Montagsdemo gegen Stuttgart21

Mal wieder im schwäbischen Ländle, war für mich klar, auch die Montagsdemo gegen das Immobilienprojekt Stuttgart21 muss besucht werden.

Baden-Württemberg ist ja inzwischen direkt auf dem Weg in den Kommunismus. Zumindest kann man das glauben, wenn man den bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer hört. Er sagte nämlich, jetzt wo BaWü einen grünen Ministerpräsidenten bekommen wird:

„Bisher hatten wir einen Wettstreit innerhalb gleicher Grundüberzeugungen. Jetzt führen wir einen Wettbewerb unter anderen Vorzeichen. Wir haben nun einen Wettbewerb der Systeme.“

Am 29. April in Stuttgart, bei der Revolutionären Maidemo, waren deutliche Worte auch gegen die Grünen zu hören. Haben diese doch immerhin schon einen Angriffskrieg von Deutschland aus mitgetragen. Trotzdem besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich mit einem grünen Ministerpräsidenten doch noch etwas an der geplanten Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhof tun wird.

Bevor ich zur Demonstration vor dem Bahnhof ging, schaute ich mich im Stuttgarter Schlossgarten um. Es hatte sich einiges verändert. An der Stelle, an der am 30. September der brutale Polizeieinsatz gegen die Menschen stattfand, die gegen die Fällung uralter Bäume protestierten, stehen jetzt hässliche Hallen. Dafür sieht man ein Zeltlager, welches die Parkschützer in Folge dieses Tages errichteten. Zwar wollten sie dieses bis Ende April räumen, passiert ist es aber offensichtlich noch nicht.

Um 18 Uhr fand die Kundgebung mit mehreren tausend Menschen vor dem Bahnhof statt. Es sprachen unter anderem der Landesvorsitzende der Grünen zu den Koalitionsverhandlungen sowie der Schauspieler Walter Sittler. Anschließend ging es auf die Demonstration.

Während der Kundgebung wurden aber auch Zettel verteilt, auf denen dazu aufgerufen wurde, direkt im Anschluss eine Baustoppbesichtigung zu machen. Der Hintergrund ist, dass die Bahn angekündigt hat, einen zeitweiligen Baustopp zu S21 zu vollziehen, diesen aber selber immer wieder bricht. Mit ein paar Personen bin ich bis zum Ende eines Bahnsteigs gelaufen. Dieser war erkennbar ganz neu angelegt. Auch befanden sich Bauarbeiter im Gleisfeld. Nach Baustopp sah das gar nicht aus. Die Polizei folgte uns fast auf den Fuß, aber man konnte uns nichts, es ist ja nicht verboten, den Bahnsteig bis zum Ende zu laufen. Punkt 19 Uhr nutzten wir die Gelegenheit gleich für einen Schwabenstreich. Selbst ein einfahrender Zug beteiligte sich.

Wieder zurück in der Bahnhofshalle wollten wir uns gerade auf ein entspannendes Feierabendbier zurückziehen, als es laut wurde. Ein Teil der Montagsdemo gegen S21 kam mit Pauken, Trommeln und Trompeten (Im wahrsten Sinne des Wortes!) in die Bahnhofshalle. Bei den wenigen anwesenden Polizisten und Bahnsicherheitsleuten brach Hektik aus. In aller Eile wurde versucht, die Zugänge zu den Bahnsteigen mit Hamburger Gittern zu versperren. Trotzdem gelangen einige Dutzend Menschen bis zu den Bahnsteigen.

An den Absperrungen wurde auch eine vernünftige Pressearbeit verhindert. Ausgewiesene Pressevertreter wurden mit der Begründung abgewiesen, dass nur noch Personen mit Bahnticket durch dürfen. Eine Rückfrage bei einer dabeistehenden Polizistin ergab, dass sie ja nur ihre Befehle hat. Aber an einer anderen Absperrung war dann ein Durchkommen doch möglich.

Ein Demonstrant wurde verhaftet und zur Bundespolizei im Bahnhof gebracht. Das war jedoch bekannt und deshalb blockierten viele Menschen den Eingang zu Polizeistation. Letztendlich wurden ihm die Handschellen wieder abgenommen und er konnte gehen. Das hat gezeigt, dass Widerstand durchaus direkten Erfolg haben kann.
Mit Sprechchören „Wir kommen wieder!“ verliesen nach und nach auch die letzten Demonstranten den Bahnhof. Und sicher ist: Sie kommen wieder!

Siehe auch: Bei Abriss Aufstand

  1. 2 Reaktionen

  2. Von Donnawetta am 3. Mai 2011 um 02:25 Uhr

    Ein guter Bericht und schoene Fotos ueber die Ereignisse von gestern abend. Ich hab die Kundgebung zwar nur von ausserhalb erlebt (ausnahmsweise), die Demo gar nicht (da befanden wir uns bereits aufgrund einer duerftigen Info auf der Suche nach einer Aktion am Suedfluegel und kamen erst ueber Nachfragen und Raetseln in die Bahnhofshalle, aber der Rest duerfte gemeinsam Erlebtes sein 🙂 Der Abschluss war wie immer die Mahnwache.

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  2. 3. Mai 2011: trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

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