden hat am 18.02.2011 um 13.50 Uhr die Mahnwache „Für Demokratie – gegen Menschenfeindlichkeit“ in seiner von den Gewerkschaften geplanten Form untersagt. Die Behörde verlegt die geplante Veranstaltung, die bereits genehmigt war, vom Dresdner Volkshaus am Schützenplatz zum Goldenen Reiter auf die andere Elbseite.

In der Verfügung heißt es „so ist für den 19.02.2011 eine Gegendemonstration des DGB-Region Dresden-Oberelbe auf der Altstädter Seite bestätigt worden, obwohl der Vorsitzende Ralf Hron auf der Internetseite des DGB u. a. die Blockaden des Bündnisses Dresden-Nazifrei befürwortet, und sich dafür ausspricht, ‚die Nazis aus der Stadt’ zu verbannen“. Damit wurde keine 24 Stunden vor Beginn der Maßnahme eine friedliche Veranstaltung der Gewerkschaften durch die Behörden der Stadt Dresden untersagt. (…)

Und nu? Der aktuelle Stand (15:30 Uhr) ist, wie auf dresden-nazifrei.com zu lesen:

Wir rufen alle Dresdnerinnen und Dresdner dazu auf sich ab 08:30 Uhr an den beiden Brückenköpfen der Marienbrücke zu versammeln. Alle Menschen die sich von der Neustädter Seite aus nähern, sammeln sich entsprechend auf dieser Seite am Brückenkopf (Marienbrücke/ Kleine Marienbrücke/ Antonstraße) und alle Menschen, die sich von der Seite Dresden-Mitte nähern entsprechend auf dieser Seite (Devrienstraße/ Marienbrücke/ Könneritzstraße) der Brücke.

Also nix da mit Ausschlafen ist wichtiger als Deutschland. :(

  1. Vielleicht sollte ich mal meinen Chef fragen, ob es ok ist, nur symbolisch zu arbeiten. []

Erinnerung an die ermordeten Dresdner Jüdinnen und Juden

Der 16. Februar 1945 sollte der letzte Deportationstag für die noch in Dresden verbliebenen Jüden sein. Die Deportationen konnten aufgrund der Bombenangriffe nicht mehr stattfinden. Die Tage, Monate und Jahre zuvor waren für die jüdische Bevölkerung geprägt von Angst, von Beschimpfungen durch Nachbare, (ehemalige) Mitschüler und Kollegen und vom Verschwinden ganzer Familien und vieler Freunde.

Kaum Jemand fand sich, um zu helfen und damit für Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten. Die Masse schwieg. Schlimmer noch, viele stimmten zu, denunzierten, waren Teil der Vernichtung oder bereicherten sich. Die Bombenangriffe richteten sich auch gegen diesen Verlust der Zivilität. (…)

Diese Worte stammen von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V..

Aus diesem Anlass fand heute, 66 Jahre später, eine Kundgebung am Bahnhof Neustadt (Schlesischer Platz) in Dresden statt. Die Gedenktafel an dem Ort, an dem der letzte Weg der Deportierten in die Vernichtungslager begann, existiert erst seit 10 Jahren. Im letzten Jahr “bewies” die Stadt Dresden wieder besonders viel Feingefühl, indem die (blockierte) Demonstration der Neonazis an dieser Stelle beginnen sollte.

Bei der heutigen Kundgebung wurden einige Worte gesprochen sowie aus den Tagebüchern Victor Klemperers zitiert. Anschließend legten die Teilnehmer Kränze und Blumen ab.

Es blitzt wieder.

Das Problem mit meinem Canon Speedlite 430EX II ist gelöst. :D Am Ende war es nur ein kleiner Draht, der sich gelöst hatte. Kurz den Lötkolben angeheizt, nun blitzt er wieder, wie er soll.

Spotlight (64) – 13. Februar

Im Folgenden eine kleine Zusammenfassung von verschiedenen Artikeln rund um den 13. Februar 2011 in Dresden ohne Anspruch auf auch nur ansatzweise Vollständigkeit.

Der Arbeitskreis Antifa Dresden veröffentlicht ein Grundlagenpapier zum 13. Februar, in welchem auf die Gründe des Protest gegen das Gedenken eingegangen wird. Bemerkenswert an dieser Stelle, dass erstmals offen gesagt wird, das es beim Angriff auf Dresden nicht um die Zerstörung der industriellen Infrastruktur ging:

Es war jedoch nicht das Ziel des britischen Bombardements, an einer dieser Stellen anzusetzen, sondern die Strategie hieß “moral bombing”, nach der ganz klar die Zivilbevölkerung Ziel der Angriffe war. Daher wurden die Innenstadt und angrenzende Viertel bombardiert, in denen sich keine Garnison und kein großer Rüstungsbetrieb befanden. Die Gauleitung befand sich in Bunkern im Lockwitzgrund, die SS-Führung an der Mordgrundbrücke. Auch die Gebäude der Bahn, Bahnhöfe und Gleisanlagen wurden eher zufällig beschädigt (…)

Wer sich in Dresden auskennt, kann das leicht am eingezeichneten Zielsektor erkennen.

