SPIEGEL in der Klemme: „Es gibt keinen alten Mist, der nicht aufzuwärmen ist“

Autor: Fritz Güde, erstmals erschienen bei trueten.de.

SPIEGEL in der Klemme: „Es gibt keinen alten Mist, der nicht aufzuwärmen ist“1

Neuer SPIEGEL Titel zu Pfingsten: Hitler gegen Stalin / Bruder Todfeind. Cover: Zwei recht bekannte Feldherrn, Rücken an Rücken, über rauchverhangenem Schlachtfeld. Und dann wird es kindlich warm ums vereiste Herz. Denn dass Hitler und Stalin eigentlich das gleiche waren, habe ich sofort nach 1945 zum erstenmal gehört. In allen Varianten.

Als ich als Kind nach dem Krieg zum Auffüttern in die Schweiz transportiert worden war, in eine wohltätige katholische Familie, da betete ich mit dem gleichaltrigen Sohn der Familie abends, im langen Nachthemd, dass doch Stalins Kommunisten dem Papst in Italien nichts machen sollten. Hitler war damals schon etwas zurückgetreten, aber vor Stalin hatte ein frommer Knabe gehörigen Rückenriesler zu bekommen. So war das damals…

Entsprechend ist der Spiegel-Artikel aufgebaut. Schön analog. Hitler im ersten Weltkrieg. Stalin vor dem ersten Weltkrieg. Immerhin – einen Blödsinn hat sich der Verfasser von den zehn Tippfingern abgespart. Zeitweise lebte die Springerpresse nämlich von sehr gelehrten Artikeln, die alle nachwiesen, dass Hitler einem Überfall Stalins nur um Wochen, ja Tage zuvorgekommen wäre. Er hätte also einen präventiven Verteidigungskrieg geführt. Wenn jemand dann verdattert fragte, wie aber dann die anfänglichen Erfolge der deutschen Aggression zu verstehen seien, wurde hochstrategisch und superfein erklärt, dass gerade in der Offensive ein Heer am leichtesten zu überraschen sei. Irgendwie schräg von unten. Ich habe es schon damals nicht kapiert, und inzwischen bin ich auch nicht mehr traurig darüber, weil keiner mehr davon redet. Davon wenigstens ist also keine Rede beim SPIEGEL.

Sonst lebt der Artikel vor allem vom Verzicht auf alles Erklären. Negativer Personenkult der traurigsten Sorte. Die Volksführer waren halt so.

Ein paar kleine Anmerkungen doch für Wahrheitssucherinnen und entsprechende Sucher: 1923 hätte die kommunistische Sowjetunion insgesamt die Revolution in Deutschland geplant. Und erst, als das nicht klappte, wäre Stalin zu dem großen Gedanken der „Weltrevolution in einem Land“ fortgeschritten. Ganz so kann das wohl nicht gewesen sein. In Wirklichkeit waren es Trotzki, Radek und ihre Anhänger, die es doch noch mal probieren wollten. Das Scheitern des Putsch-Versuchs 1923 gab dann Stalin Auftrieb. Wobei zu Beginn der Verzicht auf Weltrevolution noch gar nicht so deutlich sich ausprägte. Auch Mao musste im Lauf des langen Marsches immer wieder von der Roten Armee befreite Gebiete quasi-staatlich so weit organisieren, dass sie sich selbst erhalten konnten. Die Frage ist dann nur, welches Ziel als übergeordnet angesehen wird, welches als nachrangig angesehen.

Ein zweites überraschendes Zitat: „Ich hasse die Deutschen“. Gegen Kriegsende angeblich von Stalin ausgesprochen.Sonst nichts. Alle die – mehr oder weniger ernst gemeinten – Aussprüche zum deutschen Volk entfallen.

Wie oft wurden in der sowjetischen Besatzungszone, späteren DDR, Banner über die Straßen gezogen: „Die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk wird es immer geben. Josef Stalin. Ganz so einfach darf es sich auch der Propagandist nicht machen, der vor dem Feiertag die Seiten zu füllen hat.

