Die Junge Welt als Großkapitalisten? Was sagt denn da der Stalin dazu? Und das Heim der Ente?

Seit ein paar Tagen wird mal wieder eine neue Sau durch das Bloggerdorf getrieben. Es gibt Ärger um die junge Welt. Es ist ja nichts neues, dass versucht wird, die junge Welt in den Ruin zu treiben. Glücklicherweise ist das bisher nicht gelungen. Nicht zuletzt Dank finanzieller Unterstützung der Genossen in der jW-Genossenschaft. Und natürlich der Abonnenten.

Also, was ist nun wieder los?

Es geht um den jW-Autor Rainer Balcerowiak. Zum Grundverständnis empfehle ich den jW-Artikel: “Zum Haustarifvertrag bei der jungen Welt”

Zitat:

5. Auch dem Kollegen Rainer Balcerowiak wurde seit 2006 regelmäßig eine Übernahme in die Festanstellung angeboten, was dieser aber immer wieder ausdrücklich ablehnte, weil er diverse Vorteile des Status eines freien Journalisten weiter nutzen wollte. Zuletzt wurde ihm Ende 2011 ein Bruttogehalt angeboten, was über seinem bisherigen Pauschalhonorar und über den im Hause üblichen Tarifen lag. Gespräche wurden selbst dann noch geführt, als Rainer Balcerowiak per Anwalt eine rückwirkende Festanstellung mit einer Entlohnung in Höhe von 4401 Euro monatlich sowie eine Nachvergütung in Höhe von über 107000 Euro innerhalb von 14 Tagen von der jungen Welt einforderte.

6. Die Gespräche wurden abgebrochen, als Rainer Balcerowiak für die Durchsetzung seiner oben genannten Forderungen das Arbeitsgericht eingeschaltet hatte.

Balcerowiak stellt übrigens eine Nachforderung von 107.000 Euro, was den Ruin der jungen Welt bedeuten würde.

Zum Lesen empfehle ich weiterhin den Artikel und die folgende Diskussion in den Kommentaren bei trueten.de: “Junge Welt: Motivationen und seltsame Allianzen”

Wie man an mehreren Stellen lesen kann, ist das Problem, welches Rainer Balcerowiak dabei hat, dass er mit dem Tarifvertrag angeblich netto weniger Geld in der Tasche hätte, als in seiner Zeit als freier Mitarbeiter. Wortwörtlich schreibt er als Kommentar unter den Artikel bei trueten.de dazu:

(…) Ich habe weder 2006 noch 2011 eine Festanstellung abgelehnt, sondern lediglich darauf bestanden, für diesen Fall keine Nettoeinkommensverluste hinnehmen zu müssen. Seine 2006 gegebene Zusage, ein entsprechendes Angebot vorzubereiten, hat der Geschäftsführer bis heute nicht eingehalten. (…) Es gab in der gesamten aktuellen Auseinandersetzung nur ein Angebot vom Geschäftsführer: 1890 brutto (knapp 300 Euro weniger als zumindest ein Kollege in vergleichbarer Position). Das habe ich abgelehnt. Ende Dezember – mein Vertrag war mittlerweile zum 31.Januar gekündigt worden – ließ Dietmar mir ausrichten, er würde mir ein neues Angebot machen. Dies geschah – trotz Nachfrage- nicht. Stattdessen wurde meine bisherige Stelle ausgeschrieben. (…)

An selber Stelle findet sich auch dieser Gegenstandpunkt eines Kommentators:

vielleicht bringt ja folgender punkt etwas klarheit in die debatte:
offenbar hat balcerowiak 11 jahre lang gegenüber seinen kolleg_innen davon profitiert, als “fester freier” arbeiten zu können. da dieses konstrukt nun nicht mehr gerichtsfest ist, mußte sich das ändern.

was er verlangt, ist meiner ansicht nach nicht, keine “gehaltseinbußen” hinnehmen zu müßen, sondern seine privilegien gegenüber den anderen kolleg_innen behalten zu dürfen (sprich: auch weiterhin deutlich mehr als sie zu “verdienen”). eine “nasenprämie” par excellence also, gegen die sich die geschäftsleitung mit unterstützung der kolleg_innen sperrt. richtig so!

da stellt sich doch die frage, mit welcher politischen begründung denn wohl hier und andernorts so auf die pauke gehauen wird.

balcerowiak geht es um seinen persönlichen vorteil auf kosten der restlichen belegschaft.
und dafür gehen dann irgendwelche pseudorevolutionären blogwarte auf die barrikaden… (…)

Weitere Texte zum Thema junge Welt:

Ich selber bin nicht in der Lage, das vollständig einschätzen zu können, darüber darf sich jeder gerne versuchen selber ein Bild zu machen. Meines Wissens wird es am 20. Februar den Prozess vor dem Arbeitsgericht geben. Interessant wird das Ergebnis auf alle Fälle.

