Einfach nur “gegen Nazis” sein reicht nicht

Im Folgenden veröffentliche ich ebenfalls einen offenen Brief einer Gruppe von Women und People of Color. Er ist insbesondere an das Bündnis Dresden Nazifrei gerichtet, ich denke aber, jeder sollte sich damit auseinandersetzen. Er zeigt, wie schwierig es ist, auch als überzeugter Antifaschist sich so zu verhalten, dass man wirklich antifaschistisch und diskriminierungsfrei handelt. Der Brief ist meiner Meinung vor allem ein Denkanstoss.

“Sehr geehrte Organisator_innen des Bündnisses Dresden Nazifrei,

wir sind eine Gruppe von Women und People of Color und waren am Samstag, den 18.2.2012 bei der Demonstration in Dresden. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass die Nazis nicht marschieren konnten. Umso ärgerlicher, dass schnell erkennbar wurde wie klein der gemeinsame Nenner in dem Bündnis ist und es keinen Konsens bezüglich rassistischer und sexistischer Normalitäten in dem Bündnis gibt. Es war sehr enttäuschend und verletzend, dass sich die Demo gleich zu Beginn mit ihrer Auftaktband selbst als weiß konstituiert und damit allen Menschen in der Demo, die sich als PoC positionieren und Rassismuserfahrungen machen (und anders selbstbezeichnen) eine Absage erteilt.

Schon auf der ersten Kundgebung vor dem Dresdner Hauptbahnhof begann die Auftaktband Lieder mit sehr fragwürdigem Inhalt zu spielen und damit einen Konsens von rassistischer Normalität zu etablieren, indem sie Begriffe rassistischer Markierungspraxis wie N-/I-/Z- Wörter verwendet. Das mag in der Absicht passiert sein, sich von Nazis abzugrenzen und deren Ideologie zu dekonstruieren, hat aber in erster Linie Rassismus (re-) produziert. Und ihr als Bündnis bietet Menschen dafür eine Bühne.

Das ist schlichtweg ignorant und kann nur aus weißer Sichtweise witzig sein. Für uns People of Color ist Faschismus und Rassismus eine schmerzhafte Realität und keinesfalls eine gute Satire!

Wenn nicht gesehen wird, dass die Band und weiße Aktivist_innen diese Begriffe nur aufgrund von weißen Privilegien ertragen können, während es für andere in der Demo eine Reproduktion der alltäglichen, rassistischen Erfahrungen ist, ist der einzige Effekt, dass hier ein weißes Selbstverständnis der weißen linken antifaschistischen Szene und Bewegung reproduziert und etabliert wird, das den Ausschluss von Menschen mit Rassismuserfahrung schon im Ansatz beinhaltet.

Hinzu kommt, dass auf den unterschiedlichen Lautis Musik lief, in/mit der weiße Antifamännlichkeiten sexistische und rassistische „Reviermarkierungen“ von sich geben. Wenn weiße (nicht nur) Antifajungs sich hinstellen und das N-Wort grölen dann signalisiert das Herrenrassenverhalten; sich über alle Stimmen derer die Rassismus erleben hinweg zu setzen mit der Gewissheit sich als weißer Mensch die Definitionsmacht aneignen zu können.

Zuletzt hat eine weiße männliche Band Rroma Lieder gespielt und alle tanzten. Denkt bitte darüber nach wer, wann und wo welche Lieder spielen sollte! Das ist purer Kulturkannibalismus und für die Rromni unter uns wieder mal ein Schlag ins Gesicht!

Die Liedauswahl auf den Lautis wurde auch in sexistischer Hinsicht im Laufe der Demonstration schmerzhaft. Was fällt euch ein, auf einer Demonstration sexistische Lieder wie “Mambo Number Five” und “Barbie Girl” zu spielen? Mit dieser Anbiederung an den sexistischen und rassistischen Mainstream verharmlost ihr den Grund, weshalb überhaupt demonstriert wird. Eure Demonstration wurde dadurch zur Party, Antirassismus und Antifaschismus zum Film, den sich weiße Deutsche für ein paar Stunden in Dresden ansehen und dann wieder nach Hause fahren können. Und im schlimmsten Fall geben sie sich dafür noch einen Cookie.