Dass beim Hitler-Stalin-Pakt keineswegs nur der böse Wille Stalins die Hauptrolle spielte, sondern auch der noch bösere großer Teile aus den führenden Klassen des Westens wird natürlich – wie immer in solchen Fällen – verschwiegen. Es muss wie ab 1917 immer wieder kapitalistische Kreise des ganzen Westens gegeben haben, die es schon recht gern gesehen hätten – und 1941/43 auch leichtfertig voraussahen – dass Hitler mit dem Kommunismus aufräumte.

Wie gesagt: einfach dumm! Eine Mahlzeit aus Spülwasser und Abfall. Nur schade: die vielen Bäume, die fallen mussten, um 12 Seiten Unsinn tragen zu helfen. Was hätte man an der Stelle Sinnvolles und Lehrreiches verabreichen können!

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  1. 8 Reaktionen

  2. Von faltenbalg am 15. Jun 2011 um 13:11 Uhr

    Die Knoppsche/Spiegelsche Geschichtsfälschung, die zum allgemeinen Kenntnisstand erhoben werden soll ist einfach ein Ärgernis. Danke für die Zusammenfassung!

  3. Von Inson am 16. Jun 2011 um 19:15 Uhr

    Was bitte ist „der böse Wille Stalins“ beim „Hitler-Stalin-Pakt“???

  4. Von Stanislaw Hirschfeld am 17. Jun 2011 um 17:22 Uhr

    @ Inson: Jener behauptete böse Wille Stalins sowie der zahlreichen Kommunisten, die gleicher Auffassung waren und sind wie er, besteht darin, weder links noch rechts abzuweichen bereit zu sein vom Weg hin zu Kommunismus über den Sozialismus. Gewollt von linksmoralischer Seite wäre gewesen eine suizidale Konfrontation mit allen antikommunistischen Kräften, unbedingt zur gleichen Zeit und allerorten. Wer am eigenen und des Sozialismus Überleben interessiert war, gilt den Idealisten als Kollaborateur.

  5. Von Anonymous am 19. Jun 2011 um 20:06 Uhr

    @Stanislaw Hirschfeld: Meine Frage war rein rethorischer Natur. Du hättest dir nicht die Mühe einer Antwort machen brauchen. Außerdem scheinst du Stalin und Trotzki zu verwechseln.
    Der sogenannte „Hitler-Stalin-Pakt“, um den es ja hier eigentlich geht, ist im übrigen der Gegenbeweis zu deiner These von einer „suizidalen Konfrontation mit allen antikommunistischen Kräften“. Stalin wußte genau, daß Churchill das faschistische Deutschland als „Festlandsdegen“ sah, mit dem man die Sowjetunion vernichten könne. Nachdem Churchill aus diesem Grund alle Verhandlungen mit der Sowjetunion scheitern ließ, war Stalin gezwungen umzudisponieren. Der „Hitler-Stalin-Pakt“ bedeutete den Gewinn wertvoller Zeit um sich auf einen Angriff Hitlerdeutschlands vorzubereiten. Eine „suizidale Konfrontation“ sieht für mich anders aus.
    In Folge des II. Weltkrieges überlebte der Sozialismus nicht nur, sondern er wurde auf einem Drittel des Erdballs zur Realität. Was bitte hatte das mit Suizid zu tun?
    In der Aufgabe der sozialistischen Ideale wie unter Gorbatschow geschehen vermag ich, um deine Wortwahl wiederum zu benutzen, den „Suizid“ zu entdecken.

  6. Von Stanislaw Hirschfeld am 20. Jun 2011 um 12:50 Uhr

    @ Anonymous: Bitte nochmal lesen, was ich geschrieben habe. Das ist ja gerade bizarr, daß einer „A“ sagt und der andere ihn korrigiert und sagt: „Es muß A heißen, nicht B!“…

  7. Von Inson am 20. Jun 2011 um 13:29 Uhr

    @ Stanislaw Hirschfeld: In der Eile habe ich meinen obigen Beitrag aus Versehen als „Anonymus“ veröffentlicht.
    Offenbar habe ich deinen zweiten Satz im Beitrag vom 17. Juni falsch interpretiert. Also dann, „A“! 😆

  8. Von Stanislaw Hirschfeld am 20. Jun 2011 um 14:19 Uhr

    Da sieht man’s mal wieder: Spontaneität ist schädlich! 😉

  9. Von Josef A. Preiselbauer am 20. Jun 2011 um 14:53 Uhr

    *lol*

    Genau, lass uns erstmal drüber reden. 😉

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