Ein anderes, daneben liegendes Thema stellte sich in den Kommentaren bei trueten.de heraus. Der Artikel bezieht sich nämlich im besonderen auf den Artikel von Jochen Hoff bei Duckhome: “Junge Welt – Da grinst Stalin freundlich aus seiner Gruft”. Bisher habe ich zwar Duckhome nur sehr unregelmäßig gelesen, aber nicht in schlechter Erinnerung gehabt. Man fragt sich allerdings, was der Verweis auf Stalin soll. Ich kenne das nur als Totschlagargument. “Wie, Du hast Einwände? Dann musst Du wohl Stalinist sein!” Eine ziemlich billige Masche.

Jochen Hoff begründet das selber in einem Kommentar unter dem Artikel bei trueten.de:

Der Stalinbezug der Artikel bezieht sich ausschließlich auf die Art und Weise des Vorgehens der Geschäftsleitung, die kein kapitalistisches Unternehmen noch mieser hätte gestalten können.

Ja ne, is klar.

Weiter schreibt er an selber Stelle, insbesondere gegen Thomas Trüten gerichtet:

Ganz nebenbei bemerkt hat diese Geschäftsleitung übrigens dich und alle anderen Blogger als Trolle abqualifiziert und agiert damit wie die Herren von Matt und Jörges, was auch verrät wie dort gedacht wird.

Nun, wer weiß, wie kommt es dann, das die junge Welt einen Leserbrief von Thomas Trüten veröffentlicht?

Diese Diskussion ist im Weiteren recht interessant zu lesen. Speziell Jochen Hoff von Duckhome zeigt sich dann aber von einer ziemlich üblen Seite. So schreibt er, als es um seine Artikel über Jürgen Elsässer und dessen “Volksinitiative” (Erklärung bei Wikipedia) geht:

Ja ich habe Jürgen Elsässer damals verteidigt und aus den paar Terminen bei denen ich in Veranstaltungen der Volksinitiative war, gab es auch keinen Grund das nicht zu tun. Das er heute bei den Obskuranten gelandet ist, tut mir persönlich leid, aber ich bin bis heute der Meinung das die reine Lehre uns keinen Schritt weiterbringt.

Und noch weiter unten:

Was ich sage, sage ich unter meinem Namen. Schon seit Jahren. Ja, ich teile auch heute noch den Kern seiner damaligen Querfrontstrategie und ich werde mir das auch nicht nehmen lassen. Man nennt so etwas demokratisch, aber das ist vermutlich ein Wort mit dem du nicht viel anfangen kannst.

Wie Elsässer inzwischen tickt, sieht man an solchen Ausszügen aus dessen Blog:

Riesiger Erfolg für die Euro-Gegner! Auf dem Kongress “Europa vor dem Crash” des Kopp-Verlages am vergangenen Sonnabend waren 900 Leute (…) Was besonders erfreulich ist: Der Versuch von Gesinnungspolizisten aus der Antifanten-Szene, den Kongress von der Stadt Leinfelden verbieten zu lassen, ist gescheitert.

Aber angeblich sieht Hoff das mit Elsässer heute anders. Da kann ich nur sagen: Nein Jochen, so einfach ist das nicht. Bei dieser “Volksinitiative” war von Anfang an klar, das es auf Querfrontstrategie, also die Zusammenarbeit von Linken und Rechten geht. Und das kann nicht sein. Niemals, wirklich absolut niemals!, kann es ein irgendwie geartetes Zusammengehen mit Nazis gehen. Bei keinem Thema. Nein!

Und ganz sicher ist es auch Unsinn, zu glauben, man könne mit den “Linken in der CDU” irgendwas verändern.

Die Krone setzt dann auf, dass sich herausstellt, dass er in seiner Blogroll auf Altermedia (Antisemitisches, ausländerfeindliches, rassistisches Nachrichtenportal der Rechtsextremen) verlinkt. (Screenshot) Dies hat er inzwischen schnell entfernt.

Zu seiner Verteidigung konnte Jochen Hoff nur noch antworten:

Ja, du hast recht, schlag mich. Ich bin ein Nazi. Ich hab es nur nicht gewusst. Meine Blogroll ist zwar kaputt und wurde durch die Biogs die ich im Reader habe ersetzt. aber ja ich lese Altermedia. Ich Schwein ich. Trotzdem danke für den Hinweis.

Übel, übel…

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