Zum Desaster von Rechts ein paar Links

Ich werde hier mal meine kleine gesammelte Rückschau auf den 19. Februar in Dresden geben. Viel wurde geschrieben und gezeigt, bei manchen Medienberichten konnte man annehmen, Dresden liegt, wie 1945, in Schutt und Asche. Ich kann versichern, die Stadt steht noch, heute ging wieder alles seinen normalen Gang, als ob nichts gewesen wäre.

War etwa nichts?

Die Nazis konnten nicht in Dresden marschieren. Das war ohne Zweifel ein großer Erfolg. Auch wenn die Nazis es teilweise anders darstellen, doch dazu später mehr.

Die zwei schlechtesten Nachrichten des Tages waren wohl die des Angriffes auf die Praxis und die Durchsuchung der Büros des Bündnis Dresden nazifrei.

Die Praxis, ein links-alternatives Wohnprojekt, war bereits 2010 das Ziel einen Angriffes. Diesmal erreichte dies jedoch eine besondere Dimension dadurch, dass die Polizei untätig zuschaute. In diesem Video bei 0:30 kurz zu sehen. Und im Hintergrund wird der Verkehr geregelt.

Mediale Aufmerksamkeit erreichte dieser Zwischenfall erstmal gar nicht. Lediglich Der Standard, eine österreichische (!) Zeitung berichtete recht früh am Abend darüber und band das Video ein. Erst viel später kommt es auch in den lokalen Medien zur Beachtung. In den Dresdner Neuste Nachrichten kann man dazu lesen:

(…) Das Video zeigt allerdings auch, dass in Sichtweite zum Tatort mindestens zwei Polizeifahrzeuge stehen, die nicht eingreifen. Auf den Vorfall angesprochen, konnte Dresdens Polizeipräsident Dieter Hanitzsch am Sonntag zunächst keine Angaben machen. (…)

Zu Gute halten möchte ich an dieser Stelle der DNN mal ihre sehr ausführliche Berichterstattung rund um den 13. und 19. Februar in Dresden.

Der zweite erschütternde Vorfall am Sonntag Abend war die Durchsuchung des Pressebüro des Bündnis Dresden Nazifrei. Dabei gab es nicht mal einen schriftlichen Durchsuchungsbefehl. Die taz, welche den ganzen Tag mit einem Liveticker begleitete, berichtete beizeiten darüber: “Dresden Nazifrei” im Visier des LKA. Bei der Durchsuchung wurden nach verschiedenen Berichten selbst nicht abgeschlossene Türen eingetreten und den Festgenommenen Anfangs ein Anwalt verwehrt.

Katja Kipping, Dresdener Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, dazu am selben Abend in einer Pressemitteilung:

Am heutigen Abend (19.02.) ist die Polizei in die Stadtgeschäftsstelle der LINKEN Dresden, das “Haus der Begegnung” auf der Großenhainer Straße, eingedrungen. Dabei haben die Beamten Türen und Fenster beschädigt und sich Zutritt zum Büro eines im Haus ansässigen Rechtsanwaltes verschafft. Alle im Gebäude anwesenden Personen wurden festgehalten und durften fast eine Stunde keinen Kontakt zu Außenstehenden, zum Beispiel zu Anwälten, aufnehmen. Dazu erklärt Katja Kipping, Dresdner Bundestagsabgeordnete und stellv. Parteivorsitzende der Partei DIE LINKE:

„Die Polizei hat eindeutig den Weg der Verhältnismäßigkeit verlassen. Sie hat grundlos hohen Sachschaden verursacht und Menschen ihrer Grundrechte beraubt.“

Eine Erklärung der Dresdener LINKEN findet sich u.a. auch bei Facebook: “Sondereinsatzkommando der Polizei stürmt „Haus der Begegnung“ und verwüstet Geschäftsstelle der LINKEN sowie eine Rechtsanwaltskanzlei”

Ansonsten im Osten nichts Neues, wie bereits mit dem Vorgehen der Staatsmacht 2010 gegen das Bündnis bewiesen wurde, damals noch bundesweit beachtet im Vorfeld des 13. Februar. Genützt hat es damals schon nichts.

Zum Geschehen in der Dresdener Südstadt am 19. Februar gibt es inzwischen unzählige Berichte, Fotos und Videos. So in der Sächsischen Zeitung, bei SPIEGEL ONLINE (mit Video) und beim mdr Sachsenspiegel (Video). Beim Letzteren schön am Anfang zu sehen, wie eine Polizeiblockade durchgebrochen wird.

Bei Indymedia findet man neben einem Livebericht vom Tag, der permanent über die Kommentare aktualisiert wurde, auch einen Pressespiegel mit vielen, vielen Links.

Alternative Dresden News (addn.me) berichtet: “Naziveranstaltungen enden im völligen Desaster”.

