Politischer Frühshoppen in Marzling

Nachdem ich das Wochenende schon linke Politik erlebt habe, wurde es am Sonntagmorgen mal so richtig schön bürgerlich. In dem kleinen Marzling, wo ich seit fast 5 Jahren lebe, gab es einen politischen Frühschoppen. Um mich anzupassen, habe sogar ich schon um 11 Uhr ein Bier getrunken. 😉

Die musikalische Einstimmung verpasste ich, was ich aber auch nicht schlimm fand. Mich hat vor allem die politische Diskussion interessiert.

Als Gäste waren geladen:

  • MdL Dr. Christian Magerl
  • Landrat Michael Schwaiger
  • Bürgermeister von Freising, Dieter Werner
  • Als Moderator: Chefredakteur des Freisinger Tageblatt, Helmut Hobmaier

Die Themen waren:

  • 3. Startbahn des Münchner Flughafen
  • Ostortsumfahrung Freising (B301)
  • Erweiterung des Sportgelände
  • Asylanten im Landkreis (sic!)

Alles also eigentlich sehr regionale Themen, darum will ich Euch darüber, bis auf den letzten Punkt, auch nicht weiter informieren. Mich selber interessierte auch am meisten das Thema Asylpolitik.

Korrekterweise sprechen wir natürlich auch nicht von „Asylanten“ sondern von „Asylsuchenden“ oder „Migranten“. Das Wort „Asylanten“ ist aber in dieser Runde nicht weiter gefallen.

Hauptsächlich sprach zu dem Thema Michael Schwaiger. Er schilderte die Probleme von überfüllten Aufnahmestellen in München und das kaum noch Kapazitäten vorhanden wären. Die Situation ist jedoch, das sich unsere Regierungen auch aus den weltweiten Krisenherden mehr zurück ziehen und viele Bürger (Ja, er sagte wirklich „Bürger“) zu uns kommen. Im Landkreis besagt die Zuteilungsquote, dass ca. 160 Asylsuchende aufgenommen werden müssen, derzeit sind es 140 Menschen. Dafür werden unbedingt weitere Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. Das können auch normale Mietswohnungen sein, die zu normalen Kosten bezahlt werden. Das Landratsamt unterstützt dabei, wichtig sind aber auch die vielen freiwilligen Helfer. Desweiteren ist es ein Ziel, die Abwendung vom Sachwertprinzip (Asylsuchende müssen Lebensmittel bestellen und bekommen 3 mal die Woche eine Lieferung) hin zur Ausgabe von Gutscheinen, mit denen sie in den örtlichen Geschäften einkaufen können.

Der Moderator Helmut Hobmaier sprach davon, das die Ängste gegen Asylbewerber unbegründet sind, die Asylbewerber sind selber auch froh, wenn sie hier sein können.

Michael Schwaiger stimmte dem zu, wies aber nochmals darauf hin, das die fehlenden Unterbringungsmöglichkeiten ein großes Problem sind. Derzeit wird praktisch alles angemietet, was bau- und brandrechtlich möglich ist. In Marzling z.B. gibt es quasi keine offenen Mietwohnungen, da diese immer gleich weiter vermietet werden. Das führt auch dazu, das Asylsuchende in Unterkünften weit ab von Orten untergebracht werden müssen. Er bezeichnete die Asylbewerberverfahren teilweise als menschenverachtend, die Leute haben jede Menge Probleme, wenn sie flüchten. Wenn sie auf abweisende Bürger stoßen, fühlen sie sich nicht zu Hause.

(Meine persönliche Einschätzung ist übrigens, so wie ich das bisher in Marzling mitbekommen habe, die Immigranten freundlich aufgenommen werden und vieles versucht wird, ihnen zu helfen. Das ist auch des Öfteren eine Notiz im Marzlinger Rundblatt wert.)

Nach diesem Thema war die politische Runde fertig, mein Weißbier alle und auf das anschließende Hendl verzichtete ich. 😉 Alles in Allem war ich aber positiv überrascht von der Atmosphäre.

Zu diesem Beitrag sind keine Kommentare möglich.