Ich und meine Freunde

Bei heise online zum Thema „Drei Viertel der deutschen Internetnutzer sind in sozialen Netzwerken“ meint mal wieder ein Oberschlauer:

Und ich frage mich bei der Gelegenheit, ob diese 73 Prozent eigentlich wissen, was „direkter zwischenmenschlicher Kontakt“ bedeutet.

Oder bezieht sich das Pflegen von „Freundschaften“ mehr auf die „Freunde“, die man nur von Gesichtsbuch & Co. kennt und in seinem Leben noch nie real gesehen hat..?

Weitere Frage, die sich mir stellt: Kennt von denen eigentlich noch den Unterschied zwischen Bekanntschaft und Freundschaft? Ich zweifle daran.

Da frage ich mich doch, Woher kommt bei einigen eigentlich der Wahn, das man persönliche Freundschaften immer nur im direkten menschlichen Kontakt pflegen soll, und die sonst keine richtigen Freundschaften sind? Muss ich denn mit Freunden immer in der verqualmten Kneipe oder der kalten Bushaltestelle zusammenhocken? Nur weil wir das bisher ja auch immer so gemacht haben?

Ich kann mit meinen Freunden auch daheim über Internet prima kommunizieren. Sehr praktisch vor allem, da ich arbeitsmäßig gezwungen ziemlich am Arsch der Welt lebe. Ich hau mir meinen Heavy Metal um die Ohren und kann trotzdem chatten, Fotos tauschen, Spaß haben und vieles mehr. Und ich kann auch Freunde daran teilhaben lassen, die gerade zu einem bestimmten Termin keine Zeit haben.

Meine Freundesliste bei Facebook umfasst derzeit 86 Person. Mindestens 75 davon kenne ich persönlich und sehe ich auch ab und an. Aber auch wenn ich öfters mit denen online kommuniziere als an der frischen Luft, sind sie trotzdem meine Freunde.

Zeiten ändern sich, wir leben nicht mehr im vordigitalen Zeitalter.

  1. Eine Reaktion

  2. Von sebnitzer am 31. Aug 2011 um 09:24 Uhr

    du magst ja recht haben, das leben geht weiter. aber ich zum beispiel möchte nicht den kontakt zu vielen freunden verlieren welche nicht in der vernetzten welt mitgekommen sind. dies mag berufliche, interessengebundene, ja auch intellektuell bedingte gründe haben. fakt ist, ich der noch immer in der provinz lebt und da auch bleiben will, sieht eine deutliche verarmung im direkten kontakt zwischen den menschen. es macht sich ein misstrauen gegenüber dem nächsten breit, welches ich nicht für möglich gehalten hätte. ich vermisse unsere wochenendtreffen, unsere kneipenbesuche, unser nur da sein. viele, die ich frage „wann seid ihr über skype, du röhre, zweites leben etc. zu erreichen“ antworten mit HääH. ich bin 47 jahre und mein freundeskreis bewegt sich in ähnlichen jahren. nicht alle von denen hatten lust, zeit und geld noch mal ins computerzeitalter einzusteigen. bleib trotzdem ein treuer leser. gruß aus sachsen

Zu diesem Beitrag sind keine Kommentare möglich.