Die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (A.R.A.B.) hat in ihrem Beitrag “Dresden 2011: 20 000 Antifaschisten verhindern Naziaufmarsch” inzwischen fast anderthalb Dutzend Bildergalerien sowie fast genauso viele Videolinks zum Sonntag zusammengetragen, weshalb ich das hier nicht nochmal wiederhole sondern gerne dahin verweise. Eine ebenfalls umfangreiche Sammlung von Links gibt es bei trueten.de: “Was mir heute wichtig erscheint”.

Extra hinweisen möchte ich aber noch auf den Bericht beim Netz gegen Nazis: “Neonazis in Dresden 2011: Rückzug statt Umzug – aber Gewalt” sowie den Videobeitrag von Leftvision: “Dresden – die Proteste & Blockaden gegen den Naziaufmarsch am19.02.11″.

Und die andere Seite? Gehen wir doch erst mal über die Mitte, zu den armen, ach so gebeutelten Unternehmern in Dresden. Auf Facebook schreibt das Feng Shui-Haus:

(…) Der wirtschaftliche Ausfall der den Dresdner Händlern und Gastronomen entstanden ist… egal ob kleiner Einzelhandel oder große Kette, für fast alle ist der Samstag der wichtigste Umsatztag der Woche und grad in der “Saure-Gurken-Zeit” im Januar/ Februar eine fest eingerechnete Größe. (…) Aber ich bin auch ein kleiner Einzelhändler, dem dieser Tag auch wirtschaftlich richtig weh tut. Und ich hoffe, dass neben all anderen wichtigen Punkten auch dieser Aspekt in die Gesprächsrunden mit einfließt, wenn es darum geht, wie in Zukunft mit dem Thema Nazis in Dresden, Deutschland und Europa umgegangen wird!

Ja, darüber darf jetzt gerne mal gelächelt werden. So richtig lustig wird es aber, wenn man sich die Reaktionen der Rechten anschaut. (Diese werden von mir selbstverständlich nicht verlinkt!)

Der Kamerad Denny Rei aus Buchholz hat freundlicherweise auf Facebook einige Fotos aus der Sicht der Nazis bereit gestellt. Sicher nicht ganz gewollt freiwillig, wir danken dennoch. Anschauen kann man sie sich bei Indymedia Linksunten. Ja, da geht es schon beizeiten los mit Jägermeister und Saufen fürs Vaterland.

In einem Nazibericht (Hier als Kommentar) kann man dann lesen, wie dieser Tag am Ende doch noch als Erfolg verkauft werden soll. Ich gebe mal stark gekürzt wieder:

Dann will ich mal anfangen zu berichten. Um fünf klingelte der Wecker, frühstücken, anziehen, Sachen packen. (…) Die Fahrt verlief bis Dresden Südvorstadt eigentlich sehr ruhig. An der Abfahrt wurden wir durch die Polzei gestoppt, es war mittlerweile 12.30 Uhr. Dort standen wir bis 15.45 Uhr. Da ich den Life-Twitter verfolgte, wollten wir alle gesammelt aussteigen, aber unser “Reiseleiter” ließ uns nicht. Und da er zugleich noch Kameradschaftsführer ist, beugte sich die Mehrheit. (…) Die Zeit verging ewig nicht und wir saßen dort fest, die Polizei bekam immer mehr Verstärkung, ab dem Zeitpunkt konnten wir nicht mehr raus. Mehrere bekamen, durch Ausbruchversuche, ihren Knüppel zu spüren. (…) wir kamen in einem Wohngebiet (Dresden Plauen?!) zum Stehen. Alle riefen durcheinander: “Raus, Sponti” o.Ä. Also verließen wir unseren Bus und liefen ein paar Meter bis zur nächsten Kreuzung. Dort kamen wir wieder zum Stehen. Langsam wurde der Kessel enger, wir mussten allerdings zu unseren Bussen zurück, denn unsere Busse mussten um 17.00 Uhr Dresden verlassen (…) Egal, was andere sagen, für mich war es keine Niederlage, (…) WIR sind gelaufen, auch wenn es nicht unbedingt weit war…

Das Heulen und Zähneklappern war groß bei den Nazis. So wird geschrieben:

Ägyptische Verhältnisse in Dresden – Politische Machthaber und Polizei Hand in Hand mit Kriminellen!

(…) Bereits in den Morgenstunden bildeten sich größere Gruppen von „Linken“, die, von der Polizei eskortiert (!), gezielt in den Bereich der Dresdner Südvorstadt geführt wurden (…) Dabei wurden auch Gruppen von Personen mit sogenanntem Migrationshintergrund beobachtet. (…) Während die kriminellen Elemente ungehindert auf die Altstädter Seite gelassen wurden, untersagte man mehr als 6.000 Anreisenden, die Busse zu verlassen und zu den vorgesehenen Veranstaltungsorten zu gelangen. (…) Während sich im Innenstadtbereich der, von den Machthabern und linken Gewerkschaften gerufene, Mob austobte und teilweise ganze Straßenzüge unter Aufsicht der Polizei in ein Trümmerfeld verwandelte (…) Wir bedanken uns bei allen Kameraden für ihren heutigen Einsatz und die ungewöhnliche Disziplin, welche sie trotz allem zu moralischen Siegern macht! (…)

Jaja, moralische Sieger, ihr Spinner! Seht es ein, ihr habt verloren!

