Gescheiterter Naziaufmarsch in München

Am 21. Januar 2012 gab es in München einen kurzfristig angesetzten Naziauflauf. Ich habe selber erst 2 Tage vorher durch a.i.d.a. davon erfahren.

Das Ziel der Nazis war eine Demonstration unter dem Motto „Deutsche Freiräume erkämpfen! Für ein patriotisches Begegnungszentrum!“ hin zum selbstverwalteten Kafe Marat.

Bereits vorher gab es eine antifaschistische Kundgebung am Stachus (Karlsplatz) in München. Auch am Kafe Marat soll eine stattgefunden haben.

Die Nazis wollten 13 Uhr am Hauptbahnhof anfangen, da war von ihnen aber noch nichts zu sehen. Erst nach und nach trafen sie ein und hielten sich dann in einem Seiteneingang des Bahnhofes auf. Bereits da tönte ihnen lautstarker Protest entgegen.

Gegen 14 Uhr konnten sie loslaufen, begleitet von einem Spalier Polizei. Spaß dürfte es ihnen nicht gemacht haben, denn rechts und links neben dem Spalier der Polizei waren unzählige Antifaschisten, und die waren definitiv lauter.

Nicht nur schwarz gekleidete Autonome, das ganze Spektrum und die verschiedensten Altersgruppen protestierten gegen den rechtsradikalen Aufmarsch. (Da ich gefragt wurde: Man kann der Piratenpartei sicher eine gewisse politische Blauäugigkeit vorwerfen, doch im Widerstand gegen die Nazis sah ich auch eine orangene Piratenflagge. Nicht zum ersten Mal!)

Zwischen Hauptbahnhof und Stachus spielten die Nazis unter anderem die Titelmelodie von „Pink Panther“. Die Provokation im Angesicht der NSU war eindeutig, auch wenn sie selber immer wieder beteuerten, ja gar nichts mit der NSU zu tun zu haben. Offensichtlich gab es dafür aber Ärger, denn später beschwerten sie sich, dass sie ein Lied nicht spielen dürften, was jeden Tag irgendwo im Kinderprogramm zu hören sei. Man kann gar nicht so viel kotzen, wie man möchte, bei der ganzen Scheinheiligkeit. Doch nicht nur das, auch redeten die Nazis immer wieder davon, dass sie ja die wahren Demokraten seien, dass von ihnen nie Gewalt ausgehe und sowieso die ganzen Linkskriminellen und ihr mit Steuergeldern gestütztes Kafe Marat ganz besonders schlimm sei. Offensichtlich entging ihnen dabei aber, dass auf jeden Nazi bestimmt zehnmal so viele Gegendemonstranten kamen. Und in München, wo jeder vierte Einwohner ein Schwarzer Deutscher ist oder zumindest Migrationshintergrund hat, zu rufen „Kriminelle Ausländer raus!“ zeugt wohl eher von einer enormen Realitätsverschiebung. Nicht zu Letzt im Angesicht der bekannt gewordenen Morde durch die NSU. Da hilft auch keine noch so lautstarte Distanzierung vom Verfassungsschutz, wissen wir doch alle: „Ohne Verfassungsschutz seid ihr nur zu Dritt!“

Zumindest bis zum Stachus kamen die Nazis erst mal langsam voran. Dann durften sie schon wieder über eine halbe Stunde warten. Erst, nachdem die Polizei einige antifaschistische Straßenblockaden Höhe Schwanthalerstraße geräumt hatte, ging es weiter. Doch nicht allzu weit. Am Sendlinger-Tor-Platz war endgültig Schluss. Nur 100 Meter weiter in der Lindwurmstraße war die Straße wieder blockiert. Daran sollte sich auch die nächsten anderthalb Stunden nichts mehr ändern.

Gegen 17 Uhr gaben die Nazis endlich auf und wurden durch die Polizei über die U-Bahn wegeskortiert. Eine antifaschistische Spontandemonstration lief dann noch zum Kafe Marat, welches die Nazis nicht erreichen konnten. Das war ein Erfolg für den Widerstand gegen Nazis in München!

  1. 7 Reaktionen

  2. Von gewe am 22. Jan 2012 um 09:36 Uhr

    Jetzt wird der bayrische Innenminister sicher Prozesse und Hausdurchsuchungen bei den Blockierern durchführen.

    „…im Widerstand gegen die Nazis sah ich auch eine orangene Piratenflagge“. Eine FDP-Fahne hast Du sicher nicht gesehen? 🙂
    So sieht man, was heute noch FDP und Piraten unterscheidet. Die FDP hat sich bereits ihren Platz unter den Wohlhabenden eingerichtet. Die Piraten müssen erst noch da hin kommen. Das braucht Zeit und dafür brauchen sie noch eine bürgerlich, demokratische Freiheitsordnung. Somit haben sie auch ein Problem mit dieser Nazibrut.

    Ansonsten, toll gemacht von den bayrischen (und zugereisten) Antifaschisten. Wäre gut, wenn der Anteil Dresdner im Februar bei den Protesten auch mal so hoch wäre.

  3. Von Fresch am 22. Jan 2012 um 12:00 Uhr

    Hallo danke für euren bericht es ist wichtig sich immer wieder sich der Braunen Pest entgegen zu stellen wir wollen euch nicht wir glauben euch nicht wir wollen mit allen Menschen auf der Welt in frieden leben wir sind nicht automatisch besser weil wir Deutsche sind das Unheil das diese Nazis schon einmal über die Welt brachten werden wir nicht wieder zulassen wir schauen nicht wieder weg wir sind wissende

  4. Von maxlrainer am 22. Jan 2012 um 15:27 Uhr

    Aber nicht vergessen: „Antifaschismus ist keine Antwort.“
    Ha!

  5. Von leser am 22. Jan 2012 um 18:48 Uhr

    also wie ist das, hat jemand details zu dem, was man hier so sieht? -> https://fbcdn-sphotos-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash4/400571_282102385176115_100001290662167_709566_649689489_n.jpg

    jemand twitterte das mit dem spruch „unglaublich, antifas werden schon wegen halstüchern kriminalisiert…“

    eines der stöcke gehört wohl zu einer fahne, doch bei den anderen handelt es sich laut mehreren twitterern eindeutig um schlagstöcke. (was meine eigenen augen soweit nur bestätigen können.)

    -?- -!-

  6. Von gewe am 22. Jan 2012 um 20:50 Uhr

    @leser. Die Polizei war zu nah dran an der Nazibande. Die Schlagstöcke hätte sie nur aus größerer Entfernung sehen können. :mrgreen:
    Naja, nicht nur in Sachsen sind Unions-Parteien auf dem rechten Auge blind.

  7. Von olaf am 24. Jan 2012 um 02:22 Uhr

    das sind wohl auch Mini-Fahnen, wenn man genau hinschaut. Nur dient der eingerollte Stoff wohl als Griff. Beim dritten Stockträger deutet sich das zumindest durch die Schatten an.

  8. Von rena am 26. Jan 2012 um 12:04 Uhr

    Prima – das gibt Mut für Dresden.

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