Trotz aller Diskussion um den 13. Februar 1945, der Protest gegen die Geschichtsverdrehung der Nazis, die Deutsche nur als Opfer darstellt, ist absolut wichtig. Und da helfen Menschenketten nichts. Auch wenn sie ein Zeichen setzen können. Aber: “Das die Rechten sich mit in die Menschenkette einreihen wollen, das geschieht Euch ganz recht!” Worte in einem 3Sat – Kulturzeit-Beitrag (Video).

Das jeder etwas gegen Nazis tun kann, wenn man nur will, beweist das Blechblog mit einer sehr persönlichen Schilderung des 13. Februar.

Bei Alternative Dresden News gibt es eine Zusammenfassung des 13. Februar 2011 in Dresden: Knapp 1300 Nazis demonstrieren in Dresden. Hierbei ist 1300 meiner Einschätzung nach wohl die realistischste Teilnehmerzahl.

Der Störungsmelder (Wir müssen reden. Über Nazis.) bei ZEIT Online berichtet unter Abkürzung nach rechts hauptsächlich vom Verlauf der Nazidemonstration.

Benjamin Laufer berichtet ebenfalls sehr ausführlich über den ganzen Tag: “Dresden, du Opfer!”

Basterus Fotografie hat sich dagegen dem Polizeieinsatz rund um die Geschehen gewidmet: 13. Februar Dresden – Nazi- und Gegendemo.

Nicht zuletzt sei auch nochmal der Hinweis auf Dresden Nazifrei! eingebracht mit verschiedenen Spekulationen über Szenarien am 19. Februar.

Ob Altstadt, ob Neustadt: Dresden bleibt auch am 19.02.2011 nazifrei!
Wir blockieren, bis der Naziaufmarsch Geschichte ist! No Pasaran!

Selbst aus dem tiefsten Bayern kommen die Aufrufe, am 19. Februar die Nazis zu blockieren: Keinen Fussbreit den Faschisten

So schaut’s aus!

Hornbach und die Nazidemo

Am 13. Februar in Dresden konnte man leider auch dieses Bild sehen:

Hornbach hat sich jetzt in aller Deutlichkeit dagegen verwehrt, mit Nazis in einen Topf geworfen zu werden: Hornbach informiert – Keine Unterstützung von Rechtsextremen

Ich finde es sehr gut, dass sie damit so offensiv in die Öffentlichkeit gehen.

Anarchisten vs. Stalinisten

Anarchisten: “Lass uns mal was anfangen, mal sehen, was dabei raus kommt.”

Stalinisten: “Lasst uns mal was anfangen, wir wissen ja, was dabei rauskommt.”

Trotzkisten: “Lasst uns mal was anfangen, wir wissen ja, das nichts dabei rauskommt.”

Wem nützt die Menschenkette in Dresden am 13. Februar?

Wir wissen es ja, 17.000 beteiligten sich gestern an der Menschenkette in Dresden. Sehr vereinzelt sollen auch Nazis darin gesichtet worden sein und einige Antifaschisten nutzten die Gelegenheit für ihren Protest. Seis drum, was brachte sie?

Letztes Jahr war in vielen Medien leider zu lesen, dass die Menschenkette den Naziaufmarsch verhindert hat. Das war und ist schlichtweg falsch! Die Menschenkette stand auf der Altstädter Elbseite, die Nazis sammelten sich am Bahnhof Neustadt. Verhindert und blockiert wurde der Naziaufmarsch allein durch die in die Zehntausende gehenden Menschen, die dem Aufruf von Dresden Nazifrei folgten!

Thomas de Maiziére, CDU, Bundesinnenminister, sagte gestern in die Kameras des mdr:

Wir werden heute weniger Extremisten sehen als im letzten Jahr. Es scheint sozusagen, dass am nächsten Wochenende die große Konzentration stattfinden soll. Das ist ein Sieg für die Bewegung „Schützt den 13. Februar in Dresden“. Die Menschenkette hat damit ihr Ziel bereits erreicht.

Hat die Menschenkette dieses Jahr etwas verhindert? Nein! Der Naziaufmarsch wurde durch die Stadt Dresden nicht nur genehmigt sondern regelrecht hofiert. Alle antifaschistischen Proteste sollten auf der Neustädter Elbseite erfolgen und auf keinen Fall nur in der Nähe der Nazis. Blockaden sollten symbolisch mehrere Kilometer von den zu Blockierenden entfernt erfolgen. Welchen Sinn hätten diese dann? Trotz aller Verbote versammelten sich mehrere tausend Menschen an verschiedenen Punkten um den Hauptbahnhof. Obwohl der Aufmarsch nicht verhindert wurde, so konnte er zumindest gestört werden.

Ich selber schrieb gestern:

Mal ehrlich, ich finde es ja schon ok, das Menschen wenigstens den Mut haben, auf diese Art ihren Protest gegen die Nazis zu zeigen.

Natürlich muss man die Menschenkette in den richtigen Kontext setzen. Sie hat den Naziaufmarsch nicht verhindert, aber sie hat ein Zeichen gesetzt. Es wäre wünschenswert, wenn wenigstens die Hälfte der 17.000 Menschen sich am 19. Februar daran beteiligen, den Naziaufmarsch zu blockieren. Denn dieses Recht lassen wir uns nicht nehmen! Es ist keine Demokratie, wenn Nazis ihre Ideologie auf die Straße tragen dürfen!

Was meint ihr zu der Thematik?