Stehparty am Bahnhof.Aber wie aus Ger?chten zu entnehmen ist haben die linken gut bekommen.Hier stehen wir nun.Deutsche,Tschechen Franzosen,Spanier.Bunte Truppe und doch alle WEISS.
Weite Power.

Weite Power! OMG!

Und dann wird über die antifaschistischen Gegendemonstranten gejammert:

Da kamen in Dresden also 20 000 Deutschenhasser zusammen, aber sicher nicht ganz freiwillig. Wenn ich die Fresse vom Thierse sehe, kann ich mir vorstellen, wer die Busse finanziert hat.

Aber diese fixe Idee, das wir alle bezahlt worden, setzt sich immer wieder fort.

Ich wohne viele hundert Kilometer von Dresden entfernt, aber selbst in unserem lokalen Käseblatt hat die Gewerkschaft Anzeigen geschaltet, wo auf einen kostenlosen Busfahrdienst, der linke Esel und blökende Gewerkschaftsschafe zum “Kampf gegen Rechts” nach Dresden karrte hingewiesen.

In der Idiotenpresse liest man dann: “Dresden wehrt sich mit Gewalt gegen Nazis.” Das ist mal eine schöne Umschreibung dafür, daß aus dem ganzen brd-Gebiet gewalttätig Idioten zusammengefangen und nach Dresden speditiert wurden, um dort gegen Recht und Freiheit zu brandschatzen.

Und noch mehr Gefasel in der Art wie:

Wie festgestellt werden kann, wurden Tausende Nationalen überall, auf Weisung der politischen Verwalter der USraelischen Kolonie, der Zugang zum Nürnberger Platz verwehrt.

Was zeigt uns das ? Die eingesetzten Verwalter der BRD sollen mit allen Mitteln verhindern, dass die Deutschen wieder eine Nationalbewusstsein entwickeln.

Argh, mir wird schlecht, ich höre jetzt lieber auf. Man kriegt ja doch keinen Verstand in diese Hohlköpfe, obwohl da viel Platz wäre.

Gute Nacht!

  1. 8 Reaktionen

  2. Von Lydia am 20. Feb 2011 um 23:52 Uhr

    Super Arbeit, danke!!

  3. Von coloradio am 21. Feb 2011 um 03:05 Uhr

    supersache, deine zusammenfassung!

  4. Von reaper am 21. Feb 2011 um 11:32 Uhr

    Klasse Zusammenfassung! Nur zweifle ich an das in Naziköpfen Platz für irgendwas ist, Scheiße lässt sich bekanntlich nur begrenzt komprimieren.

  5. Von geru am 21. Feb 2011 um 18:34 Uhr

    diese dumpfbacken ahnen noch nicht einmal das ihr geliebter führer für genügend platz im lager gesorgt hätte um sie loszuwerden :roll:

  6. Von Akrly Amid am 22. Feb 2011 um 13:02 Uhr

    Toller Artikel! Ich denke, bei der Razzia geht es, wie immer in unserer Gesellschaft, um Geld. Der Einsatz und das Aufräumen hat Millionen gekostet und der Staat sucht nun jemand, der die Scheisse vom Samstag bezahlt (zB Linkspartei). Dabei soll das mal schön die Stadt selber blechen, wenn sie meinen, Naziaufmärsche genehmigen zu müssen! Alle Bullen sind Schweine! Viel Glück und passt auf euch auf!

  7. Von RedStar am 22. Feb 2011 um 21:19 Uhr

    @Akrly Amid Das Paradoxe dabei ist ja, dass die Stadt nicht einfach die Demo verbieten kann, weil die NPD oder andere ähnliche Organisationen nicht verboten sind und deshalb deren Anmeldungen legalisiert sind, wenn auch nicht legitim. Mich stört aber vor allem das rüde Vorgehen gegen die Antifaschisten vorgegangen ist, aber, und selbst bei Unterbesetzung zieht das Argument nicht, solche Idioten, die selbst ohne politische Parteilichkeit einfach härteste Straftaten begangen haben, einfach davon kommen lässt. Parallelen zu den 1930ern sind erkennbar…

  1. 2 Trackback(s)

  2. 21. Feb 2011: Was so bewegt! » Blog Archive » Sondereinsatzkommando der Polizei stürmt …
  3. 21. Feb 2011: ein sehr aktives wochenende | exilsituation.de

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