Apropos Cookie: Warum habt ihr die ganze Zeit über Lobeshymnen für euch gesungen? Sicher ist es erfreulich, dass Nazis nicht marschieren können, aber sich die ganze Zeit über selbst dafür zu loben, ist absolut unangebracht. Glaubt ihr der Rassismus ist damit besiegt? In diesem Land sind rassistische Denkstrukturen in allen Köpfen tief verankert. Und ja, auch in euren! Im Übrigen ist es die Pflicht, keine Heldentat jedes_r weißen Deutschen etwas gegen Rassismus und Faschismus zu tun. Rassismus ist ein Problem der Weißen, das PoCs und Schwarze ausbaden müssen. Das Verhindern eines Naziaufmarsches ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein in einem Land, in dem Rassismus strukturell und institutionell verankert ist. Es ist nicht mehr, als das Einfordern eines Mindestmaßes. Wir sehen darin keinen Grund eine fette Party zu veranstalten, denn für uns gehen die rassistischen Erfahrungen im Alltag weiter. Und die Erfahrungen auf dieser Demonstration haben gezeigt, dass sie nicht mal in diesem Bündnis für den Moment einer Demo aufhören. Das Mindestmaß ist kein Grund sich auf Selbstlob auszuruhen, denn ein Großteil der Menschen in der Demo mussten sich Rassismus und Sexismus antun, Verletzungen und Ausschluss gefallen lassen um dieses Mindestmaß (nach außen) zu tragen.

Auch eine vorgebliche Solidarisierung weißer Aktivist_innen ändert nichts daran, wenn weiße Aktivist_innen nicht ihre Privilegien und Kompliz_innenschaft überdenken. Ganz im Gegenteil.

Auf der Demo haben weiße Teilnehmer_innen mit Kofiyye die Kurdistan- und die Palästina-Flagge geschwungen. Das ist eine Aneignung von Kämpfen, die vorhandene Machtstrukturen reproduziert. Das ist nicht nur rassistisch, sondern auch neokolonialistisch. Haben die Eltern weißer Demonstrierender den Krieg und die Verfolgung in Kurdistan und/oder Palästina miterlebt? Sind sie etwa selbst Kurd_innen oder Palästinenser_innen? Nein! Demnach müssen sie sich zunächst mit ihren Privilegien als Weiße in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen, eines dieser Privilegien ist es zum Beispiel nicht über Flucht- und Rassismuserfahrungen zu verfügen, die Kurd_innen, Palästinenser_innen und andere PoCs Tag für Tag erleben. Ihr wollt solidarisch sein? Dann hört auf euch unsere Kämpfe anzueignen! Solidarisiert euch ohne gleich für andere zu sprechen.

Als PoC haben wir uns in eurem weißem Mob unsichtbar gemacht und unterrepräsentiert gefühlt, als Women of Color noch viel mehr. Es haben mehrheitlich weiße Männer gesprochen und die Redebeiträge waren sehr verletzend. Leidet ihr etwa unter Rassismus? Step aside the subaltern speaks!

Es wurde von ‚Ausländern‘ gesprochen, aber PoCs, Menschen die Rassismuserfahrungen machen, gemeint. Damit habt ihr eine Vielzahl von Menschen fremdbezeichnet und sie auch noch als Nicht-Deutsche qualifiziert. Ihr habt wieder einmal deutsch als weiß definiert und damit vielen Menschen abgesprochen in dieses Land gehören zu können. Faschismus und Rassismus scheißen aber auf Staatszugehörigkeit oder glaubt ihr die Nazis haben erst nach dem Perso gefragt? Was Faschismus und Rassismus aber bewirken, und ihr schön stützt, ist Menschen zu vermitteln, dass sie keine Rechte, keine Stimme, keine Zugehörigkeit, keine Berechtigung haben, weil sie Menschen sind, die nicht in die rassistische Vorstellung von weißem Deutschsein passen. Und das funktioniert hervorragend indem man sie als Ausländer markiert und pauschalisiert, denn als solche haben sie ja per se keine Rechte.

