Journalismus, der SPIEGEL und Oscar Wilde

Journalismus sollte immer unabhängig sein. Ist er natürlich nicht. Die Medien (und damit die Medienschaffenden) berichten im Sinne ihrer Geldgeber oder der Gruppen/Klassen, die sie vertreten. Das weiß man, und das sollte man beim Lesen von von Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Blogs und beim Schauen von Fernsehen immer im Hinterkopf haben. Auch ich schreibe in meinem Blog zwar unabhängig, aber nicht neutral.

Zwei Meldungen vom heutigen Morgen aus SPIEGEL ONLINE möchte ich hier mal als Screenshot zeigen:

1. Ein bisschen Propaganda gegen die syrische Königsfamilie:

2. Ein bisschen Propaganda für die britische Königsfamilie:

Merkt ihr was? Ich will es mal zusammenfassen: Für beide gilt, Adelspack ist immer faul und parasitär und es gibt heute keinerlei Rechtfertigung mehr für so etwas. Aber das ist den Journalisten beim SPIEGEL natürliche egal, auch wenn sie es wohl wissen.

Was hat das jetzt mit Oscar Wilde zu tun? Dazu zitiere ich aus der Biographie von Selbigem, geschrieben von Barbara Belford:

Wenn Shaw den Journalismus vulgär fand, konnte Oscar Wilde nur zustimmen. In Der Kritiker als Künstler bemerkt Gilbert: „Was den modernen Journalismus angeht, so fühle ich mich nicht berufen, ihn zu verteidigen. Er rechtfertigt seine Existenz nach dem großen Darwinschen Prinzip vom Überleben des Vulgärsten.“ Ein berühmtes Verdikt enthält Der Sozialismus und die Seele des Menschen: „In früheren Zeiten hatten die Menschen die Folter. Jetzt haben sie die Presse.“ Und in Feder, Stift und Gift formulierte er, möglicherweise an Willies1 Adresse: „Die Pflege eines Stils, der so prunkvoll ist, dass er den eigentümlichen Inhalt verdeckt, gehört zu den größten Errungenschaften einer bedeutenden und vielbewunderten Schule von Leitartikeln der Fleet Street.“

Oscar Wilde attackierte den Journalismus als Widersache des Künstlers. In Der Sozialismus und die Seele des Menschen lobt er Frankreich als ein Land, in dem „der Journalist beschränkt und dem Künstler fast vollkommene Freiheit gewährt“ wird. In England hingegen „hat der Journalismus absolute Freiheit, und der Künstler wird völlig beschränkt“.

Es ist aber jetzt nicht so, dass Wilde den Journalismus per se ablehnte. Belford schreibt weiter:

Dennoch profitierte der Künstler Wilde sehr wohl von der Presse – tatsächlich basierten seine ersten Erfolge weitgehend auf Publicity (ob nun satirisch oder nicht).

  1. Bruder von Oscar Wilde []

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