13. Februar 2012 in Dresden – Nazis eine Abfuhr erteilt!

Es war ein langer Tag. Und in der Konsequenz auch ein erfolgreicher. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Die Nazis konnten zwar laufen, aber nur eine stark verkürzte Route. Und das hat sie richtig geärgert. Man kann sagen, ihre Route war so kurz, das sich der Kopf schon wieder in den Schwanz gebissen hat.

Aber von Anfang an.

13 Uhr startete am Comeniusplatz der „Mahngang Täterspuren“. Diese war im letzten Jahr unverständlicherweise verboten worden, diesmal fand er statt. Es ging darum, an Hand 11 innerstädtischer Punkte aufzuzeigen, dass Dresden nicht die Opferstadt war, als die sie immer noch romantisiert war, sondern das es in Dresden nicht wenige Täter, Mitläufer und Wegschauer gab.


An diesem Mahngang nahmen über 2000 Menschen teil! Besucht wurden unter anderem die Mutschman-Villa (Mutschmann war Ministerpräsident, Partei-Gauleiter und Reichstatthalter), der Standort der ehemaligen Gefangenenanstalt Mathildenstraße, selbstverständlich die Synagoge, das Polizeipräsidium und der ehemalige Sitz der Gestapo, Bayrische Straße. (Mehr dazu auf www.dresden-nazifrei.com, die Seite ist aber wegen eines vermutlichen Angriffs derzeit offline) An den verschiedenen Punkten sprachen Dresdner Künstler und bekannte Persönlichkeiten Texte zu dem jeweiligen Thema.


Am Polizeipräsidium spaltete sich der Mahngang auf. Während der größere Teil weiter Richtung Hygienemuseum lief, bewegten sich ca. 500 Jugendlicher Richtung Postplatz und Freiberger Straße. Die Polizei war das erste Mal sichtlich überfordert. Ziel war die Kreuzung Freiberger Straße / Ammonstraße am Word Trade Center, die blitzschnell besetzt wurde. Die Blockade blieb auch bis zum Ende der Naziaktivitäten bestehen! Ein großartiger Erfolg.


Zu dem Zeitpunkt hatte ich Zweifel, ob das reichen wird. Schließlich könnten die Nazis ja noch über die Rosenstraße zur Freiberger Straße gelangen. Die Nazis hatten ihren Sammelpunkt unter der Brücke Budapester Straße. Gegen 17 Uhr war aber noch niemand zu sehen. Das Areal am Hauptbahnhof war massiv durch die Polizei abgesperrt. Überhaupt ging an diesem Tag verkehrstechnisch in der Innenstadt recht wenig. Schon der Mahngang Täterspuren hatte an der Synagoge den Platz weiträumig blockiert. Aber da mussten die braven Dresdner Bürger mal durch. Sie konnten ja gleich dableiben.


Vielleicht war das aber auch der Grund, warum in diesem Jahr weniger Menschen an der Menschenkette teilnahmen als im letzten Jahr, wie die Sächsische Zeitung Online schreibt. Aber die Menschenkette war sowieso ein Witz. Ich sage es immer wieder, ich kann es verstehen, dass nicht jeder den Mut hat, sich offensiv an Blockaden zu beteiligen. Ich finde es auch in Ordnung, wenn sie wenigsten ein Zeichen setzen, indem sie sich an der Menschenkette beteiligen. Aber von „sich den Nazis entgegenstellen“, wie im Aufruf zu lesen war, konnte wirklich keine Rede sein. Die Nazis befanden sich alle in der Nähe des Hauptbahnhofs und die Menschenkette am Rathaus war davon 600 bis über tausend Meter entfernt. Aufgehalten wurde dadurch nicht ein einziger Nazis, das waren wieder die unzähligen Antifaschisten, die länger als 10 Minuten (So zwischen Einkaufen und McDonalds) auf der Straße standen und saßen. Immerhin schafft die SZ das in einem Satz nebenbei zu erwähnen: „2010 und 2011 hatten Tausende Gegendemonstranten Neonazi-Märsche verhindert.“


Die Blockade Freiberger Straße / Ammonstraße sollte aber nicht die einzige bleiben. Inzwischen hatten sich auch hunderte oder tausend Menschen auf dem Sternplatz eingefunden und in Seitenstraßen sah man auch kleinere Gruppen. Das Ergebnis war, dass die Nazis nur eine sehr kurze Route latschen konnten, eine Zwischenkundgebung fiel komplett aus. Das stank denen gewaltig. An der Kreuzung Güterbahnhofstraße / Ammonstraße riss der widerliche Aufmarsch der Nazis plötzlich ab und ein Teil blieb über eine halbe Stunde stehen. Belustigt konnte man sich dann anschauen, wie sich die Nazis gegenseitig anschrien und die Ordner drohten, einzelne von denen aus ihrer Demo rauszuwerfen. Na hätten sie mal… Lange Zeit war unklar, was los ist, bis mir ein Kollege erklärte: „Die sind bockig, weil ihre Route so verkürzt wurde.“

Na das war doch mal was!