Eine Awareness für die Themen (Hetero-)Sexismus und Rassismus in euren Strukturen – egal in welchen Teilen des fragmentierten Bündnisses – bleibt dringend nötig! Rassismus bekämpfen bedeutet nämlich in erster Linie bei sich selbst anzufangen, demzufolge sollten sich alle erst einmal mit ihrer Whiteness und den daraus folgenden Privilegien auseinandersetzen und eine solche Auseinandersetzung auch in die Bündnisse tragen.

Wenn ihr tatsächlich wollt, dass es eine antifaschistische Bewegung gibt, dann müsst ihr anfangen nachzudenken was euer eigener Anteil an dem seltsamen Fakt, dass bei diesen Aktionen wenig Frauen und noch viel weniger Women of Color und People* of Color zu treffen sind!

Und für den Fall, dass sich gerade eine Gegenwehr bei euch regt von wegen die kommen ja nicht; das ist nicht die Aufgabe von Menschen mit Rassismuserfahrungen, sondern es ist die Verantwortung weißer (männlicher) Aktivist_innen die eigene Kompliz_innenschaft zu reflektieren und daraus handlungswirksame Konsequenzen zu ziehen.

Was auch immer das nächste Jahr bringt, Whiteawareness und konkret der Ausschluss von Musik mit rassistischen Begriffen gehören in den Konsens des Bündnisses. Wir fordern Whiteawareness- und Antisexismus- Teams die auf jedem Lauti ansprechbar sind und intervenieren und eine Mehrheit von People, Women, Queers, Trans* und Men of Color als Sprecher_innen!

Wir behalten uns vor diese E-Mail und ihre Antwort(en) zu Dokumentationszwecken zu veröffentlichen.”

(via Der schwarze Blog & Karano)

  1. 11 Reaktionen

  2. Von superbernde am 30. Mrz 2012 um 22:49 Uhr

    Ja, auch unter Linken wird sehr gern über oder von anderen Ländern und Völkern erzählt und deren Anliegen werden vorgetragen, ohne sie selbst zu Wort kommen zu lassen.
    Aber dieser Text geht doch etwas zu weit. Anliegen der Demo in Dresden war doch, den Naziaufmarsch zu verhindern. Es war keine Demo gegen Sexismus oder ähnliche Dinge. Aber die Autoren dieses Textes müssen wohl auch wahrnehmen und viele linksradikale Gruppen müssen das auch, dass es einfach nicht angebracht ist, in der derzeitigen Lage Maximalforderungen an andere Gruppen zu stellen. Viel wichtiger ist das Zusammenarbeiten, um überhaupt etwas zu erreichen. Das man dann nicht auf alle Besonderheiten und Belange von kleinen Gruppen Rücksicht nehmen kann, ist doch auch klar.

  3. Von sven am 31. Mrz 2012 um 00:37 Uhr

    Was meinen die Autoren damit, wenn sie sagen die Demonstration hätte sich selbst als weiß konstituiert? Was sind N-/I-/Z- Wörter?

  4. Von superbernde am 31. Mrz 2012 um 13:49 Uhr

    Unter „linksradikalen“, anarchistisch geprägten Intellektuellen gibt es einen Ansatz, Dinge von der Ideologie her zu kritisieren. Als weiß konstituieren, dass man vom Denken her immer aus der Sicht des Weißen, des Täters, des Rassisten aus argumentiert und nicht aus der Sicht des Opfers. Beim unrast Verlag gibt es eine ganze Buchreihe dazu.
    N-/I-/Z-Wörter? Keine Ahnung, was das sein könnte.

  5. Von gewe am 31. Mrz 2012 um 14:25 Uhr

    Bin ich jetzt Rassist, wenn ich wünsche, dass der Protestbeitrag weitestgehend auf die deutsche Sprache umgearbeitet wird? Ich bin des Englischen durchaus mächtig und habe auch keine Probleme, wenn derartige Beiträge von einem Team sprechen, aber hier ist vielfach das Erträgliche überschritten worden. Man bekommt mehr den Eindruck, hier will sich jemand besonders wichtig machen. Dabei sollen derartige Beiträge viele Menschen erreichen, auch wenn sie des Englischen nicht mächtig sind bzw. mit den Begrifflichkeiten nichts anfangen können.

