Offen-siv

Die Webseite der Zeitschrift offen-siv ist ab sofort nur noch über die Adresse

www.offen-siv.net

zu erreichen. Die Domain mit der Endung .com existiert zwar weiterhin, wird aber nicht mehr gepflegt.

Auf der neuen Domain wird es bis auf wenige Ausnahmen die Zeitschrift nur noch zum Download als PDF-Datei geben. Ich denke, dass die meisten heute die Bandbreite und Technik haben, so dass das kein Problem darstellen dürfte.

In der kommenden Zeit werde ich noch ein wenig am Layout der Seite arbeiten.

Zu den Hintergründen und zum Verständnis folgender Text aus der Ausgabe 6/2012.

Anna C. Heinrich und Frank Flegel: In eigener Sache

Die offen-siv hat sich von ihrem langjährigen Herausgebergremium, dem „Verein zur Förderung demokratischer Publizistik e.V.“ getrennt, konkret gesagt, die offen-siv verzichtet auf die Herausgeberschaft.

Das Ganze hat mit den Entwicklungen der letzten Monate zwischen Kommunistischer Initiative (KI) und offen-siv zu tun. Der „Verein zur Förderung demokratischer Publizistik e.V.“ ist in diese Entwicklungen insofern eingebunden, als er mehrheitlich aus KI-Mitgliedern besteht.

Das soll nun näher erklärt werden, was aus drei Gründen aber nicht ganz einfach ist. Wir haben nämlich erstens keine inhaltlichen Differenzen mit der KI, es geht eher um Organisationspolitisches bzw. Sozialpsychologisches, wir können zweitens bestimmte Interna aus der KI bzw. der offen-siv nicht veröffentlichen, dazu ist der Klassenfeind zu aufmerksam, und wir gießen drittens ungern Jauchekübel über Genossen aus.

Im Bewusstsein dieser Einschränkungen wollen wir versuchen, die Ursachen für die entstandene Situation aufzuzeigen:

Frank war zum Bildungsbeauftragen der KI bestimmt worden, seine Aktivitäten in und für die KI waren aber wenig erfolgreich. So musste zunächst das am Ende der Kaderschulung geplante Festival „Kommunistische Kultur“ wegen Unrealisierbarkeit gestrichen werden (2010), dann brach die Kaderschulung komplett zusammen (2011). Als sich organisationsintern ideologische Schwächen in der Frage des Antiimperialismus zeigten, hier insbesondere in der Einschätzung des Staates Israel, damit des Zionismus und gleichzeitig in der Einschätzung der unterschiedlichen Spielarten des politischen Islam, vor allem Hisbollah, Hamas, Iran, wurde die Organisierung eines internen Klä-rungsprozesses beschlossen. Die Konzepte, die Frank dazu entwarf, konnten leider nicht umgesetzt werden. Der Klärungsprozess starb schon, bevor er begonnen hatte (Anfang 2012). Das bewog Frank zum Rücktritt von seinen Funktionen als Bildungsbeauftragter (März 2012). Weitere von Frank getroffene strittige Entscheidungen sowohl als Redakteur der offen-siv als auch in der Auseinandersetzung mit Gegnern der KI führten zu seinem Rückzug aus der praktischen Politik der KI und damit zum Austritt (Mai 2012).

In diesen Monaten deprimierender Selbstzweifel entstand die Überlegung, die offen-siv den besten Genossen, also den führenden Kadern der KI, zu übergeben(März/April 2012). Die Prüfung der Übergabemöglichkeiten an diese Genossen (Mai/Juni 2012) zeigte, dass es keine gab.

Nachträgliche, nicht nur den Selbstzweifel betreffende Reflexionen über die Situation bzw. über die jeweiligen Stillstände, Handlungsschranken usw. führten zu folgenden Problemanzeigen:

In der KI hat sich eine eigenartige Organisationsstruktur herausgebildet: es gibt einerseits ein jeweils gewähltes, offizielles Leitungsorgan und es gibt andererseits eine informelle Führung, die nicht gewählt und damit nicht rechenschaftspflichtig oder gar abwählbar ist, für die keine Aufgabenbereiche abgesteckt sind und für die es deshalb auch keine Schranken gibt. Das führte u.a. dazu, dass die gewählten Leitungsorgane recht schnell als inkompetent bezeichnet wurden, als Organe, die ihren Aufgaben nicht gewachsen seien. Unzweifelhaft stimmte das in einigen Fällen. Die interessante Frage ist aber die nach den Ursachen, denn das eben geschilderte Szenario wiederholte sich in der Geschichte der KI insgesamt vier Mal! Eine informelle Führung, deren Handeln und Entscheiden nicht reflektiert werden kann, führt organisationspolitisch zum Stillstand. Es bildet sich bei den Mitgliedern nämlich etwas ähnliches heraus, wie es die Sozialpsychologie mit der Erscheinung des „Au-toritären Charakters“ beschreibt: Das einzelne Mitglied wagt keinen eigenständigen praktischen Vorschlag, keine Einschätzung, äußert keine Idee, so lange die informelle Führung nicht die Linie vorgegeben hat. Tatkraft und Energie werden gelähmt, Angst vor Fehlern ist die bestimmende Emotion.

Nach dem Scheitern des Übergabeversuches der offen-siv an die führenden Genossen der KI ging es für die Redaktion darum, Bedingungen dafür herzustellen, zukünftig konstruktiv und ohne im eigenen Umkreis lauerndes Misstrauen an der Zeitschrift arbeiten zu können.
Deshalb war die organisatorische Trennung unumgänglich.

Mehr ist es aber auch nicht. Es gibt keine inhaltliche Differenz zur KI, und die offen-siv wird, herausgegeben von Frank Flegel, bleiben, was sie früher war und heute ist.
Anna C. Heinrich und Frank Flegel

P.S.: Wir haben von Gerüchten gehört, denen zufolge wir die Absicht hätten, die offen-siv zum Jahresende einzustellen. Diese Gerüchte sind falsch. Wahrscheinlich sind sie daraus entstanden, dass bruchstückhafte Informationen aus den Verhandlungen zur Übergabe der offen-siv an die führenden KI-Genossen „durchgesickert“ sind, denn dabei ging es unter anderem um einen Übergabetermin zum Jahresende. Da es aber keine Übergabe geben wird, erscheint die offen-siv weiter wie bisher mit der gleichen Redaktion – und das unbefristet.

P.P.S.: Der „Verein zur Förderung demokratischer Publizistik e.V.“ hat sich zum 1. August 2012 aufgelöst. Der Verein hat mehrheitlich beschlossen, das vorhandene Vereinsvermögen von rund 550,00 Euro, das ausschließlich durch die Mitgliedsbeiträge und nicht durch offen-siv-Spenden zusammengekommen ist, der KI für die Bildung junger Genossinnen und Genossen zur Verfügung zu stellen.

  1. 2 Reaktionen

  2. Von gewe am 3. Okt 2012 um 09:15 Uhr

    Bist Du damit auch für die inhaltliche Struktur verantwortlich?
    Bei „Über uns“ ist noch der alte Stand des Vereins benannt.

  3. Von Sepp Aigner am 5. Okt 2012 um 19:40 Uhr

    Das ist die erste Veränderung der offensiv-Site seit langem. Bis ich bei Dir den Link gefunden habe, der auf die Hefte nach 2/12 hinweist, dachte ich, die wäre eingegangen. An diesem 1. des Monats ist mir aufgefallen, das kein KI-Info kam.

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