Letztlich zogen die Nazis wieder alle ab, von der Polizei begleitet, und gegen 21 Uhr konnten die Antifaschisten zufrieden nach Hause gehen. Am Postplatz gab es noch eine kleine Abschlusskundgebung. Passend war dort schön laut „Ten German Bombers“ von Egotronic zu hören.

Das Fazit von Dresden Nazifrei, zu lesen bei Facebook:

Unser Fazit: 6000-8000 BlockiererInnen machen Trauermarsch zur Lachnummer, 2500 protestieren mit Täterspuren gegen den Opfermythos Dresden. Für uns ist der 13. Februar 2012 ein voller Erfolg. Unser Ziviler Ungehorsam ist legitim und wir sehen uns nächste Woche Samstag wieder in Dresden!

Ausdrücklich möchte sich das Mod-Team bei allen HelferInnen im und um das Bündnis herum bedanken, die in den letzten Wochen alles dafür getan haben, dass der Naziaufmarsch in Dresden ein Stück mehr Geschichte wird. Ihr ward und seid die Besten!


Am Samstag den 18. Februar wird es nach aktuellem Kenntnisstand keine Nazidemo geben. Das haben sie wohl schon aufgegeben. Bleibt es dabei, seid ihr trotzdem alle in Dresden zu einer großen antifaschistischen Demonstration ab 11 Uhr am Hauptbahnhof eingeladen. Es gibt noch genügend, gegen das man protestieren muss. Die Kriminalisierung der Antifaschisten hat nicht aufgehört.

No pasaran!

  1. 6 Reaktionen

  2. Von m am 13. Feb 2012 um 23:39 Uhr

    hier die Bilder vom Naziaufmarsch und Video vom Marsch:
    Videos sind chronologisch …

    http://www.flickr.com/photos/76591291@N06/sets/72157629306926587/

    http://www.youtube.com/watch?v=KtJ0rRsm8FE
    http://www.youtube.com/watch?v=DKQo14UGu8w

    Es gibt insgesamt 4 Teile …

  3. Von Die Beobachter am 14. Feb 2012 um 00:25 Uhr

    Hallo,
    ein erfreulicher Bericht über den 13.02.2012. Wir werden mit dafür sorgen, dass der 18.02.2012 für die Nazis eine unvergessliche Niederlage wird! Wir sehen uns… auf der Straße! No pasaran!

  4. Von gewe am 14. Feb 2012 um 09:01 Uhr

    DANKE! Vielen Dank für Deinen langen und informativen Bericht und dass Du einen so langen Urlaubstag dafür genommen hast.
    Vielen Dank auch an all die Dresdner und Gäste, die diesen Tag zum Erfolg gemacht haben. Dem braunen Pack soll die Lust endgültig vergehen, hier zu marschieren. Mich hat auch gefreut, das BILD & Co. keine Nahrung für ihre Hetzberichte („Dresden brennt …“) bekommen haben. Sicher ein Ergebnis auch von beiderseitiger Toleranz.
    Hoffentlich kommen nächsten Samstag viele Menschen zum Hauptbahnhof und nehmen an der Demo teil. Die Nazis haben zwar erst mal abgesagt, aber bundesweit wurden bereits viele Busse nach Dresden gebucht (Info von (ColorRadio). Da kann also ganz spontan noch einiges geschehen. „… Menschen seid wachsam …“ J. Fucik.

  5. Von Andreas am 14. Feb 2012 um 12:29 Uhr

    Danke Dir für den tollen Bericht. Besonders freut mich das es friedlich ablief. Somit gab es keine Nahrung für Propagandablätter in Deutschland.

  6. Von Rena am 14. Feb 2012 um 20:07 Uhr

    Danke, Woschod,

    großartig wieder, Dein Bericht. Als wäre ich dabei gewesen.
    Glückwunsch, dass alles so friedlich abgelaufen ist!
    Karl-Chemnitz-Stadt kommt am Samstag. Hasta luego.

    „Lidé, bd?te!“ J.Fu?ik

  1. 1 Trackback(s)

  2. 14. Feb 2012: trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

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