Telekolleg: Anarchie
Mal anschauen und drüber nachdenken!
Noch immer denken die meisten Menschen bei “Anarchie” an Chaos und blinde Zerstörungswut.
Dass Anarchie in Wahrheit etwas ganz anderes ist (nämlich die zilivisierteste Form des Zusammenlebens, die eine Gesellschaft erreichen kann… also ein hohes, erstrebenswertes Ideal) kapieren leider nur die wenigsten.Mit diesem Video möchte ich ein wenig Aufklärungsarbeit leisten und dazu beitragen, dass die Menschen endlich ihre Scheuklappen ablegen und aufhören, alles zu verdammen, was über den Tellerrand ihrer Erziehung und gesellschaftlichen Konditionierung hinausgeht.





6 Reaktionen
Von gewe am 12. Jan 2012 um 20:40 Uhr
… und auf welcher wissenschaftlichen Gesellschaftstheorie beruht die Anarchie?
Von Jerry am 12. Jan 2012 um 21:53 Uhr
Ein für mich überraschend gelungenes Video, das einiges an Denkstoff liefert, wenngleich ich sicher nicht zum Anarchisten werde.
Anarchie basiert auf einem enormen Optimismus, daß der Mensch als vernunftbegabtes Wesen fähig sei, sich ohne Druck als Teil der Gemeinschaft zu verhalten und zugleich Individuum zu sein. Auch verschiedene Ausformungen des Kommunismus und Sozialismus sehen als Endpunkt ihrer Entwicklung eine Menschheit, die selbsttätig auf diese Weise funktioniert (unter anderem auch die, im Bezug auf den Kommunismus leider sehr vagen Ausführungen Marx’).
Ich kann diesen Optimismus leider nicht teilen. Ich denke, daß Hobbes mit der Prämisse, daß “das Böse” ein natürlicher und nicht zu beseitigender Wesenszug des Menschen (des Lebens allgemein vielleicht) ist, richtiger liegt. Daß aus dem Streben nach Sicherheit letztlich und zwangsläufig der Drang zur totalen Dominanz folgt.
In einem System, das keine Herrschaft kennt, hat jeder die Möglichkeit, die Kontrolle mit dem ihn eigenen Machtmitteln; physischer und psychischer Gewalt, induzierten Abhängigkeiten, Versprechungen und Schmeicheleien, an sich zu bringen. An diesem Punkt erfolgt der Rückfall in ein Herrschaftssystem, und wahrscheinlich eines, das unangenehmer als das heutige ist. Faustrecht schafft selten gute Herrscher.
Ein paar kritische Gedanken zum Video selbst:
Vorurteil 2: Demokratie beinhaltet immer und schon aus der Wortbedeutung heraus den Aspekt der Herrschaft. Angesichts einer Denkweise, die jede Fremdbestimmung ablehnt, ist eine ablehnende Haltung zur Demokratie folgerichtig, ob sie nun auf dem Mehrheitsprinzip beruht oder Kollektiventscheidungen gefällt werden. Anarchie heißt, Kompromisse nur aus eigenem Antrieb einzugehen und sanktionsfrei auflösen zu können. Eine Herrschaft der Gemeinschaft existiert nicht. Damit ist sie antidemokratisch. In gewisser Weise wird das auch im Abschluß des Punktes angezeigt.
Vorurteil 3 ist hochinteressant. Eine sofortige Anarchisierung der Gesellschaft wäre demnach ausgeschlossen, da noch die Bereitschaft der Menschen dazu fehlt. Es braucht also eine Instanz, die sie darauf vorbereitet oder zumindest im Beitrag angenommene Schadeinflüsse beseitigt. Um das zu erreichen braucht es mit hoher Wahrscheinlichkeit und da es nicht selbständig geschieht, Macht. Herrschaft. Übergangsdiktatur.
Naheliegenderweise ein heißes Eisen und wohl der streitbarste Punkt des Videos wie auch unter Anhängern des ideologischen Modells.
Zu den Vorurteilen 1 und 4 keine spezielle Anmerkung (außer daß der Abschluß zu sehr auf den Holzhammer setzt). Dafür die allgemeine Bemerkung, die ich gelegentlich von mir gebe, daß Guy Fawkes, der mehrfach auch hier eingeblendet ist, eine denkbar schlechte Identifikationsfigur abgibt, wenn man dem Anarchismus wie in Punkt 1 einen friedvollen Charakter geben möchte. Ähnliches würde auch gelten, wenn man Gavrillo Princip oder andere bekannte anarchistische Attentäter verwendet. Es ist zu bedauern, daß jemand, der einen Massenmord geplant, vorbereitet und glücklicherweise daran gescheitert ist, zur Ikone wird.
Abschließend möchte ich aber sagen, daß ich mit meinem Sprachgebrauch wieder ein wenig vorsichtiger werden möchte, und Anarchie als Begriff, solange ich daran denke, nur noch für den Zustand kompletter Herrschaftslosigkeit und nicht die Folgen daraus verwende.
Von Woschod am 13. Jan 2012 um 00:58 Uhr
Jerry, da stimme ich Dir zu. Für mich bedeutet Anarchismus das, was uns erwartet, wenn wir den Kommunismus erreicht haben und leben. Dann sind die Menschen soweit, dann braucht es keine Herrschaftsformen mehr. Aber meiner Meinung nach führt der Weg über den Sozialismus dahin.
Auch wenn ich lieber heute als morgen eine freie Gesellschaft hätte, wie die Anarchisten sie anstreben…
Von Elias am 13. Jan 2012 um 10:24 Uhr
Ach, dass ich das hier im Roten Blog noch erleben darf…
Von gewe am 15. Jan 2012 um 10:23 Uhr
Na, wenn keiner antworten will oder kann, dann schaut euch mal z.B. hier um: http://www.projektwerkstatt.de/anarchie/a-marx.html .