    Alles andere hat superbernde schon richtig gesagt. Es hat viele Jahre gebraucht, um einen derartigen Konsenz der verschiedenen Gruppen gegen die Nazis zu bekommen. Dieser Konsenz soll erhalten bleiben und schrittweise ausgebaut werden. Haben wir gerade mal ein Problem so einigermaßen in den Griff bekommen, muss man nicht gleich einen großen Kübel neuer Probleme auskippen und dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten gegenseitig zu Tode diskutieren.
    Die Mannschaft von Dresden Nazifrei wird den Beitrag sicher als Denkanstoß betrachten, in welche Richtung das Bündnis inhaltlich weiter entwickelt werden sollte. Es ist aber ein Ding der unmöglichkeit, zu erwarten, dass 2013 alle auf den Punkt genau schon umgesetzt ist. Wichtiger ist, dort anzusetzen, wo wir 2012 aufgehört haben. Noch wichtiger ist es mir, die eigentlichen Wurzeln von Rassismus und Nazismus aufzudecken und deren Beseitigung anzugehen. Wenn letzteres eines Tages gelingt, sind viele Forderungen des Protestschreibens erfüllt.

  6. Von Woschod am 1. Apr 2012 um 14:09 Uhr

    Das N-Wort steht für „Neger / Nigga“, Z fuer „Zigeuner“, I eventuell für „Imigrant“, aber des weiss ich nicht so genau.

    Hier mal ein bisschen was zum Belesen zur Thematik der Begrifflichkeiten:

    http://www.derbraunemob.de/deutsch/content/content_fragen.htm

    @gewe: Sicher geht es nicht von einem Tag auf den anderen, ein besserer Mensch zu werden. Aber manchmal hilft es, harte Fakten zu präsentieren, damit es keinen Stillstand in der Entwicklung gibt. Was wir im Februar alle zusammen erreicht haben, ist eine toller Erfolg. Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Nur wenn wir an uns selber arbeiten, können wir auch weiter den Anspruch erheben, besser als Nazis zu sein.

    Ein großes Problem auch unter Linken ist meiner Meinung nach z.B der Sexismus. Da schließe ich mich nicht aus. Beispielsweise auf eine Demo gegen Nazis zu gehen und dann der Antifaschistn im kurzen Rock hinterher zu pfeifen ist ein Widerspruch.

    Nazis ihre Homophobie vorzuhalten und sch selber auf der Demo mit „Tada, Du Süßer! Rrrrrrrr!“ zu begrüßen, das kann auch nicht sein.

    ICh empfehle wirklich mal das Buch von Noah Sow „Deutschland Schwarz Weiss“.

  7. Von Lydia am 1. Apr 2012 um 16:42 Uhr

    Ich finde den Beitrag keineswegs überzogen. Die Kritiken sind für mich nachvollziehbar und dabei bin ich allein durch die Tatsache weiße Mitteleuropäerin zu sein auf der Seite der Privilegierten.
    Wie erst muss das als Mensch mit tagtäglich erlebter Rassismuserfahrung sein, selbst in linken Zusammenhängen ständig damit konfrontiert zu werden?
    Auch in linksradikalen Zusammenhängen ist immer wieder von „Gewalt gegen Ausländer“ die Rede, wo rassistische Übergriffe geschehen sind, Weiße rennen mit Rastazöpfen herum und sprechen für Flüchtlinge statt sie selbst sprechen zu lassen und zu unterstützen, wo es nötig ist. Natürlich werden sich diese Probleme nicht von heute auf morgen lösen lassen.
    Ist das das Anliegen der Autoren? Weiß ich nicht. Ich finde es aber richtig, immer und immer wieder den Finger so in die Wunde zu legen dass es richtig wehtut, denn sonst ändert sich NICHTS.
    Gut zu sehen am Beispiel des gesellschaftlich allgegenwärtigen Sexismus. Interveniert man als Frau machohafte Sprüche und dummes Lookism-Gewäsch, wird man schnell als humorlos, kleinlich, zickig, frustriert, pingelig (tbc …) bezeichnet.
    Nein, wir alle leben in dieser Gesellschaft und deshalb wirkt sie auch auf uns. Sich darauf auszuruhen ist bequem und hat den angenehmen Nebeneffekt, sich nicht ändern und liebgewonnene Eigenschaften nicht ablegen zu müssen.
    Also am Frauentag die Faust gegen patriarchale Zustände recken und am nächsten Abend in der Kneipe sexistische Bemerkungen über den Hintern der Bedienung ablassen …
    Wenn man nicht bereit ist, sich da selber kritisch zu beleuchten mit dem Ziel, sich zu ändern, wird das meiner Meinung nach leider gar nichts werden.
    Gerade deshalb finde ich schmerzhaft deutliche Ansagen überaus angebracht.

