Klassenkampf statt Weltkrieg (Veranstaltungsbericht)

Die Veranstaltung „Klassenkampf statt Weltkrieg“ am 29. September 2012 in einem gemieteten Saal der Musikhochschule stand bis zu Letzt auf der Kippe. Zwar gab es eine Entscheidung des Amtsgericht München, das der Mietvertrag vom Kanzler der Hochschule eingehalten werden muss, doch dieser fühlte sich nicht daran gebunden und sprach die Kündigung nochmals aus, er wollte sich vor dem Bayrischen Landgericht sein „Recht“ holen. Das Landgericht jedoch bekundete, die Entscheidung nicht mehr dieses Wochenende zu fällen. Somit war der Kanzler der Musikhochschule gezwungen, sich an die vertraglichen Bedingungen zu halten und die Veranstaltung konnte ungehindert stattfinden.

Der Saal war auf eine gruslige Weise dekoriert. Rote Fahnen mit einem weißen Kreis und einem Hakenkreuz in der Mitte erschreckten den Besucher zuerst. Beim näheren Hinschauen konnte man jedoch erkennen, dass das Hakenkreuz zerstört ist. Gut so!

Zu Beginn der Veranstaltung gab eine junge Genossin einen Rückblick auf die Geschichte des Hauses. Der „Führerbau“ wurde 1937 eingeweiht, 1938 fand hier die Besiegelung des Münchner Abkommens statt. Daran nahmen Delegationen Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Deutschlands teil. Die tschechoslowakische Delegation, also die Abgesandten des Landes, welches betroffen war, durften nicht an dem Treffen teilnehmen. Sie wurden im nachhinein nur über das Ergebnis informiert, welches die Abtretung größerer Gebiete an Nazideutschland vorsah.

Seit 1957 wird das Gebäude von der Hochschule für Musik und Theater genutzt. 1995 wurde an diesem Ort die Münchner Konferenz durch linke Aktivisten nachgestellt.

Während des Rückblick marschierten vier Gestalten über die Bühne, erkennbar als Soldat, Bundespolizist, Helfer des THW und Hitler. Die Veranstalter, u.a. FDJ, Arbeiterbund und Gewerkschaftsjugend, warnen seit Jahren vor dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren und der unmilitärischen Mithilfe von Organisationen wie dem THW im Krisenfalle zur Bekämpfung von Aufständen. Aufstände, wie wir sie derzeit massiv in Griechenland, Spanien und weiteren europäischen Ländern sehen.

Thomas Schmitz-Bender begrüßte die Anwesenden und gab noch mal einen kurzen Rückblick auf den Kampf um den Platz in der Hochschule. Das Ergebnis war eindeutig: „Wir haben gewonnen!“

Anschließend wurde der Film der internationalen Antikriegsaktion „Klassenkampf statt Weltkrieg“ gezeigt, bei der mit mehren LKWs deutsche, tschechische und polnische Städte besucht wurden und dort Aktionen stattfanden. Einer der LKW konnte an diesem Tag vor dem Gebäude betrachtet werden.

Tanja sprach über die derzeitige Krise und vor allem, was sie für die Jugend bedeutet. An Hand einiger Zahlen erläuterte sie, welchen Gewinn Deutschland derzeit aus der Eurokrise zieht. Die Frage ist deshalb: Was heißt es für die Jugend, wenn sie jetzt nicht den Kampf gegen das System beginnt? Während ihrer Worte liefen einige gelb-rot gekleidete Zwerge, einen Sarg tragend, über die Bühne.

Karel Janda (Vorsitzender des Klubs des tschechischen Grenzlandes (K?P) und Mitglied des RFB) erläuterte das Münchner Abkommen und zeigte Parallelen zur heutigen Zeit auf. Nach ihm sprach Radim Gonda ebenfalls über das Thema. Heute führt Deutschland keinen Krieg mehr gegen seine Nachbarländer sondern unterdrückt sie wirtschaftlich. Viele große Firmen in Tschechien und Polen befinden sich in deutscher Hand. Der Zeitungsmarkt in Tschechien wird fast nur durch deutsche Konzerne besetzt.

Marcin Popiuk von der Kommunistischen Partei Polens richtete Grüße aus seinem Land aus und schilderte die Situation in Polen.

Eindringliche Worte kamen von Helge Sommerrock über die Gefahr, die Deutschland in Europa darstellt und wie weit es seine Fühler schon wieder in andere Länder ausgebreitet hat. „Krieg und Faschismus wird es solange geben, wie die Produktionsmittel einer Minderheit gehören.“

Zum Ende kamen wieder die gelb-roten Sargträger. In dem Sarg befand sich das Krokodil, welches man schon von der Aktion der Himmlischen Vier kannte, es stand symbolisch für den Deutschen Imperialismus. Die Zwerge fingen an zu singen „Deutschland, Deutschland…“ Doch schon während der ersten Strophe standen im Publikum Personen auf und fingen an „Vorwärts, und nicht vergessen“ zu singen. Ihr Gesang, in dem immer mehr Anwesende einstiegen, übertönte den „Trauergesang“ der Zwerge. Zu guter Letzt wurde das Krokodil von der Bühne gekippt.

Während nochmals alle Mitwirkenden auf der Bühne erschienen, spielte ein Trompeter die Internationale. Dieser Tag war für alle Gäste ein beeindruckendes Erlebnis.

  1. Eine Reaktion

  2. Von storm martin am 30. Sep 2012 um 23:09 Uhr

    Die Tatsache das die Veranstaltung im ehemaligem Führerbau stattfand war für sich schon sehr Bedeutungsvollwie auch die Deko. Die künstlerische Einlage war Beeindruckend wie auch der Beitrag von Helge. Die anderen Beiträge waren eindeutig zu lang und inhaltlich Überflüssig. Ein desaster war die Mobilisierung. Ich glaube aus München selber waren am wenigsten dort und kaum Leute die durch die Aktionen mobilisiert wurden sind. Es bleibt zu hoffen das von der Energie und dem mutigen unermüdlichen Einsatz der Helfer aus den anderen Städten ein bisschen bei uns bleibt und wir in Zukunft in uns etwas in Bewegung setzen was sich nach außen ausdrücken wird

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