  8. Von gewe am 1. Apr 2012 um 18:58 Uhr

    Ja sicher soll es weitergehen und ich habe ja meinen Endzielwunsch genannt. Aber dennoch sollte man die Kirche im Dorf lassen. Jeder Mensch braucht auch etwas Spaß und die meisten Demonstranten sahen mir nicht nach Wohlstandsbomben mit 250.000 EUR Monatseinkommen aus.
    Man kann Erziehungsarbeit leisten, aber nur wenn diese von den Betroffenen auch angenommen wird. Wenn es keinen zwingenden, obkjektiven Grund zu Änderungen gibt, wird es keine geben.
    Wenn „Dresden-Nazifrei“ das als Orientierungshilfe für die Weiterentwicklung nimmt, von mir aus gern. Aber wichtiger ist und bleibt, dass dieser Konsenz erhalten bleibt und die braune Brut in dieser Stadt nichts Großes mehr auf die Beine bekommt – ein für allemal. Darüber hinaus kann es gern weiter nach vorn mit der Entwicklung gehen. Nur man sollte realisitsch in seinen Erwartungen bleiben. Alles andere führt zu derzeit nicht machbaren Forderungen und wenn man diese den Menschen aufzwingen will, erreicht man leider nur das Gegenteil.

  9. Von Robert am 2. Apr 2012 um 19:26 Uhr

    „Man kann Erziehungsarbeit leisten, aber nur wenn diese von den Betroffenen auch angenommen wird. Wenn es keinen zwingenden, obkjektiven Grund zu Änderungen gibt, wird es keine geben.“

    Ich hoffe, das meinst du nicht ernst. Sonst weiß ich nicht, warum du auf eine Veranstaltung gegen Nazis gehst. Erfahrungsgemäß nehmen Nazis die Kritik an ihren Absichten nämlich noch weniger gern auf als wir weißen privilegierten Rassist/innen. Ich finde es gut, wenn mir die eigenen Widersprüche, Rassismen und Sexismen in aller Deutlichkeit aufgezeigt werden. Diese Denkmuster überhaupt (als problematisch) wahrzunehmen macht es doch erheblich einfacher ihre Überwindung anzugehen.
    Wer nicht bereit ist sich die obige Kritik an einer „weißen“ Demo anzuhören und sich die Frage zu stellen, inwieweit das auch auf sie/ihn zutrifft, befindet sich m.E. auf dem besten Weg bestimmte Formen der Unterdrückung zu rechtfertigen – mit Sachzwang Argumenten, wie „Aber wichtiger ist und bleibt, dass dieser Konsenz erhalten bleibt“ und Bequemlihckeitsargumenten, wie „Jeder Mensch braucht auch etwas Spaß“. Das soll natürlich nicht heißen, dass jetzt jeder Konsens umgeworfen und Spaß auf Demos verboten werden soll, aber ich denke, eine selbstkritische Haltung kann hier wenig schaden…
    Nazis sind weder schlimmer noch weniger schlimm als der Rassismus in der Linken. Also sollten wir nicht die eine Unterdrückungsform damit rechtfertigen, dass wir ja gerade etwas (eher Symbolisches) gegen die andere tun.

  10. Von Bäumchen am 3. Apr 2012 um 00:26 Uhr

    „Wenn es keinen zwingenden, objektiven Grund zu Änderungen gibt, wird es keine geben.“
    Was soll denn dieser Scheiß? Hier wird mal wieder deutlich gemacht, dass die Anliegen von POC’S Nebensache sind neben dem großen Ziel, den Naziaufmarsch zu beenden. Ich dachte Antifaschisten verstehen sich als mehr denn nur eine ,,Single-Issue“-Bewegung und wollen emanzipatorisch einen breiten Rahmen abstecken. Wenn es keinen zwingenden, objektiven Grund gibt? Ich liebe es, wie Männer (ich gehe davon aus, dass du einer bist, weil deine Sprache sehr danach klingt) das Wort objektiv einsetzen, um damit meistens zu suggerieren, dass der*die andere gerade irrational ist/handelt. Es gibt hier kein: ,,Wichtiger ist“. Nichts ist ,,wichtiger“. Nichts ist ,,die Hauptsache“. Wenn POC negative Erfahrungen machen in einer Demo, die sich gegen Rassismus ausspricht, dann ist das Realsatire, widerliche Realsatire. Traurig, aber wahr. Und noch schlimmer ist es dann, von Leuten wie dir hören zu müssen, dass das ,,derzeit nicht machbare Forderungen“ seien. Wo sind wir hier, bei nem Tarifstreit? Und wer bist du, der Antifa-Arbeitgeber?

    „Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden“(Georg Büchner)

  11. Von gewe am 3. Apr 2012 um 20:45 Uhr

    Woh, soviel Gegenwind hatte ich schon lange nicht mehr. 😀
    Also dann zur Bestätigung der schlimmen Meinungen über mich. 🙂
    Was ich schreibe meine ich ernst.
    Was ich ernst meine, muss nicht richtig sein.
    Dennoch werde ich auch weiterhin auf Veranstaltungen gehen, die gegen Nazis sind.
    Ich bin nicht lernresistent.
    Ich habe keine Probleme mit anderen Meinungen.
    Wenn mich andere Meinungen überzeugen, dann nehme ich sie mir an.
    Nein, ich bin nicht der Arbeitgeber der Antifa.
    Mit Umerziehen meinte ich keine Nazis. Bei Nazis habe ich wenig Hoffnung da Erfolge zu sehen. Das Umerziehen betraf den bestehenden Rassismus der Linken.
    Ich halte weiterhin den Konsenz der Antifa für das derzeit wichtigste.
    Ich habe nichts gegen eine Verbesserung einer bestehenden Situation.
    Ich bin nicht gegen die Bekämpfung des Rassismus.

    Ich habe aber arge Probleme mit Leuten, die mir ihre Meinung aufzwingen wollen und die Veränderungen ohne die davon Betroffenen erzwingen wollen. Das erst Recht, wenn dieses Bemühen an Verbissenheit grenzt und von Realitätsverlusten zeugt.
    Ja und ich bin männlich … seit gut 62 Jahren. Habe also eine menge Lebenserfahrungen mit verschiedensten Situationen mit unterschiedlichsten Menschen in zwei völlig verschiedenen Gesellschaftsordnungen und … gezwungener Maßen mit den Jahren ein etwas sehr dickes Fell bekommen.

    So nun schimpft weiter auf mich – wenn es euch hilft. Oder denkt mal einige Zeit darüber nach und lest meine Beiträge vollständig und richtig. Wenn etwas mißverstanden wird, dann kann man ja erst mal fragen, wie es Robert getan hat. Danach sollte man eine klärende Antwort abwarten, bevor man alles Mögliche und Unmögliche über jemanden auskippt.
    Mit Unterstellungen, erst recht mit böswilligen kann bei mir keiner was erreichen.

    Im übrigen, Lydias Beitrag habe ich verstanden. Das ist mir beim ursprünglichen Beitrag vielfach nicht gelungen. Doch dürften wir alle wissen, dass die genannten Probleme nicht erst wenige Wochen bestehen. Meine Erfahrung ist, dass derartige Probleme nur in einem sehr langwierigen Prozess lösbar sind – wenn überhaupt.
    Wer anderer Meinung ist, kann es gern schneller versuchen und wenn er es schafft, wird ihm mein Dank und meine Anerkennung sicher sein.

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  2. 2. Apr 2012: trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

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